Schwälmer Tracht – das Unterhemd

Wie bereits in „Schwälmer Tracht – ein Überblick“ erwähnt, besteht die Schwälmer Festtagstracht aus vielen unterschiedlichen Teilen. Womit beginnen? Ganz einfach, wo wir alle normalerweise mit dem Bekleiden anfangen – mit der Unterwäsche.

Die Frauen der Schwalm trugen Unterhemden. Von Unterhosen in der damaligen Zeit ist mir nichts bekannt. Später, wenn die Schwälmerin vollständig angezogen sein wird, werden Sie verstehen können, warum.

Das Unterhemd wurde aus reinem Leinen gefertigt. Es war ein wenig mehr als knielang und einfach in der Form – nach unten hin ein bisschen ausgestellt.

Sommer-Unterhemd | Summer-undershirt
Rückseite | backside

Das Sommer-Unterhemd war ärmellos und ohne Verschluss. Das Winterunterhemd war langärmelig und konnte ein Bindebändchen als Verschluss haben.

Seitenansicht | side view
Winter-Unterhemd | Winter-undershirt

Tischdecke für alle Jahreszeiten – Januar: Schneebälle

Der Januar ist bei uns meist der schneereichste Monat des Jahres. So wählte ich Schneebälle zur Dekoration der Tischdecke für den Januar.

Dazu habe ich eine Kreiskontur mit einer Doppellinie aufgezeichnet. Ich habe als Außendurchmesser 8,5 cm und als Innendurchmesser 7,3 cm gewählt. Die Kontur wurde auf 13,5- fädiges Weddigen Leinen aufgebügelt. Ich meine, Aufbügeln ist die beste Methode, um einen wirklich runden Kreis auf das Leinen zu übertragen.

2014-01-18_pdf

Mit Vierfachstickgarn Nr. 16 wurden zuerst Knötchenstiche über die innere Linie gestickt. Mit Vierfachstickgarn Nr. 20 wurde eine Reihe Kettenstiche zwischen beide Linien gearbeitet, Diese Kettenstiche wurden unter Verwendung von Vierfachstickgarn Nr. 20 mit sehr dichten Schlingstichen überdeckt (siehe Bild unten). Entlang der Knötchenstiche nach innen wurde eine weitere Reihe Kettenstiche, diesmal mit Vierfachstickgarn Nr. 30, gearbeitet. Die Innenfläche wurde mit dem Muster „445“ gefüllt.

Randbefestigung | edge securing

Nach der Fertigstellung der Stickerei wurde das Teil gewaschen, gestärkt und gebügelt. Dann wurde der Kreis ausgeschnitten.

Ausschneiden | cut the finished pieceSolche ausgeschnittenen Teile kann man bei Bedarf jederzeit schnell und einfach waschen und bügeln, man darf sie aber nie schleudern!

Platzierung auf der Decke | placement on the cloth

Zur Dekoration auf der Tischdecke arbeitet man mehrere dieser Schneebälle und platziert sie in einem hübschen Arrangement.linienförmige Anordnung | arrangement in a straight line

Natürlich ist es auch möglich, sie als kleine Deckchen oder Untersetzer zu verwenden.

Verwendung als Untersetzer | use as coaster

Flächenfüllmuster Nr. 445

Nr. 445 Stern 1
Kategorie: Lichtes Muster mit Grundstichgitter
angewandte Stiche: Rosenstiche und Stopfstiche über 4 und 5 Kästchen; mit Richtungswechsel
Zentrum: Kästchen
verwendete Materialien: 13,5-fädiges Weddigen Leinen, Vierfachstickgarn Nr. 20 für Knötchenstiche, Rosenstiche und Stopfstiche; Nr. 30 für Kettenstiche und Grundstiche

In der Schwälmer Weißstickerei ist es gebräuchlich, lichte Grundstichgitter nicht nur mit Endlos-Mustern zu füllen, sondern auch mit Figuren: Männchen und Frauchen, Vögel, Tulpen, Herzen und, natürlich, Sternen.

Die Stern-Muster sind die gleichen, wie man sie auch in der norwegischen Strickerei findet.

Sterne werden hauptsächlich in Kreis-Konturen eingearbeitet. Meistens werden die Sterne durch Rosenstiche gebildet, manchmal durch eine Kombination aus Rosenstichen und Stopfstichen, selten nur durch Stopfstiche. Das kommt daher, dass ein einzelnes Quadrat (Kästchen) nach dem Besticken mit dem Rosenstich die Quadratform beibehält, während es nach dem Besticken mit Stopfstichen als Rechteck erscheint. Für einen Stern ist es empfehlenswert, dass die Quadrate nicht rechteckig erscheinen.

Es gibt kleinere und größere Sternenmuster. Man sollte immer ein Muster wählen, das zur Anzahl der Kästchen in dem Grundstichgitter passt. Es sieht nicht gut aus, wenn z.B. die Spitze eines Sterns zu dicht an den Rand kommt und nicht mehr vollständig zu sehen ist. Es ist besser, es bleiben Kästchen um den Stern herum frei. Auch kann man diese unbearbeiteten Kästchen später noch mit Einzelstichen füllen.

Im Zentrum beginnend, werden senkrecht immer abwechselnd 2 Fäden gezogen und 2 stehen gelassen. Danach werden auch waagerecht abwechselnd 2 Fäden gezogen und 2 stehen gelassen.
Damit der Stern auch wirklich schön und gelungen aussieht, ist es wichtig, dass er genau mittig platziert wird (mit der gleichen Anzahl von Kästchen nach links und rechts). Daher ist es besser, das Zentrum durch Abzählen der Gewebefäden zu ermitteln als durch Abmessen.
Fadenauszug | thread withdrawing

Das entstandene Fadengitter wird von der Rückseite aus mit Grundstichen befestigt.
Grundstichgitter | Cable stitch grid

Dieses hier entstandene Fadengitter hat 23 Kästchen entlang der Mittelachse. So habe ich folgende Grafik gewählt:
442 a Grafik | chart

Die dunkler goldenen Quadrate werden mit Rosenstichen gefüllt, die helleren mit Stopfstichen. (Es wäre auch möglich, nur mit Rosenstichen zu arbeiten, aber dann würde das Muster etwas anders erscheinen.) Die schwarzen Trennstriche zeigen die Richtung der Stopfstiche.

Im Zentrum – rot markiert – beginnend, arbeitet man – der Grafik folgend – nach außen.
Musterfüllung | filling pattern
Grundstern | basic star

Ist der eigentliche Stern fertiggestellt, kann man in die freien Kästchen zum Rand hin noch weitere Verzierungen einsticken. Hierzu gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, wie die folgende Grafik zeigt:
442 b Grafik | chart
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt – finden Sie selbst noch weitere Musterungen!

Ich habe folgendes Muster gewählt:
442 Grafik | chart

Das sieht fertig gestickt dann so aus:
fertiger Stern | finished star

Schwälmer Tracht – Literatur

Es gibt eine ganze Reihe von Schriften, die sich mit der Schwälmer Tracht beschäftigen.
Eine wissenschaftlichste Herangehensweise findet man bei

  • Ingo Gabor
  • Die Schwälmer Tracht
  • Historische Entwicklung und soziale Bedeutung
  • Schriftenreihe der C.H.Schmitt Stiftung
  • Band 2
  • 2008
  • ISBN 978-3-00-027137-3
Die Schwälmer Tracht - Ingo Gabor
Die Schwälmer Tracht - Ingo Gabor - contents

In vielen Bildern bewundern kann man die Schwälmer Tracht in dem Werk von

  • Heinz Rübeling/Heinz Metz/Dirk Ordemann
  • Die Schwälmer Tracht
  • Verlag Dirk Ordemann, Ziegenhain
  • 1988
  • ISBN 3-9802008-0-9
Die Schwälmer Tracht - Heinz Rübeling/Heinz Metz/Dirk Ordemann
Die Schwälmer Tracht - Heinz Rübeling/Heinz Metz/Dirk Ordemann - contents
  • auch mit englischem Text als:
  • Little Red Riding Hood
  • The History of the Traditional Costumes of the Schwalm

Little_Red_Riding_Hood

Studien zum regionalen Kleidungsverhalten in der Schwalm findet man bei

  • Brunhilde Miehe
  • Der Tracht treu geblieben Bd. 3
  • Studien zum regionalen Kleidungsverhalten in der Schwalm
  • Eigenverlag 2004
  • ISBN 3-9801197-5-0
Der Tracht treu geblieben Bd. 3 - Brunhilde Miehe
Der Tracht treu geblieben Bd. 3 - Brunhilde Miehe - contents

Einen Überblick über die vielen verschiedenen Formen der Schwälmer Tracht, verbunden mit vielen netten Erläuterungen und wissenswerten Einzelheiten wie das „Schappeln“ (Frisieren und Anlegen des Kopfschmuckes einer Braut) oder das herstellen von Knöpfen liefert das Heft von

  • Erika Decker
  • Die Schwälmer Tracht
  • von der Wiege bis zur Bahre
  • originalgetreu nachgearbeitet und beschrieben an 52 Puppen
  • Begleitheft für die Puppenausstellung im Schwälmer Dorfmuseum Holzburg
  • Eigenverlag 2011
Die Schwälmer Tracht von der Wiege bis zur Bahre - Erika Decker
Die Schwälmer Tracht von der Wiege bis zur Bahre - Erika Decker - contents

Interessante Einblicke – allerdings in schwarz-weiß – gibt das Buch

  • August Gandert/Brunhilde Miehe
  • Handwerk und Volksskunst in der Schwalm
  • Schwälmer Heimatbund 1983
Handwerk und Volksskunst in der Schwalm - August Gandert/Brunhilde Miehe
Handwerk und Volksskunst in der Schwalm - August Gandert/Brunhilde Miehe - contents

Auch viele interessante Aufsätze in den Schwälmer Jahrbüchern von 1971 bis heute (2013) befassen sich mit der Tracht.
Jahrbuch_1999

Speziell mit den blau eingefärbten Trachtenteilen und den in der Schwalm gebräuchlichen Klöppelspitzen beschäftigt sich das dreisprachige Buch

  • Marianne Stang/Anneliese Wienands/ Elda Gantner/Meike Gehrmann
  • Kostbarkeiten in Blau
  • Masterpieces in blue
  • Le bleu à l´honneur
  • OIDFA
  • ISBN 3-923219-19-9
Masterpieces in blue - Marianne Stang/Anneliese Wienands/ Elda Gantner/Meike Gehrmann
Masterpieces in blue - Marianne Stang/Anneliese Wienands/ Elda Gantner/Meike Gehrmann

Rück- und Ausblick

Am Jahresende hält man gern inne und lässt die vergangenen Monate Revue passieren.
Auch ich lehne mich einen Augenblick entspannt zurück. Die zeitraubende Arbeit an meiner Website macht sich langsam positiv bemerkbar – immer mehr Interessenten werden darauf aufmerksam.

Meine Ausstellung wurde – obwohl sie im Moment keine festen Öffnungszeiten hat – weiterhin angenommen. Die Damen eines Stickkreises für Schwälmer Weißstickerei krönten ihr 30-jähriges Jubiläum mit einem Besuch. Andere Interessenten wollten nach einer Stippvisite vor längerer Zeit nun noch einmal genau schauen. Kathy Andrwes, eine zur Zeit in Deutschland lebende USAmerikanerin, die in Sachen Stickerei europaweit unterwegs ist und in ihrem schönen Blog – The Unbroken Thread – von ihren Erlebnissen berichtet, durfte ich in Eschwege begrüßen.
Viele Stickerinnen von weit her, die durch Zufall in der Nähe weilten, nutzen die Gelegenheit , meine Ausstellung zu sehen.

Besuch aus Kanada zu meiner Ausstellung 2011

Und einige kamen eigens wegen meiner Stickereien über hunderte von Kilometern angereist.
Nachdem schon vor zwei Jahren Barbara Kershaw aus Kanada, die Schwälmer Weißstickerei und andere Weißstickerei-Techniken in der Embroiderers Association of Canada (EAC) und der Embroiderers Guild of America (EGA) lehrt, da war, kamen nun ein Mitglied der Cape Embroiderers Guild (CEG) aus Südafrika und Deborah Love, die gegenwärtige Präsidentin der Embroiderers Guild Queensland/Australien.

Deborah Love am 2013-10-23 in Eschwege

Ein absolutes Highlight war der Besuch einer sehr großen Gruppe vorwiegend britischer, aber auch irischer und indischer Damen. Mary Hickmott, Herausgeberin der Handarbeitszeitschrift „New Stitches“ veranstaltete eine Leserreise nach Deutschland und besuchte mit ihren Teilnehmerinnen neben anderen Stätten der Stickkultur auch meine Ausstellung. Es war so spannend, so aufregend und unterhaltsam, dass ich völlig vergaß, ein Foto
zu machen. Einzig der Bus, mit dem sie reisten, wurde dokumentiert.

Besuch von New Stitches aus Great Britain am 13.09

Inzwischen verstehe ich mich als Knotenpunkt für Anhängerinnen der Schwälmer Weißstickerei in Ost und West, in Nord und Süd. Durch Zufall konnte ich zwei Stickerinnen, die sich vor Jahren aus den Augen verloren hatten und jetzt, ohne es zu wissen, relativ dicht beieinander wohnten, helfen, sich wiederzufinden. Anderen konnte ich helfen, Gleichgesinnte in ihrer Nähe kennenzulernen.
Das gibt mir Freude, Zufriedenheit und innere Ruhe und daher tue ich meine Arbeit gern.

Das ganze Jahr über hatte ich sehr nette Kontakte zu Menschen in aller Welt. Immer wieder bin ich erstaunt zu erfahren, wie einfach es geworden ist, sich schnell und unkompliziert mit Menschen aus den entlegensten Ländern zu verständigen. Und immer wieder bin ich überrascht, zu sehen, wie viele Menschen aus allen Kontinenten dieser Erde an der Schwälmer Weißstickerei interessiert sind.

Leider lässt sich eine meiner Visionen im Moment noch nicht verwirklichen. Meine Pläne, ein Internetmuseum für Weißstickerei zu etablieren, musste ich vorerst auf Eis legen. Reisen in ferne Länder und Aufenthalte in fremden Umgebungen sind nicht nur kostspielig, sondern auch sehr anstrengend. Daher hatte ich die Idee, ein Internetmuseum einzurichten, das man jederzeit bequem vom heimischen Sessel aus besuchen könnte. Dort könnte man verweilen, so oft und so lange man möchte. Leider ist dieses Projekt im Moment nicht realisierbar.
So suche ich nach einer praktikablen Lösung, Ihnen zu ermöglichen, historische und herausragende zeitgenössische Schwälmer Weißstickerei von zu Hause aus zu betrachten.
Ich habe da auch schon so eine Idee………

Auf alle Fälle aber möchte ich im kommenden Sommer noch einmal eine neue, große Ausstellung mit Schwälmer Weißstickerei-Objekten zeigen. Die Vorbereitungen laufen bereits – ich hoffe, dass ich das Projekt bis zum Ende stemmen kann.

Dann hören Sie von mir!

Jetzt wünsche ich Ihnen alles Gute für das kommende Jahr; haben Sie Freude an der Schwälmer Weißstickerei und genießen Sie Stich für Stich.