Historische Schwälmer Miederärmel-Stickerei (B)

Die Muster des Schwälmer Miederärmels B sind sehr variantenreich. Das verwendete Leinen hat 21/24 Fäden/cm. Das Bild zeigt die Gesamtansicht der Stickerei in einer Fotomontage.
MiW2_1Bitte beachten Sie, dass das gesamte Muster (vom Stopfhohlsaum bis zur Nadelspitze) nur ca 9,5 cm hoch ist. Die unten zu sehenden Fotos zeigen starke Vergrößerungen; in der Realität ist die Stickerei sehr fein.
MiW2_2Ein 7-stufiger, gespiegelter Stopfhohlsaum ziert die eine Seite der Weißstickereiborte. Mehr Informationen über Stopfhohlsäume – die verschiedenen Arten und die unterschiedlichen Arbeitsweisen – finden sich in meinem Buch Randabschlüsse.
MiW2_3Auf der gegenüberliegenden Seite ist die Weißstickereiborte mit aufwändiger Nadelspitze begrenzt.

Dazwischen ist Weißstickerei vom Feinsten zu sehen. Bitte beachten Sie, dass zwischen den großen Motiven beinahe kein Stückchen Stoff unbearbeitet blieb. Und bitte vergleichen Sie die hier zu sehenden Kettenstiche mit denen des Schwälmer Miederärmels A.

Und nun sollen die Bilder für sich sprechen; genießen Sie eine intensive und genaue Betrachtung!
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Die Eckbildung der gefalteten Erbslochkante

Die gefaltete Erbslochkante kann nicht nur entlang gerader Kanten, sondern auch um Ecken herum gearbeitet werden.

Gezeigt wird hier eine Arbeitsprobe.

Zirka 8 – 10 Fäden vom Rand entfernt nimmt man zuerst den Fadenauszug für die gefaltete Erbslochkante vor.
Erbslochecke_1An der im Bild unten gezeigten Stelle beginnend
Erbslochecke_2stickt man einige Kästchenstiche (die genaue Anzahl ist nicht entscheidend, denn es ist ja nur eine Übung; aber es sollte eine gerade Anzahl sein.)
Erbslochecke_3Man dreht die Arbeit um 180° und stickt Kästchenstiche, die vertikal mit der ersten Kästchenstichreihe übereinstimmen
Erbslochecke_4Man stickt sie um die Ecke herum.
Erbslochecke_5An der im Bild unten gezeigten Stelle beginnend
Erbslochecke_6arbeitet man die übrigen Kästchenstiche.
Erbslochecke_7Die Fäden für die Erbslöcher werden ausgezogen
Erbslochecke_8und gewickelte Erbslöcher werden gearbeitet.
Erbslochecke_9Die Ecke wird diagonal direkt entlang der Außenecken der Kästchenstiche abgeschnitten, ohne diese jedoch zu beschädigen.
Erbslochecke_10Nun wird eine Seite so gefaltet, dass die Rückseiten der Kästchenstichreihen übereinander liegen.
Die entstehenden Dreiecke werden umwickelt.
Erbslochecke_11Die Ecke erreichend, wird auch die angrenzende Seite gefaltet
Erbslochecke_12und das Umwickeln der Dreiecke wird um die Ecke herum fortgeführt.
Erbslochecke_13Von der Rückseite sieht das so aus:
Erbslochecke_14Von den Unterkanten der Kästchenstiche ausgehend lässt man nun – sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite – 4 Fäden stehen und zieht einen fünften aus (siehe Bild)!
Erbslochecke_15Von der Vorderseite aus arbeitet man eine Reihe Kästchenstiche, um beide Lagen zu verbinden.
Erbslochecke_16Nun wird auf der Rückseite der verbliebene Stoffüberstand bis dicht an die Kästchenstiche heran zurückgeschnitten.
Erbslochecke_17Ein hübscher Randabschluss ist entstanden – zugegeben, die Dreiecke in diesem Beispiel sind nicht die gelungensten (dies war einer meiner ersten Versuche, inzwischen habe ich das Ergebnis deutlich verbessert).
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Die gefaltete Erbslochkante

Die gefaltete Erbslochkante habe ich schon an vielen verschiedenen Stickereien gesehen. Da ich sie reizvoll fand, versuchte ich sie nachzuarbeiten Mit dem ersten Ergebnis war ich sehr unzufrieden.

Nach mehreren Versuchen gelang mir ein besseres Ergebnis, und dies ist, was ich herausfand:

Die Löcher des Hohlsaumes müssen größer sein – Bohnen (anstatt Erbsen) sollten zwischen die beiden Reihen von Kästchenstichen passen.
Das Zusammenbinden der beiden Bündel sollte nicht mit einer Schlinge oder einem Knoten geschehen, weil dies das Erscheinungsbild beeinträchtigen würde. Außerdem ist ein Knoten hier nicht nötig, denn die Bündel bekommen später zusätzlichen Halt durch nochmaliges Umwickeln.

Der Fadenauszug gestaltet sich folgendermaßen:

1 Faden ausziehen 4 Fäden stehen lassen
1 Faden ausziehen 8 Fäden stehen lassen
1 Faden ausziehen 4 Fäden stehen lassen
1 Faden ausziehen

Erbslochkante_1Von der Rückseite der Arbeit aus werden Kästchenstiche in gewohnter Weise gestickt.
Erbslochkante_2Dann werden gewickelte Erbslöcher gearbeitet. Das erste Bündel eines Erbsloches wird 8 mal von unten nach oben umwickelt. Es ist darauf zu achten, dass die Wicklungen parallel liegen und sich nicht überkreuzen.
Erbslochkante_3Das zweite Bündel des Erbsloches wird 3 mal von oben zur Mitte umwickelt.
Erbslochkante_4Beide Bündel werden in der Mitte durch 2 Umwicklungen verbunden.
Erbslochkante_5Nach der zweiten Wicklung wird der Faden sehr fest angezogen. Je dichter die Bündel zusammen liegen, desto spitzer erscheint das gefaltete Erbsloch später.
Erbslochkante_6)Das zweite Bündel wird dann noch dreimal nach unten hin umwickelt.
Erbslochkante_7Nach Fertigstellung der Reihe
Erbslochkante_8werden die Rückseiten der beiden Kästchenstichreihen übereinander gelegt. Kleine Dreiecke erscheinen am Rand.
Erbslochkante_9Von der rechten Seite der Arbeit aus und von rechts nach links arbeitend, sticht man in einem Loch zwischen zwei Kästchenstichen aus, das zwischen zwei Dreiecken liegt.
Erbslochkante_10Man führt die Nadel gerade nach oben und umwickelt die rechte Seite des Dreiecks einmal, indem man die Nadel von hinten nach vorn durch die Mitte des Dreiecks führt.
Erbslochkante_11Um das Einstechen in die Mitte zu vereinfachen, kann man den Erbslochhohlsaum ein wenig auseinander falten.
Erbslochkante_12Man umwickelt die rechte Seite des Dreiecks so oft wie nötig, um oberes und unteres Bündel zu vereinen (2 – 3 mal). Man führt den Arbeitsfaden um den Fuß des Bündels nach hinten und kommt mit der Nadel zwischen den Kästchenstichen unterhalb der Mitte des Dreiecks wieder heraus.
Erbslochkante_13Man führt die Nadel gerade nach oben, sticht von vorn nach hinten durch die Mitte des Dreiecks
Erbslochkante_14und umwickelt die linke Seite des Dreiecks so oft wie nötig, um oberes und unteres Bündel zu vereinen (2 – 3 mal). Man führt den Arbeitsfaden um den Fuß des Bündels nach hinten und kommt mit der Nadel im nächsten Loch zwischen den Kästchenstichen wieder heraus.
Erbslochkante_15Man setzt die Arbeit in dieser Weise fort. Falls nötig, kann man die Dreiecke mit Hilfe der Nadel noch etwas in die Länge ziehen.

Die Rückseite sieht so aus:
Erbslochkante_16Ein hübsche, kleine Kantenverzierung ist entstanden. Hier wurde sie auf 13,5fädigen Leinen mit Vierfachstickgarn Nr. 30 gearbeitet.

Ein Lavendelbeutel mit Nadelspitzenkante

Nadelspitze kann man in ihren verschiedensten Ausprägungen leicht, einfach und dennoch sinnvoll eingesetzt an kleinen Projekten üben. Hier sind zunächst einfache Nadelspitzenbögen gezeigt.

Das Leinen für einen kleinen Beutel wurde mit einem Flächenfüllmuster bestickt,
Beutel_1_1zusammengenäht, an der oberen Kante mit einem gefalteten Erbslochhohlsaum verziert,
Beutel_1_2und an der unteren Kante mit einfachen Nadelspitzenbögen versehen.
Beutel_1_3Das Säckchen wurde mit Lavendel gefüllt und mit einer Kordel verschlossen.
Beutel_1_4Solch kleine Beutelchen sehen hübsch aus, sind relativ schnell und einfach herzustellen und eigenen sich als Mitbringsel.
Die genauen Arbeitsschritte werden in den nächsten Beiträgen gezeigt.

Wie arbeitet man einen Lampenschirm?

Will man einen kleinen Lampenschirm fertigen, wie im vorhergehenden Beitrag gezeigt, benötigt man zu aller erst ein Gestell. Das Drahtgestell sollte eine möglichst schlichte Form aufweisen. Achteckige Gestelle eignen sich besonders gut. Sie sehen schön aus, sind stabil und die Drähte können von den Nähten des Schirmes überdeckt werden. Dadurch fallen sie nicht störend auf.

Das Drahtgestell muss ummantelt sein. Die Ummantelung darf keine Beschädigung aufweisen.
Denn entstehender Rost – auch in nur winzigen Partikeln, schädigt das Leinen und lässt sich nicht mehr entfernen.

Auch sollte man sich nach einem passenden Lampenfuß umschauen.
Lampe2_1Für den Lampenschirmbezug muss man nun einen Schnitt herstellen. Da die Form leicht geschwungen ist, ist es am besten, Papier gegen die Form zu legen, mit Filmstreifen zu befestigen und dann außen entlang der jeweiligen Segmente mit Bleistift Linien zu ziehen.
Lampe2_2Die markierten Teile werden ausgeschnitten und noch einmal gegen die entsprechenden Segmente des Drahtgestelles gehalten, um zu sehen, ob sie auch wirklich passen.
Lampe2_3Das Leinen für Lampenschirme sollte dicht gewebt sein. 16-fädiges Weddigen Leinen ist geeignet, altes, handgewebtes Leinen ist noch besser.

Das Leinen muss vor dem Zuschneiden gekocht werden, um einzulaufen. Setzt man es dem Schrumpfungsprozess erst nach Fertigstellung des Lampenschirmbezuges aus, so wird er nur schwer auf das Gestell zu ziehen sein.

Da die einzelnen Teile recht schmal sind und es nicht möglich sein würde, sie ohne großen Stoffverlust in einen Rahmen spannen zu können, markiert man zunächst alle 8 Teile auf dem Leinen. Die Seiten sollten jeweils 0,5 cm Nahtzugabe erhalten. Am oberen Rand gibt man 4 cm zu (für den Einschlag mit 1,5 cm breitem Saum + 0,5 cm Saumeinschlag). Am unteren Rand wählt man den Einschlag etwas breiter (abhängig von der Größe des Schirmes. Hier wurden 4,5 cm zugegeben (für den Einschlag mit 1,5 cm breitem Saum + 0,5 cm Saumeinschlag). Die einzelnen Teile erhalten einen geringen Abstand zueinander. Links außen und rechts außen wählt man den Abstand so groß, dass man die Stickerei noch bequem in einen Rahmen spannen kann.
Lampe2_4Man markiert auch die mittleren Längsachsen und die späteren Nahtstellen. Man zeichnet passende Motive auf und bestickt die Teile nach Wunsch..

Nach Fertigstellung der Stickerei werden die Teile zugeschnitten. Die seitlichen Kanten werden gegen ausfransen gesichert. Die Längsnähte werden entlang der Markierung geschlossen. Es ist sinnvoll, Doppelnähte zu arbeiten, da der Lampenschirmbezug später straff sitzen soll und die Nähte dadurch großer Spannung ausgesetzt sind.
Lampe2_5Die Nähte sollten auseinander gefaltet und ausgestrichen werden. So legt sich der Stoff der Nahtzugabe später schön um die entsprechenden Drähte.

Dann werden obere und untere Kante gesäumt (hier: 0,5 cm Einschlag und 1,5 cm Saum). Man sollte eine Öffnung von ca. 2 cm Länge lassen, um später das Gummi einziehen zu können.
Lampe2_6Die untere Kante wird entlang der Markierung nach innen geschlagen und knappkantig abgesteppt.
Lampe2_7Entlang der gesteppten Kante wird nun die Nadelspitze gearbeitet.
Lampe2_8In die Säume werden Gummibänder oder Gardinenschnüre eingezogen. Der fertige Bezug wird – wenn nötig – gewaschen, gebügelt und dann von oben auf das Gestell gezogen.

Durch den Gummizug legen sich obere
Lampe2_9und untere Nahtzugabe nach innen.
Lampe2_10Die Nähte werden an den jeweiligen Drähten ausgerichtet,
Lampe2_11die Nadelspitze wird zurecht gezogen.
Lampe2_12Der Schirm wird auf einen geeigneten Fuß montiert.
Lampe2_13Ob ganz klein oder auch etwas größer, Lampen mit in Schwälmer Weißstickerei bestickten Schirmbezügen sind immer etwas ganz besonderes – individuell und attraktiv!