Flächenfüllmuster Nr. 546

Kategorie: Limet-Muster
verwendetes Leinen: 13,5-fädig
verwendetes Garn: Vierfachstickgarn Nr. 20
angewandte Stiche: Einfache Rosettenstiche und Rosenstiche
mittlere Längsachse = Fadenrinne
Breite eines Mustersegmentes: 16 Fäden

Zuerst erstellt man ein Limet-Fadengitter mit einer Fadenrinne als mittlerer Längsachse.

Man arbeitet eine Reihe einfacher Rosettenstiche entlang der mittleren Längsachse.

Man arbeitet ein senkrechte Reihe Rosenstiche daneben.

Immer abwechselnd wird eine Reihe einfacher Rosettenstiche neben eine Reihe Rosenstiche gestickt, bis die eine Hälfte der Form gefüllt ist.

Ausgehend von der bestickten Fläche füllt man die zweite Hälfte der Form.

Ein weiteres Muster – auch zum Füllen kleinerer Flächen geeignet – ist entstanden.

Schwälmer Brauch – Pfingstmännchen und Pfingstbügel

Der Schwälmer Pfingstbrauch ist ein Heischebrauch (heischen ist ein veraltetes Wort für einfordern, verlangen). Kinder bitten um Gaben, während sie durch die Ortschaft von Haus zu Haus ziehen.

Der Ablauf wird von Dorf zu Dorf leicht variiert und änderte sich auch im Laufe der Jahrzehnte geringfügig. Im Kern ist er jedoch gleich geblieben.

Die Jungen eines Dorfes ziehen am Pfingstmontag in den Wald. Dort wird einer von ihnen mit frischgrünen Zweigen, Gras und Moos eingebunden zum sogenannten Pfingstmännchen.

Der ganze Körper wurde in Zweige und Grün eingehüllt. Kaum eine Stelle blieb unbedeckt. Nur durch kleine Sehschlitze konnte man aus der Hülle schauen.

Die Bewegungen mit der engen, dicken Hülle waren etwas schwerfällig, aber alle hatten Spaß dabei.

Es war eine besondere Ehre, Pfingstmännchen sein zu dürfen.

Die Mädchen des Dorfes bringen ihre schönsten Seidenbänder zur Näherin, die damit kunstvoll den Pfingstbügel schmückt. Der Pfingstbügel ist ein halbkreisförmiger Schild, oben an einem Mittelstab

oder auch an zwei seitlichen Stäben zum Tragen befestigt. Oft wurden die später sichtbaren unteren Enden der Stäbe mit Schnitzereien verziert oder mit Bändern umwickelt.

Eine Seite des Schildes wird mit roten Bändern geschmückt,

die andere Seite mit grünen Bändern.

Oft ziert ein diagonal angeordnetes Kreuz aus zwei Bändern die Oberfläche zusätzlich. An der oberen Spitze des Bügels wird ein Blumensträußchen angebracht.

Die Mädchen ziehen mit ihrer stolzen Festtagstracht bekleidet und mit kleinen Schwälmer Körbchen bestückt in den Wald, um die Jungen abzuholen.

Die Pfingstbügelträgerin führt den Zug an. Es ist eine besondere Ehre, den Pfingstbügel tragen zu dürfen. Beim Auszug aus dem Dorf wird die rote Seite des Pfingstbügels nach vorn getragen.

Gemeinsam mit dem Pfingstmännchen ziehen die Kinder zurück zum Dorf. Diesmal wird die grüne Seite des Pfingstbügels nach vorn gehalten. Sie symbolisiert das Erwachen und Ergrünen der Natur.

Die unten zu sehende Aufnahme des Fotografen Dr. Andreas Scheller stammt aus den 1940er Jahren.

Zurück im Dorf führte der Weg der Kinder mit dem Pfingstmännchen von Haus zu Haus, um kleine Spenden einzusammeln. Überliefert ist der Empfang von Eiern, Speck, Süßigkeiten und Münzen. Der typische Spruch „Gelle, gelle blanke Mutter, schau die vielen Kinder an, woll´n all ernähret sein. Gib uns Eier, gib uns Speck, schneid ihn von der Seite weg, kratze mit den Nägeln dran, sag der Kitz Katz Kater hätt´s getan“ wird aufgesagt oder es werden bekannte Volkslieder gesungen.

Nach Beendigung des Umzuges wird das Pfingstmännnchen unter dem Beifall der Kinder entlaubt. Die eingesammelten Eier werden zu einem Rieseneierkuchen verbacken. Von dem Geld wird Limonade gekauft. Damit halten die Kinder ein gemeinsames Mahl ab.

Besuch aus Hongkong

Vor einiger Zeit besuchte eine Dame aus Hongkong meine Ausstellung und belegte einen Kurs bei mir. Mimi Chan ist eine perfekte Stickerin und interessiert am Erlernen aller Arten der Stickerei. So besuchte sie die Royal School of Needlework in Großbritannien und schloss ihr Studium dort mit Auszeichnung ab. Sie erreichte die beste Note, die es je in der Schule gab!

Sie tourt durch die Welt, um die verschiedensten regionalen Techniken kennenzulernen. Zu Hause erteilt sie Unterricht. In ihren TOUR Embroidery Klassen gibt sie weiter, was sie auf ihren Reisen erlernt hat.

Nachdem sie von der Schwälmer Weißstickerei erfahren hatte, kontaktierte sie mich, um einen Besuchstermin mit Workshop zu vereinbaren. Nie zuvor hat sie diese Technik gearbeitet, aber sie kannte die meisten der einzelnen Stiche. So lernte sie sehr schnell und sehr viel.

Sie arbeitete sich durch eine Reihe meiner Bücher, immer anhand von kleinen Übungen zeigend, dass sie in der Lage ist, die einzelnen Sequenzen selbstständig problemlos fertig zu stellen.

Im Herbst will sie noch einmal wiederkommen; ich bin sicher, dass sie Eschwege danach als perfekte Schwälmer Stickerin verlassen wird.

Sie genoss die Betrachtung der breit gefächerten Ausstellungsstücke, die so viele unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten der Schwälmer Weißstickerei aufzeigen. Sie fotografierte und stellte ein Video zusammen, dass sie auf YouTube und Facebook zeigt.

Dank Mimi wird die wunderbare Schwälmer Weißstickerei in einem weiteren Teil der Welt bekannt.

Einfacher Rosettenstich

Bei der eingehenden Betrachtung einer Schwälmer Weißstickerei habe ich einen für mich neuen Stich entdeckt – er ist ein weiteres Beispiel der Erfindungskraft Schwälmer Stickerinnen. Sofort habe ich ihn ausprobiert. Hier präsentiere ich das Ergebnis.

Der Stich wird in ein Limet-Fadengitter gearbeitet. Ähnlich dem Rosenstich wird er in vier Schritten von einem Mittelpunkt ausgehend gestickt. Aber dieser Stich wird nicht mit Schlingstichen, sondern mit Wickelstichen ausgeführt. Auch wird er nicht im, sondern gegen den Uhrzeigersinn gestickt. Nirgendwo habe ich einen Namen für diesen Stich gefunden. Daher nenne ich ihn einfachen Rosettenstich.

Am Ende dieses Beitrages befinden sich Instruktionen für Linkshänder.

Man sticht ein Kästchen oberhalb der unteren Kante aus. Der Ausstich ist der Mittelpunkt des Stiches.

*Man überquert ein Kästchen nach unten, sticht ein und im Mittelpunkt wieder aus.

Man überquert ein Kästchen nach rechts, sticht ein und im Mittelpunkt wieder aus. Der Faden wird angezogen.

Man überquert ein Kästchen nach oben, sticht ein und im Mittelpunkt wieder aus. Der Faden wird angezogen.

Man überquert ein Kästchen nach links, sticht ein und bringt die Nadel im nächsten Mittelpunkt – ein Kästchen diagonal nach rechts oben – wieder hervor.*

Man wiederholt die Arbeitsschritte (*). Der erste Schritt dieses Stiches teilt sich den gleichen Platz mit dem dritten Schritt des vorhergehenden Stiches. (Die Fäden liegen dicht nebeneinander.)

Die Reihen werden von unten nach oben gearbeitet. Jedes Loch dieser Längsachse ist der Mittelpunkt eines Stiches. Der Faden wird so angezogen, dass ein deutliches Loch entsteht.

Dadurch werden hübsche, klare Zentrumslöcher gebildet.

Eine Reihe dieses Stiches kann mit Reihen anderer Stiche kombiniert werden – zum Beispiel mit Wickelstichstangen–, um hübsche, gestreifte Muster zu erzielen.

Wenn man eine zweite Reihe dieses Stiches sticken möchte, dreht man die Arbeit um 180° und stickt die zweite Reihe neben die erste. Beim Arbeiten nebeneinanderliegender Reihen, werden sich einzelne Arbeitsschritte dann den gleichen Platz mit Arbeitsschritten der vorgehenden Reihe teilen.

Zwei Reihen dieses Stiches können mit Reihen anderer Stiche kombiniert werden, um weitere gestreifte Muster zu erzielen.

Aber mehr als zwei Reihen des einfachen Rosettenstiches sollten nicht gearbeitet werden. Füllt man die komplette Fläche mit diesem Stich, würde man das gleiche Muster erzielen wie mit Doppelkreuze in geraden Reihen – verkehrt (Mustertücher `Lichte Muster`). Zum Füllen kompletter Flächen lässt sich dieses Muster wesentlich schneller sticken.

Jedoch kann man mit dem einfachen Rosettenstich, wenn man ihn von der Rückseite aus arbeitet, ein hübsche Muster für kleine Flächen erzielen.

Dann ergeben die Stiche, abwechselnd gerade und schräg liegend, einen besonderen Effekt.

Instruktionen für Linkshänder:

*Man überquert ein Kästchen nach unten, sticht ein und im Mittelpunkt wieder aus.

Man überquert ein Kästchen nach links, sticht ein und im Mittelpunkt wieder aus. Der Faden wird angezogen.

Man überquert ein Kästchen nach oben, sticht ein und im Mittelpunkt wieder aus. Der Faden wird angezogen.

Man überquert ein Kästchen nach rechts, sticht ein und bringt die Nadel im nächsten Mittelpunkt – ein Kästchen diagonal nach rechts oben – wieder hervor.*

Man wiederholt die Arbeitsschritte (*). Der erste Schritt dieses Stiches teilt sich den gleichen Platz mit dem dritten Schritt des vorhergehenden Stiches. (Die Fäden liegen dicht nebeneinander.)

Die Reihen werden von unten nach oben gearbeitet. Jedes Loch dieser Längsachse ist der Mittelpunkt eines Stiches. Der Faden wird so angezogen, dass ein deutliches Loch entsteht.

Eine Reihe dieses Stiches kann mit Reihen anderer Stiche kombiniert werden – zum Beispiel mit Wickelstichstangen–, um hübsche, gestreifte Muster zu erzielen.

Wenn man eine zweite Reihe dieses Stiches sticken möchte, dreht man die Arbeit um 180° und stickt die zweite Reihe neben die erste. Beim Arbeiten nebeneinanderliegender Reihen, werden sich einzelne Arbeitsschritte dann den gleichen Platz mit Arbeitsschritten der vorgehenden Reihe teilen.

Neue Bildübersicht für Flächenfüllmuster

Ein herausragendes Merkmal der Schwälmer Weißstickerei ist die riesige Auswahl unterschiedlicher Flächenfüllmuster. Viele habe ich bereits in meinen Büchern publiziert, aber es gibt so viele weitere und schöne Muster zum Füllen von Flächen jeder Größe und jeder Form. Hin und wieder habe ich Flächenfüllmuster in meinem Blog präsentiert – im Laufe der Zeit sollen noch viele weitere folgen.

Bereits Anfang 2015 hatte mir mein Webmaster ein Blogarchiv mit einer Bildübersicht installiert, das bei vielen meiner Leser Begeisterung ausgelöst hat. In dieser Übersicht findet man unter anderem auch die Flächenfüllmuster. Aber man muss sie heraussuchen.

Um dies zu verbessern, kam mir die Idee, eine neue, zusätzliche Übersicht zu installieren, die ausschließlich Flächenfüllmuster herausgreift. Mein Webmaster hat die technischen Voraussetzungen geschaffen und das neue Archiv zunächst mit den vorhandenen Übersichtsbildern bestückt. Vielleicht ist Ihnen dieses Musterarchiv in den letzten Wochen schon aufgefallen.

Die Bildübersicht soll aber so gestaltet sein, dass man auf den ersten Blick einen direkten Vergleich der Wirkung unterschiedlicher Muster erhält. Dazu müssen alle Muster in ungefähr gleicher Größe und aus dem gleichen Winkel heraus fotografiert abgebildet sein.

Um dieses Ziel zu erreichen, habe ich in den letzten Wochen viel gestickt. Vier große Mustertücher sind bereits in Arbeit, ein fünftes wird folgen. Wenn alle Tücher gefüllt sind, werde ich wohl 210 bisher von mir nicht gezeigte Flächenfüllmuster präsentieren können, darunter sicherlich auch einige völlig neue.

Für die Mustertücher habe ich 13,5-fädiges Weddigen Leinen (Artikel 160) in einer Größe von je 50 cm x 185 cm gewählt. Am Ende werde ich sie als Flächenvorhänge verwenden. Mit einem Gewichtsstab am unteren Ende versehen hängen sie schön glatt und die Muster kommen im Gegenlicht besonders gut zur Geltung.

Die Musterflächen haben eine Größe von ca. 7,5 cm x 7,5 cm. Damit alle Quadrate eines Tuches die exakt gleiche Größe bekommen, habe ich die Muster in Gruppen eingeteilt. (Wertvolle Ratschläge für Einteilung und Gestaltung von Mustertüchern finden sich in meinem Buch „Mustertücher `Lichte Muster´“.)

So gibt es ein Tuch nur mit Limetmustern, die ein Kästchen im Mittelpunkt haben,

und eines ausschließlich mit Limetmustern mit einer Kreuzung zweier Fadenrinnen im Zentrum.

Ein Tuch zeigt lichte Muster mit einem Fadenkreuz im Mittelpunkt, eines mit einem Kästchen im Zentrum wird folgen.

Das fünfte Tuch ist für Muster gedacht, die einen speziellen Fadenauszug benötigen.

Nur die Bilder der figürlichen Flächenfüllmuster sollen nicht abgeändert werden.

Mit diesen vorbereitenden Arbeiten bin ich meinem Ziel ein großes Stück näher gekommen: quadratisch, praktisch, gut – so präsentiert sich meine neue Thumbnailübersicht. Zunächst gut überschaubar, wird sie wachsen und wachsen. Die vielen schönen, in meinen Büchern veröffentlichten Muster werden natürlich nicht dazu gehören, um meine zahlenden Kunden nicht zu benachteiligen.

Die neue Bildübersicht des Musterarchivs kann von großem Nutzen sein, wenn man ein passendes Muster für eine spezielle Fläche sucht. So hoffe ich, dass auch Sie Ihre Freude daran finden werden.

Die neue Übersicht findet man durch Klicken auf blog in der Kopfzeile meiner Website. Auf der Blogseite findet man am rechten Rand drei Laufbänder – Blogbeiträge, kostenlose Konturenmuster und Flächenfüllmuster. Klickt man auf eines dieser Laufbänder, öffnet sich die entsprechende Übersichtsseite.