Stickereien

Ein besonderes Osterei

Die Künstlerin Gudrun Hartwig hat ein ganz spezielles, interessantes und frühlingshaftes Motiv entworfen und in Eiform gebracht. Hier wurde ein Kissenbezug mit dieser Stickerei dekoriert.

Blüten und viele spiralförmige Äste und Zweige

sprießen aus einem Baum. Sie zeigen die ganze Kraft der sich entwickelnden Natur.

Ein Vogelpaar

findet dort eine Behausung.

Ein außergewöhnliches Motiv, das sowohl Stickspaß garantiert als auch genügend Raum zum Üben verschiedener Stiche und Stickelemente wie Spiralen und Schnürlöchern einräumt.

Kissen mit Herz

Zum diesjährigen Valentinstag präsentiere ich einen ganz speziellen Kissenbezug. Ein großes Herzmotiv ist mit einem lichten figürlichen Muster gefüllt.

Auch figürliche Muster sind traditioneller Bestandteil der Schwälmer Weißstickerei. Mehr zu dieser Art der Muster werden Sie in weiteren Beiträgen im Laufe des Jahres erfahren.

Das vorliegende Muster ist deshalb speziell, weil es mit der Herzform genau übereinstimmt. Die Herzkontur muss zuerst gestickt werden. Leider ist das Leinen dieses Beispiels nicht gleichmäßig gewebt – es hat ca. 17/18 Fäden in der Höhe und 13/14 Fäden in der Breite. Daher kann man die hier verwendete Kontur nicht auf gleichmäßig gewebtes Leinen übertragen, wenn man das gleiche Muster sticken möchte.

Aber wie findet man die passende Größe für die Herzform?

Dazu gibt es drei verschiedene Möglichkeiten:

1. Der einfachste Weg ist, das Muster abzuändern und dem lichten Fadengitter anzupassen, nachdem man dieses in einer Herzform etabliert hat.

2. Der zweite Weg ist, die Fäden abzuzählen um die Maße für die benötigte Fläche zu ermitteln:
Das Muster benötigt 50 Kästchen entlang der vertikalen Mittelachse von der oberen zur unteren Herzspitze und 40 Kästchen entlang der Hälfte der horizontalen Achse direkt unter der oberen Herzspitze. Ein Kästchen benötigt 4 Gewebefäden. Das heißt, man muss von der oberen Herzspitze nach unten 200 Fäden und von der oberen Herzspitze nach links oder nach rechts 160 Fäden abzählen. Ich empfehle, zur Sicherheit je 8 Fäden zusätzlich zu zählen. Alle drei Punkte werden markiert und die Abstände gemessen. Die Herzkontur wird wird diesen Maßen angepasst und dann auf das Leinen übertragen.

3. Der dritte Weg besteht darin, die benötigte Größe auszurechnen. Dazu muss man die Fadenanzahl des verwendeten Leinens exakt ermitteln. Danach kann man die Größe errechnen. Beispiel: Man verwendet 13,5-fädiges Leinen. Das Muster benötigt 200 (208) Fäden in der Höhe – 200 : 13,5 = 14,81 cm (208 : 13,5 = 15,41 cm). Also misst die innere Herzkontur von der unteren bis zur oberen Spitze ca. 15,5 cm.
Das Muster benötigt 160 (168) Fäden für die halbe Breite – 160 : 13,5 = 11,85 cm (168 : 13,5 = 12,44 cm. Also misst die innere Herzkontur von der oberen Spitze zu einer Seite ca. 12,5 cm.

Weil ich der Ansicht bin, dass gleichmäßig gewebtes Leinen mit einer Fadenzahl von 13,5/cm sehr gut für lichte Muster geeignet ist, habe ich das Muster in der dafür benötigten Größe als pdf-Dokument zum einfachen Herunterladen beigefügt. Auch das Zählmuster ist dort zu finden.

Zuerst müssen alle vorbereitenden Arbeiten erledigt werden: Die Übertragung des Konturenmusters auf das Leinen, Sticken von Stielen, Spiralen und der doppelten Herzkontur mit Knötchenstichen, Arbeiten von Blättern, Schnürlöchern und Schnürlochbögen mit Schlingstichen, Sticken von Schlängchen zwischen die beiden Konturenlinien; und Sticken von Kettenstichen innerhalb der inneren Konturenlinie.

Dann wird das lichte Grundgitter erstellt, indem abwechselnd zwei Fäden ausgezogen werden und zwei Fäden stehen bleiben. Man beginnt damit direkt unterhalb der oberen Herzspitze.

Danach muss das Fadengitter gesichert werden. In diesem Beispiel wurde dazu Grundstich verkehrt (Mustertücher `Lichte Muster´ gearbeitet. (Normalerweise werden die lichten Fadengitter in der Schwälmer Weißstickerei mit Grundstich befestigt, aber Grundstich verkehrt lässt das Muster klarer erscheinen. Das ist für ein solches Muster wichtig.) Es ist gut, einen Stickrahmen zu verwenden, der groß genug ist, um die gesamte Musterfläche darin einzuspannen.

Mit Stopfstichen – in diesem Beispiel wurden sie nur vertikal (d.h. von oben nach unten und zurück) gearbeitet und einigen Rosenstichen, wird das Muster – der bereitgestellten Zählvorlage oder der angepassten Zählvorlage folgend – in das Gitter gestickt.

Fertiggestellt zu einer Kissenhülle und mit einem farbigen Inlett gefüllt, entfaltet dieses Kissen seinen reizvollen Charme.

Mein Stopfhohlsaum-Mustertuch

Zur Vorbereitung auf meine Unterrichtseinheit dieses Sommers stickte ich ein Mustertuch mit 31 unterschiedlichen Stopfhohlsäumen. Meine Schüler fanden es prächtig.

Das Bild unten zeigt das gesamte Mustertuch. Weil ich überlange Bilder auf meinem Blog nicht präsentieren kann, habe ich ein Bild der Stickerei in ein Format mit Internetstandard gebracht. So kann das Verhältnis von Länge zu Breite sichtbar gemacht werden. Der fertige Wandbehang, gesäumt und gewaschen, misst 28 cm x 170 cm!


Das Mustertuch wurde auf 13,5-fädigem Weddigen Leinen, zugeschnitten auf 40 cm x 183 cm, gearbeitet. 16 Strängchen Vierfachstickgarn Nr. 16, 5 Strängchen Vierfachstickgarn Nr. 30 und 1 Strängchen Anchor Sticktwist Farbe 888 wurden gebraucht.


Breite Stopfhohlsäume wechseln sich mit schmalen ab. Beispiele aller Muster-Kategorien wurden gearbeitet – A-Muster, einteilige Blockmuster, zweiteilige Blockmuster, zweiteilige Blockmuster mit Spinnen, gespiegelte Muster. Zusätzlich wurden geteilte Stopfhohlsäume und Stopf-Wickel-Hohlsäume gestickt.


Eine große Sammlung von 193 – ja, 193! – schöner Muster findet man in meinem Buch Schwälmer Stopfhohlsäume (erscheint demnächst!).


Alle Stopfhohläume wurden über 72 Bündel gearbeitet. Es ist ratsam, 72 Bündel (oder ein Vielfaches oder eine Teilmenge von 72) für ein Mustertuch zu wählen, weil 72 ohne Rest durch viele Zahlen teilbar ist, nämlich durch 2, 3, 4, 6, 8, 9, 12, 18, 24, 36.
So können alle einteiligen Blockmuster, alle gespiegelten Muster und alle geteilten Muster, die Segmente mit dieser Bündelzahl haben, einfach gearbeitet werden, ohne dass man überschüssige Bündel integrieren oder zusätzliche Bündel etablieren muss.


Die Muster grenzen direkt an den Saum an. So konnten die Fadenenden der ausgezogenen Fäden in den Saum gesteckt werden.


Diese Option sieht auf den ersten Blick weniger aufwändig aus als die Sicherung und Versäuberung der Fadenenden mit Schlingstichen. Aber das täuscht. Denn die Fadenenden müssen zunächst an ihren Platz geheftet werden, um beim Stopfen nicht zu stören. Und später müssen sie zurückgeschnitten werden, um mit der Breite des Saumeinschlags übereinzustimmen. (Der Einschlag ist 1 cm breit. Sind die Fadenenden genauso lang, sind sie von außen nicht sichtbar. Sind sie aber länger, sieht man sie durch den Stoff schimmern.)

Wenn die großen Lücken an den Enden der Hohlsäume stören, kann man sie nach dem Säumen des Tuches von der Rückseite aus mit kleinen Stichen in Höhe der jeweiligen Stufen schließen.


Eine Kreuzstich-Krone und Initialen wurden am oberen Ende des Mustertuches eingesetzt.

Eine aufwändig gearbeitete Stickerei zu krönen, ist in der Schwalm üblich. Nicht alle Leinen sind dicht genug gewebt, um eine Plattstichkrone sticken zu können (siehe Schwälmer Kronen und Prächtige Schwälmer Kronen), aber die historische Schwälmer Stickerei hält auch eine breite Auswahl an Kreuzstichkronen bereit. Diese kann man in der Publikation Traditionelle Schwälmer Figürliche Muster (in Kürze erscheinend) finden.


Die Jahreszahl, die Arbeitsstunden und kleine Kreuzstichornamente wurden am unteren Ende des Mustertuches zugefügt.

Es ist immer empfehlenswert, das Jahr der Vollendung auf der Stickerei festzuhalten. Es ist in der Schwalm üblich, Buchstaben und Zahlen mit kleinen Kreuzstichornamenten zu verzieren.

Es ist empfehlenswert, die ungefähr benötigten Arbeitsstunden zu vermerken. Dies dient dazu, dem Betrachter den Aufwand vor Augen zu führen und den Wert besser einzuschätzen.


Auch wenn ich mir die Option offen hielt, das Leinenstück jederzeit abzuschneiden, erklärte ich mich selbst anfangs ein wenig für verrückt, so eine arbeitsintensive Stickerei in Angriff zu nehmen mit dem Ziel, sie innerhalb weniger Wochen vollendet zu haben. Doch nach der Fertigstellung der ersten Stopfhohlsäume war es wie eine Sucht. Jede freie Minute nutzte ich, um zu sticken. Die Stiche zu stopfen, ist sehr entspannend. Der Effekt ist ähnlich wie beim Strümpfe stricken. Beim Sticken konnte ich mich abreagieren und völlig abschalten.

Daher kann ich ein solches Stopfhohlsaumprojekt jedem empfehlen, der sein Leben entschleunigen will.
Wenn Sie ein solch augenfälliges Mustertuch für Ihr zu Hause arbeiten möchten, finden Sie Instruktionen in allen Einzelheiten in Schwälmer Weißstickerei Lektion #4 – Mustertuch mit Stopfhohlsäumen.

Mustertuch der Bärbel Kophamel

Bärbel Kophamel stickte in 2013 ein ganz besonderes Mustertuch.

Sie verwendete sehr feines, handgewebtes Leinen und arbeitete die Stiche sehr dicht. Dadurch erscheinen Umrandungen und Blätter besonders plastisch.


Durch Zufall fand die Stickerin dieses Stück Leinen auf einem Antikmarkt. Sie mochte die Griffigkeit des alten Stoffes und hatte Freude bei jedem Stich auf diesem schönen Gewebe. Anfangs hatte sie keinen festen Plan vom späteren Aussehen ihres Mustertuches. Sie begann in der Mitte und fügte später alle Elemente hinzu, die interessant für sie waren.


Schritt für Schritt arbeitete sie Ornamente,


Borten und Hohlsäume,


fügte Stopfhohlsäume und lichte Musterbänder hinzu, bis das gesamte Tuch gefüllt war.


Sie zeigte bewundernswerte Kreativität bei der Auswahl der Flächenfüllmuster.


Sie finalisierte ihr Mustertuch mit einer Krone, ihren Initialen und der Jahreszahl. Weil Sie farbige Kronen in der Weißstickerei nicht mag, stickte sie auch die Krone in weiß.


Bärbel Kophamel gestaltete eine Stickerei in individueller Vollendung, die wohltuend aus dem üblichen Rahmen fällt. Danke, dass sie erlaubte, ihr Unikat hier zu zeigen.


Jeden Tag betrachtet sie mit Freude ihre Mustertücher. Insgesamt hat sie vier verschiedene solcher Projekte verwirklicht. Vielleicht können wir später einmal ein weiteres ihrer einzigartigen Mustertücher ansehen.

Ein Schwälmer Muster-Bild

Schwälmer Mustertücher in Form von Mitteldecken, Türvorhängen und Wandbehängen habe ich in vorangegangenen Beiträgen gezeigt. Mustertücher können aber auch als Bild gerahmt eine hervorragende Wirkung erzielen.

Weil auch der Rahmen ein Designelement ist und die Größe des Mustertuches auf die Größe des Rahmens abgestimmt sein muss, ist es sinnvoll, zuerst nach einem passenden Rahmen zu suchen.

Wenn Stickerei und Rahmen zusammen passen, kann eine perfekte Präsentation entstehen.


Das Mustertuch enthält einen aufwändigen, schwierig zu stickenden Stopfhohlsaum mit einem typischen Schwälmer Herzmuster.


Der Stopfhohlsaum ist an den Schmalseiten mit Schnürlochbögen verziert.
Oberhalb des Stopfhohlsaumes wurde eine rechteckige Schwälmer Borte gestickt, die alle wichtigen Schwälmer Motive vereint – Herz, Tulpe, Vögel, „Sonnen“ und Blätter. Zwischen die dicht angeordneten Motivflächen wurden alle üblichen kleinen Füll-Elemente gestickt. Spiralen, spitze und gerundete Blätter sowie kleine Blüten sind zu finden.


Passend zu der Musteranordnung der rechteckigen Borte und zu der Breite des Stopfhohlsaumes wurde ein Muster in der Form einer Krone entworfen und in der oberen Hälfte des Bildes angeordnet.


Alle drei Typen der Schwälmer Flächenfüllmuster – einfache, Limet und lichte – wurden gestickt.


Eine breite Palette unterschiedlicher Flächenfüllmuster – gut zu den Konturen passend – wurde ausgewählt.


An den kleinen Dingen, wie der Halskrause der Vögel, kann man das Vergnügen der Stickerin ablesen, mit Stichen zu gestalten.


Die Stickerin verwendete immer wieder andere Flächenfüllmuster


die gut mit den jeweiligen Formen harmonieren.


Oft wurden die Kreise mit Kreuzen


oder Quadraten gefüllt.


Insgesamt enthält das Musterbild 31 unterschiedliche Füllmuster!


Eine hübsche goldene Krone am unteren Ende der Musteranordnung – speziell entworfen um sich dem Gesamteindruck harmonisch anzupassen – krönt das Musterbild.


Viele weitere schöne Kronenvorlagen kann man in meinen Büchern Schwälmer Kronen und Prächtige Schwälmer Kronen finden.

Das Konturenmuster des Bildes ist als Download-Datei erhältlich.

Contact

Luzine Happel
Am Schindeleich 43
37269 Eschwege
Deutschland
Telefon: 05651-32233
Website: www.luzine-happel.de
E-Mail: leuchtbergverlag@aol.com

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