{"id":21,"date":"2012-06-20T16:43:37","date_gmt":"2012-06-20T14:43:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?page_id=21"},"modified":"2021-02-03T18:47:03","modified_gmt":"2021-02-03T16:47:03","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?page_id=21","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"Die Technik, die man heute landl\u00e4ufig als \u201c<strong>Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei<\/strong>\u201c (siehe auch: Typische Merkmale der Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei) bezeichnet, fand ihre Verbreitung ungef\u00e4hr mit dem <strong>Beginn des 19. Jahrhun\u00adderts<\/strong>.<\/p>\n<p>Es gab aber einen Vorl\u00e4ufer schwalm\u00adtypischer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei \u2013 die \u201e<strong>Fr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei<\/strong>\u201c. Sie wurde ungef\u00e4hr ab <strong>Mitte des 18. Jahrhun\u00adderts<\/strong> praktiziert.<\/p>\n<p>Die Stickerei fand man haupt\u00ads\u00e4chlich auf reich verzierten Bettdecken, auf Paradekissen und Zierhand\u00adt\u00fcchern, an Frauen\u00admiedern und M\u00e4nner\u00adhemden, auf Ziertaschen\u00adt\u00fcchern f\u00fcr besonders festliche Anl\u00e4sse und auf Tauft\u00fcchern.<br \/>\nSolche Stickereien findet man im <a href=\"http:\/\/www.museumder\u00adschwalm.de\">&#8222;Museum der Schwalm&#8220;<\/a> in 34613 Schwalm\u00adstadt-Ziege\u00adnhain<br \/>\n und im <a href=\"http:\/\/www.dorfmuseum-holzburg.de\">&#8222;Schw\u00e4lmer Dorfmuseum Holzburg&#8220;<\/a> in 34637 Schrecksbach-Holzburg.<\/p>\n<p>Mit dem ersten Weltkrieg (1914-1918) erlebte die urspr\u00fcng\u00adliche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei einen ersten R\u00fcckgang.<\/p>\n<p>Frau Alexandra Thielmann (1881-1966) versuchte, dem entgege\u00adnzuwirken. Sie gr\u00fcndete eine Werkstatt und besch\u00e4f\u00adtigte junge Frauen und M\u00e4dchen, entwarf neue Muster und lie\u00df damit vorwiegend Tisch\u00adw\u00e4sche besticken, die in ganz Deutschland verkauft wurde.<\/p>\n<p>Das endg\u00fcltige Aus drohte der Stickerei nach dem zweiten Weltkrieg (1939-1945) in der Mitte des 20. Jahrhun\u00adderts mit dem Ablegen der Tracht und der Hinwendung zum \u201emodernen\u201c Leben.<\/p>\n<p>Viele engagierte Frauen versuchten, sich dem entgege\u00adnzus\u00adtemmen.<\/p>\n<p>Thekla Gombert (1899-1981) machte \u2013 nicht zuletzt durch die Ver\u00f6f\u00adfent\u00adlichung ihrer B\u00fccher \u2013 die Stickerei weit \u00fcber die Schwalm hinaus bekannt. Und in den 70er Jahren des 20. Jahrhun\u00adderts ergriffen die Volkshoch\u00adschulen und die Landfrauen\u00advereine gro\u00dfe Initiativen, um das Wissen und K\u00f6nnen dieser einmaligen Stick\u00adtechnik am Leben zu erhalten. Als \u201eHessen\u00adstic\u00adkerei\u201c bezeichnet erwachte sie zu neuem Leben.<\/p>\n<p>Ge\u00e4n\u00adderter Arbeit\u00adsalltag, ver\u00e4n\u00adderte Freizeitge\u00adstaltung und moderne Medien dr\u00e4ngten die Handarbeit allgemein und so auch die Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei immer mehr in den Hinter\u00adgrund. Heute wird die Technik in Deutschland nicht mehr fl\u00e4chen\u00addeckend, aber dennoch von einer statt\u00adlichen Anzahl \u2013 aller\u00addings meist \u00e4lterer Frauen \u2013 beherrscht.<\/p>\n<p>Die Globalisierung und das Internet\u00adzeitalter aber tragen dazu bei, dass sich immer mehr Menschen rund um die ganze Welt f\u00fcr diese einzigartige Stickerei interes\u00adsieren und sie praktizieren. Zahlreiche B\u00fccher \u2013 in unter\u00adschied\u00adlicher Qualit\u00e4t &#8211; erscheinen zu diesem Thema in verschiedensten Sprachen und dienen so der Erhaltung der Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei, die sich heute facetten\u00adreicher denn je zeigt.<\/p>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">Modelbuch<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Modelbuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"Modelbuch\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Modelbuch-280x315.jpg\" alt=\"Modelbuch\" width=\"280\" height=\"315\" \/><\/a>Mit der Erfindung der Buchdrucker\u00adkunst entstanden zu Beginn des 16. Jahrhun\u00adderts die ersten Model\u00adb\u00fccher. Sie verbreiteten sich \u00fcber ganz Europa.<\/p>\n<p>Es gab Vorlagen f\u00fcr fadenge\u00adbundene (gez\u00e4hlte) sowie auch f\u00fcr nicht-fadenge\u00adbundene (freie) Stickereien.<\/p>\n<p>Die fadengebun\u00addenen Stickereien blieben \u00fcber Jahrhun\u00adderte hinweg weitgehend gleich, w\u00e4hrend die nicht-fadengebun\u00addenen Stickereien starkem Wandel unter\u00adlagen. Nicht viele Leute konnten sich den Erwerb eines teuren Buches leisten, und so wurden die Muster durch Abzeichnen verbreitet und weiterge\u00adgeben. Dadurch entstanden zwangs\u00adl\u00e4ufig gering\u00adf\u00fcgige Unge\u00adnauig\u00adkeiten und Abweic\u00adhungen, die im Laufe der Zeit zu sehr unter\u00adschied\u00adlichen Musterungen in den verschiedenen Regionen Europas gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>Abge\u00adwandelt wurden aber nicht nur die Muster\u00adzeich\u00adnungen, sondern auch die Techniken, in denen diese Muster gear\u00adbeitet wurden. Zeitge\u00adschmack und die Begeis\u00adterungs\u00adf\u00e4higkeit Einzelner f\u00fchrte dazu, dass durch den Austausch einzelner Elemente die Stickerei abge\u00adwandelt wurde und sich allm\u00e4hlich ver\u00e4n\u00adderte.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Beispiel-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Beispiel-1-280x280.jpg\" alt=\"Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei\" width=\"280\" height=\"280\" \/><\/a>Die urspr\u00fcng\u00adliche Art zeigt dicht bestickte, gerade Borten meist gro\u00dfer Motive wie Herz, Tulpe, &#8222;Sonne&#8220; und Korb oder Blumentopf. Diese Motive wurden mit unter\u00adschied\u00adlichsten Durch\u00adbruch\u00admustern verziert. Umran\u00addungen, Stiele und Ranken wurden in Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstichen ausge\u00adf\u00fchrt. Freir\u00ad\u00e4ume zwischen den gro\u00dfen Motiven wurden mit Bl\u00e4ttchen und Ranken gef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Diese Borten wurden fast immer begrenzt durch K\u00e4st\u00adchen\u00adhohlsaum oder durch Erbsloch\u00adhohlsaum, meistens aber durch Stopfhohl\u00ads\u00e4ume.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">Fr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00dfstickerei\u00ad<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Beispiel-2-c.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"Fr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00ad\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Beispiel-2-c-280x256.jpg\" alt=\"Fr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00ad\" width=\"280\" height=\"256\" \/><\/a>Es gab aber einen Vorl\u00e4ufer schwalm\u00adtypischer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei \u2013 die \u201eFr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei\u201c. Sie wurde ungef\u00e4hr ab Mitte des 18. Jahrhun\u00adderts praktiziert.<\/p>\n<p>Diese Technik zeigte die gleichen Motive \u2013 Herzen, Sonnen, Tulpen und andere Blumen in \u00e4hnlicher Anordnung. V\u00f6gel waren eher rar und auch die spiral\u00adf\u00f6r\u00admigen Ranken wurden sparsamer einge\u00adsetzt, daf\u00fcr fand man viele kleine Bl\u00e4tter.<\/p>\n<p>Die Umrisse der Motive und die Stiele jedoch wurden nicht mit Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstich gear\u00adbeitet, sondern meistens mit Stiel\u00adstichen, manchmal auch mit Ketten\u00adstichen nachge\u00adzeichnet. Und die Motive wurden nicht mit Limet\u00admustern (Durch\u00adbruch\u00admustern) und Lichten Mustern gef\u00fcllt, sondern meistens mit auf dem Stoff aufliegenden Mustern oder Platt\u00adstich\u00admustern.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">\u00dcber\u00adgangs\u00adformen<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zwischenzeit-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"\u00dcber\u00adgangs\u00adformen\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zwischenzeit-2-280x258.jpg\" alt=\"\u00dcber\u00adgangs\u00adformen\" width=\"280\" height=\"258\" \/><\/a>Dazwischen gab es \u00dcber\u00adgangs\u00adformen, die sowohl aufliegende Muster und Platt\u00adstich\u00admuster als auch Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstiche zeigen.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">Bett\u00fcberwurf aus 1876<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Bett\u00fcberwurf.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"Bett\u00fcberwurf\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Bett\u00fcberwurf-280x263.jpg\" alt=\"Bett\u00fcberwurf\" width=\"280\" height=\"263\" \/><\/a>Bett\u00fcber\u00adw\u00fcrfe \u2013 wie dieser aus dem Jahre 1876 \u2013 wurden am Kopfende und meist an der dem Raum zugewandten Seite reich verziert.<br \/>\nAm Kopfende erhielten sie einen breiten \u00dcber\u00adschlag.<br \/>\nSo wurden sie zum Teil von der rechten, zum anderen Teil von der linken Stoff\u00adseite aus bestickt, damit am Ende auch die Muster des \u00dcber\u00adschlages von rechts erschienen.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">Paradekissen<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Paradekissen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"Paradekissen\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Paradekissen-280x243.jpg\" alt=\"Paradekissen\" width=\"280\" height=\"243\" \/><\/a>\u201eParadekissen\u201c waren gro\u00dfe Kissenbe\u00adz\u00fcge. Sie waren prall gef\u00fcllt und mit rotem Inlett ausge\u00adstattet. So kamen Stopfhohl\u00ads\u00e4ume und pr\u00e4chtige Muster\u00adborten besonders gut zur Geltung. Die Muster \u201eprahlten\u201c, wie es im Volksmund hie\u00df. Paradekissen und Bett\u00fcber\u00adw\u00fcrfe wurden nur an beson\u00adderen Festtagen und auch nur zur Zierde verwendet.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">Frauen\u00admieder<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Frauenmieder.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"Frauenmieder\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Frauenmieder-280x217.jpg\" alt=\"Frauenmieder\" width=\"280\" height=\"217\" \/><\/a>Die meisten Frauen\u00admieder wurden unter Westen getragen. Daher waren Vorder- und R\u00fccken\u00adteile sehr schlicht gehalten. Die \u00c4rmelum\u00adschl\u00e4ge aber waren daf\u00fcr umso pr\u00e4ch\u00adtiger geschm\u00fcckt: mit breiten Muster\u00adborten, aufwen\u00addigen Stopfhohl\u00ads\u00e4umen und kunst\u00advollen Nadel\u00adspitzen.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">Mieder\u00adj\u00e4ckchen<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Miederj\u00e4ckchen-schwarz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"Miederj\u00e4ckchen\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Miederj\u00e4ckchen-schwarz-280x220.jpg\" alt=\"Miederj\u00e4ckchen\" width=\"280\" height=\"220\" \/><\/a>Es gab aber auch Mieder\u00adj\u00e4ckchen, die dann auch an den Front\u00adleisten aufwendige Stickereien und Nadel\u00adspitzen zeigten. Diese Mieder\u00adj\u00e4ckchen wurden nach Beenden der Handarbeit schwarz einge\u00adf\u00e4rbt und mittels Wachs zum Gl\u00e4nzen gebracht.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">M\u00e4nner\u00adhemden<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/M\u00e4nnerhemd-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"M\u00e4nnerhemd\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/M\u00e4nnerhemd-2-280x287.jpg\" alt=\"M\u00e4nnerhemd\" width=\"280\" height=\"287\" \/><\/a>Die M\u00e4nner\u00adhemden f\u00fcr den Feier\u00adtags\u00adstaat zeigten feine Stickereien und Nadel\u00adspitze, manchmal auch noch Stopfhohl\u00ads\u00e4ume, an Kragen, Manschetten und Halsaus\u00adschnitt.<\/p>\n<p>Br\u00e4utigam\u00adshemden waren auch im R\u00fcckenteil aufwendig bestickt und mit einer \u201eKrone\u201c versehen.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">Ziertaschen\u00adt\u00fccher<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Paradetaschentuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"Paradetaschentuch\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Paradetaschentuch-280x242.jpg\" alt=\"Paradetaschentuch\" width=\"280\" height=\"242\" \/><\/a>Zu Abendmahlsgottes\u00addiensten an besonders hohen Feier\u00adtagen trug man zur Zierde Taschen\u00adt\u00fccher, die auf feinstem Leinen\u00adbatist bestickt und meist mit einer Kl\u00f6ppel\u00adspitze einge\u00adfasst wurden. Diese T\u00fccher wurden nach Fertig\u00adstellung der Stickerei blau einge\u00adf\u00e4rbt.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">Alexandra Thielmann<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Thielmann-7D99.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"Alexandra Thielmann\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Thielmann-7D99-280x280.jpg\" alt=\"Alexandra Thielmann\" width=\"280\" height=\"280\" \/><\/a>Mit dem Zur\u00fcck\u00adgehen der Tracht und der damit verbun\u00addenen strengen, b\u00e4uer\u00adlichen Lebensweise suchte man nach anderen Verwen\u00addungs\u00adm\u00f6g\u00adlich\u00adkeiten f\u00fcr die Stickerei. Damit einher\u00adgehend kam auch eine Wandlung der Muster\u00adzeich\u00adnungen.<br \/>\nAlexandra Thielmann (1881 -1966) \u201eentschlackte\u201c die Entw\u00fcrfe und entwarf neue Bl\u00fcten\u00adformen. In fast all ihren Mustern findet man viele, spitz zulaufende Bl\u00e4tter. Einer\u00adseits passte sie sie dadurch dem Zeitge\u00adschmack an, anderer\u00adseits war die Stickerei nicht mehr ganz so zeitauf\u00adw\u00e4ndig und blieb auf diese Weise bezahlbar.<br \/>\nMit diesen Mustern wurden in ihrer &#8211; Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhun\u00adderts gegr\u00fcn\u00addeten &#8211; Werkst\u00e4tte f\u00fcr Schw\u00e4lmer Bauer\u00adnstic\u00adkerei Kinder\u00adkleider aller Art, Damenk\u00adleider, feine Taschen\u00adt\u00fccher, Leib- und Bettw\u00e4sche, Sofakissen, Altar\u00addecken, haupt\u00ads\u00e4chlich aber Tisch\u00addecken bestickt und in ganz Deutschland verkauft.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"width: 100%; float: left;\">\n<h2 style=\"width: 100%;\">Thekla Gombert<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Gombert-1-1984-a4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-280-breit\" title=\"Thekla Gombert\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Gombert-1-1984-a4-280x278.jpg\" alt=\"Thekla Gombert\" width=\"280\" height=\"278\" \/><\/a>Thekla Gombert (1899 -1981) \u201emoder\u00adnisierte\u201c die Entw\u00fcrfe ein weiteres Mal. Klare, nicht allzu gro\u00dfe Formen und abge\u00adrundete oder sehr viele kleine Bl\u00e4tter sind ihr typisches Merkmal.<br \/>\nMit der Herausgabe ihrer Anleitungs\u00adb\u00fccher Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhun\u00adderts leistete sie einen gro\u00dfen Beitrag zur Erhaltung und Verbreitung der Technik der Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei.<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Technik, die man heute landl\u00e4ufig als \u201cSchw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei\u201c (siehe auch: Typische Merkmale der Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei) bezeichnet, fand ihre Verbreitung ungef\u00e4hr mit dem Beginn des 19. Jahrhun\u00adderts. Es gab aber einen Vorl\u00e4ufer schwalm\u00adtypischer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei \u2013 die \u201eFr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei\u201c. Sie wurde ungef\u00e4hr ab Mitte des 18. Jahrhun\u00adderts praktiziert. Die Stickerei fand man haupt\u00ads\u00e4chlich auf reich verzierten Bettdecken, auf Paradekissen und Zierhand\u00adt\u00fcchern, an Frauen\u00admiedern und M\u00e4nner\u00adhemden, auf Ziertaschen\u00adt\u00fcchern f\u00fcr besonders festliche Anl\u00e4sse und auf Tauft\u00fcchern. Solche Stickereien findet man im &#8222;Museum der Schwalm&#8220; in 34613 Schwalm\u00adstadt-Ziege\u00adnhain und im &#8222;Schw\u00e4lmer Dorfmuseum Holzburg&#8220; in 34637 Schrecksbach-Holzburg. Mit dem ersten Weltkrieg (1914-1918) erlebte die urspr\u00fcng\u00adliche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei einen ersten R\u00fcckgang. Frau Alexandra Thielmann (1881-1966) versuchte, dem entgege\u00adnzuwirken. Sie gr\u00fcndete eine Werkstatt und besch\u00e4f\u00adtigte junge Frauen und M\u00e4dchen, entwarf neue Muster und lie\u00df damit vorwiegend Tisch\u00adw\u00e4sche besticken, die in ganz Deutschland verkauft wurde. Das endg\u00fcltige Aus drohte der Stickerei nach dem zweiten Weltkrieg (1939-1945) in der Mitte des 20. Jahrhun\u00adderts mit dem Ablegen der Tracht und der Hinwendung zum \u201emodernen\u201c Leben. Viele engagierte Frauen versuchten, sich dem entgege\u00adnzus\u00adtemmen. Thekla Gombert (1899-1981) machte \u2013 nicht zuletzt durch die Ver\u00f6f\u00adfent\u00adlichung ihrer B\u00fccher \u2013 die Stickerei weit \u00fcber die Schwalm hinaus bekannt. Und in den 70er Jahren des 20. Jahrhun\u00adderts ergriffen die Volkshoch\u00adschulen und die Landfrauen\u00advereine gro\u00dfe Initiativen, um das Wissen und K\u00f6nnen dieser einmaligen Stick\u00adtechnik am Leben zu erhalten. Als \u201eHessen\u00adstic\u00adkerei\u201c bezeichnet erwachte sie zu neuem Leben. Ge\u00e4n\u00adderter Arbeit\u00adsalltag, ver\u00e4n\u00adderte Freizeitge\u00adstaltung und moderne Medien dr\u00e4ngten die Handarbeit allgemein und so auch die Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei immer mehr in den Hinter\u00adgrund. Heute wird die Technik in Deutschland nicht mehr fl\u00e4chen\u00addeckend, aber dennoch von einer statt\u00adlichen Anzahl \u2013 aller\u00addings meist \u00e4lterer Frauen \u2013 beherrscht. Die Globalisierung und das Internet\u00adzeitalter aber tragen dazu bei, dass sich immer mehr Menschen rund um die ganze Welt f\u00fcr diese einzigartige Stickerei interes\u00adsieren und sie praktizieren. Zahlreiche B\u00fccher \u2013 in unter\u00adschied\u00adlicher Qualit\u00e4t &#8211; erscheinen zu diesem Thema in verschiedensten Sprachen und dienen so der Erhaltung der Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei, die sich heute facetten\u00adreicher denn je zeigt. Modelbuch Mit der Erfindung der Buchdrucker\u00adkunst entstanden zu Beginn des 16. Jahrhun\u00adderts die ersten Model\u00adb\u00fccher. Sie verbreiteten sich \u00fcber ganz Europa. Es gab Vorlagen f\u00fcr fadenge\u00adbundene (gez\u00e4hlte) sowie auch f\u00fcr nicht-fadenge\u00adbundene (freie) Stickereien. Die fadengebun\u00addenen Stickereien blieben \u00fcber Jahrhun\u00adderte hinweg weitgehend gleich, w\u00e4hrend die nicht-fadengebun\u00addenen Stickereien starkem Wandel unter\u00adlagen. Nicht viele Leute konnten sich den Erwerb eines teuren Buches leisten, und so wurden die Muster durch Abzeichnen verbreitet und weiterge\u00adgeben. Dadurch entstanden zwangs\u00adl\u00e4ufig gering\u00adf\u00fcgige Unge\u00adnauig\u00adkeiten und Abweic\u00adhungen, die im Laufe der Zeit zu sehr unter\u00adschied\u00adlichen Musterungen in den verschiedenen Regionen Europas gef\u00fchrt haben. Abge\u00adwandelt wurden aber nicht nur die Muster\u00adzeich\u00adnungen, sondern auch die Techniken, in denen diese Muster gear\u00adbeitet wurden. Zeitge\u00adschmack und die Begeis\u00adterungs\u00adf\u00e4higkeit Einzelner f\u00fchrte dazu, dass durch den Austausch einzelner Elemente die Stickerei abge\u00adwandelt wurde und sich allm\u00e4hlich ver\u00e4n\u00adderte. Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei Die urspr\u00fcng\u00adliche Art zeigt dicht bestickte, gerade Borten meist gro\u00dfer Motive wie Herz, Tulpe, &#8222;Sonne&#8220; und Korb oder Blumentopf. Diese Motive wurden mit unter\u00adschied\u00adlichsten Durch\u00adbruch\u00admustern verziert. Umran\u00addungen, Stiele und Ranken wurden in Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstichen ausge\u00adf\u00fchrt. Freir\u00ad\u00e4ume zwischen den gro\u00dfen Motiven wurden mit Bl\u00e4ttchen und Ranken gef\u00fcllt. Diese Borten wurden fast immer begrenzt durch K\u00e4st\u00adchen\u00adhohlsaum oder durch Erbsloch\u00adhohlsaum, meistens aber durch Stopfhohl\u00ads\u00e4ume. Fr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00dfstickerei\u00ad Es gab aber einen Vorl\u00e4ufer schwalm\u00adtypischer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei \u2013 die \u201eFr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei\u201c. Sie wurde ungef\u00e4hr ab Mitte des 18. Jahrhun\u00adderts praktiziert. Diese Technik zeigte die gleichen Motive \u2013 Herzen, Sonnen, Tulpen und andere Blumen in \u00e4hnlicher Anordnung. V\u00f6gel waren eher rar und auch die spiral\u00adf\u00f6r\u00admigen Ranken wurden sparsamer einge\u00adsetzt, daf\u00fcr fand man viele kleine Bl\u00e4tter. Die Umrisse der Motive und die Stiele jedoch wurden nicht mit Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstich gear\u00adbeitet, sondern meistens mit Stiel\u00adstichen, manchmal auch mit Ketten\u00adstichen nachge\u00adzeichnet. Und die Motive wurden nicht mit Limet\u00admustern (Durch\u00adbruch\u00admustern) und Lichten Mustern gef\u00fcllt, sondern meistens mit auf dem Stoff aufliegenden Mustern oder Platt\u00adstich\u00admustern. \u00dcber\u00adgangs\u00adformen Dazwischen gab es \u00dcber\u00adgangs\u00adformen, die sowohl aufliegende Muster und Platt\u00adstich\u00admuster als auch Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstiche zeigen. Bett\u00fcberwurf aus 1876 Bett\u00fcber\u00adw\u00fcrfe \u2013 wie dieser aus dem Jahre 1876 \u2013 wurden am Kopfende und meist an der dem Raum zugewandten Seite reich verziert. Am Kopfende erhielten sie einen breiten \u00dcber\u00adschlag. So wurden sie zum Teil von der rechten, zum anderen Teil von der linken Stoff\u00adseite aus bestickt, damit am Ende auch die Muster des \u00dcber\u00adschlages von rechts erschienen. Paradekissen \u201eParadekissen\u201c waren gro\u00dfe Kissenbe\u00adz\u00fcge. Sie waren prall gef\u00fcllt und mit rotem Inlett ausge\u00adstattet. So kamen Stopfhohl\u00ads\u00e4ume und pr\u00e4chtige Muster\u00adborten besonders gut zur Geltung. Die Muster \u201eprahlten\u201c, wie es im Volksmund hie\u00df. Paradekissen und Bett\u00fcber\u00adw\u00fcrfe wurden nur an beson\u00adderen Festtagen und auch nur zur Zierde verwendet. Frauen\u00admieder Die meisten Frauen\u00admieder wurden unter Westen getragen. Daher waren Vorder- und R\u00fccken\u00adteile sehr schlicht gehalten. Die \u00c4rmelum\u00adschl\u00e4ge aber waren daf\u00fcr umso pr\u00e4ch\u00adtiger geschm\u00fcckt: mit breiten Muster\u00adborten, aufwen\u00addigen Stopfhohl\u00ads\u00e4umen und kunst\u00advollen Nadel\u00adspitzen. Mieder\u00adj\u00e4ckchen Es gab aber auch Mieder\u00adj\u00e4ckchen, die dann auch an den Front\u00adleisten aufwendige Stickereien und Nadel\u00adspitzen zeigten. Diese Mieder\u00adj\u00e4ckchen wurden nach Beenden der Handarbeit schwarz einge\u00adf\u00e4rbt und mittels Wachs zum Gl\u00e4nzen gebracht. M\u00e4nner\u00adhemden Die M\u00e4nner\u00adhemden f\u00fcr den Feier\u00adtags\u00adstaat zeigten feine Stickereien und Nadel\u00adspitze, manchmal auch noch Stopfhohl\u00ads\u00e4ume, an Kragen, Manschetten und Halsaus\u00adschnitt. Br\u00e4utigam\u00adshemden waren auch im R\u00fcckenteil aufwendig bestickt und mit einer \u201eKrone\u201c versehen. Ziertaschen\u00adt\u00fccher Zu Abendmahlsgottes\u00addiensten an besonders hohen Feier\u00adtagen trug man zur Zierde Taschen\u00adt\u00fccher, die auf feinstem Leinen\u00adbatist bestickt und meist mit einer Kl\u00f6ppel\u00adspitze einge\u00adfasst wurden. Diese T\u00fccher wurden nach Fertig\u00adstellung der Stickerei blau einge\u00adf\u00e4rbt. Alexandra Thielmann Mit dem Zur\u00fcck\u00adgehen der Tracht und der damit verbun\u00addenen strengen, b\u00e4uer\u00adlichen Lebensweise suchte man nach anderen Verwen\u00addungs\u00adm\u00f6g\u00adlich\u00adkeiten f\u00fcr die Stickerei. Damit einher\u00adgehend kam auch eine Wandlung der Muster\u00adzeich\u00adnungen. Alexandra Thielmann (1881 -1966) \u201eentschlackte\u201c die Entw\u00fcrfe und entwarf neue Bl\u00fcten\u00adformen. In fast all ihren Mustern findet man viele, spitz zulaufende Bl\u00e4tter. Einer\u00adseits passte sie sie dadurch dem Zeitge\u00adschmack an, anderer\u00adseits war die Stickerei nicht mehr ganz so zeitauf\u00adw\u00e4ndig und blieb auf diese Weise bezahlbar. Mit diesen Mustern wurden in ihrer &#8211; Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhun\u00adderts gegr\u00fcn\u00addeten &#8211; Werkst\u00e4tte f\u00fcr Schw\u00e4lmer Bauer\u00adnstic\u00adkerei Kinder\u00adkleider aller Art, Damenk\u00adleider, feine Taschen\u00adt\u00fccher, Leib- und Bettw\u00e4sche, Sofakissen, Altar\u00addecken, haupt\u00ads\u00e4chlich aber Tisch\u00addecken bestickt und in ganz Deutschland verkauft. 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Jahrhun\u00adderts. Es gab aber einen Vorl\u00e4ufer schwalm\u00adtypischer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei \u2013 die \u201eFr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei\u201c. Sie wurde ungef\u00e4hr ab Mitte des 18. Jahrhun\u00adderts praktiziert. Die Stickerei fand man haupt\u00ads\u00e4chlich auf reich verzierten Bettdecken, auf Paradekissen und Zierhand\u00adt\u00fcchern, an Frauen\u00admiedern und M\u00e4nner\u00adhemden, auf Ziertaschen\u00adt\u00fcchern f\u00fcr besonders festliche Anl\u00e4sse und auf Tauft\u00fcchern. Solche Stickereien findet man im &#8222;Museum der Schwalm&#8220; in 34613 Schwalm\u00adstadt-Ziege\u00adnhain und im &#8222;Schw\u00e4lmer Dorfmuseum Holzburg&#8220; in 34637 Schrecksbach-Holzburg. Mit dem ersten Weltkrieg (1914-1918) erlebte die urspr\u00fcng\u00adliche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei einen ersten R\u00fcckgang. Frau Alexandra Thielmann (1881-1966) versuchte, dem entgege\u00adnzuwirken. Sie gr\u00fcndete eine Werkstatt und besch\u00e4f\u00adtigte junge Frauen und M\u00e4dchen, entwarf neue Muster und lie\u00df damit vorwiegend Tisch\u00adw\u00e4sche besticken, die in ganz Deutschland verkauft wurde. Das endg\u00fcltige Aus drohte der Stickerei nach dem zweiten Weltkrieg (1939-1945) in der Mitte des 20. Jahrhun\u00adderts mit dem Ablegen der Tracht und der Hinwendung zum \u201emodernen\u201c Leben. Viele engagierte Frauen versuchten, sich dem entgege\u00adnzus\u00adtemmen. Thekla Gombert (1899-1981) machte \u2013 nicht zuletzt durch die Ver\u00f6f\u00adfent\u00adlichung ihrer B\u00fccher \u2013 die Stickerei weit \u00fcber die Schwalm hinaus bekannt. Und in den 70er Jahren des 20. Jahrhun\u00adderts ergriffen die Volkshoch\u00adschulen und die Landfrauen\u00advereine gro\u00dfe Initiativen, um das Wissen und K\u00f6nnen dieser einmaligen Stick\u00adtechnik am Leben zu erhalten. Als \u201eHessen\u00adstic\u00adkerei\u201c bezeichnet erwachte sie zu neuem Leben. Ge\u00e4n\u00adderter Arbeit\u00adsalltag, ver\u00e4n\u00adderte Freizeitge\u00adstaltung und moderne Medien dr\u00e4ngten die Handarbeit allgemein und so auch die Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei immer mehr in den Hinter\u00adgrund. Heute wird die Technik in Deutschland nicht mehr fl\u00e4chen\u00addeckend, aber dennoch von einer statt\u00adlichen Anzahl \u2013 aller\u00addings meist \u00e4lterer Frauen \u2013 beherrscht. Die Globalisierung und das Internet\u00adzeitalter aber tragen dazu bei, dass sich immer mehr Menschen rund um die ganze Welt f\u00fcr diese einzigartige Stickerei interes\u00adsieren und sie praktizieren. Zahlreiche B\u00fccher \u2013 in unter\u00adschied\u00adlicher Qualit\u00e4t &#8211; erscheinen zu diesem Thema in verschiedensten Sprachen und dienen so der Erhaltung der Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei, die sich heute facetten\u00adreicher denn je zeigt. Modelbuch Mit der Erfindung der Buchdrucker\u00adkunst entstanden zu Beginn des 16. Jahrhun\u00adderts die ersten Model\u00adb\u00fccher. Sie verbreiteten sich \u00fcber ganz Europa. Es gab Vorlagen f\u00fcr fadenge\u00adbundene (gez\u00e4hlte) sowie auch f\u00fcr nicht-fadenge\u00adbundene (freie) Stickereien. Die fadengebun\u00addenen Stickereien blieben \u00fcber Jahrhun\u00adderte hinweg weitgehend gleich, w\u00e4hrend die nicht-fadengebun\u00addenen Stickereien starkem Wandel unter\u00adlagen. Nicht viele Leute konnten sich den Erwerb eines teuren Buches leisten, und so wurden die Muster durch Abzeichnen verbreitet und weiterge\u00adgeben. Dadurch entstanden zwangs\u00adl\u00e4ufig gering\u00adf\u00fcgige Unge\u00adnauig\u00adkeiten und Abweic\u00adhungen, die im Laufe der Zeit zu sehr unter\u00adschied\u00adlichen Musterungen in den verschiedenen Regionen Europas gef\u00fchrt haben. Abge\u00adwandelt wurden aber nicht nur die Muster\u00adzeich\u00adnungen, sondern auch die Techniken, in denen diese Muster gear\u00adbeitet wurden. Zeitge\u00adschmack und die Begeis\u00adterungs\u00adf\u00e4higkeit Einzelner f\u00fchrte dazu, dass durch den Austausch einzelner Elemente die Stickerei abge\u00adwandelt wurde und sich allm\u00e4hlich ver\u00e4n\u00adderte. Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei Die urspr\u00fcng\u00adliche Art zeigt dicht bestickte, gerade Borten meist gro\u00dfer Motive wie Herz, Tulpe, &#8222;Sonne&#8220; und Korb oder Blumentopf. Diese Motive wurden mit unter\u00adschied\u00adlichsten Durch\u00adbruch\u00admustern verziert. Umran\u00addungen, Stiele und Ranken wurden in Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstichen ausge\u00adf\u00fchrt. Freir\u00ad\u00e4ume zwischen den gro\u00dfen Motiven wurden mit Bl\u00e4ttchen und Ranken gef\u00fcllt. Diese Borten wurden fast immer begrenzt durch K\u00e4st\u00adchen\u00adhohlsaum oder durch Erbsloch\u00adhohlsaum, meistens aber durch Stopfhohl\u00ads\u00e4ume. Fr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00dfstickerei\u00ad Es gab aber einen Vorl\u00e4ufer schwalm\u00adtypischer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei \u2013 die \u201eFr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei\u201c. Sie wurde ungef\u00e4hr ab Mitte des 18. Jahrhun\u00adderts praktiziert. Diese Technik zeigte die gleichen Motive \u2013 Herzen, Sonnen, Tulpen und andere Blumen in \u00e4hnlicher Anordnung. V\u00f6gel waren eher rar und auch die spiral\u00adf\u00f6r\u00admigen Ranken wurden sparsamer einge\u00adsetzt, daf\u00fcr fand man viele kleine Bl\u00e4tter. Die Umrisse der Motive und die Stiele jedoch wurden nicht mit Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstich gear\u00adbeitet, sondern meistens mit Stiel\u00adstichen, manchmal auch mit Ketten\u00adstichen nachge\u00adzeichnet. Und die Motive wurden nicht mit Limet\u00admustern (Durch\u00adbruch\u00admustern) und Lichten Mustern gef\u00fcllt, sondern meistens mit auf dem Stoff aufliegenden Mustern oder Platt\u00adstich\u00admustern. \u00dcber\u00adgangs\u00adformen Dazwischen gab es \u00dcber\u00adgangs\u00adformen, die sowohl aufliegende Muster und Platt\u00adstich\u00admuster als auch Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstiche zeigen. Bett\u00fcberwurf aus 1876 Bett\u00fcber\u00adw\u00fcrfe \u2013 wie dieser aus dem Jahre 1876 \u2013 wurden am Kopfende und meist an der dem Raum zugewandten Seite reich verziert. Am Kopfende erhielten sie einen breiten \u00dcber\u00adschlag. So wurden sie zum Teil von der rechten, zum anderen Teil von der linken Stoff\u00adseite aus bestickt, damit am Ende auch die Muster des \u00dcber\u00adschlages von rechts erschienen. Paradekissen \u201eParadekissen\u201c waren gro\u00dfe Kissenbe\u00adz\u00fcge. Sie waren prall gef\u00fcllt und mit rotem Inlett ausge\u00adstattet. So kamen Stopfhohl\u00ads\u00e4ume und pr\u00e4chtige Muster\u00adborten besonders gut zur Geltung. Die Muster \u201eprahlten\u201c, wie es im Volksmund hie\u00df. Paradekissen und Bett\u00fcber\u00adw\u00fcrfe wurden nur an beson\u00adderen Festtagen und auch nur zur Zierde verwendet. Frauen\u00admieder Die meisten Frauen\u00admieder wurden unter Westen getragen. Daher waren Vorder- und R\u00fccken\u00adteile sehr schlicht gehalten. Die \u00c4rmelum\u00adschl\u00e4ge aber waren daf\u00fcr umso pr\u00e4ch\u00adtiger geschm\u00fcckt: mit breiten Muster\u00adborten, aufwen\u00addigen Stopfhohl\u00ads\u00e4umen und kunst\u00advollen Nadel\u00adspitzen. Mieder\u00adj\u00e4ckchen Es gab aber auch Mieder\u00adj\u00e4ckchen, die dann auch an den Front\u00adleisten aufwendige Stickereien und Nadel\u00adspitzen zeigten. Diese Mieder\u00adj\u00e4ckchen wurden nach Beenden der Handarbeit schwarz einge\u00adf\u00e4rbt und mittels Wachs zum Gl\u00e4nzen gebracht. M\u00e4nner\u00adhemden Die M\u00e4nner\u00adhemden f\u00fcr den Feier\u00adtags\u00adstaat zeigten feine Stickereien und Nadel\u00adspitze, manchmal auch noch Stopfhohl\u00ads\u00e4ume, an Kragen, Manschetten und Halsaus\u00adschnitt. Br\u00e4utigam\u00adshemden waren auch im R\u00fcckenteil aufwendig bestickt und mit einer \u201eKrone\u201c versehen. Ziertaschen\u00adt\u00fccher Zu Abendmahlsgottes\u00addiensten an besonders hohen Feier\u00adtagen trug man zur Zierde Taschen\u00adt\u00fccher, die auf feinstem Leinen\u00adbatist bestickt und meist mit einer Kl\u00f6ppel\u00adspitze einge\u00adfasst wurden. Diese T\u00fccher wurden nach Fertig\u00adstellung der Stickerei blau einge\u00adf\u00e4rbt. Alexandra Thielmann Mit dem Zur\u00fcck\u00adgehen der Tracht und der damit verbun\u00addenen strengen, b\u00e4uer\u00adlichen Lebensweise suchte man nach anderen Verwen\u00addungs\u00adm\u00f6g\u00adlich\u00adkeiten f\u00fcr die Stickerei. Damit einher\u00adgehend kam auch eine Wandlung der Muster\u00adzeich\u00adnungen. Alexandra Thielmann (1881 -1966) \u201eentschlackte\u201c die Entw\u00fcrfe und entwarf neue Bl\u00fcten\u00adformen. In fast all ihren Mustern findet man viele, spitz zulaufende Bl\u00e4tter. Einer\u00adseits passte sie sie dadurch dem Zeitge\u00adschmack an, anderer\u00adseits war die Stickerei nicht mehr ganz so zeitauf\u00adw\u00e4ndig und blieb auf diese Weise bezahlbar. Mit diesen Mustern wurden in ihrer &#8211; Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhun\u00adderts gegr\u00fcn\u00addeten &#8211; Werkst\u00e4tte f\u00fcr Schw\u00e4lmer Bauer\u00adnstic\u00adkerei Kinder\u00adkleider aller Art, Damenk\u00adleider, feine Taschen\u00adt\u00fccher, Leib- und Bettw\u00e4sche, Sofakissen, Altar\u00addecken, haupt\u00ads\u00e4chlich aber Tisch\u00addecken bestickt und in ganz Deutschland verkauft. 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Jahrhun\u00adderts. Es gab aber einen Vorl\u00e4ufer schwalm\u00adtypischer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei \u2013 die \u201eFr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei\u201c. Sie wurde ungef\u00e4hr ab Mitte des 18. Jahrhun\u00adderts praktiziert. Die Stickerei fand man haupt\u00ads\u00e4chlich auf reich verzierten Bettdecken, auf Paradekissen und Zierhand\u00adt\u00fcchern, an Frauen\u00admiedern und M\u00e4nner\u00adhemden, auf Ziertaschen\u00adt\u00fcchern f\u00fcr besonders festliche Anl\u00e4sse und auf Tauft\u00fcchern. Solche Stickereien findet man im &#8222;Museum der Schwalm&#8220; in 34613 Schwalm\u00adstadt-Ziege\u00adnhain und im &#8222;Schw\u00e4lmer Dorfmuseum Holzburg&#8220; in 34637 Schrecksbach-Holzburg. Mit dem ersten Weltkrieg (1914-1918) erlebte die urspr\u00fcng\u00adliche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei einen ersten R\u00fcckgang. Frau Alexandra Thielmann (1881-1966) versuchte, dem entgege\u00adnzuwirken. Sie gr\u00fcndete eine Werkstatt und besch\u00e4f\u00adtigte junge Frauen und M\u00e4dchen, entwarf neue Muster und lie\u00df damit vorwiegend Tisch\u00adw\u00e4sche besticken, die in ganz Deutschland verkauft wurde. Das endg\u00fcltige Aus drohte der Stickerei nach dem zweiten Weltkrieg (1939-1945) in der Mitte des 20. Jahrhun\u00adderts mit dem Ablegen der Tracht und der Hinwendung zum \u201emodernen\u201c Leben. Viele engagierte Frauen versuchten, sich dem entgege\u00adnzus\u00adtemmen. Thekla Gombert (1899-1981) machte \u2013 nicht zuletzt durch die Ver\u00f6f\u00adfent\u00adlichung ihrer B\u00fccher \u2013 die Stickerei weit \u00fcber die Schwalm hinaus bekannt. Und in den 70er Jahren des 20. Jahrhun\u00adderts ergriffen die Volkshoch\u00adschulen und die Landfrauen\u00advereine gro\u00dfe Initiativen, um das Wissen und K\u00f6nnen dieser einmaligen Stick\u00adtechnik am Leben zu erhalten. Als \u201eHessen\u00adstic\u00adkerei\u201c bezeichnet erwachte sie zu neuem Leben. Ge\u00e4n\u00adderter Arbeit\u00adsalltag, ver\u00e4n\u00adderte Freizeitge\u00adstaltung und moderne Medien dr\u00e4ngten die Handarbeit allgemein und so auch die Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei immer mehr in den Hinter\u00adgrund. Heute wird die Technik in Deutschland nicht mehr fl\u00e4chen\u00addeckend, aber dennoch von einer statt\u00adlichen Anzahl \u2013 aller\u00addings meist \u00e4lterer Frauen \u2013 beherrscht. Die Globalisierung und das Internet\u00adzeitalter aber tragen dazu bei, dass sich immer mehr Menschen rund um die ganze Welt f\u00fcr diese einzigartige Stickerei interes\u00adsieren und sie praktizieren. Zahlreiche B\u00fccher \u2013 in unter\u00adschied\u00adlicher Qualit\u00e4t &#8211; erscheinen zu diesem Thema in verschiedensten Sprachen und dienen so der Erhaltung der Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei, die sich heute facetten\u00adreicher denn je zeigt. Modelbuch Mit der Erfindung der Buchdrucker\u00adkunst entstanden zu Beginn des 16. Jahrhun\u00adderts die ersten Model\u00adb\u00fccher. Sie verbreiteten sich \u00fcber ganz Europa. Es gab Vorlagen f\u00fcr fadenge\u00adbundene (gez\u00e4hlte) sowie auch f\u00fcr nicht-fadenge\u00adbundene (freie) Stickereien. Die fadengebun\u00addenen Stickereien blieben \u00fcber Jahrhun\u00adderte hinweg weitgehend gleich, w\u00e4hrend die nicht-fadengebun\u00addenen Stickereien starkem Wandel unter\u00adlagen. Nicht viele Leute konnten sich den Erwerb eines teuren Buches leisten, und so wurden die Muster durch Abzeichnen verbreitet und weiterge\u00adgeben. Dadurch entstanden zwangs\u00adl\u00e4ufig gering\u00adf\u00fcgige Unge\u00adnauig\u00adkeiten und Abweic\u00adhungen, die im Laufe der Zeit zu sehr unter\u00adschied\u00adlichen Musterungen in den verschiedenen Regionen Europas gef\u00fchrt haben. Abge\u00adwandelt wurden aber nicht nur die Muster\u00adzeich\u00adnungen, sondern auch die Techniken, in denen diese Muster gear\u00adbeitet wurden. Zeitge\u00adschmack und die Begeis\u00adterungs\u00adf\u00e4higkeit Einzelner f\u00fchrte dazu, dass durch den Austausch einzelner Elemente die Stickerei abge\u00adwandelt wurde und sich allm\u00e4hlich ver\u00e4n\u00adderte. Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei Die urspr\u00fcng\u00adliche Art zeigt dicht bestickte, gerade Borten meist gro\u00dfer Motive wie Herz, Tulpe, &#8222;Sonne&#8220; und Korb oder Blumentopf. Diese Motive wurden mit unter\u00adschied\u00adlichsten Durch\u00adbruch\u00admustern verziert. Umran\u00addungen, Stiele und Ranken wurden in Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstichen ausge\u00adf\u00fchrt. Freir\u00ad\u00e4ume zwischen den gro\u00dfen Motiven wurden mit Bl\u00e4ttchen und Ranken gef\u00fcllt. Diese Borten wurden fast immer begrenzt durch K\u00e4st\u00adchen\u00adhohlsaum oder durch Erbsloch\u00adhohlsaum, meistens aber durch Stopfhohl\u00ads\u00e4ume. Fr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00dfstickerei\u00ad Es gab aber einen Vorl\u00e4ufer schwalm\u00adtypischer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei \u2013 die \u201eFr\u00fche Schw\u00e4lmer Wei\u00df\u00adstic\u00adkerei\u201c. Sie wurde ungef\u00e4hr ab Mitte des 18. Jahrhun\u00adderts praktiziert. Diese Technik zeigte die gleichen Motive \u2013 Herzen, Sonnen, Tulpen und andere Blumen in \u00e4hnlicher Anordnung. V\u00f6gel waren eher rar und auch die spiral\u00adf\u00f6r\u00admigen Ranken wurden sparsamer einge\u00adsetzt, daf\u00fcr fand man viele kleine Bl\u00e4tter. Die Umrisse der Motive und die Stiele jedoch wurden nicht mit Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstich gear\u00adbeitet, sondern meistens mit Stiel\u00adstichen, manchmal auch mit Ketten\u00adstichen nachge\u00adzeichnet. Und die Motive wurden nicht mit Limet\u00admustern (Durch\u00adbruch\u00admustern) und Lichten Mustern gef\u00fcllt, sondern meistens mit auf dem Stoff aufliegenden Mustern oder Platt\u00adstich\u00admustern. \u00dcber\u00adgangs\u00adformen Dazwischen gab es \u00dcber\u00adgangs\u00adformen, die sowohl aufliegende Muster und Platt\u00adstich\u00admuster als auch Kn\u00f6t\u00adchen\u00adstiche zeigen. Bett\u00fcberwurf aus 1876 Bett\u00fcber\u00adw\u00fcrfe \u2013 wie dieser aus dem Jahre 1876 \u2013 wurden am Kopfende und meist an der dem Raum zugewandten Seite reich verziert. Am Kopfende erhielten sie einen breiten \u00dcber\u00adschlag. So wurden sie zum Teil von der rechten, zum anderen Teil von der linken Stoff\u00adseite aus bestickt, damit am Ende auch die Muster des \u00dcber\u00adschlages von rechts erschienen. Paradekissen \u201eParadekissen\u201c waren gro\u00dfe Kissenbe\u00adz\u00fcge. Sie waren prall gef\u00fcllt und mit rotem Inlett ausge\u00adstattet. So kamen Stopfhohl\u00ads\u00e4ume und pr\u00e4chtige Muster\u00adborten besonders gut zur Geltung. Die Muster \u201eprahlten\u201c, wie es im Volksmund hie\u00df. Paradekissen und Bett\u00fcber\u00adw\u00fcrfe wurden nur an beson\u00adderen Festtagen und auch nur zur Zierde verwendet. Frauen\u00admieder Die meisten Frauen\u00admieder wurden unter Westen getragen. Daher waren Vorder- und R\u00fccken\u00adteile sehr schlicht gehalten. Die \u00c4rmelum\u00adschl\u00e4ge aber waren daf\u00fcr umso pr\u00e4ch\u00adtiger geschm\u00fcckt: mit breiten Muster\u00adborten, aufwen\u00addigen Stopfhohl\u00ads\u00e4umen und kunst\u00advollen Nadel\u00adspitzen. Mieder\u00adj\u00e4ckchen Es gab aber auch Mieder\u00adj\u00e4ckchen, die dann auch an den Front\u00adleisten aufwendige Stickereien und Nadel\u00adspitzen zeigten. Diese Mieder\u00adj\u00e4ckchen wurden nach Beenden der Handarbeit schwarz einge\u00adf\u00e4rbt und mittels Wachs zum Gl\u00e4nzen gebracht. M\u00e4nner\u00adhemden Die M\u00e4nner\u00adhemden f\u00fcr den Feier\u00adtags\u00adstaat zeigten feine Stickereien und Nadel\u00adspitze, manchmal auch noch Stopfhohl\u00ads\u00e4ume, an Kragen, Manschetten und Halsaus\u00adschnitt. Br\u00e4utigam\u00adshemden waren auch im R\u00fcckenteil aufwendig bestickt und mit einer \u201eKrone\u201c versehen. Ziertaschen\u00adt\u00fccher Zu Abendmahlsgottes\u00addiensten an besonders hohen Feier\u00adtagen trug man zur Zierde Taschen\u00adt\u00fccher, die auf feinstem Leinen\u00adbatist bestickt und meist mit einer Kl\u00f6ppel\u00adspitze einge\u00adfasst wurden. Diese T\u00fccher wurden nach Fertig\u00adstellung der Stickerei blau einge\u00adf\u00e4rbt. Alexandra Thielmann Mit dem Zur\u00fcck\u00adgehen der Tracht und der damit verbun\u00addenen strengen, b\u00e4uer\u00adlichen Lebensweise suchte man nach anderen Verwen\u00addungs\u00adm\u00f6g\u00adlich\u00adkeiten f\u00fcr die Stickerei. Damit einher\u00adgehend kam auch eine Wandlung der Muster\u00adzeich\u00adnungen. Alexandra Thielmann (1881 -1966) \u201eentschlackte\u201c die Entw\u00fcrfe und entwarf neue Bl\u00fcten\u00adformen. In fast all ihren Mustern findet man viele, spitz zulaufende Bl\u00e4tter. Einer\u00adseits passte sie sie dadurch dem Zeitge\u00adschmack an, anderer\u00adseits war die Stickerei nicht mehr ganz so zeitauf\u00adw\u00e4ndig und blieb auf diese Weise bezahlbar. Mit diesen Mustern wurden in ihrer &#8211; Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhun\u00adderts gegr\u00fcn\u00addeten &#8211; Werkst\u00e4tte f\u00fcr Schw\u00e4lmer Bauer\u00adnstic\u00adkerei Kinder\u00adkleider aller Art, Damenk\u00adleider, feine Taschen\u00adt\u00fccher, Leib- und Bettw\u00e4sche, Sofakissen, Altar\u00addecken, haupt\u00ads\u00e4chlich aber Tisch\u00addecken bestickt und in ganz Deutschland verkauft. 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