Osterei 2019

Vor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit, viele alte, traditionelle Schablonen – unter anderem auch für Kappenböden – vom letzten Schwälmer Schablonenstecher, Ludwig Schmerer, zu erwerben.

Ich machte mich auf die Suche nach einer zeitgemäßen Nutzung dieser Muster. Die ovale Form der Kappenbodenmuster brachte mich auf die Idee, diese für Ostereier zu verwenden. Meine Grafikdesignerin wandelte die Ovale in Eiformen um. Es entstanden zehn abwechslungsreiche Zeichnungen. Die erste präsentiere ich in diesem Jahr.

Leider habe ich kein Käppchen mit genau diesem Muster in meiner Sammlung, aber eine ganze Reihe mit gleichen Musterteilen.

Sie sind mit Seidengarnen in unterschiedlichen Farben

und manchmal auch mit Gold- oder Silber-Buillon bestickt.

Um die klare Abgrenzung der Mustersegmente zu erzielen, wurde eine Pappschablone untergelegt. Für mein Osterei hatte ich nun keine Pappschablone und auch keine Werkzeuge, um mir eine herzustellen. Also suchte ich nach Alternativen.

Eine Schablone aus Moosgummi ist leicht herzustellen und angenehm zu verarbeiten,

aber ungeeignet, da das weiche Material beim Anziehen der Stiche nachgibt und die Ränder ausgefranst erscheinen lässt.

Für meinen zweiten Versuch fertigte ich mit Hilfe eines Cuttermessers eine Schablone aus sehr dickem Papier (hier:Rückseite),

die nach dem Ausschneiden zunächst grob auf dem Leinen befestigt wurde.

Anschließend wurden alle Teile, die überstickt werden sollten, durch Stiche mit dem Untergrund verbunden und anschließend mit dichten Plattstichen überdeckt.

Da ich kein Seidengarn zur Hand hatte, wählte ich grünen Grundstoff

und Sticktwist in den Anchor-Farben 875,876, 1022, 1023 und 1024.

Mit 2 Fädchen des 6-fädigen Twists wurden die Schablonenteile an den Schnittkanten entlang überstickt – von oben nach unten und zurück von unten nach oben. Das empfand ich als sehr mühsam.

Im Verlauf meiner Bemühungen fand ich heraus, dass es wesentlich einfacher geht, wenn man die Papierteile, die später entfallen sollen, gleich entfernt. So kann man die verbleibenden Teile viel einfacher übersticken.

Mit dem Gesamtergebnis war ich leidlich zufrieden.

Die einzelnen Mustersegmente haben eine klare Abgrenzung, allerdings hätten die Stiche an manchen Stellen dichter gesetzt werden sollen.

Ausgeschnitten und auf hellem Untergrund dekoriert fand ich meine Arbeit schon viel besser.

Ein nächster Versuch wurde gestartet. Das Muster wurde auf hellem Leinen aufgebügelt und – mit den gleichen Farben, aber in anderer Verteilung – im Stil der Schwälmer Kronen bestickt.

Auf dem feinen, dicht gewebten Leinen konnten die Stiche dicht und exakt ausgeführt werden.

Die Stickerei ließ sich wesentlich schneller ausführen, aber im direkten Vergleich schneidet das über die Schablone gestickte Exemplar in Bezug auf exakte Abgrenzung der Stiche besser ab.

Daher werde ich bei Gelegenheit einen weiteren Versuch unternehmen und mir dazu eine Pappschablone fertigen, wie sie in der Schwälmer Buntstickerei verwendet wurden. Auch werde ich es mal mit Seidengarnen probieren.

Die Farben Sienas der Werkstatt für historische Stickmuster oder auch die Farben Venedigs würden mir ganz gut gefallen.

Überhaupt lassen sich mit anderen Farbzusammenstellungen natürlich ganz andere Wirkungen erzielen, wie die folgenden Zeichnungen zeigen.

Probieren Sie es doch mal mit Ihren Lieblingsfarben aus. Ich bin gespannt auf Ihre Ergebnisse.

Frohe Ostern!

Schwälmer Weißstickerei – Kappenbodenmuster

Der Reichtum und die Vielfalt der Kappenbodenmusterungen hat mich begeistert und inspiriert. Angelehnt an diese Motivanordnungen habe ich von der Designerin Christa Waldmann Muster für die Weißstickerei entwerfen lassen. Sie hat ganze Arbeit geleistet und wunderschöne Entwürfe gefertigt.

Mit diesen Mustern wurden drei verschiedene Projekte bestickt: ein Tischläufer,

ein Kissenbezug und – mein Lieblingsstück – eine Mitteldecke mit Bogenrand.

Natürlich stehen viele andere Gestaltungsmöglichkeiten offen.

Diese besonderen Entwürfe möchte ich Ihnen nicht vorenthalten und biete die Konturenmuster zum Kauf an.

Es handelt sich um drei unterschiedliche Serien:

1. Kappenbodenläufer
Ovale gleicher Größe mit Bogenrand in fünf verschiedenen, punktsymmetrischen Motiven, dazu fünf Bilder mit gestickten Beispielen

2. Kappenbodenoval
Schlichte Ovale gleicher Größe in acht verschiedenen, achsensymmetrischen Motiven, dazu ein Bild mit einem gestickten Beispiel

3. Kappenbodenquadrat
Ovale gleicher Größe mit Bogenrand in sechs verschiedenen, punktsymmetrischen Motiven mit insgesamt 18, teilweise verspielten Varianten, dazu sechs Bilder mit gestickten Beispielen


Kappenbodenläufer
Konturenmuster
Ovale gleicher Größe mit Bogenrand in fünf verschiedenen, punktsymmetrischen Motiven, dazu fünf Bilder mit gestickten Beispielen

  • 10 Seiten
  • 4,32 MB Dateigröße in 2 pdf-Dateien
  • Text: deutsch

zum Herunterladen


Kappenbodenoval
Konturenmuster
Schlichte Ovale gleicher Größe in acht verschiedenen, achsensymmetrischen Motiven, dazu ein Bild mit einem gestickten Beispiel

  • 9 Seiten
  • 3,46 MB Dateigröße in 2 pdf-Dateien
  • Text: deutsch

zum Herunterladen


Kappenbodenquadrat
Konturenmuster
Ovale gleicher Größe mit Bogenrand in sechs verschiedenen, punktsymmetrischen Motiven mit insgesamt 18, teilweise verspielten Varianten, dazu sechs Bilder mit gestickten Beispiele

  • 24 Seiten
  • 11 MB Dateigröße in 3 pdf-Dateien
  • Text: deutsch

zum Herunterladen

Natürlich können Sie diese Publikationen wie immer auch als Printversionen erhalten – zum gleichen Kaufpreis zuzüglich Versandkosten. Diese Option ist nicht in meinem Shop enthalten. Bitte senden Sie mir bei Bedarf eine E-Mail mit Ihrer diesbezüglichen Anforderung.

Schwälmer Tracht – Die Käppchen

Zur stolzen Tracht trugen die Schwälmerinnen kleine Käppchen, auch Betzeln oder Betzelchen genannt. Sie wurden über den Haarknoten, den Schnatz, gestülpt und festgesteckt.

Die Käppchen hatten unterschiedliche Größen, je nachdem, ob sie für Kinder, Erwachsene oder Frauen mit besonders üppiger Haarpracht bestimmt waren.

Anfangs waren die Käppchen flach und breit, später wurden sie zunehmend höher und schmaler und sich nach unten hin verjüngend.

Die Käppchen bestanden aus Kappenwand und Deckel – dem sogenannten Kappenboden. Die Wände waren mit Seide oder Moiré bezogen. Sie waren schwarz. Nur für Mädchen bis zur Heirat gab es auch rotwandige Käppchen. (In diesen roten Käppchen sieht eine Quelle den Ursprung des Märchens Rotkäppchen.)

Die Kappenböden waren aufwändig und meist farbenfroh, aber in der Grundfarbe immer zur jeweiligen Tracht – rot, grün und blau (lila) – passend, bestickt.

Die kunstvoll vielfältig gestalteten und handwerklich perfekt gestochenen Schablonen wurden ursprünglich von Buntstickerinnen mit Wollgarnen umstickt. Später verwendete man Seidengarne.

Gegen Ende der Trachtenzeit gesellten sich dann auch Pailetten und Buillondraht hinzu.

Die älteren Käppchen waren meist am Rand des Kappenbodens noch mit mit winzig kleinen Schablonen belegt, die ebenfalls fein überstickt wurden.

Der Reichtum der Kappenbodenmusterungen hat mich inspiriert. Angelehnt an diese Motivanordnungen habe ich von der Designerin Christa Waldmann Muster für die Weißstickerei entwerfen lassen. Mehr dazu erfahren Sie im nächsten Beitrag.

Zu jeder Kappe gehörten farblich passende Bänder, die Kappenschnüre.

Die Enden dieser Bänder waren sehr unterschiedlich gestaltet. Dies wird Thema eines weiteren Beitrages sein.

Schwälmer Frauen-Haartracht – Der Schnatz

Schwälmer Mädchen und Frauen trugen lange Haare ohne Pony. Die Haare wurden zum sogenannten Schnatz frisiert. Als Hilfsmittel benötigt man dazu Haargummis, ein langes, dünnes Band ähnlich einem Schnürsenkel und einige Haarnadeln.

Die Haare werden von allen Seiten aus – vorne, seitlich und hinten – streng nach oben gekämmt und in Höhe des Oberkopfes mit Band oder Gummi zusammengefasst. Das gelingt am besten, wenn man den Kopf weit nach unten beugt.

Der Haarstrang wird geteilt und zu zwei Zöpfen geflochten.

In einen der Zöpfe wird das Band mit eingeflochten.

Beide Zöpfe werden vom Kopf weg nach oben soweit miteinander verzwirbelt, wie der Schnatz hoch werden soll.

Der eine Zopf wird nach oben gehalten, der andere um die verzwirbelte Partie nach unten gewickelt und am Haaransatz mit Haarnadeln festgesteckt.

Danach wird auch der zweite Zopf – mit dem eingeflochtenen Band – nach unten um das bestehende Gebilde gewickelt. Da das Band länger ist als der Zopf, kann man es am Haaransatz mehrmals um den Schnatz wickeln und diesen damit und mit Haarnadeln befestigen.

Mit etwas Übung erzielt man einen perfekt und kunstvoll frisierten Schnatz.

Dieser sitzt in etwa mittig zwischen den Ohren.

Die Schwälmerinnen benötigten diese etwas eigentümlich anmutende Frisur zum Tragen ihrer Kopfbedeckungen,

denn über diesen Schnatz wurde das Käppchen gestülpt.

Ein besonderes Osterei

Die Künstlerin Gudrun Hartwig hat ein ganz spezielles, interessantes und frühlingshaftes Motiv entworfen und in Eiform gebracht. Hier wurde ein Kissenbezug mit dieser Stickerei dekoriert.

Blüten und viele spiralförmige Äste und Zweige

sprießen aus einem Baum. Sie zeigen die ganze Kraft der sich entwickelnden Natur.

Ein Vogelpaar

findet dort eine Behausung.

Ein außergewöhnliches Motiv, das sowohl Stickspaß garantiert als auch genügend Raum zum Üben verschiedener Stiche und Stickelemente wie Spiralen und Schnürlöchern einräumt.