Flächenfüllmuster Nr. 540

Kategorie: Limet-Muster
angewandte Stiche: Margeriten- und Rosenstiche
Mitte: Kreuzung zweier Fadenrinnen (in anderen Konturformen: mittlere Längsachse = Fadenrinne)

Das letzte Flächenfüllmuster meines Blogs war Nr. 481.
Danach veröffentlichte ich das Buch „Sterne“, das insgesamt 58 verschiedene Muster enthält.
So erhält das nächste Flächenfüllmuster meines Blogs die Nummer 540.

Zunächst wird der Fadenauszug für den Limetgrund vorgenommen – 1 Faden wird aus gezogen, 3 Fäden bleiben stehen, sowohl vertikal als auch horizontal.

Man kommt mit der Nadel im Mittelpunkt hervor und zieht den Faden durch.


Man legt den Arbeitsfaden in einer Schlaufe nach links und unten.
Man sticht erneut im Mittelpunkt ein, unterquert 1 Kästchen diagonal nach links unten (3 Gewebefäden nach unten und 3 Gewebefäden nach links) und sticht dort aus.


Man legt die Schlaufe unter die Nadelspitze.


Man zieht den Arbeitsfaden in Richtung der Schlaufe an, allerdings nicht zu fest – die Schlaufe sollte ihre Hufeisenform behalten.


Man überquert 1 Kästchen nach links unten, sticht ein und bringt die Nadel erneut im Mittelpunkt hervor.


Man arbeitet 3 weitere Margeritenstiche entgegen dem Uhrzeigersinn


in der gleichen Weise.


Wenn eine Runde komplett ist, unterquert man 2 Kästchen diagonal nach rechts oben, um zum nächsten Mittelpunkt zu gelangen und dort die nächste Vierergruppe in der gezeigten Weise zu beginnen.


Man arbeitet Reihen solcher Gruppen nach oben


und nach unten


bis die gesamte Fläche gefüllt ist.


Nun stickt man Rosenstiche in diagonalen Reihen –


einen in jedes Feld – zwischen die Margeritenstich-Gruppen.


Ein weiteres, leicht zu arbeitendes und attraktives Muster ist entstanden.

Gestickter Ostereier-Kranz – apart und originell

Die Künstlerin Gudrun Hartwig hat für den Entwurf eines Ostereier-Kranzes vier große Ei-Formen kreuzweise angeordnet


und die Zwischenräume mit vier gleich gestalteten Gruppen kleinerer Eier in unterschiedlichen Größen gefüllt.


Die Ei-Formen können mit einer Vielzahl verschiedener Flächenfüllmuster,


angepasst an die Größe der Flächen


und angepasst an den Fadenlauf der jeweiligen Motive, bestickt werden.


Viele, ganz unterschiedliche Muster eignen sich dazu, wie auch dies mit Kreuzen. Die Kreuze werden aus Teilen der Limetrose und Wickelstichen gebildet. Dieses hübsches Muster ist besonders gut zum Verzieren von Ostereiern geeignet.


Die Kombination feiner


mit eher markanten Mustern


lässt einen gefälligen Kontrast entstehen.


Die Stickerei wurde auf sehr dicht handgewebtem 20-fädigen Leinen ausgeführt.

Historische Schwälmer Weißstickerei und Maschinenspitze

Schwälmer schätzten den Wert von Dingen, die sie kaufen mussten, oft gleich hoch oder sogar höher ein als von selbst handgefertigten Artikeln. So fanden sie es aufwertend, aufwändig und fein bestickten Kissenbezügen, Bettüberwürfen und Türvorhängen maschinell gefertigte Spitze hinzu zu fügen.

Besonders beliebt waren solche Borten – sogenannte „Glockenborten“ – als Randabschlüsse der Stickereien.

Dies waren feine, maschinell hergestellte Spitzenbänder kombiniert mit dicken, kunstvoll verknoteten Fransen.

Ein Türvorhang von 1845 mit einer Kreuzstichkrone,


einer hohen Weißstickereiborte und lichten Musterbändern in der Mitte,


sowie weiteren lichten Musterbändern mit doppeltem Erbslochhhohlsaum zu beiden Seiten bekam eine zusätzliche Verzierung aus maschinell gefertigter Spitze am unteren Rand.


Ein alter Bettüberwurf mit einer prächtigen Schwälmer Krone und aufwändigen Stopfhohlsäumen sowie Einsätzen von Klöppelspitze


erhielt einen Randabschluss aus maschinell gefertigter Spitze.


Auch ein Bettüberwurf von ca. 1860 – sehr individuell und aufwändig bestickt –


erhielt einen maschinell gefertigten Randabschluss.


Weitere herausragende Beispiele feinster Weißstickerei in Verbindung mit maschinell hergestellter Spitze findet man im Schwälmer Dorfmuseum Holzburg, wie dieses Teil von 1839.


Neben den Glockenborten nutzten die Schwälmerinnen auch gern maschinell hergestellte Spitzenbänder als Einsatz zwischen Handstickerei.
Auf dem unten zu sehenden Kissenbezug ist das maschinell hergestellte Spitzenband auf beiden Seiten von Stopfhohlsäumen eingefasst.


Ein Bettüberwurf zeigt eine Kreuzstichkrone, Stopfhohlsäume mit vielen verschiedenen Mustern, eingesetzte maschinell gefertigte Spitze


und zwei unterschiedliche Glockenborten an den Rändern.


Das Schwälmer Dorfmuseum in Holzburg zeigt neben sehr vielen anderen außergewöhnlichen Exponaten einen interessanten Bettüberwurf. Er ist mit Elementen der frühen Schwälmer Weißstickerei aufwändig verziert, mit einer prächtigen Schwälmer Krone versehen und auf das Jahr 1822 datiert.


Zusätzlich wurde er mit einem Einsatz aus maschinell hergestellter Spitze verziert. Der Rand wurde mit maschinell hergestellter Glockenspitze versehen. Freundlicherweise bekam ich die Erlaubnis, diese Bilder auf meinem Blog zu zeigen. Die Ausschnitte können leider nicht die volle Pracht des ausgestellten Stückes wiedergeben. Aber man kann die Schönheit und Einzigartigkeit erahnen. Das kleine, aber feine Museum ist immer einen Besuch wert und freut sich über jeden Besucher, der an Details solch ausgesuchter Arbeiten interessiert ist.

Schwälmer Tracht – Die Halstücher

Um den Hals trugen die Schwälmerinnen zur stolzen Tracht quadratische Tücher aus reiner Seide.


Die Tücher der jüngeren Frauen waren, abgestimmt auf die Basisfarbe der Tracht, sehr farbenfroh.


Meist waren die Ränder mit eingeknüpften, seidenen Fransen versehen.


Die Fadenbündel der Fransen wurden mindestens einmal,


oft jedoch mehrfach zusammen geknotet.


Die Tücher wurden einmal diagonal gefaltet. Das entstehende Dreieck wurde in den Rücken gelegt. Abhängig davon, wie die Kappenschnüre (Inhalt eines zukünftigen Beitrages) getragen wurden – im Rücken oder auf der Brust -, wurden die Enden entweder vorn in der Taille zwischen Schürze und Röcken eingesteckt


oder um den Hals geschlungen, unter dem Kinn gekreuzt und im Nacken unter dem Dreieck verknotet.

Schwälmer Tracht – Die Trolljacken

Wenn die Witterung kühler wurde, trugen die Schwälmerinnen zur Festtagstracht über Mieder und Weste noch zusätzlich kurze, langärmlige Jacken.

Die Jacken hatten einen Oberstoff aus Seide, Kaschmir oder Tuch


und waren vollständig gefüttert –


entweder mit einem glatten Beiderwand-Gewebe (einer Wolle-Leinen-Mischung)


oder mit aufgerautem Beiderwand-Gewebe.


Die bogenförmig zugeschnittenen Vorderteile wurden mit herzförmig angebrachten Knopfreihen verschlossen. Die Trolljacke einer erwachsenen Frau war normalerweise mit 19 Knöpfen bestückt. Es ist überliefert, dass nicht alle Knöpfe zugeknöpft wurden, sondern immer 3 bis 4 Knöpfe ungeknöpft blieben.


Die meisten Jacken waren ähnlich wie die Westen unter den Knöpfen mit Samtbändern belegt.


Die Jacken gab es in grün, lila (zur blauen Tracht) und schwarz.


Oft wurden die grünen Seidenstoffe


mit kleinen roten Mustern von Hand bestickt.


Die Ärmel waren lang und schmal


und wurden mit zwei Knöpfen geschlossen.


Die Kanten der Ärmel erhielten einen Besatz aus schwarzem, zackenförmig zugeschnittenem Samt, der mit einfachen Zierstichen dekoriert wurde


Die Jacken waren taillenkurz und eng anliegend geschnitten.


Den unteren Abschluss bildete ein ca. 5 cm hoher, in Kellerfalten gelegter Streifen, der sich beim Tragen auf die Röcke legte. Dieser Faltenbesatz brachte der Jacke den Namen „Trolljacke“ ein.


Der Stoffstreifen für die Kellerfalten war gefüttert und am unteren Ende mit schwarzem Samt eingefasst.


Bei gemustertem Stoff waren die Falten sorgfältig auf die Musterung abgestimmt.


Damit die Falten nicht aufspringen konnten, waren sie von der Rückseite aus mit zwei Reihen von Stichen


unterschiedlicher Machart befestigt.


Auch zur roten Tracht von Mädchen wurden grüne Trolljacken getragen.