Vogelborte waagerecht (1)

Wie auch so manch andere Stickerin habe ich eine Kiste mit unvollendeten Stickereien. Einmal begonnen, kamen interessantere oder wichtigere Stücke dazwischen. Daher wurde die Fertigstellung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Wenn man dann älter wird, hat man das Bedürfnis, die angefangenen Stücke zu Ende zu bringen.
So ging es mir mit einem Bortenmuster, dessen Stickerei ich 2017 begonnen hatte – die „Vogelborte waagerecht“.

Nun sind die 19 großen und wenigen kleinen Motive mit unterschiedlichsten Flächenfüllmustern bestickt. An dem Ergebnis möchte ich meine Blogleser teilhaben lassen. Allerdings ist das fertige Band mit 2,44 m Länge nicht komplett zu fotografieren.
Der Abschnitt gibt einen ersten Einblick.

Die Detailfotos zeigen das Gesamtband fortlaufend von links nach rechts.

Einzelheiten zum Fadenauszug und den gewählten Flächenfüllmustern folgen im nächsten Blogbeitrag.

Stickerei für eine Tasche (1)

Im Moment sind große Filztaschen angesagt. Man kann sie in vielen Farben und verschiedenen Formen kaufen.
Solch eine Tasche finde ich ganz praktisch, um meine Utensilien zu transportieren, wenn ich am Stickkreis teilnehmen will.

Zu meinem Bedauern haben die Behältnisse aber eine Aufschrift, die ich nicht sehr schön finde.

Daher habe ich überlegt, wie man die Tasche dem Anlass entsprechend umgestalten könnte. Mir kam die Idee mit einer die Schrift überdeckenden Stickerei.

Ich wähle handgewebtes Leinen, da es mir in Struktur und Farbton gut zu meiner anthrazitfarbenen Filztasche gefällt.

Meine Tasche ist 45 cm breit und 30 cm hoch. Die Griffe beginnen in einer Höhe von 23 cm. Der verbleibende Platz für eine Stickerei ist also mit 45 cm x 23 cm ungefähr halb so hoch wie breit. Ich will nicht den gesamten Platz ausfüllen, aber die Stickerei im Format dem Taschenformat angleichen und die kompletten aufgedruckten Zeichen verdecken.

Daher wähle ich ein Fertigmaß von 38 cm x 19 cm und gebe auf jeder Seite eine Saumzugabe von 1 cm zu. So schneide ich das Leinen zur Größe 40 cm x 21 cm zu. Ein zu diesem Format passendes Muster ist schnell aufgedruckt.

Die Stickerei kann beginnen.
(Da ich dieses Projekt gleichzeitig als Fotomaterial für eine Kurzpräsentation der Schwälmer Weißtickerei nutzen möchte, verfahre ich nicht wie üblich, sondern gehe immer nur in Teilbereichen vor. So kann man die nötigen Schritte auf einem einzigen Foto nachvollziehen.)

Das sollte Sie aber nicht stören und Sie sollten natürlich wie gewohnt vorgehen.

Das Herz erhält einen lichten Fadenauszug 2:2. Das Fadengitter wird mit Grundstichen gesichert. Flächenfüllmuster 442 wird mit Stopfstichen eingearbeitet.

Die Tulpe erhält einen Limet-Fadenauszug 3:1 und ein Röserich-Flächenfüllmuster (Die schönsten Röserich Flächenfüllmuster)

Der kleine Kreis erhält in der Breite einen Limet-Fadenauszug 4:1 und in der Höhe 3:1, um das Muster trotz des ungleichmäßigen Gewebes gleichmäßig setzen zu können. Ein Kreuz aus Wickelstichstangen wird ins Zentrum gesetzt. Die verbleibenden Flächen werden mit je einem Rosenstich verziert.

Der Vogelbauch erhält ein einfaches Durchbruchmuster 3:1 und ein Waffelstichmuster.
Der Flügel des Vogels hat eine relativ kleine Fläche. Daher wird Fadenauszug 2:1 vorgenommen und das Gitter wird mit Grundstichen gesichert.

Das große Blatt erhält einen Limet-Fadenauszug 3:1 und Marburger Grundstiche als Muster.

In der kleinen Tulpe soll die Jahreszahl versteckt werden. Daher wird der Fadenauszug 2:1 vorgenommen. Das Fadengitter wird mit sehr dünnem Garn mit rückwärtigen Grundstichen (Grundstich verkehrt) gesichert. Der erste Teil der Jahreszahl wird mit Rosenstichen eingestickt (der zweite Teil kommt in die Tulpe auf der gegenüberliegenden Seite).

Bleibt noch der zweite kleine Kreis. Da ich auf diesem Musterstück alle in der Schwälmer Weißstickerei angewendeten Techniken zeigen will, fülle ich die Fläche mit Nadelspitze.

Wie es nach Beendigung der Stickerei weitergeht, erfahren Sie im nächsten Blogbeitrag.

Schwälmer Herz (1)

Vor vielen Jahren konnte ich während einer Ausstellung ein paar Leinenreste samt dazugehörigen Konturenmustern für kleines Geld erwerben.
Inzwischen habe ich die Rechte an diesen Mustern erworben.
Die hübschen Einzelmotive sind schnell gestickt. Sie bieten sich auch an, um Stoffreste aufzuarbeiten.
Kleinigkeiten wie Bildchen, Beutelchen oder Kisschen sind in kurzer Zeit entstanden. Sie eignen sich daher gut als Mitbringsel und vielleicht auch zum Verkauf als Andenken für Ausstellungen.

Ein solches Motiv habe ich auf 16-fädiges Leinen aufgebügelt. Um die Bügelmusterfarbe deutlich auf den Stoff zu übertragen, habe ich sehr heiß gebügelt. Die leichten Sengspuren, die dabei entstanden, sind deutlich zu sehen. Sie werden später durch die Wäsche verschwinden.

Die Knötchenstiche wurden mit Vierfachstickgarn Nr. 16, Schnürlöcher und Kettenstiche mit Vierfachstickgarn Nr. 30 gestickt. Die gerundeten Blätter wurden mit Plattstichen verziert. Hier wurden 2 Fäden des 6-fädigen Sticktwists verwendet.

Der Limetfadenauszug 3:1 hat eine Fadenrinne in der mittleren Längsachse.

Dort beginnend, wird ein Muster ähnlich dem Flächenfüllmuster 578, jedoch ohne die zwischengesetzten Kästchenstichreihen, mit Vierfachstickgarn Nr. 20 gestickt.

Nach Fertigstellung der Stickerei wird das Teil einige Stunden in Seifenlauge eingeweicht und dann gekocht. Die Farbe hat sich nach zwei Wiederholungen des jeweils kurzen Kochvorgangs vollständig gelöst.

Auch die Sengspuren sind vollständig verschwunden.

Das relativ ruhig wirkende Muster gefällt mir gut im Kontrast zu dem markanten Rand mit den vielen Blättern

und Schürlöchern.

Je nachdem, aus welchem Winkel man es betrachtet, wirkt das Muster unterschiedlich.

Wenn auch Sie dieses kleine Motiv sticken wollen, können Sie sich das handgezeichnete Konturenmuster kostenlos herunterladen.

Schwälmer Band (18)

Das lange Band ist fertig. An der Wand hängend sieht es schön aus, aber auch auf meinem großen Tisch liegend gefällt es mir gut. Leider lässt es sich in voller Länge nur sehr schwer fotografieren.

Daher folgen hier noch einmal alle Abschnitte von oben nach unten.

In der Wäsche sind Garn und Leinen geschrumpft. Erst dadurch erhielten die Flächenfüllmuster ihr endgültiges Aussehen und ihren speziellen Effekt.

Durch das Bügeln von der linken Stoffseite aus und auf einer dicken, weichen Unterlage platziert konnten sich Stiele, Spiralen, Blättchen usw. in die Unterlage drücken. So hebt sich jetzt sich die komplette Oberflächenstickerei plastisch vom Leinen ab.

Dadurch wird der für die Schwälmer Weißstickerei so typische und charakteristische Gegensatz von Durchbruchstickerei und Oberflächenstickerei erzielt.

Denn die erhabenen kleinen Elemente kontrastieren zu den eher flach wirkenden Flächen der großen Motive.

Viele Bestandteile der Schwälmer Weißstickerei wurden in diesem Projekt angewendet:
Stiele mit Abzweigen
Spiralen
gerundete und spitze, geteilte und ungeteilte Blättchen
Schnürlöcher
kleine Blümchen und andere vegetabile Elemente sowie kleine Herzen
Wimpernstiche
Schnürlochbögen und geschnürte Bögen
2kurz-2lang
Messerspitzen und Schlingstiche
einfache Durchbruchmuster
Limet-Durchbruchmuster
lichte Durchbruchmuster
einige Füllungen ohne Fadenauszug aus dem Bereich der frühen Schwälmer Weißstickerei und
eine Nadelspitzenfüllung.

Natürlich kann man die Stickerei besonders im Bereich der Flächenfüllmuster ganz anders gestalten. Mein Anliegen war es jedoch, möglichst viele verschiedene Muster zur Anwendung zu bringen.

Schwälmer Band – Konturenmuster
Schwälmer Band (1) Musterübertragung
Schwälmer Band (2) Vorbereitende Arbeiten von Abschnitt 5
Schwälmer Band (3) Vorbereitende Arbeiten von Abschnitt 4
Schwälmer Band (4) Vorbereitende Arbeiten von den Abschnitten 3 – 1
Schwälmer Band (5) – Füllungen von Abschnitt 5 II
Schwälmer Band (6) – Füllungen von Abschnitt 5 I
Schwälmer Band (7) – Füllungen von Abschnitt 4 b II
Schwälmer Band (8) – Füllungen von Abschnitt 4 b I
Schwälmer Band (9) – Füllungen von Abschnitt 4 a II
Schwälmer Band (10) – Füllungen von Abschnitt 4 a I
Schwälmer Band (11) – Füllungen von Abschnitt 3 II
Schwälmer Band (12) – Füllungen von Abschnitt 3 I
Schwälmer Band (13) – Füllungen von Abschnitt 2 II
Schwälmer Band (14) – Füllungen von Abschnitt 2 I
Schwälmer Band (15) – Füllungen von Abschnitt 1 II
Schwälmer Band (16) – Füllungen von Abschnitt 1 I
Schwälmer Band (17) – Fertigstellung

Schwälmer Band (17)

Fertigstellung

Nach Beendigung der Weißstickerei drucke ich eine Krone auf, die nicht allzu hoch und insgesamt so breit ist wie meine Borte.

Sie wird mit 2-fädigem Anchor Sticktwist der Farbe 888 gestickt.
Allerdings werde ich den Korb anders gestalten.

Bisher habe ich mit meiner Stickerei alle Hauptbestandteile der Schwälmer Weißstickerei verwirklicht. Hierzu gehören an Oberflächenstickerei Stiele mit Abzweigen und Spiralen, gerundete und spitze, geteilte und ungeteilte Blättchen, Schnürlöcher, kleine Blümchen und andere vegetabile Elemente sowie kleine Herzen, an Umrandungsstichen Wimpernstiche, Schnürlochbögen, geschnürte Bögen, 2kurz-2lang, Messerspitzen und Schlingstiche sowie alle drei unterschiedlichen Durchbruchmuster (einfache, Limet und lichte), einige Füllungen ohne Fadenauszug aus dem Bereich der frühen Schwälmer Weißstickerei und eine Nadelspitzenfüllung. Fehlt eigentlich nur noch ein Stopfhohlsaum und eine Nadelspitzenborte um das komplette Sortiment an Möglichkeiten auf einem Werkstück verewigt zu haben.

Leider ist die Korbfläche der Krone zu klein für einen schönen Stopfhohlsaum. Daher greife ich auf den Erbslochhohlsaum zurück (Vierfachstickgarn Nr.30).

Noch Jahreszahl und Namenskürzel zugesetzt,

dann kann das Stück gesäumt werden. Da ich das Band auch an der Wand hängend nutzen möchte, entscheide ich für Tunnelsäume am oberen und unteren Rand. Der Saum soll eine Breite von 2,5 cm haben und einen Einschlag von 1 cm. Die Längsseiten werden zuerst befestigt. Dabei ist darauf zu achten, dass man den Einschlag an den Schmalseiten vor dem Legen des Saumes an den Längsseiten vornimmt.

Denn nur so kann der Tunneleingang sauber und ordentlich aussehen.

Das Nähen der Saumecken durch die vielen Stofflagen ist etwas mühsam, aber mit etwas Geduld bekommt man auch das hin.

Noch schnell ein freies Plätzchen für den Stundeneintrag gesucht und die komplette Stickerei nochmal betrachtet.

Ich entscheide, die Korbgriffe doch noch zu füllen, nehme einen Limetfadenauszug 3:1 vor und besticke die Flächen mit Marbuger Grundstichen (Vierfachstickgarn Nr. 20). Dabei ist darauf zu achten, die Stiche auf der einen Korbseite von unten nach oben und auf der gegenüberliegenden von oben nach unten zu arbeiten, um das Muster spiegelbildlich zu erhalten.

Auch die Fläche mit den 3 Blümchen gefällt mir nicht.

Daher entscheide ich, die Blütenblätter einer weiteren Blume mit Spannstichen (2-fädiger Sticktwist) zu füllen. Die dritte Blume soll nicht weiter bearbeitet werden, damit man für die Zukunft, die unterschiedlichen Möglichkeiten der Gestaltung vor Augen haben kann.

Und dann ab in den Kochtopf – mit genügend Wasser und etwas Waschpulver.

Schon bald wird aller Schmutz aus dem alten Leinen gezogen und es bildet sich eine dunkle Brühe.

Nach längerer Einweichzeit und kurzem Aufkochen lasse ich das Stück noch eine Weile im abkühlenden Wasser liegen, um es dann gründlich zu spülen und zum Trocknen zwischen Frotteehandtücher zu legen.
Noch ganz leicht feucht wird zuerst der Saum von rechts und dann die gesamte Fläche von links sorgfältig gebügelt.

Das Ergebnis wird in einem letzten Blogbeitrag zu diesem Thema zu sehen sein.

Schwälmer Band – Konturenmuster
Schwälmer Band (1) Musterübertragung
Schwälmer Band (2) Vorbereitende Arbeiten von Abschnitt 5
Schwälmer Band (3) Vorbereitende Arbeiten von Abschnitt 4
Schwälmer Band (4) Vorbereitende Arbeiten von den Abschnitten 3 – 1
Schwälmer Band (5) – Füllungen von Abschnitt 5 II
Schwälmer Band (6) – Füllungen von Abschnitt 5 I
Schwälmer Band (7) – Füllungen von Abschnitt 4 b II
Schwälmer Band (8) – Füllungen von Abschnitt 4 b I
Schwälmer Band (9) – Füllungen von Abschnitt 4 a II
Schwälmer Band (10) – Füllungen von Abschnitt 4 a I
Schwälmer Band (11) – Füllungen von Abschnitt 3 II
Schwälmer Band (12) – Füllungen von Abschnitt 3 I
Schwälmer Band (13) – Füllungen von Abschnitt 2 II
Schwälmer Band (14) – Füllungen von Abschnitt 2 I
Schwälmer Band (15) – Füllungen von Abschnitt 1 II
Schwälmer Band (16) – Füllungen von Abschnitt 1 I