Eine Tischdecke für alle Jahreszeiten

Die Adventszeit ist gekommen. Die Wohnung wird auf Hochglanz gebracht und weihnachtlich geschmückt. Für Tische, Tischchen und Kommoden werden passende Decken und Läufer herausgesucht.
Wie jedes Jahr gehe ich an meinen Wäscheschrank und bin erneut verwundert, wie viele verschiedene Weihnachtsdecken dort inzwischen zu finden sind. Viel zu viele, um in den wenigen Wochen alle einmal aufgelegt zu werden. Da sind die bunt bestickten, mit dänischen oder
amerikanischem Kreuzstich verzierten, mit Plattstichen oder in Nadelmalerei gestalteten, in letzter Zeit aber auch viele in weiß gehaltene – Ausschnittstickerei (Richelieu), vor allem aber Durchbruchstickerei in der Art der Schwälmer Weißstickerei.
Dann sind da noch die Osterdecken – nicht ganz so viele, wie die weihnachtlichen Versionen, aber dennoch ein ansehnlicher Stapel. Auch Frühlingsdecken und solche mit herbstlichen Motiven habe ich gestickt.

So viele verschiedene Decken, ist das wirklich nötig?

Nun ist mir die Idee gekommen, eine Tafeldecke anzufertigen und sie durch wenige austauschbare Zusätze zu einer Decke für alle Jahreszeiten werden zu lassen. Diese Decke sollte einen aufwändigen Randabschluss bekommen – vielleicht einen der unten zu sehenden – und in der Mitte frei bleiben.

Randabschluss mit Briefecke kombiniert aus Kästchenstichen, Mückenstichen, Erbslochhohlsaum und Stopfhohlsaum mit Spinnen

Randabschluss mit Briefecke kombiniert aus Kästchenstichen, Mückenstichen, Erbslochhohlsaum und Stopfhohlsaum mit Spinnen

Randabschluss mit Briefecke „Weihnachtsstreifen“

Randabschluss mit Briefecke „Weihnachtsstreifen“

Randabschluss mit Briefecke kombiniert aus Wickelstichen und Wabenstichen

Randabschluss mit Briefecke kombiniert aus Wickelstichen und Wabenstichen

Diese und viele weitere schöne, mehr oder weniger aufwändige und mit den verschiedensten Eckbildungen ausgestattete, finden Sie in meinem Buch „Randabschlüsse“ ausführlich erklärt.

Dieses Buch – damals gab es noch keine englische Übersetzung – war auch Auslöser einer netten Begebenheit, die Mitglieder der Stickerei-Gilde von Toronto/Kanada – Barbara Kershaw und ihre Studenten – erlebt haben.
Dieses Erlebnis war so prägnant, dass Barbara diese Geschichte aufgeschrieben und veröffentlicht hat.

Vor einiger Zeit besuchten Barbara Kershaw und einige Ihrer Schülerinnen Deutschland und auch mich und meine Ausstellung. Sie berichteten mir von ihrem Erlebnis und ich erhielt die Erlaubnis, diese Geschichte an Sie weiterzugeben.

Für die deutschsprachigen Leser habe ich eine freie Übersetzung gefertigt.
Ganz_spontan_-_Das_Tischdecken-Projekt.pdf
Die vielen schönen Bilder kann man aber nur in der Originalversion sehen. Da die Datei sehr groß ist, dauert es einige Augenblicke, sie zu laden.
Simple_Spontaneity[1].pdf

Wenn Sie eine solche Decke mit einem schönen Randabschluss gestickt haben und sie zu einer Decke für alle Jahreszeiten machen wollen, zeige ich Ihnen nächstes Jahr, wie man sie Monat für Monat mit passenden Zusätzen ausstatten kann. Seien Sie neugierig und freuen Sie sich darauf.

Ich wünsche Ihnen eine schöne, ruhige Adventszeit mit vielen Augenblicken der Entspannung und genügend Zeit zum Sticken.

Kleines Projekt – Schiefer trifft Leinen

Eine einfache, kleine Herzkontur wurde auf 13,5 fädigem Weddigen Leinen aufgebügelt.
Vierfachstickgarn in verschiedenen Stärken wurde verarbeitet: Nr. 16 für die Knötchenstiche, Nr. 20 für die Schlingstiche, Nr. 30 für die Kettenstiche und das Grundstichgitter. Die Fläche wurde unter Verwendung von Vierfachstickgarn Nr. 20 mit dem Muster „442“ gefüllt. Nach Fertigstellung der Stickerei wurde das bestickte Leinen gewaschen (gekocht), gestärkt und gebügelt.
Dann wird das Herz ausgeschnitten.
Das Herz wird ausgeschnitten | cut the heart - 1
Man benötigt dazu eine kleine, scharfe Schere, die man beim Schneiden nicht ganz senkrecht, sondern ein wenig schräg hält, so dass die untere Schneidfläche mehr nach Innen zur gestickten Fläche liegt. Man legt die Arbeit so, dass man die Vorderseite sieht und schneidet vorsichtig und langsam Gewebefaden für Gewebefaden direkt an den gestickten Stichen entlang ab, ohne diese jedoch zu beschädigen.
Vier Finger der linken Hand halten von unten gegen die Arbeit, der Daumen fixiert sie von oben.
Die rechte Hand führt die Schere.
Das Herz wird ausgeschnitten | cut the heart - 2
Da die Schlingen der Schlingstiche etwas weiter vorstehen als deren rückwärtige Stiche, kann man mit etwas schräg gehaltener Schere das Leinen direkt unterhalb dieser Schlingen durchtrennen, und so das gestickte Teil sauber ausschneiden.Das Herz wird ausgeschnitten | cut the heart - 3

Solche ausgeschnittenen Teile kann man bei Bedarf jederzeit schnell und einfach waschen und bügeln, man darf sie aber nie schleudern!Ausgeschnittenes Herz | cut heart

Dann besorgte ich mir aus Schiefer gefertigte Herzen, die zur Zeit in vielen Geschäften erhältlich sind, befestigte die Stickereien darauf mit einem speziellen, wieder-ablösbaren Klebeband für Textilien, und dekorierte sie.
fertiges Projekt | finished project
Das Lichte Muster kommt auf dem dunklen Untergrund besonders gut zur Geltung.

Ich habe noch weitere solcher Herzen mit anderen Flächenfüllmustern gearbeitet.

dekorierte Schieferherzen | decorated slate hearts
In Gruppen – untereinander, nebeneinander oder versetzt – wirken sie sehr dekorativ.

Kleines Projekt – eine Willkommens-Tafel

Durch Zufall erhielt ich vor einigen Wochen eine kleine hölzerne Tafel. Sie hatte maschinengestickte Herzen als Dekoration.hoelzerne Tafel | wooden board

Kurz zuvor konnte ich wunderbares, handgewebtes Leinen erwerben – gleichmäßig und von bester Qualität. Mir schwebte vor, zunächst ein kleines Projekt mit diesem Leinen zu verwirklichen, um zu sehen, wie sich der Fadenauszug gestaltet. Und schon war meine Idee geboren: eine individuell gestaltete Tafel zu erhalten, indem ich die maschinengestickten durch meine handgearbeiteten eigenen Muster ersetze. Ähnlich zu der Maschinenstickerei wählte ich eine Herzkontur – das gleiche Muster, das ich schon vielen Damen als „Happel-Herz“ übersandt habe.

Muster Ostertulpe
Muster Netzpatent

Das erste Herz ist mit dem Muster „Ostertulpe (Seite 41 meines Buches „Limetrosen II“) bestickt.
Das zweite Herz ist mit dem Muster „Netzpatent“ (Seite 64 meines Buches „Limetrosen I“) verziert. Es war ein schönes Ein-Tag-Projekt.
Obwohl das Leinen sehr alt war, war es nicht sehr schmutzig. Eine leichte Wäsche war genug. So behielt das Leinen seinen natürlichen Grauton. Das weiße Herz sah sehr hübsch darauf aus. Die Teile wurden gebügelt und nach dem Entfernen der maschinengestickten Teile in den Holzrahmen gespannt. Es war kein Problem, die Stoffteile auszutauschen. Sie waren auf einer hölzernen Platte befestigt und leicht aus dem Rahmen zu nehmen.Rückseite der Tafel | backside of the board

Auch war es einfach, die maschinengestickten Leinenstücke mit einem scharfen Messer von der hölzernen Platte zu trennen.entfernen des ursprünglichen Leinens | removing the old linen

Am Ende erhielt ich – mit wenig Aufwand – ein schönes Teil. Nun schmückt meine individuelle Willkommens-Tafel den Eingang. Ich habe Freude daran und ich glaube, viele andere auch.Willkommenstafel