Klöppelspitze in der Schwalm (2)

In dem Beitrag Klöppelspitze in der Schwalm (1) wurden die verschiedenen Kleidungs- und Wäschestücke gezeigt, bei denen auch Klöppelspitzen-Verzierungen zu finden sind. Nun können die verwendeten Klöppelspitzen aus den Nähe betrachtet werden.

Die feinsten und schmalsten Klöppelspitzen sind an gestrickten Babykäppchen zu finden.
1_KS_2Vier Klöppelspitzen-Bänder wurden fein eingekräuselt und an die Kanten der gestrickten Babymützchen angenäht.
2_KS_22 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem Babymützchen
3_KS_21,5 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem Babymützchen. Es scheint als seien die Pikots erst nach Fertigstellung der Spitze angesetzt worden.
4_KS_25 cm breite Klöppelspitze mit Tulpen, gefunden an einem blau eingefärbten Schwälmer Mieder
5_KS_24,5 cm breite Klöppelspitze mit Blumen, gefunden an einem blau eingefärbten Schwälmer Mieder
6-KS_23,5 cm breite Klöppelspitze mit einem frei gestalteten Muster, gefunden an einem sehr alten, blau eingefärbten Schwälmer Mieder
7_KS_23,5 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem blau eingefärbten Schwälmer Mädchen-Mieder.
Das Mieder wurde aus Leinenbatist gefertigt und sehr fein bestickt. Im Kontrast dazu steht die Klöppeöspitze mit ihrem eher dichten Muster.
8_KS_24 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem blau eingefärbten und später wieder entfärbten sehr feinen Schwälmer Mieders von 1849
9_KS_23,5 cm briete Klöppelspitze, gefunden an einem sehr feinen, blau eingefärbten und später wieder entfärbten Schwälmer Miederärmel
10_KS_23 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem blau eingefärbten Schwälmer Mieder von 1925
11_KS_24 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einer blau eingefärbten Schwälmer Abendmahlshaube
12_KS_25 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einer blau eingefärbten Schwälmer Abendmahlshaube
13_KS_25 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einer blau eingefärbten Schwälmer Abendmahlshaube
14_KS_25 cm breute Klöppelspitze, gefunden an einer blau eingefärbten Schwälmer Abendmahlshaube
15_KS_25 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem blau eingefärbten Abendmahlstaschentuch
16_KS_23,5 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem blau eingefärbten Abendmahlstaschentuch
17_KS_23,5 cm breite Klöppelspitze, gefunden als Verschlussbänder an einem Schwälmer Kopfkissenbezug
18_KS_23,5 cm breite Klöppelspitze in Verbindung mit Sprangspitze, gefunden an einem Schwälmer Bettüberwurf (A)
19_KS_2Eine zweite Klöppenspitze – ebenfalls 3,5 cm breit, gefunden an dem Schwälmer Bettüberwurf (A)
20_KS_2Und eine dritte Klöppenspitze, 4 cm breit – verbunden mit der Sprang-Technik -, gefunden an dem Schwälmer Bettüberwurf (A)
21_KS_2Interessant ist hier der Stich, mit dem sowohl die Klöppelspitze als auch die Sprangspitze am Leinen befestigt wurde.
22_KS_25 cm breite Klöppelspitze, gefunden an einem Schwälmer Bettüberwurf von 1832
23_KS_2Breite Klöppelspitzenbänder in Kombination mit Stopfhohlsäumen, gefunden an einem Schwälmer Bettüberwurf.

Wie hier zu sehen ist, war die Bandbreite der in der Schwalm verwendeten Klöppelspitzen sowohl von den Mustern als auch von den Techniken her sehr vielfältig.

Es gibt sogar eine Publikation, die sich speziell mit Schwälmer Klöppelspitzen befasst. Darin sind viele verschiedene Klöppelspitzen großformatig und mit den dazugehörigen Klöppelbriefen abgebildet.
24_KS_2Freihandspitzen in Schwälmer Textilien
Ingrid Hick, Christa Röhr, Marianne Stang
Zu beziehen bei:
Forum Alte Spitze GbR
Am Tomberg 18
52531 Übach-Palenberg

Klöppelspitze in der Schwalm (1)

Früher war Neukirchen in der Schwalm ein Zentrum der Klöppelspitzenfertigung. So ist es nicht verwunderlich, das Klöppelspitzen sowohl an verschiedenen Schwälmer Bekleidungsstücken als auch an unterschiedlichen Wäschestücken zu finden sind.
Wie bereits in dem Beitrag Historische Schwälmer Weißstickerei und Spitze erwähnt, findet man Klöppelspitze in Verbindung mit Schwälmer Weißstickerei an den Ärmelbündchen der blauen Mieder und an den Kanten der blau eingefärbten Ziertaschentücher.
Klöppelspitze findet man auch an Bettüberwürfen, Türhandtüchern und den Vorderkanten der blauen Abendmahlshauben. Auch gestrickte Schwälmer Babymützchen wurden mit Klöppelspitze umrandet.

Hier sind einige Beispiele davon:
1_KS_1Reichhaltig und fein bestickter, blau eingefärbter Miederärmel mit Klöppelspitze
2_KS_1Blau eingefärbtes Abendmahlstaschentuch mit Weißstickerei und Klöppelspitze
3_KS_1Teilansichten zweier verschiedener Bettüberwürfe mit Kronen, Musterborten mit lichten Mustern, Stopfhohlsäumen und Klöppelspitzen
4_KS_1Kopfkissenbezug mit Klöppelspitzen-Bändern als Verschluss
5_KS_1Blau eingefärbte Schwälmer „Ziehhaube“ mit Klöppelspitze an der Vorderkante
6_KS_1Gestricktes Babymützchen, eingefasst mit Klöppelspitze
7_KS_1Zeitgenössische Schwälmer Weißstickerei auf einer Tischdecke mit Klöppelspitzen-Umrandung

Schwälmer Mieder (3)

Neben den weißen Schwälmer Miedern gehörten zur stolzen Schwälmer Tracht auch blaue Mieder. Die blauen Mieder wurden über einfachen weißen Miedern getragen. Sie wurden zu besonders festlichen Anlässen angezogen. So trugen zum Beispiel Bräute, Brautjungfern und Brettmädchen diese zusätzlichen Mieder.
Die Mieder wurden fein in Weiß ausgestickt und nach der Fertigstellung blau eingefärbt.
1_SM_3_blauDas Schnittmuster unterschied sich nur wenig von dem der weißen Mieder. Die Ärmel der blauen Mieder waren geringfügig kürzer
2_SM_3_blauund im mittleren Bereich etwas breiter zugeschnitten als die der weißen Mieder.
3_SM_3_blauDurch den im mittleren Bereich etwas breiteren Zuschnitt stand der Umschlag des Ärmels etwas weiter vom Arm ab
4_SM_3_blauund gab einen kleinen Blick auf das darunter getragene weiße Mieder frei.
5_SM_3_blauDer Ausschnitt eines Bildes des Malers Emil Beithan zeigt die Tracht einer Schwälmer Braut.
Darauf kann man neben all den anderen Trachtenteilen sowohl das blaue als auch das weiße Mieder erkennen.
6_SM_3_blauUm das Tragen der Mieder komfortabler zu machen, wurden manchmal weiße Stoffstreifen an der Innenseite der Umschlagkanten angesetzt. Diese täuschten ein komplettes weißes Mieder vor.
7_SM_3_blauIm Gegensatz zu den weißen Miedern war die Stickerei der blauen Mieder nicht abgefüttert, wie ein Blick auf die Rückseite einer sehr alten, blauen Miederärmelstickerei zeigt.
8_SM_3_blauDer untere Rand des Ärmels war schmal gesäumt und mit einer Klöppelspitze verziert. Im Gegensatz zu den weißen Miedern arbeitete man keine Nadelspitze, sondern verwendete feine Klöppelspitze als Dekoration. (Wie Sie sicherlich bemerkt haben, zeige ich in diesem Beitrag eine Reihe unterschiedlicher blauer Mieder. An einem fehlt die Klöppelspitze. Dass Klöppelspitze früher einmal daran war, sieht man an feinen Überresten und den feinen Stichen, mit denen sie befestigt war. In dem Bild hier ist dies nicht zu erkennen.)
9_SM_3_blauWährend die weißen Mieder oberhalb der Stickerei Hohlsäume zeigten, wurde die Stickerei der blauen Mieder durch Namenskürzel und kleine Ornamente in schwarzer Kreuzstichstickerei abgegrenzt, wie hier A N G R D I (=Annegret / Anna Margarethe ….). Oft wurden diese Namenskürzel zweimal, nämlich oberhalb und unterhalb der Stickereiborte, angebracht. Bei besonders breiten Stickereiborten wurden die unteren Namenskürzel vom Ärmelumschlag verdeckt.
10_SM_3_blauNach der Fertigstellung wurden die Mieder dunkelblau eingefärbt. Bevor Indanthren (waschechter Farbstoff aus Indigo und Anthrazen) auf den Markt kam, geschah dies mit Indigo. Über diesen speziellen Vorgang werde ich später gesondert berichten.
Die Farbe war nicht sehr haltbar. Sobald sie mit Wasser in Berührung kam, löste sie sich. Die Mieder wurden kräftig gestärkt, um die Farbe vor Abrieb und Abtragen zu schützen.

Herzband

Ein dekorativer Wandhänger wurde aus einem Holzherz, etwas Metall, Filzstreifen und einigen Lärchenzapfen hergestellt.
1_HerzbandWeder mochte ich daran das dunkle Grau des Filzes noch die Gesamtzusammenstellung. Mit etwas Weißstickerei ließe sich der Hänger sicherlich aufpeppen. Anstatt des Metallherzens dachte ich an ein besticktes und ausgeschnittenes Herz und anstatt des schmalen Filzbandes mit den Zapfen dachte ich an ein Leinenband, begrenzt durch Schnürlochbögen und einem Herzen an einem Ende.
Das dunkle Grau beschloss ich durch Rot zu ersetzen.

Meine Grafikdesignerin fertigte mir eine entsprechende Linienzeichnung. Hier ist sie:
2_Herzband_pdfSie zeichnete auch ein separates Teil der geraden Borte. Es ist ebenfalls in der Downloaddatei enthalten. Mit Hilfe dieses Zusatzteiles konnte ich mein Band so weit verlängern, wie es für meine Dekoration nötig war.
3_HerzbandAuf 16-fädigem Leinen markierte ich mit kurzen Vorstichen entlang eines Gewebefadens die Position einer Seite des Bandes. Mit einem Bügelmusterstift wurde das Muster auf das Leinen übertragen.
4_HerzbandMit Vierfachstickgarn Nr.16 wurden Knötchenstiche als Umgrenzung des Herzens und entlang der geraden Linien gestickt. Mit Vierfachstickgarn Nr. 25 wurden die Schürlochbögen und mit Vierfachstickgarn Nr. 30 die Kettenstiche gearbeitet.
5_HerzbandFür das Flächenfüllmuster wurde ein besonderer Limetgrund vorbereitet. Es wurden jeweils 2 Fäden stehen gelassen und 1 Faden wurde ausgezogen. Das geschah, um das geplante Muster kompakt und passend zu der relativ kleinen Fläche gestalten zu können.
6_HerzbandMit Vierfachstickgarn Nr. 30 wurde das Flächenfüllmuster Nr. 481 A gestickt.

Das Teil wurde gekocht, gestärkt, gebügelt und dann ausgeschnitten.

Von meinem Wandhänger entfernte ich das dunkelgraue Band und ersetzte es durch ein rotes . Der schmale, hellgraue Filzstreifen mit den Zapfen wurde entfernt und durch mein gesticktes Herzband ersetzt.
7_Herzband
8_HerzbandUm ein in der Form passendes Herz für das Holzherz zu bekommen, schickte ich den Holzherz-Umriss an meine Grafik-Designerin. Das Ergebnis finden Sie in dem Beitrag Flächenfüllmuster Nr. 481.
9_HerzbandDiese Herzkontur wurde auf 13,5-fädiges Leinen übertragen und bestickt. Um es passend zu dem kleinen Herzen am Band zu gestalten, wurde Flächenfüllmuster Nr. 481 gestickt. Es wurde mit Vierfachstickgarn Nr. 25 ausgeführt.

Nach Kochen, Stärken, Bügeln und Ausschneiden wurde das bestickte Herz mit für Textilien geeignetem doppeltem Klebeband auf dem Holzherz befestigt.
10_HerzbandMein aufgepeppter Wandhänger ist fertig; sieht er nicht viel besser aus?
11_HerzbandEine andere Möglichkeit, das Design zu nutzen, ist, daraus eine Schleife mit einem Herz an beiden Enden zu fertigen. Ich habe eine Miniaturschleife gearbeitet und sie als Halsband für mein hölzernes Rentier verwendet. Dabei habe ich allerdings auf ein Flächenfüllmuster verzichtet.
12_Herzband

Flächenfüllmuster Nr. 481

Für spezielle Anlässe wie Valentinstag oder Muttertag suchte ich nach passenden Mustern. Ich dachte an ein Flächenfüllmuster mit Herzen. Da mir ein solches Muster für die Weißstickerei nicht bekannt war, nahm ich Nadel, Faden und Leinen und begann zu experimentieren. Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich. Zwei davon sind in meinem Buch „Limetrosen I“ zu finden, das bald in einer Neuauflage erscheint. Nicht alle von mir herausgefundenen Muster fielen so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Manche waren nicht für die von mir vorgesehenen Zwecke geeignet. Ein Muster fand ich zwar sehr schön, wollte es aber für mich behalten. Nun hat es eine Dame entdeckt und nach einer Beschreibung gefragt. Daraufhin habe ich eine Anleitung geschrieben, die ich auch Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Nr. 481
Kategorie: Limet-Muster
angewandte Stiche: Abwandlung einer Limetrose (Rosette)
mittlere Längsachse: Fadenrinne (in anderen Konturformen: Mitte = Kreuzung zweier Fadenrinnen)
Name: Kleine Herzen
Die hier gezeigten Beispiele wurden auf 13,5-fädigem Weddigen Leinen mit Vierfachstickgarn Nr. 25 gearbeitet.

Zunächst wird der Fadenauszug für den Limetgrund vorgenommen – 1 Faden wird aus gezogen, 3 Fäden bleiben stehen, sowohl vertikal als auch horizontal.

Ein Herzchen erstreckt sich über ein Quadrat von 4 x 4 Kästchen. Es besteht aus insgesamt 25 Stichen, die entgegen dem Uhrzeigersinn um einen Mittelpunkt herum gearbeitet werden. Man muss darauf achten, dass das Loch des Mittelpunktes groß genug ist, um alle Stiche der Reihe nach geordnet aufnehmen zu können. Die Stiche sollten gleichmäßig angezogen werden, aber nicht zu fest – das Gewebe sollte sich nicht zusammenziehen.

Das Besondere an diesem Muster ist, dass die Einstiche nicht nur an den geraden Kanten der Limetkästchen entlang ausgeführt werden, sondern auch diagonal durch diese Kästchen verlaufen.
Um einen Überblick zu geben, habe ich eine Grafik erstellt. Rot sind die Mittelpunkte der einzelnen Herzchen eingezeichnet, die blauen Linien bilden die Stiche nach. Die „1“ zeigt den ersten Stich.
1_481Man sticht aus,
2_481überquert 1 Kästchen (3 x 3 Gewebefäden) diagonal nach oben und links, sticht ein und kommt im Mittelpunkt wieder hervor. (Der „Mittelpunkt“ liegt nicht in der Mitte des Herzchens. Beim Sticken wird die Arbeit immer so gedreht, dass die Nadel waagerecht von rechts nach links geführt werden kann. Um nicht zu sehr zu verwirren, zeige ich die Arbeitsschritte ohne Drehung.)
3_481Der zweite Einstich erfolgt einen Gewebefaden diagonal nach links unten.
4-481Der dritte Einstich erfolgt wiederum einen Gewebefaden diagonal nach links unten.
5_481Der vierte Einstich erfolgt wiederum einen Gewebefaden diagonal nach links unten. Mit diesem Stich hat man das Limetraster wieder erreicht.
6_481Drei weitere Stiche erfolgen nun, jedes mal einen Gewebefaden gerade nach unten weiterwandernd.
7_481Dann werden sechs Stiche jeweils um einen Gewebefaden diagonal nach rechts unten gestickt. Mit dem sechsten Stich ist die Herzspitze erreicht.
8_481Die zweite Hälfte wird gegengleich gearbeitet – mit weiteren 12 Stichen (6 diagonal, 3 gerade und 3 diagonal) wird die Oberkante erreicht.
Von dort aus unterquert man 3 Kästchen (9 Gewebefäden) nach oben und 1 Kästchen (3 Gewebefäden) nach links. Dort sticht man aus. Hier ist der Mittelpunkt des nächsten Herzchens.
Die Arbeit beginnt von vorn.
9_481Danebenliegende Reihen werden versetzt gearbeitet, damit keine allzu großen freien Stoffstellen entstehen. Der Abstand vom Mittelpunkt eines Herzchens zum Mittelpunkt des danebenliegenden Herzchens beträgt 2 Kästchen (6 Gewebefäden) nach oben und 4 Kästchen (12 Gewebefäden) nach links (oder nach rechts)
10_481Von dort aus wird das nächste Herzchen in gewohnter Weise gestickt. Es ist darauf zu achten, dass die Zentrumslöcher frei und offen bleiben und nicht – wie hier beim oberen rechten Herzchen zu sehen – durch rückwärtig verlaufende Arbeitsfäden verdeckt werden.
11_481In der schonenden Kochwäsche verschieben sich die frei gebliebenen Gewebefäden leicht, sodass der Limetgrund kaum noch zu erkennen ist.
12_481Bei „Herzchen“ handelt es sich um ein besonders plastisches Muster, das speziell in großen Herzkonturen eine überaus ansprechende Wirkung entfaltet.
13_481