Flächenfüllmuster Nr. 561

Kategorie: einfaches Durchbruchmuster
verwendetes Leinen: 13.5-fädig
verwendetes Garn: Vierfachstickgarn Nr. 20 für die Kästchenstiche und Nr. 16 für die Variante des gewickeltesn Erbslochs
angewandte Stiche: Kästchenstiche und Variante des gewickelten Erbslochs
horizontale Mitte: doppelte Fadenrinne

Die Granatapfelmotive entstammen der Schwälmer Paradekissenborte (B)

Wie man den beiden Bildern mit den Originalstickereien entnehmen kann, ist das Muster leicht unterschiedlich gearbeitet worden.

Im Grunde genommen handelt es sich um eine Variation des gewickelten Erbsloches,
das hier von Vorder-

und Rückseite zu sehen ist.

Erbslochkante_7

Der Unterschied besteht im Wesentlichen in der Verwendung von dickerem Garn und im zusätzlichen Zusammenwickeln der Enden benachbarter Fadenbündel.
Daraus habe ich eine Variation abgeleitet, die dem Original nicht vollständig entspricht, aber doch sehr nahe kommt.

Das im Folgenden gezeigte Muster ist nur eine Arbeitsprobe.

Es ist sinnvoll, mit dem Fadenauszug in der Mitte zu beginnen. Hier habe ich zunächst das mittlere Fadenpaar ausgezogen und dann auf beiden Seiten jeweils 5 weitere Gewebefäden entfernt, insgesamt also 12 Fäden.

Auf beiden Seiten der entstandenen Fadenrinne werden nun abwechselnd jeweils vier Fäden stehen gelassen und ein weiterer ausgezogen.

Über je vier verbliebenen Fäden werden von der Rückseite aus Kästchenstiche (Vierfachstickgarn Nr. 20) gestickt, die jeweils 4 Gewebefäden bündeln.

Mit Vierfachstickgarn Nr. 16 werden die entstandenen Fadenbündel umwickelt und zu Erbslöchern zusammengefasst.

Man beginnt mit dem rechten Fadenbündel und umwickelt es von unten nach oben 12-14 mal. Die Wicklungen sollten gleichmäßig nebeneinander liegen und sollten von der Anzahl her über alle Fadenbündel gleich sein.

*Man führt den Faden unter den Kreuzen der Kästchenstiche zum nächsten Fadenbündel.

Nun wickelt man von oben nach unten. Zuerst zieht man durch zwei Wicklungen das unbearbeitete und das rechts davon gelegene zusammen.

Dann fährt man mit dem Umwickeln des unbearbeiteten Fadenbündels bis zum Erreichen der Unterkante fort.

Dort zieht man die beiden Fadenbündel erneut durch zwei Wicklungen zusammen

und führt den Faden unter den Kreuzen der Kästchenstiche zum nächsten Fadenbündel.

Erneut wird von unten nach oben umwickelt, aber diesmal vorerst nur bis zur Mitte. Dort werden mit zwei Wicklungen das teilweise unbearbeitete und das rechts davon gelegene Fadenbündel fest zusammengezogen.

Danach wird das linke Fadenbündel bis zum Erreichen der Oberkante umwickelt.*

Man wiederholt die Arbeitsschritte (*), auf dem Weg nach unten die Fadenbündel an den Kanten

und auf dem Weg nach oben in der Mitte zusammenfassend.

Von der Vorderseite aus ergibt sich folgendes Bild:

Danach wird die restliche Fläche mit Kästchenstichen gefüllt.

Ein hübsches Muster – besonders geeignet für lange, schmale Motive – ist entstanden.

Ich habe festgestellt, dass die Variante der auch an den Kanten zusammenfassend umwickelten Erbslöcher das Arbeiten der gefalteten Erbslochkante wesentlich erleichtert.

Flächenfüllmuster Nr. 560

Flächenfüllmuster Nr. 560

Kategorie: Lichtes Muster ohne Grundstichgitter
verwendetes Leinen: 13.5-fädig
verwendetes Garn: Vierfachstickgarn Nr. 20
angewandte Stiche: Kreuznahtstiche
Mitte: Kreuzung von 4 Gewebefäden
Breite eines Mustersegmentes = 6 Gewebefäden

Das hier zuerst gezeigte Muster ist nur eine Arbeitsprobe. Eingebettet in eine Motivfläche findet man es am Ende dieses Beitrages.

Sowohl horizontal als auch vertikal werden abwechseln 2 Fäden ausgezogen und 4 Fäden (!) stehen gelassen.

In das entstandene Fadengitter werden in 8 Schritten Kreuznahtstiche gestickt – so wie in dem Beitrag Flächenfüllmuster Nr. 559 beschrieben (hier abgebildet allerdings ohne Drehung der Arbeit).

Man fährt fort, Kreuznahtstiche in der beschriebenen Weise zu arbeiten, um die gesamte Fläche zu füllen.

Von der Vorderseite aus bietet sich folgendes Bild:

Das Muster ist ähnlich dem Muster „Falscher Röserich“, nur werden hier die Stiche auf der Rückseite nicht zusammengezogen.

Dadurch bleiben die Gewebefadenquadrate relativ flach.

Das Flächenfüllmuster Nr. 560 ist auch in der Borte eines Paradekissens von 1821 enthalten.

Flächenfüllmuster Nr. 559

Flächenfüllmuster Nr. 559

Kategorie: Lichtes Muster ohne Grundstichgitter
verwendetes Leinen: 13.5-fädig
verwendetes Garn: Vierfachstickgarn Nr. 20
angewandte Stiche: Rosen- und Kreuznahtstiche
Mitte: Kreuzung von 4 Gewebefäden
Breite eines Mustersegmentes = 8 Gewebefäden

In dem Beitrag # 85 von Vivian Kwok zum Globalen Schwälmer Mustertuch habe ich ein Füllmuster entdeckt, dass ich wegen der beim Zusammenziehen der Rosenstiche entstehenden schlitzartigen Löcher interessant fand.

Dieses Muster ist nicht unbedingt typisch für die Schwälmer Weißstickerei. Es scheint eher der Hardanger Stickerei zu entstammen. Da aber in früheren Zeit in der Schwälmer Weißstickerei auch oft von der heute üblichen Fadenauszugsfolge abgewichen wurde, zeige ich dieses Muster auch für Schwälmer Bordürenmotive.

Das hier zuerst gezeigte Muster ist nur eine Arbeitsprobe. Eingebettet in eine Motivfläche findet man es am Ende dieses Beitrages.

Es werden 4 Fäden ausgezogen, 4 Fäden bleiben stehen. In die entstandenen Löcher werden Rosenstiche gearbeitet. Die einzelnen „Beinchen“ greifen dabei je zwei Gewebefäden auf. Gearbeitet wird in diagonalen Reihen von unten rechts nach oben links.

*Man sticht aus in einem Loch aus (Ausstichpunkt = Mittelpunkt des Stiches), legt eine Schlaufe nach oben und links, sticht 2 Gewebefäden links des Ausstichpunktes ein und kommt im Mittelpunkt wieder hervor.
Man zieht den Faden an, aber nicht zu fest.

Man legt eine Schlaufe nach rechts und oben, sticht 2 Gewebefäden oberhalb des Mittelpunktes ein und im Mittelpunkt wieder aus, mit dem Arbeitsfaden unter der Nadelspitze.
Man zieht den Faden nicht zu fest an.

Man legt eine Schlaufe nach unten und rechts, sticht 2 Gewebefäden rechts des Mittelpunktes ein und im Mittelpunkt wieder aus, mit dem Arbeitsfaden unter der Nadelspitze.
Man zieht den Faden nicht zu fest an.

Man legt eine Schlaufe nach links und unten, sticht 2 Gewebefäden unterhalb des Mittelpunktes ein. Wieder sticht man im Mittelpunkt aus, diesmal fasst man aber den Arbeitsfaden, der auf der Rückseite vom vorhergehenden Stich kommt, mit auf. Der Arbeitsfaden liegt unter der Nadelspitze.
Man zieht den Faden nicht zu fest an.

Der Arbeitsfaden kommt also rechts des letzten Stiches hervor. Man überquert diesen letzten Stich nach links und sticht direkt dahinter und unterhalb des ersten „Beinchens“ ein.
Von dort aus führt man den Arbeitsfaden unterhalb des Stoffes zum Mittelpunkt des nächsten Rosenstiches – 1 Kästchen diagonal links oberhalb des ersten Mittelpunktes.*

Auf diese Weise ist der Spannfaden von Rosenstich zu Rosenstich von der Vorderseite aus nicht sichtbar.
Mit Hilfe der Nadel können die einzelnen „Beinchen“ der Rosenstiche etwas verschoben werden, so dass sie in der Mitte der Seiten der Quadrate liegen.

Man wiederholt die Arbeitsschritte fortlaufend (*), bis alle freien Kästchen mit je einem Rosenstich gefüllt sind.

Mit meinem ersten Versuch war ich nicht so richtig zufrieden.
Um dem Muster mehr Stabilität zu geben, werden nun noch Kreuznahtstiche gearbeitet – von der Rückseite aus und über die Fadenkreuze (die einzelnen Schritte dazu sind weiter unten zu finden).

Ein Vergleich von der Fläche mit zusätzlich gearbeiteten Kreuznahtstichen (Bild unten rechts) und der Fläche ohne diese zusätzlichen Stiche zeigt, das die Kreuznahtstiche geeignet sind das Erscheinungsbild des Musters zu verbessern.

Dennoch war ich nicht zufrieden und startete einen neuen Versuch.

Wieder werden sowohl horizontal als auch vertikal abwechseln 4 Fäden ausgezogen und 4 Fäden stehen gelassen.

Weil es viel einfacher ist, werden die Kreuznahtstiche nun zuerst gearbeitet. Sie werden auf der Rückseite der Arbeit in 8 Schritten ausgeführt.

1. Von unten kommend, fasst man das linke Fadenpaar oberhalb des Fadenquadrates von rechts nach links auf und zieht den Arbeitsfaden durch.

2. Man fasst das gleiche Fadenpaar unterhalb des Fadenquadrates von rechts nach links auf. Man muss darauf achten, dass man den von unten kommenden Arbeitsfaden mit auffasst. Der Faden wird durch- und angezogen.

3. Man fasst man das rechte Fadenpaar oberhalb des Fadenquadrates von rechts nach links auf und zieht den Arbeitsfaden durch.

4. Man fasst das gleiche Fadenpaar unterhalb des Fadenquadrates von rechts nach links auf. Der Faden wird durch- und angezogen.

5. Man dreht die Arbeit um 90° im Uhrzwigersinn.

Man fasst das nun linke Fadenpaar unterhalb des Fadenquadrates von rechts nach links auf und zieht den Arbeitsfaden durch und an.

6. Man fasst das gleiche Fadenpaar oberhalb des Fadenquadrates von rechts nach links auf. Der Faden wird durch- und angezogen.

7. Man fasst das rechte Fadenpaar unterhalb des Fadenquadrates von rechts nach links auf und zieht den Arbeitsfaden durch und an.

8. Man fasst das gleiche Fadenpaar oberhalb des Fadenquadrates von rechts nach links auf. Der Faden wird durch- und angezogen.

Die Arbeit wird 90° gegen den Uhrzeigersinn zurückgedreht. Der Arbeitsfaden wird dann unter der linken Seite des entstandenen Kreuzes durchgezogen

um den nächsten Kreuznahtstich durch Auffassen des linken Fadenpaares oberhalb des nächsthöheren Fadenquadrates zu beginnen.

Man fährt fort, Kreuznahtstiche in der beschriebenen Weise zu arbeiten, bis die gesamte Fläche gefüllt ist.
Von der Vorderseite aus betrachtet ist ein hübsches Muster zu sehen.

Solche Muster fand ich auch in traditionellen Schwälmer Stickereien, wie hier in einer Bordüre eines Paradekissens von 1832.

Dieses Muster – jedoch mit weniger ausgezogenen Fäden – zeige ich als Flächenfüllmuster 560 in einem der nächsten Blogbeiträge.

In dem Kreismotiv wurden nun zusätzlich Rosenstiche – wie anfangs dieses Beitrages beschrieben – von der Vorderseite der Arbeit aus gestickt.

Dieses Muster in der eben gezeigten Reihenfolge zu sticken ist nicht nur einfacher, es führt auch zu einem gleichmäßigeren Erscheinungsbild.

Flächenfüllmuster Nr. 558

Flächenfüllmuster Nr. 558

Kategorie: Lichtes Muster mit Grundstichgitter
verwendetes Leinen: 13.5-fädig
verwendetes Garn: Vierfachstickgarn Nr. 30 für die Grundstiche und Nr. 20 für die Rosen- und die Stopfstiche
angewandte Stiche: Grund-, Rosen- und Stopfstiche
Mitte: Kreuzung zweier Fadenrinnen (in anderen Konturformen: mittlere Längsachse = Fadenrinne)
Breite eines Mustersegmentes = 24 Gewebefäden

Das hier zuerst gezeigte Muster ist nur eine Arbeitsprobe. Eingebettet in eine Motivfläche findet man es am Ende dieses Beitrages.

Zuerst erstellt man ein lichtes Fadengitter mit einer Kreuzung zweier Fadenrinnen im Zentrum, indem man sowohl horizontal als auch vertikal jeweils abwechselnd 2 Fäden auszieht und zwei Fäden stehen lässt.

Das entstandene Fadengitter wird mit Grundstichen stabilisiert.

Stopfstiche über ein Kästchen

werden entlang der horizontalen Mittelachse gearbeitet.

Parallel dazu und mit einem Abstand von vier freibleibenden Kästchen werden weitere Stopfstichreihen gestickt

bis die gesamte Fläche gefüllt ist.

Beginnend im vierten Kästchen unterhalb des Zentrumskästchens werden Rosenstiche gearbeitet –

zick-zack-förmig zwischen den Stopfstichreihen und beginnend mit vier Rosenstichen nach links oben

und drei Rosenstichen nach links unten.

Die Rosenstiche in der angrenzenden freien Fläche werden spiegelbildlich gearbeitet.

Wenn die gesamte Fläche gefüllt ist, hat sich ein ausdrucksstarkes Muster gebildet.

Dieses Muster kann in zwei Varianten gestickt werden – entweder komplett mit Rosenstichen oder nur mit Stopfstichen. Dadurch ändert sich das Aussehen etwas.

Dieses Muster habe ich in der Borte eines Peels (sackartiger Kissenbezug) von ca. 1860 entdeckt.

Es ist auch möglich, die Zickzacklinien so zu setzen, dass sie nicht spiegelbildlich erscheinen.

In der traditionellen Schwälmer Weißstickerei war dieses Muster mit all seinen Varianten als Füllmuster von Körben beliebt.

Flächenfüllmuster Nr. 557

Flächenfüllmuster Nr. 557

Kategorie: Lichtes Muster
verwendetes Leinen: 13.5-fädig
verwendetes Garn: Vierfachstickgarn Nr. 30 für die Grundstiche und Nr. 20 für die Rosen- und die Stopfstiche
angewandte Stiche: Grund-, Rosen- und Stopfstiche
Mitte: Kreuzung zweier Fadenpaare (in anderen Konturformen: mittlere Längsachse = Fadenpaar)
Breite eines Mustersegmentes = 20 Gewebefäden

Das hier zuerst gezeigte Muster ist nur eine Arbeitsprobe. Eingebettet in eine Motivfläche findet man es am Ende dieses Beitrages.

Zuerst erstellt man ein lichtes Fadengitter mit einer Kreuzung zweier Fadenpaare im Zentrum, indem man sowohl horizontal als auch vertikal jeweils abwechselnd 2 Fäden stehen lässt und zwei Fäden auszieht.

Das entstandene Fadengitter wird mit Grundstichen stabilisiert.

Dann wird das gewünschte Muster – gebildet aus Stopfstichen und Rosenstichen – in das Grundstichgitter gestickt. Es ist gut, hier mit den Rosenstichen zu beginnen. Dadurch wird der Übergang von einem Mustersegment zum nächsten einfacher.

Zuerst wird ein Quadrat aus 2 x 2 Rosenstichen um das Zentrums-Fadenkreuz gestickt. Am Besten startet man unten rechts,

arbeitet dann nach oben rechts,

unten links,

und oben links weiter.

Von dort aus gelangt man zum nächsten Mustersegment – einem Quadrat aus 2 x 2 Rosenstichen oberhalb des ersten und in einem Abstand von 3 freien Kästchen dazwischen. Der Zwischenraum wird durch Umwickeln der gebündelten Gewebefäden überbrückt. Damit die Umwicklungen so unsichtbar wie möglich erfolgen, sollten die Wickelstiche in der gleichen Richtung liegen wie die Grundstiche. Dies beachtend, stitcht man nach Fertigstellung des ersten Rosenstichquadrates entweder in dem rechten oder in dem linken Kästchen oberhalb des Rosenstichquadrates aus um einmal je Kästchen um das Fadenbündel zu wickeln

und dann im vierten Kästchen rechts oberhalb des ersten ein nächstes Quadrat aus 2 x 2 Rosenstichen in der erarbeiteten Weise zu sticken.

Eine weitere Reihe von 2 x 2 Rosenstich-Quadraten wird in einem Abstand von 3 freien Kästchen daneben gesetzt.

Die Arbeit wird in gleicher Weise fortgeführt, bis die gesamte Fläche gefüllt ist.

Nun werden Stopfstiche über 4 Kästchen treppenartig dazwischen gestickt.

Natürlich muss man die Richtung der Stiche mit jeder Stufe ändern.

Nachfolgende Reihen werden jeweils gespiegelt zur vorhergeheden gearbeitet

bis die gesamte Fläche gefüllt ist.

Nach der Kochwäsche werden die Rosenstiche dichter zusammenliegen und die durchsichtigen Stellen verschwunden sein.

Dieses Muster kann in zwei Varianten gestickt werden – entweder komplett mit Rosenstichen oder nur mit Stopfstichen. Dadurch wird das Aussehen etwas anders.

Dieses Muster habe ich in einer Ausstellung zeitgenössischer Schwälmer Weißstickerei in 2019 entdeckt.

Damals fiel mir das Muster durch seinen hübschen Kontrast zwischen den matter wirkenden Rosenstichen und den glänzenden Stopfstichen ins Auge.