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Schwälmer Weißstickerei – Tanzeckenmuster

Beeindruckt vom Zauber der Tanzecken-Muster und der Vielzahl hübscher Designs, die mit den immer gleichen Hauptmotiven gestaltet werden können, suchte ich nach einem Weg, diese Entwürfe abzuwandeln und für die zeitgenössische Schwälmer Weißstickerei nutzbar zu machen. Mit Hilfe meiner Designerin entstanden sieben perfekt gelungene quadratische Muster. Die Variation eines dieser Muster habe ich bereits im vorhergehenden Beitrag gezeigt. Es handelt sich hier um ein achsensymmetrisches Muster; alle anderen Muster sind punktsymmetrisch.

Die vorliegenden Entwürfe haben eine Größe von 18 cm x 18 cm. Es ist möglich, sie auch etwas vergrößert zu sticken. Sie sind wie geschaffen für Kissenbezüge, quadratische Deckchen und Tischläufer. Ich habe fünf dieser Muster auf jeder Seite angeordnet, um eine große Tischdecke damit zu besticken. Da sie noch nicht fertiggestellt ist, kann ich noch kein Bild zeigen. So wie es aussieht, dürfte sie wirklich prachtvoll werden. Zusätzlich zu dem Kissenbezug, den ich im vorangegangenen Beitrag gezeigt habe, wurden sechs weitere Kissenbezüge gefertigt, Hier wurden die punktsymmetrischen Zeichnungen verwendet.
Die Designs sind einzigartig.
Die Formen sind groß genug, um unterschiedliche Füllstiche und Füllmuster aufnehmen zu können;
und die Plattstich-Stickerei bildet einen guten Kontrast zu den Durchbruchmustern.
Habe ich Ihre Lust auf weitere, schöne Schwalm-inspirierte Muster geweckt?
Dann kommt mein Angebot gerade recht!
Denn nun biete ich diese 7 Designs + 1 Mustervariation als Dokument zum Herunterladen an.


Tanzeckenquadrate
Konturenmuster
8 Seiten
7 + 1 Zeichnungen in der Größe von 18 cm x 18 cm
2,28 MB Dateigröße
25 €
zum download

Natürlich können Sie diese Publikation auch als Printversion erhalten – zum Kaufpreis von 25,00 € (inklusive 7 % Mehrwertsteuer) zuzüglich Versandkosten. Diese Option ist nicht in meinem Shop enthalten. Bitte senden Sie mir bei Bedarf eine E-Mail mit Ihrer diesbezüglichen Anfrage.

Schwälmer Weißstickerei – Ein Tanzeckenmuster

Die prächtigen Tanzecken, der Sinn für Ästhetik und die besondere Kreativität, solch schöne Muster zu entwerfen, beflügelte mich, Designs dieser Art für die Weißstickerei verwendbar zu machen. Ich sandte Bilder meiner kompletten Sammlung von Tanzecken und Tanzeckenschablonen an meine Designerin und erhielt wunderschöne Entwürfe quadratischer Muster zurück.

Eine Schablone – für mich besonders interessant wegen des kleinen integrierten Vogelmotivs – diente als Vorlage für eine solche Design-Idee.
Die entstandene Konturenzeichnung verwendete ich, um einen Kissenbezug in der Größe von 40 cm x 40 cm zu besticken.
Verwendet wurde handgewebtes Leinen. Auf dem naturgrauen Farbton kommt die weiße Stickerei besonders gut zur Geltung.
Die Flächen wurden mit einer Kombination aus überlieferten und neuen Füllmustern bestickt.
Alles in allem eine gelungene Übertragung von traditionellen Mustern Schwälmer Trachtenbestandteile in Designs für die Weißstickerei der heutigen Zeit.

Wie entsteht eine Schwälmer Tanzecke?

Tanzecken sind sehr spezielle Bestandteile der Schwälmer Tracht. Sie sind nicht nur außergewöhnlich prachtvoll in ihrer Erscheinung, sondern auch sehr aufwändig herzustellen.

Zuerst muss man eine Schablone haben. Diese besteht aus Pappe.
Mit feinem Nähgarn wird die Schablone auf ein Stück Stoff in der Farbe der Tracht, zu der die Tanzecke getragen werden soll, genäht.
Beide Schichten werden anschließend auf Leinen oder Baumwollstoff befestigt.
Die auf diese Weise vorbereitete Arbeit wird in einen Rahmen gespannt, so dass beide Hände frei sind, um arbeiten zu können – eine von oben und die andere von unten. Die Stickerin stickt feine Seidenfäden präzise und dicht nebeneinander über die Pappschablone. Nicht alle Schwälmerinnen waren in der Lage, solch feine Arbeiten auszuführen. Meist wurden Frauen damit beauftragt, die diese Stickerei berufsmäßig erledigten – die Buntstickerinnen waren erfahren und geübt im Umgang mit den Materialien und hatten die notwendige Ausstattung.
Von der Vorderseite aus betrachtet sind die Musterteile klar voneinander abgegrenzt und dennoch dicht beisammen. Auf der Rückseite erscheint das Muster nicht so klar ausgeprägt – das zugrunde liegende Leinen scheint an manchen Stellen durch.
Dann werden Pailletten, Bouillon und Metalldraht hinzugefügt.
Dadurch entsteht auf der Rückseite ein Gewirr von feinen Fädchen, mit denen diese Teile gehalten werden.
Danach werden die Kanten eingekürzt und das Teil mit Glanzpapier abgefüttert, um die Schürze, auf die die Tanzecke aufgesteckt wird, vor Beschädigungen und Abrieb zu schützen.
Die Kanten werden mit Seidenbändern umgeben
und die Seidenbänder werden zusätzlich mit Pailletten und Bouillon verziert. Oft wurden auch die Initialen der Besitzerin hinzugefügt.
Es ist verblüffend zu sehen, welch schöne Tanzecke aus der oben zu sehenden Schablone hervorgegangen ist!

Und es ist verständlich, dass die Schwälmerinnen ihre schönen und mühevoll hergestellten Trachtenbestandteile schützen wollten, wenn sie verstaut werden mussten. (Die Tanzecken wurden ja nur zu Tanzveranstaltungen genutzt, und diese fanden gewöhnlicherweise nur 3 mal im Jahr statt.) So nähten sie sich oft passende Taschen. Diese enthielten meist zwei separate Abteile – eines für jede Tanzecke – wurden aus Glanzpapier passgenau zugeschnitten und mit Vorstichen zusammengenäht.

Schwälmer Tracht – Tanzecken (2)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Tanzecken immer prachtvoller. Sie wurden größer und die Verzierungen wurden immer glänzender. Die Tanzecken wurden – zu den jeweiligen Trachtenfarben passend – in rot und in grün gefertigt.
Die roten Tanzecken wurden in feiner roter Seidenstickerei mit einigen grünen Partien ausgeführt. Zusätzlich waren sie mit Gold geschmückt – goldenen Pailletten und Goldbouillon.
Anfangs wurde Goldbouillon nur linienförmig verwendet, um die Ränder der Muster hervorzuheben. Später wurden mit Goldbouillon und Goldfäden auch Flächen gefüllt – zunächst nur kleinere,
dann größere Bereiche
und schließlich zum überwiegenden Teil.
Zusätzlich wurde auch die Randverzierung immer aufwändiger und prachtvoller.
Oft wurden die Initialen der Besitzerin auf die Unterkante gestickt.
Am Ende erkannte man die roten Tanzecken nur noch an der roten Einfassung.
Immer noch sichtbar aber blieben die schwalmtypischen Motive Stern, Tulpe, Herz und Nelke.
Die grünen Tanzecken wurden mit silbernen Pailletten, Silberdraht und Silberbouillon verziert.
Zusätzliche rote Elemente konnte man in den Tanzecken für jüngere Frauen finden,
während die Tanzecken für ältere Frauen lilafarbene Bereiche aufwiesen.
Die allerprächtigsten Exemplare allerdings hatten sowohl silberfarbene als auch goldfarbene Verzierungen, grün an den Kanten und kleine rote Bereiche im Inneren.
Diese Tanzecken sind weitere Bestandteile, die der Schwälmer Tracht Farbe, Glanz und Pracht verleihen.
Sind sie nicht wirklich herrlich?

Schwälmer Tracht – Tanzecken (1)

Tanzecken, auch Schürzenecken genannt, waren wohl ursprünglich Schürzentaschen. Da sich der feine Stoff um die dicken Taschenränder jedoch sehr schnell abnutzte, ging man dazu über, separate Teile in meist quadratischer Form zum Schmuck der Schürzen herzustellen. Diese wurden fein und farbenprächtig mit Seidengarnen bestickt. Sie wurden mit Stecknadeln auf den dunklen Schürzen befestigt – dicht am Rand und dicht unterhalb unterhalb des Schürzenbundes. Und weil sie zum Tanz getragen wurden, erhielten sie den Namen “Tanzecken”.
Im Lauf der Zeit wurden die Tanzecken immer prächtiger. In diesem Beitrag zeige ich Beispiele aus der Zeit um 1850. Sie sind deutlich weniger aufwändig geschmückt als die Tanzecken der Zeit von etwa 1900 an. Sie wurden mit verschiedenen Farben und in vielen unterschiedlichen Mustern gestickt. Die schwalmtypischen Motive (Herz, Tulpe und Stern) sind auf diesen Accessoires zu finden. Die im untenstehenden Bild zu sehende Tanzecke misst 16 cm x 16 cm. Meist waren die frühen Tanzecken kleiner mit Seitenlängen zwischen 11 cm und 14 cm.
Auch das Nelkenmotiv spielte in den Tanzeckenmustern eine Rolle.

Nicht alle, aber die meisten, Tanzecken waren quadratisch.
Im Laufe der Zeit verblassten die ehemals leuchtenden Farnen der Seidenfäden. Man kann eine Vorstellung der ehemaligen Klarheit und Brillianz der Farben beim Blick auf die lichtgeschützte Rückseite einer Tanzecke erhalten.
Um die Kanten herum wurden Seidenbänder genäht und mit Hexenstichen verziert.
Die meisten Muster waren punktsymmetrisch.
Aber es gab auch achsensymmetrische Exemplare.
Grün und rot waren die vorherrschenden Farben, aber blau und lila sind auch zu finden.

Die Rückseiten dieser älteren Tanzecken waren ungefüttert. Das macht es leicht, den Verlauf der Stiche genau unter die Lupe zu nehmen.
Leider ist meine Sammlung beschränkt, so kann ich nur einige Beispiele von frühen Tanzecken zeigen. Aber schon diese wenigen Exemplare lassen einen Blick auf den Sinn für Ästhetik und die enorme Kreativität unseren Vorfahren zu, die diese wunderschönen und imposanten Muster entwarfen.

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