Das sogenannte „Geschirr“ wurde gebraucht, damit die vielen und schweren Röcke, die zur Festtagstracht übereinander angezogen wurden, Halt fanden und nicht herunterrutschen konnten.
Es wurde über dem knielangen Unterhemd getragen. Hier ist ein Geschirr in einer Aufnahme aus dem Jahr 2004, abgebildet bei Brunhilde Miehe `Der Tracht treu geblieben´ Band 3, zu sehen.

Das Geschirr bestand aus einem dicken Wulst, einem darangenähten flachen Stoffstreifen und Trägern. Zur Herstellung verwendete man feines Leinen.

Der Wulst war prall gefüllt

mit Materialien, die man zur Hand hatte – Flachsfasern, Schafwolle, Rosshaar oder ähnlichem.

Die Träger waren im Rücken gekreuzt, sodass sie nicht von den Schultern rutschen konnten.

Die Enden des Wulstes liefen flach aus. Der flache Stoffstreifen war länger als der Wulst.

Das Geschirr wurde vor dem Bauch mit Haken und Öse geschlossen.

Während die Träger im Rücken relativ dicht neben der Mitte angebracht waren, so wurden sie im Vorderteil weit seitlich angesetzt.

Kleine Mädchen mussten kein solches Geschirr tragen. Für sie befestigte man den Wulst an der Weste.

Ursprünglich waren die meisten Schwälmer Konturenmuster in geraden Borten angeordnet, denn man verzierte überwiegend Bettüberwürfe, Paradekissen und Mieder mit der Stickerei. Auch Eckmotive kannte man, die vorwiegend auf Abendmahlstaschentüchern zum Einsatz kamen. Auf den Bräutigamshemden fand man auch andere Musteranordnungen.
Mit den sich ändernden Lebensgewohnheiten und den damit verbundenen anderen Gebräuchen der Stickerei, zum Beispiel als Tischwäsche, änderten sich auch die Musteranordnungen.
Kranzmotive wurden sehr beliebt. Aber auch alle anderen geometrischen Grundformen wie Quadrat, Rechteck und Oval sowohl als Mittelmotive

als auch als Borten in unterschiedlichesten Breiten

ebenso, wie Kreis, Halbkreis, Halboval und Kreuz sind zu finden;

dazu auch noch individuell gestaltete Formen.

Natürlich gibt es sehr viele unterschiedliche Entwürfe von verschiedenen Designerinnen. Aber nicht immer kommt man an diese heran. Ein eigenes Konturenmuster zu entwerfen, bereitet nicht nur viel Spaß, sondern man kann auch die Form und Größe seinen eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen ganz individuell anpassen. Man kann Formen verwenden, die man ganz besonders gern mag. Man kann schöpferisch tätig werden und sich so etwas erschaffen, was einzigartig auf der Welt ist.
Um Sie dabei zu unterstützen, bin ich dabei, einen Konturenbaukasten zu erstellen, der hunderte von Formen zu freien Auswahl zur Verfügung stellen wird. Dies ist allerdings ein sehr aufwändiges Unterfangen und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wenn die Zeit gekommen ist, werde ich Sie unterrichten. Hier folgen erst einmal ein paar Tipps zum Erstellen von Konturenmustern.
Zunächst muss man sich für eine Grundform entscheiden und deren Größe festlegen. Dann sollte man die mittlere Längs- und Querachse sowie Diagonalen markieren, die später mit dem Fadenlauf des Leinens übereinstimmen. Hier soll ein Kranzmotiv entstehen bzw. näher betrachtet werden. Die beige eingefärbte Fläche soll mit einem Konturenmuster verziert werden.

Dazu nimmt man zunächst Motive wie Tulpe, Herz, Kreis usw., ordnet sie in der Fläche an und füllt die Zwischenräume mit Stielen, Spiralen, kleinen Blättchen oder kleinen Blüten.

Nicht alle Motive müssen dabei bis an den Rand der Grundform reichen – die Grundform muss aber erkennbar sein, wie das Bild mit dem Ausschnitt einer Konturenzeichnung zeigt.

Welche Motivgrößen man wählt, wie dicht man die Formen setzt, wie man die Zwischenräume füllt, all dies ist Geschmacksache. Zur Verdeutlichung zeige ich unten zwei sehr unterschiedlich gestaltete Kranzmotive, die ungefähr die gleiche Größe haben.

Frau Alexandra Thielmann verwendete für ihren Entwurf (Bild oben) relativ kleine und verspielte Motive und füllte die Zwischenräume locker mit geschwungenen Stielen und vielen Blättchen.

Frau Herta Schneider verwendete für ihren Entwurf (Bild oben) eher klassisch schnörkellose Motive und setzte sie sehr viel dichter. Sie füllte die Zwischenräume mit verbindenden Stielen, mit vielen Spiralen, einigen Blättchen und kleinen Blüten.
Um weitere Eindrücke der Gestaltungsmöglichkeiten zu erhalten, gehen sie bitte zu meiner Seite Vielfalt und schauen Sie sich die dortigen Bilder unter den Gesichtspunkten „Motivgröße“, „Dichte der Motivanordnung“ und „Zwischenraumfüllung“ an.
Weitere Konturenbeispiele finden Sie im Kopfteil meiner Website. Sie wechseln automatisch, wenn Sie eine andere Seite anwählen. Eine riesige Auswahl hervorragender Beispiele finden Sie in meinem Ausstellungskatalog 2011 „Kunst der Schwälmer Weißstickerei“.
In meiner Sammlung finden sich zwei Tischläufer (einen davon habe ich gestickt), die mit dem gleichen Design verziert wurden, aber dennoch sehr unterschiedlich ausfallen. Hier und in später folgenden Beiträgen werde ich beide vergleichen.
Für den einen Tischläufer wurde eine rechteckige Form gewählt,

der andere ist oval.

Das Design ist 60 cm lang und 24 cm breit und hat folgende Grundform:

Der rechteckige Läufer wurde auf 16-fädigem Weddigen Leinen gearbeitet.

Für den ovalen Läufer wurde 17/19-fädiges handgewebtes Leinen verwendet.

Das Fertigmaß des rechteckigen Läufers beträgt 95 cm x 44 cm bei einem 3 cm breiten Saum mit einem 1 cm breiten Einschlag. Als Randverzierung wurde halber Erbslochhohlsaum gestickt.

Dazu werden auf einer Seite Fäden mittels Kästchenstichen gebündelt. Auf der gegenüberliegenden Seite werden immer zwei dieser Bündel mit einem Hohlsaumstich zusammengefasst.

Der ovale Läufer misst 78 cm x 31 cm inklusive der 2,2 cm breiten Nadelspitze. Er erhielt einen 0,5 cm schmalen Rollsaum,

an dem die zackenförmige Nadelspitze befestigt wurde.

Nr. 471
Kategorie: Limet-Muster
angewandte Stiche: Rosenstiche und 7 Stiche der einfachen Limetrose
Diagonales Streifenmuster

In das vorbereitete Limet-Fadengitter (längs und quer abwechselnd jeweils drei Fäden stehen lassen und einen Faden ausziehen) arbeitet man zunächst mit Vierfachstickgarn Nr. 25 Rosenstiche in die mittlere Diagonalachse.
Dann stickt man, mit Vierfachstickgarn Nr. 30, ausgehend von den Treffpunkten zweier Rosenstiche jeweils 7 Stiche der einfachen Limetrose gegen den Uhrzeigersinn. Für genauere Informationen greifen Sie bitte auf mein Buch „Limetrosen I“ zurück.
Eine weitere Reihe aus jeweils 7 Stichen der einfachen Limetrose stickt man so dagegen, dass die Spitzen wie Zähne ineinandergreifen.
Anschließend arbeitet man eine weitere Reihe Rosenstiche.
Jeweils 1 Reihe Rosenstiche und 2 Reihen Limetrosenviertel wechseln sich ab.
Erst nach der Wäsche kommt der Reiz des Musters voll zur Geltung.

Dieses Muster wirkt in vielen unterschiedlichen Konturen sehr hübsch.


Fächerförmig angeordnete Bögen kann man in vielen verschiedenen Varianten besticken. Hier sind ein paar Beispiele. Das gleiche Design eines Granatapfels
mit Plattstichen zwischen zwei Reihen von Knötchenstichen,
und mit Kötchenstichen und Schlingstichen zu besticken.
Viele weitere Möglichkeiten kann man durch eigene Kreativität finden.
- Vielleicht Knötchenstiche kombiniert mit Schlingstichen und Plattstichen;
- oder Knötchenstiche mit Schnürlochbögen
- oder Schlingstiche mit Schnürlochbögen;
- oder mit Bouillonknoten als zusätzlicher Dekoration
- oder …
Einmal mehr konnte ich hier die unendliche Vielfalt der sich bietenden Gestaltungsmöglichkeiten dieser faszinierenden Sticktechnik aufzeigen.















