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Limetrosen I – Neuauflage und englische Ausgabe

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Immer, wenn ich ein Muster sticke, überlege ich mir dabei, wie man den Faden anders führen könnte, um ein anderes Muster zu kreieren. Auch als ich im Jahr 1996 mein großes Mustertuch (2,70 m x 1,70 m) begann, kam mir diese Eigenschaft zu gute – ich entwickelte Muster um Muster und stickte bis 1998 fast täglich, bis auf dem vorhandenen Stoff kein Platz mehr frei war.
1_25.03.2017Ich stickte nur zu meiner eigenen Freude. Das Auffinden immer wieder anderer und neuer Muster motivierte mich und trieb mich an.
2_25.03.2017Zu Beginn dieser Arbeit dachte ich nicht im Entferntesten daran, die Muster zu veröffentlichen.
Erst viel später und auf äußeren Wunsch entschloss ich mich dazu. Damals hatte ich kaum Erfahrung im Umgang mit Textprogrammen. Bildbearbeitungsprogramme waren mit völlig fremd.
Es gehörte ein riesiger Zeitaufwand und eine gehörige Portion Elan dazu, dieses Projekt anzugehen und bis zur endgültigen Verwirklichung zu bringen.
3_25.03.2017Die Verwendung von Grafiken zur Darstellung von Arbeitswegen vermeide ich weitestgehend, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass viele Stickerinnen solche Grafiken nicht uneingeschränkt in Arbeitsschritte umsetzten können. Also mussten reale Arbeitsschrittbilder her. Natürlich hatte ich keine Arbeitsschrittbilder während des Stickens festgehalten. Die mussten nun erst alle neu erstellt werden. Eines Tages war ich mit den Vorbereitungen fertig. Ich fand eine Druckerei, die mir die Hefte in annehmbarem Preis-Leistungs-Verhältnis druckte Da ich den Vertrieb selbst übernahm, hatte ich von nun an Kisten voller Bücher zu Hause zu verwahren.
4_25.03.2017Inzwischen sind mehr als 18 Jahre vergangen. Seit einiger Zeit ist die damals gedruckte Auflage ausverkauft. Dabei wollte ich es eigentlich bewenden lassen. Aber viele Nachfragen und Bitten um eine Neuauflage habe mich letztendlich doch bewogen, dieses Projekt noch einmal in Angriff zu nehmen – schließlich sind die Muster ja sehr schön, weitgehend auch einmalig und in keiner anderen Publikation zu finden.
5_25.03.2017Es hatte sich herausgestellt, dass die erste Auflage nicht ganz optimal ausgefallen war. Die Stiche waren dort zu klein abgebildet und auch durch das weiße Stickgarn nicht immer klar zu erkennen.
Auch der Arbeitsweg war nicht immer einfach nachvollziehbar und deutlich genug.
6_25.03.2017Also habe ich mich hingesetzt und die Arbeitsschritte neu gestickt – diesmal mit blauem Garn zur besseren Verdeutlichung. Weit mehr als 2000 Arbeitsschritt-Fotos wurden aufgenommen. Und ich bin bei weitem kein Profifotograf. Vieles musste ständig berücksichtigt werden: Nach welchem Stich muss gestoppt werden, um die nächste Aufnahme zu machen? Ist die Spitze der Nadel in dem späteren Bildausschnitt zu sehen oder wird sie weggeschnitten?
7_25.03.2017Ist der Untergrund dunkel oder wurde aus Versehen das am Stickrahmen-Rand überstehende Leinen nach innen eingeschlagen?
8_25.03.2017Hält man den Apparat so, dass man den Bildausschnitt des Fadengitters rechtwinklig zuschneiden kann? Muss man draußen am Himmel erst eine dunkle Wolke vorbeiziehen lassen oder scheint die Sonne gerade zu hell?
9_25.03.2017Da ich bei Tageslicht fotografiert habe und dieses natürlicherweise nicht immer gleich war, wurden auch die Aufnahmen unterschiedlich. Ich habe mit verschiedenen Bildbearbeitungsprogrammen gearbeitet, aber keines konnte mir alle Bilder in der Farbqualität in völlige Übereinstimmung bringen. Auch musste ich oft erleben, dass die bearbeiteten Bilder am Bildschirm gut aussahen, aber ausgedruckt dann doch ganz anders wirkten. Von der Vielzahl an Aufnahmen blieben am Ende immerhin 1032 übrig, die in das Buch eingeflossen sind.

Als die Bilder dann mit dem Text kombiniert werden mussten, war ich nahe daran, aufzugeben. Warum bleiben die Bilder nicht an dem Platz, den ich ihnen zugewiesen hatte? Warum ändert sich manchmal der Zeilenabstand automatisch? Warum ist da auf einmal eine andere Schriftart, die ich gar nicht gewählt hatte? Und dann stürzt der Computer ab, weil das Dokument mit den vielen Bildern zwischenzeitlich zu groß ist für den Arbeitsspeicher. Und, und, und….

Aber es liegt nicht in meiner Natur, so leicht aufzugeben. Wenn ich einmal eine Herausforderung angenommen habe, versuche ich auch mit allen Mitteln, sie zu meistern. Also Frust bei einem Spaziergang an der frischen Luft abgebaut, Zähne zusammengebissen und weiter! Nach vielen Monaten und unzähligen Stunden harter Arbeit bin ich nun endlich soweit – die Neuauflage ist fertig.

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Musterseite im Vergleich – links: Seite der ersten Auflage, rechts: Seite der zweiten Auflage

Das Layout wurde geändert. Überflüssiger Text wurde entfernt, um Platz zu schaffen für viele Arbeitsschritt-Bilder. Beschreibender Text wurde auf das Notwendigste reduziert.
Dafür wurde die Einleitung erheblich erweitert, die Textpassagen dort ausführlicher gestaltet und alle Erläuterungen mit Bildern unterlegt.
11.25.03.2017Zusätzlich wurden zwei Übersichten an den Anfang der Publikation gesetzt. Dort findet man einmal alle weiß gestickten Muster im Kleinformat.
12_deutsch_25.03.2017Zum anderen sind auch die blau gestickten Muster in Originalgröße abgebildet. Denn diese Muster sind nicht nur für die Weißstickerei und insbesondere die Schwälmer Weißstickerei gut zu gebrauchen. Auch in anderen Techniken und mit buntem Garn kann man Flächen damit ansprechend und sehr ausdrucksvoll gestalten.
13_deutsch_25.03.2017Zusätzlich wurden nun auch die in den jeweiligen Mustern verwendeten Musterteile – vergrößert und in blau – abgebildet. Das soll zum Einen die Namensgebung nachvollziehbarer machen – denn jedes Muster hat einen speziellen Namen bekommen -, zum Anderen soll es anregen, mit diesen Musterteilen eigene Muster zu kreieren.

Schon viele Stickerinnen hatten nach einer englischen Ausgabe dieses Buches gefragt. Nun wurde gleichzeitig auch dieses Projekt verwirklicht. So liegt nun auch für meine englischsprachigen Kundinnen ein gut verständliches Buch mit sehr interessanten, leicht nachzuarbeitenden Flächenfüllmustern vor.
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Limetrosen I
Flächenfüllmuster mit bebilderter Schritt-für-Schritt Anleitung
2. überarbeitete Auflage
81 Seiten
1032 Bilder
Text: deutsch
67 Flächenfüllmuster
mit Schnellfinde-Übersicht
Ringbindung
35,00 €
zum Shop

Wie arbeitet man einen Klotzboden-Beutel?

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Um einen kleinen, leicht zu waschenden und leicht zu bügelnden Beutel herzustellen, schaute ich mich nach einer Einlage um – passend in der Größe, stabil, hygienisch sauber und günstig zu bekommen. Ich entschied mich für eine Milchverpackung. Diese wird auf die gewünschte Länge zugeschnitten
1_10-2017ausgewaschen und weiß angestrichen.
2_10-2017Die Schachtel ist 9 cm breit, 6 cm tief und 12 cm hoch. 16-fädiges Leinen wird in der Größe von 19 cm ( Weite + Tiefe+ 2 x 1cm Nahtzugabe) x 46 cm (2 x Höhe + 3 x Tiefe + 2 x 2 cm Nahtzugabe) zugeschnitten.

Die Vorderseite wird mit einem kleinen Muster bestickt. Die Längsseiten werden gegen Ausfransen gesichert.
3_10-2017Das Teil wird gewaschen (gekocht, um zu schrumpfen), gestärkt und gebügelt.
Rechts auf rechts wird der Stoff in der Längsmitte gefaltet. Ausgehend von der mittleren Längsachse werden 7,8 cm (Breite + 2 x ½ Tiefe + 2 x 3 mm) nach jeder Seite hin abgemessen und markiert. Entlang der Markierung werden beide Längsseiten zugenäht.
4_10-2017Die Nahtzugabe wird auseinander gefaltet.
5_10-2017Nun wird geprüft, ob die Box gut in die Leinentasche passt. Wenn die Tasche zu weit ist, wird die Naht aufgetrennt und ein kleines Stückchen zur Mitte hin verlegt. Wenn die Box zu groß ist, wird die Naht aufgetrennt und ein kleines Stückchen nach außen verlegt. Aber wenn genau gemessen und gearbeitet wurde, wird dies nicht passieren.
6_10-2017Die Oberkante wird 1 cm nach innen gefaltet und nochmals ebenso weit umgeschlagen. Dann wird der Saum genäht.
7_10-2017Die Innenseite des Beutels wird nach außen gewendet. Das Teil wird nochmals gebügelt. Die Box wird in den Beutel geschoben, die unteren Ecken werden nach innen gefaltet und der Beutel wird fest nach unten gedrückt.
8_10-2017Die Oberkanten werden gefaltet, wie im Bild zu sehen.
9_10-2017Die Einlage hält den Beutel in Form. Mit einer Klammer verschlossen, hat man eine hübsche Verpackung für kleine Geschenke – individuell, extravagant und immer wieder verwendbar!
10_10-2017Und ein weiterer Tipp: Wenn man das Oberteil des Beutels höher zuschneidet, so dass es gefaltet werden kann, ist es gut geeignet, um damit einen Adventskalender herzustellen. Dann wird die obere Kante des Beutels über eine Schnur gefaltet und mit einer Klammer mit Nummer befestigt.
Die Schnur kann viele solcher kleinen Beutel aufnehmen.

Abzweige – Übung (3)

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Ein Spiralen-Baum ist ein geeignetes kleines Muster, um Abzweige zu üben. Das Original hat eine Größe von ca. 5,5 cm x 6,7 cm.
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Die Knötchenstiche wurden mit Vierfachstickgarn Nr. 16 auf 16-fädigem Leinen gestickt. Denken Sie daran, den letzten Knötchenstich vor Erreichen eines Abzweiges etwas breiter zu sticken.
Nach Fertigstellung der Stickerei wurde das Teil gewaschen (gekocht), gestärkt und gebügelt.

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Das Ergebnis ist eine hübsche Dekoration für viele Gebräuche – schnell und einfach zu sticken. In dem kommenden Blogbeitrag werde ich eine dieser Verwendungsmöglichkeiten vorstellen – einen Klotzboden-Beutel für kleine Geschenke.

Klöppelspitze in der Schwalm (2)

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In dem Beitrag Klöppelspitze in der Schwalm (1) wurden die verschiedenen Kleidungs- und Wäschestücke gezeigt, bei denen auch Klöppelspitzen-Verzierungen zu finden sind. Nun können die verwendeten Klöppelspitzen aus den Nähe betrachtet werden.

Die feinsten und schmalsten Klöppelspitzen sind an gestrickten Babykäppchen zu finden.
1_KS_2Vier Klöppelspitzen-Bänder wurden fein eingekräuselt und an die Kanten der gestrickten Babymützchen angenäht.
2_KS_22 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem Babymützchen
3_KS_21,5 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem Babymützchen. Es scheint als seien die Pikots erst nach Fertigstellung der Spitze angesetzt worden.
4_KS_25 cm breite Klöppelspitze mit Tulpen, gefunden an einem blau eingefärbten Schwälmer Mieder
5_KS_24,5 cm breite Klöppelspitze mit Blumen, gefunden an einem blau eingefärbten Schwälmer Mieder
6-KS_23,5 cm breite Klöppelspitze mit einem frei gestalteten Muster, gefunden an einem sehr alten, blau eingefärbten Schwälmer Mieder
7_KS_23,5 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem blau eingefärbten Schwälmer Mädchen-Mieder.
Das Mieder wurde aus Leinenbatist gefertigt und sehr fein bestickt. Im Kontrast dazu steht die Klöppeöspitze mit ihrem eher dichten Muster.
8_KS_24 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem blau eingefärbten und später wieder entfärbten sehr feinen Schwälmer Mieders von 1849
9_KS_23,5 cm briete Klöppelspitze, gefunden an einem sehr feinen, blau eingefärbten und später wieder entfärbten Schwälmer Miederärmel
10_KS_23 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem blau eingefärbten Schwälmer Mieder von 1925
11_KS_24 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einer blau eingefärbten Schwälmer Abendmahlshaube
12_KS_25 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einer blau eingefärbten Schwälmer Abendmahlshaube
13_KS_25 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einer blau eingefärbten Schwälmer Abendmahlshaube
14_KS_25 cm breute Klöppelspitze, gefunden an einer blau eingefärbten Schwälmer Abendmahlshaube
15_KS_25 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem blau eingefärbten Abendmahlstaschentuch
16_KS_23,5 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem blau eingefärbten Abendmahlstaschentuch
17_KS_23,5 cm breite Klöppelspitze, gefunden als Verschlussbänder an einem Schwälmer Kopfkissenbezug
18_KS_23,5 cm breite Klöppelspitze in Verbindung mit Sprangspitze, gefunden an einem Schwälmer Bettüberwurf (A)
19_KS_2Eine zweite Klöppenspitze – ebenfalls 3,5 cm breit, gefunden an dem Schwälmer Bettüberwurf (A)
20_KS_2Und eine dritte Klöppenspitze, 4 cm breit – verbunden mit der Sprang-Technik -, gefunden an dem Schwälmer Bettüberwurf (A)
21_KS_2Interessant ist hier der Stich, mit dem sowohl die Klöppelspitze als auch die Sprangspitze am Leinen befestigt wurde.
22_KS_25 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem Schwälmer Bettüberwurf von 1832
23_KS_2Breite Klöppelspitzenbänder in Kombination mit Stopfhohlsäumen, gefunden an einem Schwälmer Bettüberwurf.

Wie hier zu sehen ist, war die Bandbreite der in der Schwalm verwendeten Klöppelspitzen sowohl von den Mustern als auch von den Techniken her sehr vielfältig.

Es gibt sogar eine Publikation, die sich speziell mit Schwälmer Klöppelspitzen befasst. Darin sind viele verschiedene Klöppelspitzen großformatig und mit den dazugehörigen Klöppelbriefen abgebildet.
24_KS_2Freihandspitzen in Schwälmer Textilien
Ingrid Hick, Christa Röhr, Marianne Stang
Zu beziehen bei:
Forum Alte Spitze GbR
Am Tomberg 18
52531 Übach-Palenberg

Klöppelspitze in der Schwalm (1)

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Früher war Neukirchen in der Schwalm ein Zentrum der Klöppelspitzenfertigung. So ist es nicht verwunderlich, das Klöppelspitzen sowohl an verschiedenen Schwälmer Bekleidungsstücken als auch an unterschiedlichen Wäschestücken zu finden sind.
Wie bereits in dem Beitrag Historische Schwälmer Weißstickerei und Spitze erwähnt, findet man Klöppelspitze in Verbindung mit Schwälmer Weißstickerei an den Ärmelbündchen der blauen Mieder und an den Kanten der blau eingefärbten Ziertaschentücher.
Klöppelspitze findet man auch an Bettüberwürfen, Türhandtüchern und den Vorderkanten der blauen Abendmahlshauben. Auch gestrickte Schwälmer Babymützchen wurden mit Klöppelspitze umrandet.

Hier sind einige Beispiele davon:
1_KS_1Reichhaltig und fein bestickter, blau eingefärbter Miederärmel mit Klöppelspitze
2_KS_1Blau eingefärbtes Abendmahlstaschentuch mit Weißstickerei und Klöppelspitze
3_KS_1Teilansichten zweier verschiedener Bettüberwürfe mit Kronen, Musterborten mit lichten Mustern, Stopfhohlsäumen und Klöppelspitzen
4_KS_1Kopfkissenbezug mit Klöppelspitzen-Bändern als Verschluss
5_KS_1Blau eingefärbte Schwälmer „Ziehhaube“ mit Klöppelspitze an der Vorderkante
6_KS_1Gestricktes Babymützchen, eingefasst mit Klöppelspitze
7_KS_1Zeitgenössische Schwälmer Weißstickerei auf einer Tischdecke mit Klöppelspitzen-Umrandung

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