Übergang von früher zu späterer Schwälmer Weißstickerei (3)

Mein drittes Beispiel aus einer Übergangszeit von früher zu späterer Schwälmer Weißstickerei ist noch im Originalzustand. Es handelt sich um ein Miederjäckchen, das nach der Fertigstellung schwarz eingefärbt und anschließend mit Wachs behandelt wurde, um Glanz zu verleihen und vor Flecken zu schützen.


Verwendet wurde 14/18-fädiges Leinen – also relativ grobes Gewebe für diesen Gebrauch. Das Jäckchen wurde an den Vorderkanten und an den Ärmelaufschlägen bestickt.


Die Vorderkanten zeigen eine drei Zentimeter breite Borte mit ornamentaler Stickerei – auf beiden Seiten begrenzt von Kerrercher (umschlungenen Spannstichen) -, einen 3-stufigen Stopfhohlsaum und Nadelspitze.


Die Ärmelbündchen sind in einem breiteren Bereich bestickt. Vier verschiedene, schmale Borten – jede 3 cm hoch – wurden zu einem Design kombiniert. Solch eine Zusammenstellung einzelner schmaler Borten ist selten zu finden.
Als Motive wurden ausschließlich Kreise verwendet. Kettenstiche oder breite Stielstiche, kombiniert mit 2 kurz-2 lang, geschnürten Messerspitzen oder geschnürten Bögen bilden die Ränder der Motive. Blätter wurden mit Plattstichen gearbeitet.


Die Abschlusskante ist mit einer 1,5 cm breiten Nadelspitze dekoriert.


Daran schließt sich eine Borte an, in der Stiele, Spiralen und kleine Kreise mit Knötchenstichen gestickt wurden. Dies sind die einzigen Knötchenstiche der gesamten Ärmelbündchen-Stickerei dieses Jäckchens.


Alle fünf Motive dieser Borte sind ohne Fadenauszug in den Flächen bestickt. Zwei Kreise sind mit einem Schnürloch versehen.


Die übrigen drei wurden mit kleinen Mittelkreisen aus Knötchenstichen, die von Kerrercher umgeben sind, bestickt. Die Kerrercher bilden eine Sternform.

Die zweite Borte enthält keine Knötchenstiche, aber Flächen mit Fadenauszug. Bei allen Füllmuster mit Fadenauszug – außer einem – handelt es sich um Limetmuster.
Bei zwei der fünf Kreise wurde das Muster mit Kästchenstichen gebildet,


zwei Kreise zeigen eine Kombination aus Kästchenstichen und Grundstichen. Diese Kombination sieht man als Limet-Flächenfüllmuster äußerst selten.


Erwähnenswert – gut sichtbar an der oberen Kante der obigen Fläche – ist die Arbeitsweise von 2 kurz-2 lang. Hier wurde eine Runde dichter Plattstiche gleicher Länge gearbeitet und eine zweite Runde mit paarweise angeordneten Plattstichen zwischen die Stiche der ersten Runde gesetzt.

Das fünfte Muster besteht aus Rosenstichen.


Die dritte Borte zeigt wiederum Flächen ohne Fadenauszug. Alle fünf Kreise sind mit dem gleichen Muster bestickt – Dreier-Schlingstich-Bündel. Die Schlingstiche sind nicht aufliegend; sie wurden durch das Gewebe gestochen.


Die Borte ist oben und unten durch eine Reihe breiter Stielstiche begrenzt.


Die vierte Borte enthält sechs Motive. Eine Fläche (rechts im obigen Bild) ist mit einem einfachen Durchbruchmuster gefüllt. Es handelt sich um Mückenstiche. Zwei Kreise zieren Kästchenstich-, drei Rosenstich-Muster.


Die Initialen CDNASI, getrennt durch kleine Kreuzstichornamente, wurden gestickt. Leider wurde keine Jahreszahl vermerkt.


In diesem Beispiel findet man einige Elemente, die für die frühe Schwälmer Weißstickerei typisch sind: breite Stielstiche zum Gestalten der Stiele und zur Umrandung einiger Flächen sowie Flächen ohne Fadenauszug gefüllt mit Zierstichen oder 3-er Gruppen von Schlingstichen.

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