Schwälmer Randabschluss – Die Bogenborte (2)

Wollen Sie vielleicht einen Tischläufer oder ein Band mit solch einem Bogenborten-Rand, wie er in dem Artikel vom 01. Februar 2014 vorgestellt wurde, arbeiten? Ein solches Band könnte so aussehen, wie auf dem Ausschnitt unten zu sehen:
fertiges Band | finished band

Sie wollen die Längsseiten damit verzieren und die Länge noch nicht von vorn herein festlegen, sondern Ihrem Arbeitseifer anpassen? Dann wählen Sie ein Stück Leinen in gewünschter Breite und irgendeiner Länge. Ungefähr 10 cm von der rechten Schmalseite aus beginnt man mit dem Fadenauszug. Die Fäden werden entlang der Längsseite des Stoffes ausgezogen.
Fadenauszug |withdrawing threads
An der Stelle, wo später der Saum befestigt werden soll (in meinem Beispiel möchte ich einen 3 cm breiten Saum mit einem 1 cm breiten Einschlag. – also beginne ich 7 cm vom Rand entfernt), zieht man einen Faden (Grundlinie) aus. Nach innen hin lässt man 4 Fäden stehen, zieht einen aus, lässt weitere 6 stehen, zieht einen aus, lässt nochmals 4 Fäden stehen und zieht einen aus. Die Fadenenden verbleiben auf der Rückseite und werden später in den Saum eingearbeitet.
Fadenauszug vergrößert | withdrwan threads enlarged
Zwischen die Grundlinie und die nächstgelegene Fadenrinne arbeitet man von der Rückseite aus eine Reihe Kästchenstiche über jeweils 4 Fäden. Wenn Sie die endgültige Länge Ihres Projektes nicht von vorn herein festlegen wollen, beachten Sie bitte, dass der Fadenauszug nicht über die gesamte Länge, sondern nur Stück für Stück vorgenommen wird.

Schablone | stencil

Am besten fertigt man sich eine Pappschablone mit einem geraden unteren Abschluss, einem Bogen in der gewünschten Größe, einem Abstand für das schmale Blatt und einem Bogenabschnitt, mit dem man den Abstand der Bögen ermitteln kann. Mein Bogen ist 3 cm hoch und misst an der breitesten Stelle 4,3 cm. Der Abstand der Bögen beträgt 0,7 cm. Kleiner sollte ein solchen Bogen kaum sein, damit sich die Muster darin entfalten können – sehr viel größer aber auch nicht.

Man legt die Schablone so auf den gebügelten Stoff auf, dass die untere Kante der Bogenform – rote Linie – mit der oberen Fadenrinne übereinstimmt, hält die Schablone in dieser Position fest aufgedrückt und zeichnet mit Bleistift einmal an der Kante entlang. Dann schiebt man die Schablone so weit nach links, dass der Bogenabschnitt direkt mit der eben aufgezeichneten Linie übereinstimmt und zeichnet den zweiten Bogen auf. Man kann gleich die gewünschte Anzahl von Bögen aufzeichnen. Wenn man sich nicht sicher ist, wie lang man die Bogenreihe fortführen möchte, kann man aber auch zuerst nur einige Bögen aufzeichnen. Will man die Bogenreihe später verlängern, ist es wichtig, dass man den Stoff erneut glatt bügelt und möglichst fadengerade hinlegt und dass der letzte Bogen, an dem man sich orientiert, möglichst noch nicht bestickt ist.

Wie es weitergeht, erfahren Sie im nächsten Artikel.

Schwälmer Tracht – Die Strümpfe

Die Schwälmer und Schwälmerinnen trugen handgestrickte Strümpfe, die bis weit über die Knie reichten. Befestigt wurden diese Strümpfe mit Strumpfbändern, die um das Bein gebunden wurden.

Stolzer Schwaelmer Zwickelstrumpf | proud Schwalm stocking
1930 zählten zur Aussteuer einer armen Braut 6 -8 Paar Strümpfe, zur Aussteuer einer reichen Braut 40 Paar Strümpfe.

Die Sommerstrümpfe wurden zunächst aus Leinengarn, später aus feinem Baumwollgarn gestrickt.
Baumwollgarn kam erst etwa 1830 in die Schwalm. Für die Winterstrümpfe verwendete man fein gesponnene Schafwolle. Die Frauenstrümpfe waren weiß, die Männerstrümpfe auch manchmal blau eingefärbt. Damit die schafwollenen Winterstrümpfe auch weiß wurden, wurde die Wolle geschwefelt.

Zu unterschiedlichen Anlässen wurden unterschiedlich gemusterte Strümpfe getragen. Die „Linkten“, das sind Strümpfe, die aus linken Maschen gebildete Muster hatten, wurden bei Trauer und von älteren Frauen getragen. Die „Zwickelstrümpfe“ mit schmalen Musterstreifen wurden als Alltagsstrümpfe getragen. Sie waren meist aus dickerem Garn gearbeitet. Sonntags trug man „Zwickelstrümpfe“ mit breiten Musterstreifen. Sie waren aus feinem Garn gestrickt. Für besondere Fest- und Feiertage hatte man die „stolzen Zwickelstrümpfe“. (Als „stolz“ bezeichnete man in der Schwalm die besonders prächtig und sehr reichhaltig verzierten Dinge.) Die „stolzen Zwickelstrümpfe“ wurden aus sehr feinem Garn gestrickt und hatten besonders schöne und aufwändige Muster mit besonders breiten Musterstreifen. Eine Besonderheit bildeten die „eingelegten Strümpfe“. Diese Zwickelstrümpfe hatten aufwändige Strickmuster, bei denen ein zusätzlicher Faden mitgeführt wurde und im Musterverlauf abwechselnd vor und hinter die Strickmaschen gelegt wurde. (Man könnte den Eindruck gewinnen, dass solche Strümpfe nach dem Stricken bestickt wurden. Das ist aber nicht der Fall. Es handelt sich um ein reines Strickmuster.)
Diese stolzeste Art der Zwickelstrümpfe konnten sich nur die geschicktesten oder die reichsten Frauen der Schwalm leisten, da die Technik des „Einlegens“ besonders schwierig ist und nur von wenigen Strickerinnen beherrscht wurde. In Strümpfe, die als besonders wertvoll erachtet wurden, wurden auch Initialen oder eine Jahreszahl eingestrickt – hier „A K E“ Anna Katharina Ermel.
eingestrickte Initialen | knitted initials

Die Strümpfe wurden mit einem feinen Nadelspiel (5 Stricknadeln) von oben nach unten rund gestrickt. Sie bestanden aus mehreren Abschnitten. Den Rand bildete ein 5 – 10 cm hohes „Börtchen“, je nach Trageanlass des Strumpfes aus unterschiedlichen Mustern (2-rechts, 2-links; Lochmustern und Zopfmustern) gestrickt.

unterschiedliche Börtchen | different borders
Börtchen mit Lochmuster | border with peekaboo design

Vom Ende des Börtchens bis zur Ferse verlief auf der Rückseite des Strumpfs ein schmaler, gerader Mustersteifen, „Nähtche“ (= Nähtchen) genannt. Andere, örtlich unterschiedliche Bezeichnungen dafür sind lt. Friederike von Strenge/Schwälmer Jahrbuch 1997: Bibberich“, „Bitzelich“, „Bispelich“, „Öchelich“, „Quetschestein“. Der übrige Strumpf vom Börtchen bis unterhalb des Knies wurde mit glatt rechten Maschen gearbeitet.

Naehtchen | small seam

Auf beiden Seiten der Wade verlief ein mehr oder weniger breiter Musterstreifen, der mit der „Platte“ begann.

Zwickelmuster mit Platte | pattern stripe with plate
Platte mit zwei Musterm | plate with 2 differnt patternsPlatte mit einem Muster | plate with one pattern

Die Platte hatte eine Fünfeck-Form – ein Rechteck mit einer nach unten führenden Spitze. Die Platte war etwas breiter als der darunterliegende Musterstreifen. Für die Platte gab es zwei verschiedene Gestaltungsweisen: entweder wurde sie in den gleichen Mustern gestrickt wie der darunterliegende Streifen, oder sie bekam in der Mitte ein großes, auf beiden Seiten von einem „Zwickelmuster“ begrenztes Herz. Dieses „Zwickelmuster“ setzte sich dann nach unten bis zur Ferse fort.
komplettes Zwickelmuster | complete pattern stripe

Bei Frauenstrümpfen lief das Musterband auf dem Fußrücken weiter bis zur Spitze, da die Frauen neben den hochgeschlossenen Schnallenschuhen auch die ausgeschnittenen „Kommod“-Schuhe trugen. Bei Männerstrümpfen endete das Muster in Fersenhöhe, denn sie trugen nur die hochgeschlossenen Schnallen- bzw. Riemenschuhe (Alltagsschuhe) oder Stiefel.
Bei vielen Frauenstrümpfen verlief links und rechts neben den Musterstreifen eine schmale Musterborte – das „Schlängchen“.

Schlaengchen | curved pattern

Zwischen den Musterstreifen verliefen glatt rechts gestrickte, zwickelförmige Partien, bei denen durch Abnahme von Maschen der Strumpf an die Beinform angepasst wurde. In der Schwalm allerdings bezeichnete man nicht diese zwickelförmigen Partien als Zwickel, sondern die beiden seitlichen Musterstreifen.
Vorderseite eines Zwickelstrumpfes | front part of a stocking
Ferse, Fußsohle und Spitze wurden glatt rechts gestrickt. Die Spitze wurde meist sternförmig abgenommen.
Ferse Sohle und Spitze | heel sole and foot

Es gibt viele verschiedene Strickmuster, die in der Schwälmer Strickerei eine Rolle gespielt haben. Einige davon werde ich in kommenden Artikeln vorstellen.

Flächenfüllmuster Nr. 446

Nr. 446
Kategorie: Einfaches Durchbruchmuster
angewandte Stiche: Wickelstiche über 3 Fäden in der Breite und Waffelstiche
Längsstreifenmuster
mittlere Längsachse: Fadenrinne
verwendete Materialien: 13,5-fädiges Weddigen Leinen,
Vierfachstickgarn Nr. 20 für Knötchenstiche, Wickelstiche und Waffelstiche, Nr. 25 für
Schlingstiche und Nr. 30 für Kettenstiche

Fadenauszug | thread withdrawing

In der Mitte beginnend, werden senkrecht immer abwechselnd 1 Faden gezogen und 3 Fäden stehen gelassen.
In Reihen von unten nach oben und zurück stickt man Wickelstiche als „Stangen“. Dabei lässt man von der Längsmitte ausgehend eine Gruppe von 3 Längsfäden frei, stickt die Wickelstichstange über die nächsten 3 Fäden in der Breite, *lässt zwei 3er-Gruppen frei, stickt wieder eine Wickelstichstange* und wiederholt die Arbeitsschritte (*), bis die Hälfte der Form gefüllt ist.

Wickelstichstangen | Satin stitch bars

Wieder von der Mitte ausgehend, bestickt man die zweite Hälfte spiegelbildlich.

Waffelstiche | Honeycomb Darning stitches

Die rechten der beiden frei gebliebenen 3-er Fadengruppen werden nun von unten nach oben mit Waffelstichen über 4 Fäden in der Breite bestickt (dazu dreht man die Arbeit um 90°).
Die zweite freie 3-er Fadengruppen wird von oben nach unten gegengleich zur ersten bestickt.

Waffelstiche vergrößert | Honeycomd Darning stitches enlarged

Die exakte Arbeitsweise entnehmen Sie bitte dem vergrößerten Bild. Für genauere Informationen greifen Sie bitte auf mein Buch „Grundlagen der Schwälmer Weißstickerei“ zurück.

fertiges Muster ungewaschen | finisched pattern before laundry

Das fertige Muster – hier noch ungewaschen – wirkt sehr plastisch.

gewaschen gestaerkt gebuegelt | washed starched and ironed

Gewaschen, gestärkt und gebügelt entfaltet das Muster seinen ganzen Reiz.

Tischdecke für alles Jahreszeiten – Februar: Herzen

Im Februar ist Valentinstag. Valentinstag – Tag der Liebenden. Was liegt da näher, für diesen Monat das Symbol der Liebe, das Herz, zu wählen. Umso mehr, als doch das Herz auch in der Schwälmer Weißstickerei eine große Rolle spielt.

In meinen früheren Artikeln „Bügelmusterstifte im Vergleich“ und „Konturenmuster: Aufbügeln oder Aufzeichnen?“ finden Sie eine Herzkontur. Auch ist dort erklärt, wie man die Herzen besticken kann.

Herzkontur | heart design

Sticken Sie mehrere solcher Herzen, entweder alle in der gleichen Größe und der gleichen Form; oder wählen Sie unterschiedliche Größen oder verschiedene Herzformen.

In dem Artikel „Kleines Projekt – Schiefer trifft Leinen“ wird gezeigt, wie man ein fertig gesticktes Herz ausschneidet.

Das Herz wird ausgeschnitten | cut the heart - 1

Es macht Spaß, spielerisch verschiedene Dekorationsmöglichkeiten mit diesen Teilen auszuprobieren und so zu seiner Lieblingsformation zu gelangen.

kleeblattförmige Anordnung | clover leaf order

kreisförmige Anordnung | circled order

Anordnung in gerade Linie | straight band

paarweise Anordnung | pair of hearts

bogenfoermige Anordnung | curved order

Schwälmer Randabschluss – Die Bogenborte (1)

In der Schwälmer Weißstickerei werden Ränder nicht nur mit Kästchenhohlsäumen, Erbslochhohlsäumen und Stopfhohlsäumen verziert. Auch kleine Borten werden gern am Saum entlang gearbeitet.

Eine ganz spezielle Art ist die Bogenborte. Bogenborten gibt es in verschiedenen Ausführungen.
Hier möchte ich eine ganz schlichte Variante vorstellen – Bogen aneinandergereiht und nur durch jeweils ein kleines Blättchen getrennt.

fertige Bogenborte | finished Arch Border

Diese Bögen kann man mit den unterschiedlichsten Flächenfüllmustern verzieren und kann auch auf diese Weise eine Art „Mustertuch“ sticken, bei dem man viele verschiedene Muster immer vor Augen hat.

Ganz einfach wäre es, eine Halbovalform mit Knötchenstichen und – nach innen hin – Kettenstichen zu umgeben und die Innenfläche dann mit einem Füllmuster zu besticken. Ich jedoch wollte die Bögen direkt an den Erbslochhohlsaum anschließen.

Bogenanschluss am Erbslochhohlsaum | arch connection to Peahole hem (1)

Dabei werden die ausgezogenen Längsfäden nicht abgeschnitten, sondern unter die Kästchenstiche des Erbslochhohlsaumes gelegt.

Bogenanschluss am Erbslochhohlsaum | arch connection to Peahole hem (2)

Wie das vonstatten geht, wird in einem späteren Artikel ausführlich beschrieben.