Stickereien von Rosemarie Landsiedel-Eicken (4)

Stickereien von Rosemarie Landsiedel-Eicken (4)

Nach Erbsloch- und Stopfhohlsäumen stand im vierten Projekt das Erlernen einer randverzierenden Nadelspitze an. Während viele Stickerinnen zuerst nur einfache Nadelspitzenbögen sticken, hat Frau Landsiedel-Eicken gleich drei Schwierigkeitsgrade in ihrem Rand abgearbeitet: Nadelspitzenbögen mit Pyramidenzäckchen und Pikots.

Im Vergleich mit den Stickereien von Decke 1 und Decke 2, fällt auf, dass die Motive dieser Decke üppiger und markanter gestaltet wurden.

Stickereien von Rosemarie Landsiedel-Eicken (3)

Stickereien von Rosemarie Landsiedel-Eicken (3)

Während Teil 1 und Teil 2 der Stickereien von Rosemarie Landsiedel-Eicken den Kursprogrammen der damaligen Zeit folgten, lehnt sich Teil 3 nur noch teilweise an deren Fortschreibung an: An einer kleinen quadratischen Decke wurde das Sticken eines Stopfhohlsaumes mit Spinnenecken erlernt.

Frau Landsiedel-Eicken hat gleich vier unterschiedliche Stopfhohlsaummuster an ihrem Projekt verwirklicht.

Frei gestaltete und sehr unterschiedlich ausgearbeitete Schmetterlingsmotive – kranzförmig angeordnet – zieren die Innenfläche des Deckchens.

Stickereien von Rosemarie Landsiedel-Eicken (2)

Stickereien von Rosemarie Landsiedel-Eicken (2)

In Teil 1 der Stickereien von Rosemarie Landsiedel-Eicken habe ich ihr Erstlingswerk vorgestellt. Hier folgt nun eine ihrer weiteren Arbeiten. Auch diese ist noch dicht an das Kursprogramm der damaligen Zeit angelehnt.

Eine Mitteldecke mit einem üppigen Kranzmotiv entstand. Neben Herzen und unterschiedlichen Tulpen/Blüten sind auch Vogelmotive zu sehen.

Am Rand wurde eine Kombination aus Erbslochhohlsäumen und Kästchenstichen gearbeitet. Solche Kombinationen waren als weiterführende Lehrinhalte in Kursen gängig und beliebt. Denn wegen der durch die Kästchenstichreihen stehenbleibenden Gewebefäden in der Ecke war die Ausarbeitung der Ecke einfacher als beispiesweise bei einem Stopfhohlsaum, bei dem alle Eckfäden ausgezogen sind und durch Stickfäden ersetzt werden müssen.

Neben den Basisstichen kamen weitere Muster und neue Musterkombinationen zum Einsatz: Bäumchenstiche zur Zierde einiger Vogelmotive und lichte Stopfstichmuster,
Plattstichgestaltungen, herzförmige Blätter, 2 kurz-2 lang Stiche und Schnürlöcher.

Schauen Sie selbst!

Stickereien von Rosemarie Landsiedel-Eicken (1)

In einem meiner vorherigen Beiträge habe ich einen aufwändig gearbeiteten und sehr individuell gestalteten Wandbehang von Rosemarie Landsiedel-Eicken vorgestellt, der bei meinen Bloglesern auf großes Interesse gestoßen ist. Nun habe ich Bilder ihrer weiteren gestickten Werke zur Verfügung gestellt bekommen, die ich nun nach und nach zeigen werde.

Um in den 1970er Jahren die Schwälmer Weißstickerei in Kursen zu erlernen, war es üblich, zuerst eine Mitteldecke mit einem Eckmuster zu besticken. Ein solches Muster enthielt stets Herz und Tulpe, oft „Sonnen“, manchmal weitere Blumenmotive, mitunter auch Vögel, immer aber kleine Blätter und einige Spiralen. Am Rand wurde ein Erbslochhohlsaum gearbeitet.

Einerseits waren Eckmotive leichter aufzubügeln als größere Designs, andererseits boten sie die Möglichkeit, die Arbeit nach Fertigstellung einer Ecke zu beenden.
Frau Landsiedel-Eicken hat sich ein besonders ausladendes Eckmotivs gewählt. Sie hat als Anfängerin dabei nicht unbedingt auf den Fadenlauf der Motive geachtet, sehr wohl aber auf die Ausgewogenheit des Designs.

Begonnen wurde zur damaligen Zeit mit dem Eck-Herzen. Das erhielt einen Rand aus Schnürlochbögen und eine Füllung aus einem lichten Grundstich-Stopf-Muster; „Viererfensterchen“ oder wie hier zu sehen „Neunerfensterchen“ waren beliebt. Einfache Durchbruchmuster wie Mückenstich, Waffelstich und Wickelstichstangen folgten. Bei den Limetmustern begann man mit Wickelstichmustern sowie den leicht und schnell zu arbeitenden Marburger Grundstichen. Rosenstiche im Grundstichgitter folgten.

Oft wurden gegenüberliegende Ecken mit den gleichen Mustern bestickt. Besonders lernbegierige Stickerinnen versuchten aber, so viele verschiedene Muster wie möglich in ihre Arbeit zu bringen. So auch Rosemarie Landsiedel-Eicken.
Das Wickelstich-„Einer-Muster“, eine Kombination aus Limetrosen und Rosenstichen sowie eine Kombination aus Wickelstichtreppen und Rosenstichreihen kamen hinzu.

Die dritte Ecke enthält weitere lichte Rosenstichmusterungen, das Wickelstich- „Zweier-Muster“ und eine Kombination aus Rosenstichen und Wickelstichen.

Auch die vierte Ecke enthält weitere Musterkombinationen, wie z. B. Wickelstiche mit Mückenstichen.

An einem solchen Projekt konnten also neben einigen Kombinationen alle grundlegenden Stiche erlernt werden:
• einfache Durchbruchmuster: Wickelstich, Mückenstich und Waffelstich,
• lichte Durchbruchmuster: Grundstich und Grundstich „verkehrt“, Grundstich mit Stopfstichmustern und Grundstich mit Rosenstichmustern
• Limet-Durchbruchmuster: Marburger Grundstich, Wickelstiche, Limetrosen, Rosenstiche. Es fehlt in diesem Beispiel als grundlegender Stich nur der Kästchenstich als Füllmuster, der aber in dem Erbslochhohlsaum erscheint.
Mit Kenntnis all dieser Basisstiche steht die Welt der Stickerin nun offen für die schönsten Musterkombinationen.

Ein fabelhaft beeindruckendes Mustertuch

Die Malerin Rosemarie Landsiedel-Eicken aus Korbach hat für einige Jahre Pinsel, Farbe und Leinwand beiseite gelegt und Kunstwerke mit Nadel, Faden und Stoff erschaffen.

Ihr imposantes, fabelhaftes Mustertuch war für mich der Ideengeber für das Globale Schwälmer Mustertuch. In meinem Vorschlag dazu konnte ich damals nur ein Bild von dem Gesamtprojekt zeigen.

Nun habe ich dankenswerter Weise Detailbilder zur Verfügung gestellt bekommen mit der Erlaubnis, sie auf meinem Blog zu zeigen.

Frau Landsiedel-Eicken hat in ihrem Wandbehang eine riesige Auswahl an Musterungsmöglichkeiten, die die Schwälmer Weißstickerei bietet, festgehalten.

Im oberen Teil wurden in zwei Reihen je sieben Kreismotive auf quadratischem Grund angeordnet. Die Quadrate sind vertikal durch Stäbchenhohlsäume und horizontal durch einen Zickzackhohlsaum unterteilt. Die Kreismotive sind abwechselnd mit Limet- und lichten Mustern gefüllt – Endlosmuster sind neben figürlichen Motiven zu sehen.

Ein „Bohnenloch“-Stopfhohlsaum grenzt den oberen Bereich zur folgenden Borte ab. Hier wurde ein breiter Streifen mit einem lichten Grundstichmuster versehen, in den Häuser, Sterne und Engel eingestopft wurden.

Eine Borte mit sieben Halbovalen schließt sich nach unten hin an. Die Flächen sind mit Schnürlochbögen umgeben und wechselseitig mit Limet- und lichten Endlosmustern gefüllt. Jeweils zwei von einem Schnürloch ausgehende Blätter – flügelförmig angeordnet und mit unterschiedlichen Stichen ausgeführt – füllen die Zwischenräume.

Ein A-Muster Stopfhohlsaum, nach unten hin begrenzt durch eine Reihe von Schnürlochbögen, bildet mit seiner offenen Struktur einen Kontrast zur darüber liegenden Borte und mit seiner eher eintönigen Struktur einen klaren Kontrast zu dem nach unten folgenden Bereich.

Dieser ist dicht bestickt mit an Fabelwesen erinnernde Tierfiguren.

Die Bereiche der einzelnen Tiere sind durch dünne Knötchenstichlinien markiert. Ab und zu dazwischen gesetzte Reihen von Kästchenstichen, Schnürlochbögen, Messerspitzen, geschnürten Messerspitzen, 2kurz-2lang Stichen sowie Messerspitzensternchen komplettieren die Umrandungsstickerei.

Hahn, Pfau, Ente, Eule und andere Vögel, Fledermaus, Elefant, Giraffe, Hase, Pinguin, Löwe, Affe, Nashorn, Dromedar, Steinbock, Schwein und Esel sowie Fische sind in ganz unterschiedlicher Ausgestaltung zu finden.

Ein Stopfhohlsaum mit Spinnen grenzt diesen Bereich zu einem weiteren Band mit einem lichten Grundstichmuster ab. In dieses Band wurden mit Rosenstichen Figuren eingestickt. Vögel, Stuhl, Hund, Kuh, Stern und andere sind zu sehen.

Daran schließt sich nach unten hin eine breite Borte an, die mit ihren Motiven und deren Anordnung an traditionelle Schwälmer Bortenmuster erinnert. Viele verschiedene Tulpen, Blumen und Früchte, die aus Gefäßen herauswachsen, unterschiedliche Vogeldarstellungen wurden mit variierenden Flächenfüllmustern ausgearbeitet.

Viele spiralförmige Ranken und kleine Blätter und Blütchen wurden zwischen den dicht gedrängten Motiven angeordnet. Unterschiedliche Stopfhohlsaumabschnitte komplettieren das Bild. Nadelspitzenfüllungen in den „Sonnen“ bereichern die Musterauswahl um ein weiteres Element.

Im Gegensatz zu dieser quirlig anmutenden Anordnung steht die Strenge der folgenden Borte: Neun fast gleichgroße Halbovale bilden diesen Musterstreifen, der wie eine Reihe von Bogenfenstern anmutet. Wiederum wurden andere Limetflächenfüllmuster in die Flächen gestickt.

„Tanzende“ Schmetterlinge sind im nächsten Abschnitt zu sehen – große und kleine, mit weit ausgebreiteten Flügeln oder in der Seitenansicht gezeigt, erweitern das Spektrum der Motive.

Ein Stopfhohlsaum mit einem einteiligen Blockmuster, nach unten hin begrenzt von Schnürlochbögen, schließt die Schmetterlingsborte, ein Nadelspitzenrand das Mustertuch am unteren Ende ab.

Als Jahreszahlen sind 1990 und 1991 notiert – eine Mammutaufgabe wurde von einer einzelnen Stickerin in relativ kurzer Zeit erledigt!