Schwälmer Einstecktücher (2)

Einstecktücher sind nicht nur etwas für Herren. Auch bei Damen habe ich in letzter Zeit solche Accessoires gesehen, um Kleidung individuell effektvoller zu gestalten. Daraufhin habe ich meine Garderobe durchgeschaut und gleich 3 Teile mit geeigneten Brusttaschen ausgemacht.

In dem Beitrag Schwälmer Einstecktücher (1) habe ich ein quadratisches Tüchlein mit einem Eckmotiv gezeigt. Andere Möglichkeiten der Gestaltung kann man den kleinen Schwälmer Börtchen – einst für Miederärmel oder Schürzenbänder gedacht – entnehmen.

Je nach Jackett, Blazer, Bluse oder Kleid wirken sie ganz unterschiedlich.

Breitere Borten

kann man entweder weit herausschauen lassen

oder auch nur ein Stück weit.

Besonders rustikalen Stoffen kann man damit das „Besondere Etwas“ verleihen.

Viele solcher Börtchen – natürlich auch ohne Nadelspitze – findet man in meiner Publikation „Schlängchen & Co.“.

In meinem nächsten Blogbeitrag werde ich ein ca. 90 Jahre altes Schwälmer Einstecktüchlein zeigen.

Schwälmer Einstecktuch (1)

Um ein Einstecktuch mit Schwälmer Weißstickerei zu besticken, benötigt man feines Leinen und ein kleines Muster.
Die Zeichnung soll Herz, Tulpe und Vögelchen enthalten. Hier sind die Motive so angeordnet, dass das Tuch mit herausstehender Spitze getragen wird.

20-fädiges Leinen bietet in den doch recht winzigen Formen Platz für kleine Flächenfüllmuster.
Zur vorläufigen Größe von 30cm x 30 cm zugeschnitten – damit man die Stickerei in den Rahmen spannen kann – wird das Motiv diagonal zum Fadenlauf auf das Leinen gebügelt und dabei so angeordnet, dass zum Rand hin noch ca. 7 cm frei bleiben.

Das Motiv ( 9,5 cm hoch und 7 cm breit) wird gestickt.

Danach wird der Fadenauszug vorgenommen.
1 cm vom Motiv entfernt beginnt der Erbslochhohlsaum, dann folgt ein 1,5 cm breiter Freiraum für den Saum und ein 0,3 cm breiter Streifen für den Saumeinschlag. An den äußeren Fadenrinnen wird der Stoff später abgeschnitten.

Der Erbslochhohlsaum soll nur an den beiden am Motiv angrenzenden Seiten gearbeitet werden. Die beiden übrigen Seiten erhalten eine Befestigung mit einfachen Hohlsaumstichen.

Zugegeben, das Säumen ist etwas kniffelig, aber mit etwas Geduld machbar. Das Maß des Tüchleins beträgt jetzt 19,5 cm x 19,5 cm und ist nach der Wäsche auf 19 cm x 19 cm geschrumpft.

So entsteht ein hübsches regionaltypisches und individuelles Einstecktuch.

Zum passenden Anzug kann man es weit herausragend

oder etwas tiefer eingesteckt tragen.

Auch ungestärkt hält das Leinen die Form stabil und macht das Einstecktuch zu einem ganz besonderen Hingucker!

Flach zu tragende Einstecktücher mit Schwälmer Weißstickerei werden im nächsten Blogbeitrag gezeigt.

Modetrend Einstecktuch

Modetrend Einstecktuch

Bei uns auf dem flachen Land ist man nicht immer am Puls der Zeit was die Mode betrifft. So hatte ich bisher nicht mitbekommen, dass Einstecktücher ein Comeback erleben.

Vor kurzem kontaktierte mich ein Herr mit der Bitte um Unterstützung. Er ist in der Schwalm aufgewachsen, hat dort eine Dorfschule besucht und ist jetzt zum Anzugträger avanciert. Er erinnerte sich an die Schwälmer Weißstickerei und fragte nach einem individuellen, handgearbeiteten Einstecktuch mit Bezug zu seiner früheren Heimat.

Bald darauf erschien der Newsletter von Inspirations, in dem ein stilvolles Einstecktuch gezeigt (ungefähr bis zur Mitte herunterscrollen) und mit dem Kommentar begleitet wurde, dass es Anzeichen für ein Comeback gäbe.

Nun betrachtete ich Jackettträger in den Medien aufmerksamer und stellte fest, dass viele wieder Einstecktücher nutzen.

Spontan kamen mir viele Möglichkeiten in den Sinn, solche Accessoires individuell zu besticken und damit z. B. heimische Politiker auszustatten. Damit würde sich für diese die Möglichkeit eröffnen, auf das immaterielle Kulturerbe ihrer Region hinzuweisen.

Um es gleich mal ausprobieren zu können, betrachtete ich meine kleinen bereits gestickten Projekte. Die erste Wahl fiel auf das Deckchen mit breitem Saum und gefalteter Erbslochkante.

E-Saum_24

Dieses Design kann man sowohl mit herausstehender Spitze als auch flach tragen.

Eine weitere, ganz andere und schwalmtypischere Idee wird im nächsten Blogbeitrag umgesetzt.

Noch ein Osterei

Nach Beendigung meiner Tests habe ich in aller Ruhe und sehr sorgfältig ein weiteres Ei entstehen lassen.

Die benötigten Materialien wurden zusammengestellt.

Der Zeichnung der Eikontur wurden die Mittelachsen hinzugefügt. Auf einem Lichtpanel wurde die zuerst die Eikontur und darüber die Zeichnung des gewählten Motivs in Übereinstimmung der markierten Mittelachsen mit ablösbarem Klebeband befestigt.

Darüber wurde das, ebenfalls mit Mittelachsen versehene, Leinenstück befestigt. (Mein Leinenstück war nur ca. 11 cm x 11 cm groß. Mit einem etwas größeren Zuschnitt – ca. 15 cm x 15 cm – wäre die Stickarbeit leicht von statten gegangen.)

Mittels eines hitzelöslichen Stiftes wurden das Motiv und die äußere Eikonturenlinie auf das Leinen übertragen.

Man muss aufdrücken, um genügend Tinte für eine klare Linie auf den Stoff zu bringen. Dabei bleibt die feine Spitze des Stiftes leicht in den Vertiefungen zwischen den Gewebefäden hängen.

Das Motiv wurde gestickt. Für Korallen-Knötchen– und Schlingstiche habe ich 2 Fädchen des Sticktwists verwendet, für Kettenstiche und

Füllmuster nur 1 Fädchen.

Der Korb bekam das „Einer -Muster“. Da die zu bestickende Fläche sehr klein ist, habe ich zunächst davon abgesehen, Kettenstiche neben die Korallen-Knötchenstiche zu sticken.

Da mir die Ränder aber zu unsauber aussahen, habe ich nachträglich Kettenstiche gearbeitet und die Mitte der Blume mit einem kleinen Schnürloch versehen.

Die zweite Seite wurde mit dem gleichen Motiv bestickt, die Füllungen aber etwas anders gestaltet.

Um die Häkelborte für den Rand nicht so massiv werden zu lassen, habe ich mit Häkelnadel Nr. 2 und 3 Fädchen des Sticktwists eine lockere Luftmaschenkette gehäkelt. Dafür habe ich ca. 7 Meter des halben Twistfadens benötigt. Zugegeben: Es ist nicht ganz einfach, einen so langen Faden zu teilen, aber es geht, wenn man zwischendurch immer mal wieder das vom Strängchen kommende Fadenende feststeckt, den Faden hoch hält und aufdrehen lässt.

Man muss abmessen, wann die Kette lang genug ist, um die Konturenlinie komplett zu überdecken.

Über die Luftmaschen wurde eine Reihe Stäbchen gehäkelt.

Am Ende der Luftmaschenkette angekommen, wird der Faden mit zwei Luftmaschen zur Kette zurückgeführt, dort befestigt und mit zwei weiteren Luftmaschen auf Höhe der zweiten Stäbchenreihe gebracht, die wieder entlang der Kette gehäkelt wird.

Dadurch bildet sich in der Mitte eine Art Falz, die das Befestigen am Rand einfach gestaltet. Am Ende wird der Faden zur Mitte geführt, durch die letzte Schlinge gezogen und im Abstand von ca. 10 cm zur Häkelborte abgeschnitten.

Die bestickten Leinenteile werden mit den rechten Seiten nach außen passgenau übereinandergelegt und festgesteckt.

Auf der Rückseite kann man kontrollieren, ob die Linien auch richtig getroffen wurden. Ist das nicht der Fall, muss man korrigieren.

Mit etwas Abstand zum Rand werden die Teile zusammengeheftet

und bis auf eine Öffnung an der Längsseite mit kleinen Zick-Zack-Stichen entlang der Konturenlinie zusammengenäht.

Das Ei wird, wie im vorigen Blogbeitrag ausführlich beschrieben, ausgeschnitten

gebügelt, leicht gefüllt und geschlossen.

Der restliche Stoffüberstand wird abgeschnitten.

An der Spitze beginnend, wird die Häkelborte zunächst mit Stecknadeln befestigt,

um sicherzustellen, dass die Borte gleichmäßig am Rand verteilt ist.

Die mit nur 3 Fädchen gehäkelte Borte ist nicht so stabil wie die mit einem ganzen Faden gehäkelte (die gelbe im vorhergehenden Blogbeitrag zu sehende). Daher dachte ich, es sei besser, sie festzunähen. Das habe ich diesmal mit Stichen von der Rückseite nach vorn und zurück erledigt.

Das hat den Vorteil, dass man die Borte auf beiden Seiten in gleichmäßiger Breite befestigt.

Vielleicht habe ich die Stiche zu groß gewählt, vielleicht auch den Faden zu fest angezogen. Dadurch wirkt der Rand unruhiger als bei den mit überwendlichen Stichen Masche für Masche befestigten grünen und pinkfarbenen Borten.

Am Busch hängend

und im leichten Luftzug schaukelnd fällt das nicht mehr ins Gewicht.

Herzkissen

Um ein kleines Kissen in Herzform herzustellen, benötigt man zwei Stoffstücke gleichen Leinens. Sie sollten so groß sein, dass man sie bequem in einen Stickrahmen einspannen kann. Auf eines der beiden Teile wird das beiliegende Herzmotiv aufgebracht, entweder durch aufbügeln oder durch aufzeichnen unter Verwendung es wasser- oder hitzelöslichen Stiftes.

Die äußere Herzlinie wird mittels farbigem Garn mit kurzen Vorstichen markiert. Das Herz mit Schnürlochbögen wird gestickt.

Die fertige Stickerei und das andere Leinenstück werden unter Zugabe von wenig Waschpulver

in Wasser zunächst eingeweicht und dann gekocht.

Beide Teile werden getrocknet und gut gebügelt übereinandergelegt, so dass die Rückseite der Stickerei außen platziert ist. Dicht entlang der Markierungslinie werden beide Teile nun zusammengenäht. Nur an einer – möglichst geraden – Stelle bleibt ein Stück von ca. 4 bis 5 cm offen. Dort bleibt auch die Markierung erhalten, ansonsten wird sie entfernt.

Die Stoffränder werden auseinandergefaltet und

die Naht wird sehr gut ausgestrichen.

Der Stoffüberstand wird bis dicht an die Naht heran abgeschnitten, aber Vorsicht – es müssen mindesten zwei Gewebefadenkreuze außerhalb der Naht stehen bleiben, damit das Gewebe später nicht ausfranst. Nur an der offenen Stelle bleibt ein Stoffüberstand von ca. 1 cm stehen.

Die Stickerei wird vorsichtig von Innen nach Außen gewendet. Die Nahtstellen werden durch vorsichtiges Hin- und Herschieben zwischen den Fingerspitzen am Außenrand positioniert. Jeweils kleine, aufgelockerte Portionen Füllwatte werden durch die Öffnung in den Herzbeutel gesteckt und dort mit den Fingern zuerst an die Ränder transportiert. Nach und nach wird die gesamte Fläche aufgepolstert.

Nachdem genügend Füllwatte eingebracht wurde, werden die verbliebenen Stoffüberstände auf Höhe der Markierung nach innen gefaltet. Der Markierungsfaden wird entfernt und die Naht mit kleinen überwändlichen Handstichen geschlossen.

Mit nicht zu dünnem Baumwollgarn wird eine Kordel gedreht. Wenn ein Twister vorhanden ist, gelingt das spielend leicht. Aber es geht auch auf alte Art mit Stift oder Holzstäbchen.

An der oberen Mitte beginnend wird die Kordel über der Naht befestigt. Anfang und Ende werden dicht am Stoff fest zusammengenäht.

Die Überstände werden zur Aufhängeschlaufe zusammen geknotet.

Zusammen mit einem eckigen Kissen, den Zapfen, kleinen Engelchen, Glocken, den ausgeschnittenen Herzen, den Schneebällen und vielleicht auch den Pilzen, den Trauben und Blättern oder auch kleinen Beutelchen (hier findet man die Anleitung), Säckchen oder Hängern
kann daraus ein hübscher und ganz individueller Weihnachtsbaumschmuck werden.