Wie bereits in dem Blogbeitrag Schwälmer Miederärmel (1) erwähnt, wurde die Dresdner Spitze Ende des 18. Jahrhunderts in die Volkskunst aufgenommen und dort weiterentwickelt.
Wie sich die Entwicklung vollzog, kann an ein paar Beispielen dokumentiert werden.
Die Dresdner Spitze beinhaltet – neben all den Unterschieden, die es auch in dieser Machart gab – viele unterschiedliche verspielte Formen – meist Blüten.
Stiele und Motiv-Umrandungen erfolgten mittels Kloster- oder Kettenstichen.
Platt- oder Schlingstichelemente wurden den gemusterten Flächen als Ruhepole entgegengesetzt.
Schattenstickerei unterlegte das feine, lockere Gewebe und brachte zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten.
Spiralen sind, wenn überhaupt, nur andeutungsweise zu finden.
Das Gewebe der Bordürenflächen wurde komplett mit Mustern bestickt,
wobei die Musterstiche oft mit freiem Zwischenraum ausgeführt wurden.
In der Schwalm wurden die Motivflächen zunächst klarer
und deren Umrandung änderte sich allmählich.
Plattstich und Schlingstich verschwanden – wie auch schon beim Schwälmer Miederärmel (1) zu sehen war.
Die Musterstiche wurden ohne Zwischenräume gestickt und glichen sich den in der Schwälmer Weißstickerei verwendeten Flächenfüllmustern an.
Spiralen kamen zum Einsatz.
Die Motive wurden noch einfacher und schlichter,
die Entwürfe aufgelockerter.
Dann fielen auch die Hintergrundstiche zwischen den Motiven weg.
Später verzichtete man bei den blauen Miedern auf den Einsatz dieses empfindlichen Spitzenbatistes und damit auch auf die Schwälmer Spitze (Ajourstickerei).
Statt dessen verwendete man hand- und meist hausgewebtes Leinen, das man mit Schwälmer Weißstickerei (Durchbruchstickerei) verzierte und blau einfärbte. Denn die dicht gewebten Leinen waren wesentlich unempfindlicher und haltbarer.
Die Schwälmer Spitze wurde nur auf den blau eingefärbten Trachtenteilen – Miederärmeln, Miedern, Paradetaschentüchern und Ziehhauben – gestickt.
Daneben gab es schon vom Ende des 18. Jahrhunderts an die Schwälmer Weißstickerei auf Bettüberwüfen, Paradekissen und Türhandtüchern.
Siehe auch:
Historische Schwälmer Türhandtücher
Übergang von früher zu späterer Schwälmer Weißstickerei (1)
Übergang von früher zu späterer Schwälmer Weißstickerei (2)
Schwälmer Paradekissen-Borte (A)
Historische Schwälmer Miederärmel-Stickerei (D)
Wenn Sie Schwälmer oder Dresdner Spitze selbst einmal ausprobieren wollen, können Sie Weddigen Leinen #121 verwenden. Es ist 20-fädig, durch seine offene Struktur aber gut zählbar.
Bei Bedarf können Sie diese Leinenqualität bei mir beziehen.
45 Ajourmuster kann man in „Danish Pulled Thread Embroidery“ von Esther Fangel, Ida Winckler und Agnete Wulderm Madsen finden.
Thérèse de Dillmont zeigt in ihrer Enzyklopädie der Handarbeiten 17 Spitzengrundmuster.
17 Ajourmuster in Arbeitsproben und Stickschemeta finden sich auch in Ruth Bleckwenns „Dresdner Spitzen – Point de Saxe“.
Bei der Ajour- oder Spitzenstickerei kann man Stickstiche nach jedem Gewebefaden versetzen. Bei der Durchbruchstickerei muss man sich an dem durch den Fadenauszug entstandenen Gittergrund orientieren. So kann die Spitzenstickerei wesentlich vielfältigere Muster bieten, die auch oft nicht so streng wirken.











































































