{"id":5958,"date":"2016-02-20T09:30:38","date_gmt":"2016-02-20T07:30:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?p=5958"},"modified":"2018-03-27T06:41:49","modified_gmt":"2018-03-27T04:41:49","slug":"schwaelmer-mieder-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?p=5958","title":{"rendered":"Schw\u00e4lmer &#8222;Mirrer&#8220; (Mieder 1)"},"content":{"rendered":"Das im Schw\u00e4lmer Dialekt als &#8222;Mirrer&#8220; bezeichnete Kledungsst\u00fcck wird in der Literatur ganz \u00fcberwiegend mit &#8222;Mieder&#8220; \u00fcbersetzt, obwohl es sich nicht um ein formgebendes Kleidungsst\u00fcck handelt.<br \/>\nAuf den ersten Blick sehen Schw\u00e4lmer Mieder eher unscheinbar aus. Kein Wunder, wurde das Mieder doch unter vielen weiteren Trachtenteilen getragen und von diesen \u00fcberdeckt; bis auf die \u00c4rmel mit ihren meist reich bestickten Aufschl\u00e4gen war von dem Mieder nichts zu sehen. Die \u00c4rmelstickerei jedoch ist etwas ganz besonderes und macht das Mieder zu einem der pr\u00e4chtigsten Teile der stolzen <a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?p=3233\">Schw\u00e4lmer Tracht<\/a>.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_1-371x700.jpg\" alt=\"SM1_1\" width=\"371\" height=\"700\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Man trug die Mieder \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?p=3531\">Unterhemd<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?p=4893\">Geschirr<\/a>. Sie waren knapp geschnitten, taillenkurz und ohne jeglichen Verschluss. Die \u00c4rmel waren \u00fcberproportional lang.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_2-438x111.jpg\" alt=\"SM1_2\" width=\"438\" height=\"111\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Oft wurde sehr feines, handgewebtes Leinen zur Fertigung der Mieder verwendet. Die Mieder bestanden aus folgenden Teilen: 2 \u00c4rmeln, 2 Zwickeln, 1 R\u00fcckenteil, 2 Vorderteilen, 2 seitlichen, schmalen Zwischenst\u00fccken und einem Passenzuschnitt f\u00fcr den Halsausschnitt. Fast alle Mieder wurden von Hand gen\u00e4ht. Die meisten Teile hatten gerade Kanten, nur f\u00fcr die Armausschnitte f\u00fchrte man die Schnittlinien von Vorder- und R\u00fcckenteil in einem ganz leichten Bogen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_3-438x584.jpg\" alt=\"SM1_3\" width=\"438\" height=\"584\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Um die Rumpfteile zusammenzuf\u00fcgen, die \u00c4rmel und Schultern zu schliessen und die \u00c4rmel einzusetzen, wurden Kappn\u00e4hte gew\u00e4hlt.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_4a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_4a-438x141.jpg\" alt=\"SM1_4a\" width=\"438\" height=\"141\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Die Vorderteile wurden ges\u00e4umt, die Halsausschnittkanten wurden durch Passen vers\u00e4ubert.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_5-438x278.jpg\" alt=\"SM1_5\" width=\"438\" height=\"278\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Alle Rumpfteile wurden so zugeschnitten, dass am unteren Ende Webkanten waren. Dadurch war eine Vers\u00e4uberung des Stoffes nicht n\u00f6tig. Auf diese Weise vermied man eine zus\u00e4tzliche Mehrschichtigkeit und Verdickung des Gewebes im Taillenbereich.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_6-438x329.jpg\" alt=\"SM1_6\" width=\"438\" height=\"329\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Die Vorderteile der Mieder waren etwas schmaler geschnitten als das R\u00fcckenteil. So reichte das Mieder nicht ganz bis zur vorderen Mitte.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_7-438x461.jpg\" alt=\"SM1_7\" width=\"438\" height=\"461\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Auf der rechten Vorderseite des Mieders war mit farbigem Garn das Namensk\u00fcrzel der Besitzerin mit Kreuzstichen eingestickt. Manchmal finden sich auch kleine Kreuzstichornamente zwischen den Initialen. (Solche Ornament- und Buchstabenvorlagen finden sich in dem Buch <a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?page_id=2376\">Schw\u00e4lmer Kronen<\/a>.)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_8-438x504.jpg\" alt=\"SM1_8\" width=\"438\" height=\"504\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Zwischen Vorder- und R\u00fcckenteil wurde ein rechteckiger Streifen gesetzt;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_9.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_9-438x157.jpg\" alt=\"SM1_9\" width=\"438\" height=\"157\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>die Breite des Streifens wurde von dem Zwickel des \u00c4rmels aufgegriffen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_10-438x96.jpg\" alt=\"SM1_10\" width=\"438\" height=\"96\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Die \u00c4rmel verj\u00fcngten sich zu den Enden hin.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_11-438x166.jpg\" alt=\"SM1_11\" width=\"438\" height=\"166\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Die Weite der \u00c4rmel wurde auf den Schultern dicht auf ca. 4 cm eingekr\u00e4uselt.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_12.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_12-438x171.jpg\" alt=\"SM1_12\" width=\"438\" height=\"171\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Die F\u00e4ltchen wurden durch mehrmaliges Einreihen f\u00fcr ca. 1 \u2013 1,5 cm in Form gehalten. Das an die F\u00e4ltelung angrenzende Nahtteil und ein Teil der Schulternaht wurden mit Schl\u00e4ngchenmustern verziert. (Weitere Schl\u00e4ngchenmuster findet man in der Publikation <a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?page_id=5321\">Schl\u00e4ngchen &#038; Co.<\/a>) Oft wurden zus\u00e4tzliche kleine Motive in die Ecken zwischen den verzierten N\u00e4hten gestickt.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_13.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_13-438x399.jpg\" alt=\"SM1_13\" width=\"438\" height=\"399\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Am unteren Ende wurden die \u00c4rmel mit Stickereien verziert. Die Stickereien waren sehr unterschiedlich gestaltet und je nach dem Wohlstand der Tr\u00e4gerin unterschiedlich fulminant ausgepr\u00e4gt. Immer aber geh\u00f6rten eine Wei\u00dfstickereiborte, Erbslochhohlsaum und Nadelspitze dazu, sehr oft findet man auch Stopfhohls\u00e4ume, manchmal auch Stopfhohls\u00e4ume in Verbindung mit Erbslochhohls\u00e4umen.<\/p>\n<p>Die verzierten \u00c4rmelb\u00fcndchen wurden weit nach oben aufgeschlagen,<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_14.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_14-438x269.jpg\" alt=\"SM1_14\" width=\"438\" height=\"269\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>der verbliebene, unbestickte Stoff wurde ein weiteres Mal umgeschlagen,<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_15.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_15-438x232.jpg\" alt=\"SM1_15\" width=\"438\" height=\"232\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>so dass die unteren Kanten die Ellbogen umspielten<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_16.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_16-281x700.jpg\" alt=\"SM1_16\" width=\"281\" height=\"700\" class=\"aligncenter size-medium\" \/><\/a>Den Verzierungen der \u00c4rmelabschl\u00fcsse soll ein eigener Beitrag gewidmet sein: Schw\u00e4lmer Mieder (2).","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das im Schw\u00e4lmer Dialekt als &#8222;Mirrer&#8220; bezeichnete Kledungsst\u00fcck wird in der Literatur ganz \u00fcberwiegend mit &#8222;Mieder&#8220; \u00fcbersetzt, obwohl es sich nicht um ein formgebendes Kleidungsst\u00fcck handelt. Auf den ersten Blick sehen Schw\u00e4lmer Mieder eher unscheinbar aus. Kein Wunder, wurde das Mieder doch unter vielen weiteren Trachtenteilen getragen und von diesen \u00fcberdeckt; bis auf die \u00c4rmel mit ihren meist reich bestickten Aufschl\u00e4gen war von dem Mieder nichts zu sehen. Die \u00c4rmelstickerei jedoch ist etwas ganz besonderes und macht das Mieder zu einem der pr\u00e4chtigsten Teile der stolzen Schw\u00e4lmer Tracht. Man trug die Mieder \u00fcber Unterhemd und Geschirr. Sie waren knapp geschnitten, taillenkurz und ohne jeglichen Verschluss. Die \u00c4rmel waren \u00fcberproportional lang. Oft wurde sehr feines, handgewebtes Leinen zur Fertigung der Mieder verwendet. Die Mieder bestanden aus folgenden Teilen: 2 \u00c4rmeln, 2 Zwickeln, 1 R\u00fcckenteil, 2 Vorderteilen, 2 seitlichen, schmalen Zwischenst\u00fccken und einem Passenzuschnitt f\u00fcr den Halsausschnitt. Fast alle Mieder wurden von Hand gen\u00e4ht. Die meisten Teile hatten gerade Kanten, nur f\u00fcr die Armausschnitte f\u00fchrte man die Schnittlinien von Vorder- und R\u00fcckenteil in einem ganz leichten Bogen. Um die Rumpfteile zusammenzuf\u00fcgen, die \u00c4rmel und Schultern zu schliessen und die \u00c4rmel einzusetzen, wurden Kappn\u00e4hte gew\u00e4hlt. Die Vorderteile wurden ges\u00e4umt, die Halsausschnittkanten wurden durch Passen vers\u00e4ubert. Alle Rumpfteile wurden so zugeschnitten, dass am unteren Ende Webkanten waren. Dadurch war eine Vers\u00e4uberung des Stoffes nicht n\u00f6tig. Auf diese Weise vermied man eine zus\u00e4tzliche Mehrschichtigkeit und Verdickung des Gewebes im Taillenbereich. Die Vorderteile der Mieder waren etwas schmaler geschnitten als das R\u00fcckenteil. So reichte das Mieder nicht ganz bis zur vorderen Mitte. Auf der rechten Vorderseite des Mieders war mit farbigem Garn das Namensk\u00fcrzel der Besitzerin mit Kreuzstichen eingestickt. Manchmal finden sich auch kleine Kreuzstichornamente zwischen den Initialen. (Solche Ornament- und Buchstabenvorlagen finden sich in dem Buch Schw\u00e4lmer Kronen.) Zwischen Vorder- und R\u00fcckenteil wurde ein rechteckiger Streifen gesetzt; die Breite des Streifens wurde von dem Zwickel des \u00c4rmels aufgegriffen. Die \u00c4rmel verj\u00fcngten sich zu den Enden hin. Die Weite der \u00c4rmel wurde auf den Schultern dicht auf ca. 4 cm eingekr\u00e4uselt. Die F\u00e4ltchen wurden durch mehrmaliges Einreihen f\u00fcr ca. 1 \u2013 1,5 cm in Form gehalten. Das an die F\u00e4ltelung angrenzende Nahtteil und ein Teil der Schulternaht wurden mit Schl\u00e4ngchenmustern verziert. (Weitere Schl\u00e4ngchenmuster findet man in der Publikation Schl\u00e4ngchen &#038; Co.) Oft wurden zus\u00e4tzliche kleine Motive in die Ecken zwischen den verzierten N\u00e4hten gestickt. Am unteren Ende wurden die \u00c4rmel mit Stickereien verziert. 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Die verzierten \u00c4rmelb\u00fcndchen wurden weit nach oben aufgeschlagen, der verbliebene, unbestickte Stoff wurde ein weiteres Mal umgeschlagen, so dass die unteren Kanten die Ellbogen umspielten Den Verzierungen der \u00c4rmelabschl\u00fcsse soll ein eigener Beitrag gewidmet sein: Schw\u00e4lmer Mieder (2).<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5981,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[1,17],"tags":[],"class_list":["post-5958","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog","category-schwalm_costume","wpautop"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Schw\u00e4lmer &quot;Mirrer&quot; (Mieder 1) - Luzine Happel<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?p=5958&lang=en\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Schw\u00e4lmer &quot;Mirrer&quot; (Mieder 1) - Luzine Happel\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Das im Schw\u00e4lmer Dialekt als &#8222;Mirrer&#8220; bezeichnete Kledungsst\u00fcck wird in der Literatur ganz \u00fcberwiegend mit &#8222;Mieder&#8220; \u00fcbersetzt, obwohl es sich nicht um ein formgebendes Kleidungsst\u00fcck handelt. Auf den ersten Blick sehen Schw\u00e4lmer Mieder eher unscheinbar aus. Kein Wunder, wurde das Mieder doch unter vielen weiteren Trachtenteilen getragen und von diesen \u00fcberdeckt; bis auf die \u00c4rmel mit ihren meist reich bestickten Aufschl\u00e4gen war von dem Mieder nichts zu sehen. Die \u00c4rmelstickerei jedoch ist etwas ganz besonderes und macht das Mieder zu einem der pr\u00e4chtigsten Teile der stolzen Schw\u00e4lmer Tracht. Man trug die Mieder \u00fcber Unterhemd und Geschirr. Sie waren knapp geschnitten, taillenkurz und ohne jeglichen Verschluss. Die \u00c4rmel waren \u00fcberproportional lang. Oft wurde sehr feines, handgewebtes Leinen zur Fertigung der Mieder verwendet. Die Mieder bestanden aus folgenden Teilen: 2 \u00c4rmeln, 2 Zwickeln, 1 R\u00fcckenteil, 2 Vorderteilen, 2 seitlichen, schmalen Zwischenst\u00fccken und einem Passenzuschnitt f\u00fcr den Halsausschnitt. Fast alle Mieder wurden von Hand gen\u00e4ht. Die meisten Teile hatten gerade Kanten, nur f\u00fcr die Armausschnitte f\u00fchrte man die Schnittlinien von Vorder- und R\u00fcckenteil in einem ganz leichten Bogen. Um die Rumpfteile zusammenzuf\u00fcgen, die \u00c4rmel und Schultern zu schliessen und die \u00c4rmel einzusetzen, wurden Kappn\u00e4hte gew\u00e4hlt. Die Vorderteile wurden ges\u00e4umt, die Halsausschnittkanten wurden durch Passen vers\u00e4ubert. Alle Rumpfteile wurden so zugeschnitten, dass am unteren Ende Webkanten waren. Dadurch war eine Vers\u00e4uberung des Stoffes nicht n\u00f6tig. Auf diese Weise vermied man eine zus\u00e4tzliche Mehrschichtigkeit und Verdickung des Gewebes im Taillenbereich. Die Vorderteile der Mieder waren etwas schmaler geschnitten als das R\u00fcckenteil. So reichte das Mieder nicht ganz bis zur vorderen Mitte. Auf der rechten Vorderseite des Mieders war mit farbigem Garn das Namensk\u00fcrzel der Besitzerin mit Kreuzstichen eingestickt. Manchmal finden sich auch kleine Kreuzstichornamente zwischen den Initialen. (Solche Ornament- und Buchstabenvorlagen finden sich in dem Buch Schw\u00e4lmer Kronen.) Zwischen Vorder- und R\u00fcckenteil wurde ein rechteckiger Streifen gesetzt; die Breite des Streifens wurde von dem Zwickel des \u00c4rmels aufgegriffen. Die \u00c4rmel verj\u00fcngten sich zu den Enden hin. Die Weite der \u00c4rmel wurde auf den Schultern dicht auf ca. 4 cm eingekr\u00e4uselt. Die F\u00e4ltchen wurden durch mehrmaliges Einreihen f\u00fcr ca. 1 \u2013 1,5 cm in Form gehalten. Das an die F\u00e4ltelung angrenzende Nahtteil und ein Teil der Schulternaht wurden mit Schl\u00e4ngchenmustern verziert. (Weitere Schl\u00e4ngchenmuster findet man in der Publikation Schl\u00e4ngchen &#038; Co.) Oft wurden zus\u00e4tzliche kleine Motive in die Ecken zwischen den verzierten N\u00e4hten gestickt. Am unteren Ende wurden die \u00c4rmel mit Stickereien verziert. 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Auf den ersten Blick sehen Schw\u00e4lmer Mieder eher unscheinbar aus. Kein Wunder, wurde das Mieder doch unter vielen weiteren Trachtenteilen getragen und von diesen \u00fcberdeckt; bis auf die \u00c4rmel mit ihren meist reich bestickten Aufschl\u00e4gen war von dem Mieder nichts zu sehen. Die \u00c4rmelstickerei jedoch ist etwas ganz besonderes und macht das Mieder zu einem der pr\u00e4chtigsten Teile der stolzen Schw\u00e4lmer Tracht. Man trug die Mieder \u00fcber Unterhemd und Geschirr. Sie waren knapp geschnitten, taillenkurz und ohne jeglichen Verschluss. Die \u00c4rmel waren \u00fcberproportional lang. Oft wurde sehr feines, handgewebtes Leinen zur Fertigung der Mieder verwendet. Die Mieder bestanden aus folgenden Teilen: 2 \u00c4rmeln, 2 Zwickeln, 1 R\u00fcckenteil, 2 Vorderteilen, 2 seitlichen, schmalen Zwischenst\u00fccken und einem Passenzuschnitt f\u00fcr den Halsausschnitt. Fast alle Mieder wurden von Hand gen\u00e4ht. Die meisten Teile hatten gerade Kanten, nur f\u00fcr die Armausschnitte f\u00fchrte man die Schnittlinien von Vorder- und R\u00fcckenteil in einem ganz leichten Bogen. Um die Rumpfteile zusammenzuf\u00fcgen, die \u00c4rmel und Schultern zu schliessen und die \u00c4rmel einzusetzen, wurden Kappn\u00e4hte gew\u00e4hlt. Die Vorderteile wurden ges\u00e4umt, die Halsausschnittkanten wurden durch Passen vers\u00e4ubert. Alle Rumpfteile wurden so zugeschnitten, dass am unteren Ende Webkanten waren. Dadurch war eine Vers\u00e4uberung des Stoffes nicht n\u00f6tig. Auf diese Weise vermied man eine zus\u00e4tzliche Mehrschichtigkeit und Verdickung des Gewebes im Taillenbereich. Die Vorderteile der Mieder waren etwas schmaler geschnitten als das R\u00fcckenteil. So reichte das Mieder nicht ganz bis zur vorderen Mitte. Auf der rechten Vorderseite des Mieders war mit farbigem Garn das Namensk\u00fcrzel der Besitzerin mit Kreuzstichen eingestickt. Manchmal finden sich auch kleine Kreuzstichornamente zwischen den Initialen. (Solche Ornament- und Buchstabenvorlagen finden sich in dem Buch Schw\u00e4lmer Kronen.) Zwischen Vorder- und R\u00fcckenteil wurde ein rechteckiger Streifen gesetzt; die Breite des Streifens wurde von dem Zwickel des \u00c4rmels aufgegriffen. Die \u00c4rmel verj\u00fcngten sich zu den Enden hin. Die Weite der \u00c4rmel wurde auf den Schultern dicht auf ca. 4 cm eingekr\u00e4uselt. Die F\u00e4ltchen wurden durch mehrmaliges Einreihen f\u00fcr ca. 1 \u2013 1,5 cm in Form gehalten. Das an die F\u00e4ltelung angrenzende Nahtteil und ein Teil der Schulternaht wurden mit Schl\u00e4ngchenmustern verziert. (Weitere Schl\u00e4ngchenmuster findet man in der Publikation Schl\u00e4ngchen &#038; Co.) Oft wurden zus\u00e4tzliche kleine Motive in die Ecken zwischen den verzierten N\u00e4hten gestickt. Am unteren Ende wurden die \u00c4rmel mit Stickereien verziert. Die Stickereien waren sehr unterschiedlich gestaltet und je nach dem Wohlstand der Tr\u00e4gerin unterschiedlich fulminant ausgepr\u00e4gt. Immer aber geh\u00f6rten eine Wei\u00dfstickereiborte, Erbslochhohlsaum und Nadelspitze dazu, sehr oft findet man auch Stopfhohls\u00e4ume, manchmal auch Stopfhohls\u00e4ume in Verbindung mit Erbslochhohls\u00e4umen. Die verzierten \u00c4rmelb\u00fcndchen wurden weit nach oben aufgeschlagen, der verbliebene, unbestickte Stoff wurde ein weiteres Mal umgeschlagen, so dass die unteren Kanten die Ellbogen umspielten Den Verzierungen der \u00c4rmelabschl\u00fcsse soll ein eigener Beitrag gewidmet sein: Schw\u00e4lmer Mieder (2).","og_url":"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?p=5958&lang=en","og_site_name":"Luzine Happel","article_published_time":"2016-02-20T07:30:38+00:00","article_modified_time":"2018-03-27T04:41:49+00:00","og_image":[{"width":400,"height":400,"url":"https:\/\/www.luzine-happel.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/SM1_Thumbnail.jpg","type":"image\/jpeg"}],"author":"Luzine Happel","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Verfasst von":"Luzine Happel","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"5\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"Article","@id":"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?p=5958&lang=en#article","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.luzine-happel.de\/?p=5958&lang=en"},"author":{"name":"Luzine Happel","@id":"https:\/\/www.luzine-happel.de\/#\/schema\/person\/531413decc3e3dc937f7312d13b6238c"},"headline":"Schw\u00e4lmer &#8222;Mirrer&#8220; 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