Ein preisgekröntes Osterei

Im März 2013 habe ich einen Beitrag über Ostereier, bestickt mit Motiven der Schwälmer Weißstickerei, gepostet. Zeitgleich habe ich das Heft „Bestickte Ostereier“ mit detaillierten Beschreibungen der Arbeitsschritte und das Downloadprodukt „24 kleine Konturenmuster“ mit weiteren Konturenmustern veröffentlicht.
Darauf basierend sind in der Zwischenzeit viele sehr schön bestickte und hervorragend gearbeitete Ostereier entstanden.
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Namentlich gilt das für Donna Finley aus den USA. Sie hat mit einem ihrer perfekt gearbeiteten Exemplare einen besonderen Preis errungen – das blaue Band der „Maryland State Fair“ (einer Messe des US-Bundesstaates Maryland).

Herzlichen Glückwunsch!


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Donna schreibt:
„I thought you might be interested to know that my adaption of your Schwalm Easter egg idea won a blue ribbon at the Maryland (USA) State Fair this month [August 2014]. It was my first time entering anything in any fair, so I am especially grateful for your inspirations and instructions.

I originally made a set of five eggs, most using the pretty heart-and-tulip design from your blog. I did purchase more designs from you, however, and it was one of those that won. …. I used wooden eggs from a general crafts store, which gave the finished pieces a lovely heft, and ¼“ gimp when I failed to find readily available velvet ribbon… .“

Frei übersetzt:
„Ich dachte, es würde Sie interessieren zu erfahren, dass meine Umsetzung Ihrer Idee von Schwälmer Ostereiern diesen Monat [August 2014] ein blaues Band der Maryland State Fair gewonnen hat. Es war das erste Mal, dass ich eine Arbeit bei einer Messe eingereicht habe, weshalb ich besonders dankbar für Ihre Inspirationen und Instruktionen bin.

Und weiter: Insgesamt habe ich fünf Eier gearbeitet, meistens mit dem Herz-Tulpe-Design verziert.
Ich benutzte hölzerne Eier aus einem Bastelgeschäft, die den fertigen Arbeiten ein ansprechendes Gewicht geben. Da ich kein passendes Samtband finden konnte, verwendete ich eine ¼“ Besatzschnur (Gimpte).“
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Vielleicht sind diese hervorragenden Ergebnisse auch Ihnen Ansporn, sich einmal mit dieser Technik zu versuchen.

Herzlichen Dank an Donna!

Ostereier in Wachs-Reserve-Technik

Ostereier in der filigranen Ausgestaltung der im Marbuger Raum gebräuchlichen Muster erfordert sehr viel Übung und Fingerspitzengefühl. Auch finde ich eine solche Verzierung zu aufwändig für Verzehr-Ostereier.
Dennoch gestalten wir unsere Ostereier, die wir nach der Suche essen wollen, hübsch in einer überlieferten Wachs-Reserve-Technik.
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Dazu benötigt man reines Bienenwachs und ein Gerät, um das geschmolzene Wachs aufzutragen.
Weithin bekannt sind die Ukrainischen Ostereier, für deren Verzierung man eine sogenannte „Kitska“ verwendet. Auch ein „Tjanting“ wäre möglich, aber solche Geräte (Kitska oder Tjanting) sicher zu handhaben, erfordert sehr viel mehr Übung als ein simples Stecknadel-Werkzeug.
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Wir improvisieren mit Dingen, die wir zur Hand haben: eine Stecknadel mit Glaskopf, die man in einen Griff (Hölzchen oder alten Stift) steckt, einen Tiegel, in dem man das Wachs schmilzt (wir verwenden eine Duftölschale).
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Da die Eier verzehrt werden sollen, werden sie zunächst hart gekocht. Geplatzte Eier werden dann aussortiert.Weißschalige Hühnereier geben den Mustern einen stärkeren Kontrast, bei braunschaligen Eiern wird der Schmuck dezenter.
Die Eier sollten nach dem Kochen abkühlen. In leicht handwarmem Zustand verarbeitet sich das Material am besten.

Man nimmt das Ei in die linke (für Rechtshänder) Hand, schmiltz etwas Bienenwachs über einer Kerze, taucht den Kopf der Stecknadel kurz darin ein
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und setzt dann mit einer schnellen Bewegung einen Punkt oder einen Strich auf das Ei.
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Punkte entstehen, wenn man den Stecknadelkopf nur an einer Stelle kurz aufsetzt; tropfenförmige Striche werden aus dem Punkt, wenn man den mit Wachs versehenen Stecknadelkopf auf das Ei aufsetzt und weiterzieht. Das alles muss recht schnell geschehen. Für jeden neuen Punkt oder Strich muss der Stecknadelkopf erneut in das Wachs getaucht werden.

Die Mustervielfalt, die man mit Punkt und Strich erzielen kann, ist riesig. Hier eine kleine Auswahl:
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Nachdem das Ei verziert ist, wird es in ein kaltes bis mäßig warmes Färbebad gelegt. Ein zu warmes Färbebad würde das Wachs schmelzen lassen.
Wir verwenden am liebsten Zwiebelschalen zum Färben.
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Eine große Menge davon wird in einem Topf so lange gekocht, bis eine dunkelbraune Brühe entsteht. Diese muss nun abkühlen. Die verzierten Eier werden in die mäßig warme Brühe gelegt und bleiben so lange darin liegen, bis die gewünschte Farbintensität erreicht ist. Die fertig gefärbten Eier werden getrocknet. Man kann das Wachs vorsichtig entfernen, man kann es aber auch auf der Eierschale belassen.

Das Ei wird mit Speck eingerieben, um es zum Glänzen zu bringen.
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Viel Spaß beim Verzieren und Eiersuchen!

Ein Schwälmer Konturenmuster in zwei Ausführungen (2)

An den schmalen Seiten des Musters findet sich eine Tulpe mit folgender Konturenzeichnung (hier etwas verkleinert dargestellt):
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Das Mittelteil der Tuple ist gut geeignet, um mit einem Durchbruch-Flächenfüllmuster bestickt zu werden. An den Seiten befinden sich je drei Blütenblätter, die lang, schmal und spitz zulaufend sind und noch zusätzliche Unterteilungen aufweisen. Wie kann man diese besticken?

Man könnte die zusätzlichen Unterteilungslinien weglassen, so dass die Flächen etwas größer werden.
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Dennoch sind die Formen der äußeren Blütenblätter zu schmal, um sie mit Durchbruchmustern verzieren zu können. Man muss andere Wege finden.
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Beim ovalen Läufer wurden die äußeren Linien der Blütenblätter mit Knötchenstichen überstickt.
Innen entlang mancher – nicht aller – dieser Linien wurden Kettenstiche gearbeitet. Die schmalen Flächen der zusätzlichen Unterteilung wurde mit Plattstichen aufgefüllt.

Im Mittelteil der Tulpe wurde das Limetmuster „Hasenohren“ (Limetrosen I, Seite 44) gearbeitet.

Die schmalen, spitzen Blätter unterhalb der Tulpe wurden mit Knötchenstichen umgeben und mit Plattstichen gefüllt.

Verwendet wurde Vierfachstickgarn in folgenden Stärken: Nr. 20 für die Knötchenstiche, Nr. 25 für die Plattstiche und Nr. 30 für die Kettenstiche und das Flächenfüllmuster.
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Beim rechteckigen Läufer wurden alle Linien der äußeren Blütenblätter mit Knötchenstichen überstickt. Die schmalen Flächen der zusätzlichen Unterteilung wurden mit Plattstichen aufgefüllt.
Innen entlang der verbliebenen Fläche der oberen Spitze wurden Kettenstiche gearbeitet. Der übrige Raum blieb frei.

Es gibt in der fühen Schwälmer Weißstickerei eine ganze Reihe von Mustern, die sich für lange, schmale Flächen gut eignen. Daher habe ich hier die Möglichkeit genutzt, beide Techniken zu vermischen. Bei den beiden unteren Spitzen habe ich Elemente der frühen Schwälmer Weißstickerei verwendet. Die mittleren der seitlichen Blütenblätter wurden mit „umschlungenem Webstich“ verziert (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 59), die unteren seitlichen Blütenblätter wurden mit dem „Flügelstich“ (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 47) bestickt.

Im Mittelteil der Tulpe wurde das Limetmuster „Jugendstilstreifen – ohne Lücke“ (Limetrosen I, Seite 39) eingearbeitet. Denn meiner Meinung nach passt dieses Muster besonders gut in diese Konturform.

Die schmalen, spitzen Blätter unterhalb der Tulpe wurden als geteilte Blätter mit Plattstichen gearbeitet. (Wie man solche geteilten Blätter stickt, ist detailliert beschrieben in „Grundlagen der Schwälmer Weißstickerei„, Seiten 29 und 30.)

Verwendet wurde Vierfachstickgarn in folgenden Stärken: Nr. 16 für die Knötchenstiche, Nr. 20 für die Plattstiche, die Webstiche und die Flügelstiche und Nr. 25 für die Kettenstiche und das Flächenfüllmuster.

Den Anfangsteil dieser Serie finden Sie hier.

Ideenwerkstatt – Nadelkissen (1)

Ideen fallen nicht vom Himmel – meist braucht man Ideengeber als Inspiration. Diese können sehr unterschiedlich sein. Vor einiger Zeit sah ich ein Nadelkissen, bestickt mit Kreuzstichen und Steppstichen nach einer französischen Vorlage.
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So etwas könnte man auch als Weissstickerei nach Schwälmer Art arbeiten:
Auf der linken Seite vielleicht ein kleines Schwälmer Design?
In der Mitte ein schöner Stopfhohlsaum, ein Erbslochhohlsaum oder auch ein Band mit lichten Mustern?
Auf der rechten Seite kleine schwalmtypische Börtchen?

Das könnte ich mir gut vorstellen. Was meinen Sie? Trauen Sie sich gemeinsam mit mir an dieses Spaßprojekt heran und verwirklichen dabei Ihre eigenen Vorstellungen?

Also einfach mal anfangen.

Das Nadelkissen soll 12 cm x 12 cm messen. Also benötigt man (bei 1 cm breiten Einschlag) einen Stoffzuschnitt (für Vor- und Rückseite) in der Größe 14 cm x 26 cm (beigefarbener Bereich). Da man die Stickerei in einen Rahmen einspannen können sollte, muss der Stoffüberstand – abhängig von der Größe des Stickrahmens – anfänglich größer sein (hellblauer Bereich).
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Ich wähle sehr feines, handgewebtes Leinen für mein Projekt. Mit Vorstichen (hier: blau) markiere ich die Fläche von 12 cm x 12 cm, die bestickt werden soll.
Innerhalb dieser Fläche markiere ich mittlere Längs- und Querachse für das kleine Motiv, das ich sticken will, um fadengerades Aufbügeln zu erzielen.
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Von dem Vorlagebogen übertrage ich das gewünschte Motiv mittels DEKA Bügelmusterstift auf Butterbrotpapier. Mit Bleistift zeichne ich den Fadenlauf ein.
Weitere Konturenmuster findet man in dem Downlaod-Dokument 24 kleine Konturenmuster.
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Das Motiv wird auf das Leinen gebügelt.
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Knötchenstiche, Kettenstiche, Plattstiche und Schlingstiche werden gearbeitet.
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Ich entscheide mich dafür, die kleinen Flächen mit Limetmustern zu füllen und nehme den entsprechenden Fadenauszug (3 Fäden stehen lassen; 1 Faden ausziehen) vor
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und besticke die Flächen mit den von mir gewählen Mustern.
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Für das Herz habe ich das Muster „Netzpatent“ (Limetrosen I, Seite 64) gewählt. Die Tulpe wurde mit Rosenstichen verziert (Grundlagen der Schwälmer Weißstickerei, Seiten 50 – 52)
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Der erste Teil ist realisiert. Nun ist zu überlegen, wie die vorhandene Fläche weiter gesteltet werden soll: Stopfhohlsaum? Erbslochhohlsaum? Band aus lichten Mustern? Oder……?

Wofür würden Sie sich entscheiden? Probieren Sie es doch einfach mal aus. Über Zusendung von Bildern mit dem Ergebnis Ihrer Ideenumsetzung würde ich mich freuen.

Schwälmer Tracht – Das Geschirr

Das sogenannte „Geschirr“ wurde gebraucht, damit die vielen und schweren Röcke, die zur Festtagstracht übereinander angezogen wurden, Halt fanden und nicht herunterrutschen konnten.
Es wurde über dem knielangen Unterhemd getragen. Hier ist ein Geschirr in einer Aufnahme aus dem Jahr 2004, abgebildet bei Brunhilde Miehe `Der Tracht treu geblieben´ Band 3, zu sehen.
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Das Geschirr bestand aus einem dicken Wulst, einem darangenähten flachen Stoffstreifen und Trägern. Zur Herstellung verwendete man feines Leinen.
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Der Wulst war prall gefüllt
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mit Materialien, die man zur Hand hatte – Flachsfasern, Schafwolle, Rosshaar oder ähnlichem.
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Die Träger waren im Rücken gekreuzt, sodass sie nicht von den Schultern rutschen konnten.
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Die Enden des Wulstes liefen flach aus. Der flache Stoffstreifen war länger als der Wulst.
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Das Geschirr wurde vor dem Bauch mit Haken und Öse geschlossen.
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Während die Träger im Rücken relativ dicht neben der Mitte angebracht waren, so wurden sie im Vorderteil weit seitlich angesetzt.
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Kleine Mädchen mussten kein solches Geschirr tragen. Für sie befestigte man den Wulst an der Weste.
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