Übergang von früher zu späterer Schwälmer Weißstickerei (2)

Übergang von früher zu späterer Schwälmer Weißstickerei (2)

Auch der zweite meiner Schätze aus einer Übergangszeit von früher zu späterer Schwälmer Weißstickerei ist nicht mehr im Originalzustand. Es war ursprünglich ein Paradekissen und wurde zu einem Tischläufer umgearbeitet

Verwendet wurde 19-fädiges handgewebtes Leinen. Die Stickerei misst 14 cm x 80 cm; die Borte ist begrenzt durch zwei, je 5,5 cm hohe, 9-stufige Stopfhohlsäume mit Erbslochhohlsaum auf beiden Seiten.


Auch dieses Beispiel zeigt nur eine leichte Kombination beider Stickrichtungen der Schwälmer Weißstickerei. Im Gegensatz zu der Borte von 1804 ist die hier vorliegende Stickerei sehr dicht ausgeführt. Jede auch noch so kleine Fläche ist mit Stichen besetzt.

Alle großen Motive sind mit lichten Mustern gefüllt, aber viele der kleineren Flächen wurden mit Mustern ohne Fadenauszug bestickt. (In der frühen Schwälmer Weißstickerei war die Wahl kleinerer Motive üblich, während die spätere Art große bis sehr große Musterflächen bevorzugte. Je größer die Flächen, desto schwieriger ist es, sie mit Mustern der frühen Phase zu besticken.)


In der Mitte sieht man ein Design aus einem Herzen mit drei großen Tulpen, zwei Kreisen und zwei Flächen, die in ihrer Form dem vorhandenen Platz angepasst wurden. Diese beiden Motive haben Rosenstich-Muster; alle anderen Flächen wurden mit Stopfstich-Mustern gefüllt, wobei die beiden mittleren Motive figürliche Stopfstich-Muster erhielten.


Eine Blume und ein Blumentopf, begrenzt durch große Vögel, sind links und rechts des Mittelmusters zu finden. Zwischen den großen Motiven finden sich viele kleine Flächen ohne Fadenauszug.


Herzformen, gefüllt mit Blättern,


oder Blümchen,


oder einfach nur mit Plattstichen sind zu finden.


Auch sieht man eine kleine Tulpe mit einem Muster, das aus paarweise angeordneten Schlingstichen gebildet wurde.


Das gleiche Muster mit paarweise angeordneten Schlingstichen findet sich in Herzformen unten links sowie


unten rechts in der Borte. Wobei links nur ein größeres Herz und rechts zwei kleinere Herzen angeordnet sind (leider ist ein Teil der Stickerei durch die später für die Umnutzung zugefügte Naht verdeckt).
Wie man sehen kann, ist das Design nicht ganz symmetrisch angeordnet. Drei der Vögel haben eine relativ vertikale Ausrichtung, während der vierte nahezu horizontal angeordnet ist.


In diesem Beispiel wurden Knötchenstiche und Kettenstiche gestickt, aber keinerlei Stielstiche. Es sind viele kleine Spiralen zu finden. Die Flächen wurden entweder mit zwei Reihen von Kettenstichen oder einer Reihe von Knötchenstichen und einer zusätzlichen Reihe von Kettenstichen umgeben. Zusätzliche Umrandungen wurden mit 2 kurz-2 lang, Schlingstich- und Plattstich-Messerspitzen, Schnürlochbögen und Kerrercher (siehe: Schlängchen & Co.) gebildet.


Kerrercher sind nicht nur als Umrandungsstiche zu finden, wie hier um den Kreis,


sondern auch als Zierstiche wie am Hals des Vogels


oder oberhalb der Tulpe.

Die Stopfstich-Figuren in den verschiedenen Flächen sind nicht immer gelungen.

Das Mittelteil des Blumentopfes wurde mit einem selten zu findenden lichten Rosenstich-Muster bestickt.


In diesem Beispiel findet man einige Elemente, die für die frühe Schwälmer Weißstickerei typisch sind: insgesamt gibt es siebzehn kleine Motive ohne Fadenauszug. Fünf davon sind mit paarweise angeordneten Schlingstichen gefüllt, vier mit Plattstichen, vier mit Schlingstich-Blättern, zwei mit Schnürlöchern und Kerrercher und zwei mit Blümchen (und Spiralen).

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