Wie kreiert man ein typisches Schwälmer Konturenmuster? (1)

Typische Schwälmer Konturenmuster enthalten viele unterschiedliche, große Motive einfacher Formen wie Herz, Tulpe, Körbchen, Kreis und andere, die mit Ranken, kleinen Blättern und Blütchen umgeben werden.

Zunächst benötigt man die Umrisse der einfachen Motive.
Alle Motive, die an der Längsachse gespiegelt sind, wie zum Beispiel Herz und Tulpe, erarbeitet man als Faltschnitt.

Dazu nimmt man einen Bogen festes Papier oder Karton. Diesen faltet man einmal.
gefalteter Karton | folded paper board
Von der geschlossenen Seite aus zeichnet man sich Hälften der gewünschten Motive auf und schneidet diese möglichst exakt aus.

aufgezeichnete Motivhälften | drawn motif halfs
ausgeschnittene Motive | cut motifs

Auf diese Weise erhält man Schablonen von Motiven in unterschiedlichsten Formen und Größen.
Vielfalt an Formen und Größen | variety of shapesUm Kreise oder Kreisabschnitte zu erhalten, verwendet man Zirkel, spezielle Zeichengeräte oder einfach runde Gegenstände.
Hilfsmittel zum Zeichnen | utilities for drawing
Kreise und Kreisabschnitte | cirles and segments of circlesDie Schablonen legt man auf Entwurfspapier, drückt sie mit einer Hand fest auf den Untergrund, so dass sie nicht verrutschen können und zieht mit einem Bleistift am Rand entlang eine Linie.
Zeichnen entlang der Schablone | tracing around the stencil
Auf diese Weise kommt die Kontur eines Motivs auf den Entwurf.
Konturenlinie | outline design
Versuchen Sie es einmal! Es macht sehr viel Spaß, durch die Faltschnitt-Technik zum Beispiel die unterschiedlichsten Tulpenformen zu erlangen. Sie werden erstaunt und überrascht sein von der Vielfalt der Formen, die Sie erhalten.

Weddigen Leinen – der Stoff für die Schwälmer Weißstickerei

In meinem Artikel vom 18. August 2013 über „Leinen: Gewebe aus Flachs-Fasern“ habe ich dargelegt, wie wichtig geeignetes Material für gutes Gelingen jeder Stickerei ist und versucht, zu erklären, wie die Beschaffenheit des Leinens für diese spezielle Art der Weißstickerei sein sollte. Dabei habe ich „Weddigen“ Leinen als das meistverwendete und beste Leinen für die Schwälmer Weißstickerei genannt. Wie dem auch sei, ich weiß, dass viele von Ihnen in Ihrem Teil der Welt Schwierigkeiten haben, dieses Leinen zu finden. Ein Grund dafür ist, dass Weddigen Leinen einen anderen Namen erhalten kann, wenn es Deutschland verlässt. Die Großhändler können es anders benennen. Das bedeutet, dass Ihre Internetsuche nach „Weddigen Leinen“ nicht überall erfolgreich verläuft.

Eine meiner Kundinnen aus den USA hat Recherche betrieben und mich darauf aufmerksam gemacht, dass „Weddigen“-Leinen in den Vereinigten Staaten unter dem Namen „Legacy“ von „Access Commodities“ vertrieben wird. Das gängigste Leinen, das mit 16 Fäden/cm oder ungefähr 40Fäden/inch, wird dort unter dem Namen „Alba Maxima“ gehandelt. Es gibt auch das Leinen mit 20 Fäden/cm oder ungefähr 50 Fäden/inch, das den Namen „Napery Ivory“ trägt.
Das Leinen mit 13,5 Fäden/cm oder ungefähr 34 Fäden/inch ist in den USA nur schwer zu finden.
Außerdem ist zu beachten, dass nicht jedes „Legacy“ Leinen für die Schwälmer Weißstickerei geeignet ist.

Auch einen anderen Punkt bezüglich Weddigen Leinen möchte ich klarstellen:
Als ich anfing, meine Bücher zu schreiben, hatte ich zwar das richtige Material, kannte aber nicht die genaue Bezeichnung. Ich zählte die Fäden, damals nicht wissend, dass Leinen – als 13,5-fädig gewebt – nach der Fertigstellung durchaus 14-fädig sein kann Dieses Leinen trägt die Bezeichnung „13,5-fädig“. Da es anderes Leinen mit der Bezeichnung 14-fädig gibt, das aber für die Schwälmer Weißstickerei nicht geeignet ist, möchte ich hier klarstellen: Wenn ich den Begriff „14-fädiges Leinen“ verwendet habe, habe ich damit das 13,5-fädige Weddigen-Leinen mit der Artikelnummer 160 gemeint . Dies erwähne ich, weil ich vor einiger Zeit den Besuch einer Dame hatte, die 14-fädiges Weddigen Leinen gekauft hatte. Unglücklicherweise war es nicht dicht gewebt und als Siebleinen für die Schwälmer Weißstickerei nicht geeignet.

Bitte achten Sie darauf – egal welches Leinen Sie für die Schwälmer Weißstickerei verwenden – dass es möglichst dicht und möglichst gleichmäßig gewebt ist.

Ich hoffe, diese Information hilft Ihnen, das richtige Leinen zu finden. Leinen, das es wert ist, viele Stunden der Schwälmer Weißstickerei darin zu investieren.

Schwälmer Randabschluss – Die Bogenborte (3)

Knötchenstiche und Kettenstiche | Coral Knot stitches and Chain stitchesDie Bogenlinie überdeckt man mit Knötchenstichen und setzt dicht nach innen daneben eine Reihe Kettenstiche. Dann wird von der Rückseite aus der Fadenauszug vorgenommen. Hier handelt es sich um einen Limet-Fadenauszug, d.h., es bleiben abwechselnd drei Fäden stehen, einer wird ausgezogen.
Laengsfaden-Auszug | withdrawing vertical threadsDie Längsfäden werden an der Bogenkante durchtrennt und bis zur Fadenrinne zurückgezogen. Bei der Wahl der auszuziehenden Fäden habe ich mich an den Kästchenstichen orientiert. Ein Kästchen bündelt immer 4 Fäden. Einer davon wird für den Limetfadenauszug weggenommen. Damit das Muster möglichst mittig platziert werden kann, kann man von Bogen zu Bogen entscheiden, ob man den linken oder den rechten Faden dieses Bündels dazu wählt.
Laengsfaden-Auszug 2 | withdrawing vertical threads 2Hier habe ich den rechten Faden des Fadenbündels gewählt, siehe roter Pfeil.
Laengsfaden-Auszug 3 | withdrawing vertical threads 3Hier habe ich den linken Faden des Fadenbündels gewählt, siehe blauer Pfeil. So konnte das Muster ziemlich genau mittig platziert werden.
festgeheftete Fadenenden | thread ends basted in placeDamit die Fadenenden nicht stören, werden sie zurückgebogen und vorläufig mit kurzen Vorstichen mit farbigem Nähgarn festgeheftet. Die Fadenenden werden auf ungefähr gleiche Länge zurückgeschnitten.
Querfaden-Auszug | withdrawing horizontal threadsAusgehend von der unteren Fadenrinne lässt man nun abwechselnd immer 3 horizontale Fäden stehen und zieht – von der Rückseite der Arbeit aus – einen Faden aus. Die ausgezogenen Fäden werden am Rand abgeschnitten.
So erhält man ein Limet-Fadengitter, in das man ein Limetmuster einsticken kann. Die Längsmitte bildet eine Fadenrinne. Ich suche mir also ein entsprechendes Muster aus. (Es kann auch vorkommen, dass in der Mitte eine Dreier-Fadengruppe zu liegen kommt. Dann sollte man ein Muster mit Kästchenmitte wählen.)
Wie es weitergeht, erfahren Sie im nächsten Artikel.

Schwälmer Randabschluss – Die Bogenborte (2)

Wollen Sie vielleicht einen Tischläufer oder ein Band mit solch einem Bogenborten-Rand, wie er in dem Artikel vom 01. Februar 2014 vorgestellt wurde, arbeiten? Ein solches Band könnte so aussehen, wie auf dem Ausschnitt unten zu sehen:
fertiges Band | finished band

Sie wollen die Längsseiten damit verzieren und die Länge noch nicht von vorn herein festlegen, sondern Ihrem Arbeitseifer anpassen? Dann wählen Sie ein Stück Leinen in gewünschter Breite und irgendeiner Länge. Ungefähr 10 cm von der rechten Schmalseite aus beginnt man mit dem Fadenauszug. Die Fäden werden entlang der Längsseite des Stoffes ausgezogen.
Fadenauszug |withdrawing threads
An der Stelle, wo später der Saum befestigt werden soll (in meinem Beispiel möchte ich einen 3 cm breiten Saum mit einem 1 cm breiten Einschlag. – also beginne ich 7 cm vom Rand entfernt), zieht man einen Faden (Grundlinie) aus. Nach innen hin lässt man 4 Fäden stehen, zieht einen aus, lässt weitere 6 stehen, zieht einen aus, lässt nochmals 4 Fäden stehen und zieht einen aus. Die Fadenenden verbleiben auf der Rückseite und werden später in den Saum eingearbeitet.
Fadenauszug vergrößert | withdrwan threads enlarged
Zwischen die Grundlinie und die nächstgelegene Fadenrinne arbeitet man von der Rückseite aus eine Reihe Kästchenstiche über jeweils 4 Fäden. Wenn Sie die endgültige Länge Ihres Projektes nicht von vorn herein festlegen wollen, beachten Sie bitte, dass der Fadenauszug nicht über die gesamte Länge, sondern nur Stück für Stück vorgenommen wird.

Schablone | stencil

Am besten fertigt man sich eine Pappschablone mit einem geraden unteren Abschluss, einem Bogen in der gewünschten Größe, einem Abstand für das schmale Blatt und einem Bogenabschnitt, mit dem man den Abstand der Bögen ermitteln kann. Mein Bogen ist 3 cm hoch und misst an der breitesten Stelle 4,3 cm. Der Abstand der Bögen beträgt 0,7 cm. Kleiner sollte ein solchen Bogen kaum sein, damit sich die Muster darin entfalten können – sehr viel größer aber auch nicht.

Man legt die Schablone so auf den gebügelten Stoff auf, dass die untere Kante der Bogenform – rote Linie – mit der oberen Fadenrinne übereinstimmt, hält die Schablone in dieser Position fest aufgedrückt und zeichnet mit Bleistift einmal an der Kante entlang. Dann schiebt man die Schablone so weit nach links, dass der Bogenabschnitt direkt mit der eben aufgezeichneten Linie übereinstimmt und zeichnet den zweiten Bogen auf. Man kann gleich die gewünschte Anzahl von Bögen aufzeichnen. Wenn man sich nicht sicher ist, wie lang man die Bogenreihe fortführen möchte, kann man aber auch zuerst nur einige Bögen aufzeichnen. Will man die Bogenreihe später verlängern, ist es wichtig, dass man den Stoff erneut glatt bügelt und möglichst fadengerade hinlegt und dass der letzte Bogen, an dem man sich orientiert, möglichst noch nicht bestickt ist.

Wie es weitergeht, erfahren Sie im nächsten Artikel.

Schwälmer Tracht – Die Strümpfe

Die Schwälmer und Schwälmerinnen trugen handgestrickte Strümpfe, die bis weit über die Knie reichten. Befestigt wurden diese Strümpfe mit Strumpfbändern, die um das Bein gebunden wurden.

Stolzer Schwaelmer Zwickelstrumpf | proud Schwalm stocking
1930 zählten zur Aussteuer einer armen Braut 6 -8 Paar Strümpfe, zur Aussteuer einer reichen Braut 40 Paar Strümpfe.

Die Sommerstrümpfe wurden zunächst aus Leinengarn, später aus feinem Baumwollgarn gestrickt.
Baumwollgarn kam erst etwa 1830 in die Schwalm. Für die Winterstrümpfe verwendete man fein gesponnene Schafwolle. Die Frauenstrümpfe waren weiß, die Männerstrümpfe auch manchmal blau eingefärbt. Damit die schafwollenen Winterstrümpfe auch weiß wurden, wurde die Wolle geschwefelt.

Zu unterschiedlichen Anlässen wurden unterschiedlich gemusterte Strümpfe getragen. Die „Linkten“, das sind Strümpfe, die aus linken Maschen gebildete Muster hatten, wurden bei Trauer und von älteren Frauen getragen. Die „Zwickelstrümpfe“ mit schmalen Musterstreifen wurden als Alltagsstrümpfe getragen. Sie waren meist aus dickerem Garn gearbeitet. Sonntags trug man „Zwickelstrümpfe“ mit breiten Musterstreifen. Sie waren aus feinem Garn gestrickt. Für besondere Fest- und Feiertage hatte man die „stolzen Zwickelstrümpfe“. (Als „stolz“ bezeichnete man in der Schwalm die besonders prächtig und sehr reichhaltig verzierten Dinge.) Die „stolzen Zwickelstrümpfe“ wurden aus sehr feinem Garn gestrickt und hatten besonders schöne und aufwändige Muster mit besonders breiten Musterstreifen. Eine Besonderheit bildeten die „eingelegten Strümpfe“. Diese Zwickelstrümpfe hatten aufwändige Strickmuster, bei denen ein zusätzlicher Faden mitgeführt wurde und im Musterverlauf abwechselnd vor und hinter die Strickmaschen gelegt wurde. (Man könnte den Eindruck gewinnen, dass solche Strümpfe nach dem Stricken bestickt wurden. Das ist aber nicht der Fall. Es handelt sich um ein reines Strickmuster.)
Diese stolzeste Art der Zwickelstrümpfe konnten sich nur die geschicktesten oder die reichsten Frauen der Schwalm leisten, da die Technik des „Einlegens“ besonders schwierig ist und nur von wenigen Strickerinnen beherrscht wurde. In Strümpfe, die als besonders wertvoll erachtet wurden, wurden auch Initialen oder eine Jahreszahl eingestrickt – hier „A K E“ Anna Katharina Ermel.
eingestrickte Initialen | knitted initials

Die Strümpfe wurden mit einem feinen Nadelspiel (5 Stricknadeln) von oben nach unten rund gestrickt. Sie bestanden aus mehreren Abschnitten. Den Rand bildete ein 5 – 10 cm hohes „Börtchen“, je nach Trageanlass des Strumpfes aus unterschiedlichen Mustern (2-rechts, 2-links; Lochmustern und Zopfmustern) gestrickt.

unterschiedliche Börtchen | different borders
Börtchen mit Lochmuster | border with peekaboo design

Vom Ende des Börtchens bis zur Ferse verlief auf der Rückseite des Strumpfs ein schmaler, gerader Mustersteifen, „Nähtche“ (= Nähtchen) genannt. Andere, örtlich unterschiedliche Bezeichnungen dafür sind lt. Friederike von Strenge/Schwälmer Jahrbuch 1997: Bibberich“, „Bitzelich“, „Bispelich“, „Öchelich“, „Quetschestein“. Der übrige Strumpf vom Börtchen bis unterhalb des Knies wurde mit glatt rechten Maschen gearbeitet.

Naehtchen | small seam

Auf beiden Seiten der Wade verlief ein mehr oder weniger breiter Musterstreifen, der mit der „Platte“ begann.

Zwickelmuster mit Platte | pattern stripe with plate
Platte mit zwei Musterm | plate with 2 differnt patternsPlatte mit einem Muster | plate with one pattern

Die Platte hatte eine Fünfeck-Form – ein Rechteck mit einer nach unten führenden Spitze. Die Platte war etwas breiter als der darunterliegende Musterstreifen. Für die Platte gab es zwei verschiedene Gestaltungsweisen: entweder wurde sie in den gleichen Mustern gestrickt wie der darunterliegende Streifen, oder sie bekam in der Mitte ein großes, auf beiden Seiten von einem „Zwickelmuster“ begrenztes Herz. Dieses „Zwickelmuster“ setzte sich dann nach unten bis zur Ferse fort.
komplettes Zwickelmuster | complete pattern stripe

Bei Frauenstrümpfen lief das Musterband auf dem Fußrücken weiter bis zur Spitze, da die Frauen neben den hochgeschlossenen Schnallenschuhen auch die ausgeschnittenen „Kommod“-Schuhe trugen. Bei Männerstrümpfen endete das Muster in Fersenhöhe, denn sie trugen nur die hochgeschlossenen Schnallen- bzw. Riemenschuhe (Alltagsschuhe) oder Stiefel.
Bei vielen Frauenstrümpfen verlief links und rechts neben den Musterstreifen eine schmale Musterborte – das „Schlängchen“.

Schlaengchen | curved pattern

Zwischen den Musterstreifen verliefen glatt rechts gestrickte, zwickelförmige Partien, bei denen durch Abnahme von Maschen der Strumpf an die Beinform angepasst wurde. In der Schwalm allerdings bezeichnete man nicht diese zwickelförmigen Partien als Zwickel, sondern die beiden seitlichen Musterstreifen.
Vorderseite eines Zwickelstrumpfes | front part of a stocking
Ferse, Fußsohle und Spitze wurden glatt rechts gestrickt. Die Spitze wurde meist sternförmig abgenommen.
Ferse Sohle und Spitze | heel sole and foot

Es gibt viele verschiedene Strickmuster, die in der Schwälmer Strickerei eine Rolle gespielt haben. Einige davon werde ich in kommenden Artikeln vorstellen.