Übergang von früher zu späterer Schwälmer Weißstickerei (1)

Vor mehr als zweihundert Jahren ging die frühe Schwälmer Weißstickerei in die spätere Art der Schwälmer Weißstickerei über. Die Übergangszeit war relativ kurz. Die Region der Schwalm, in der diese Stickereien entstanden, ist klein. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man historische Zeugnisse der Stickerei dieser Übergangsphase heute nur schwer finden kann.

Eine meiner Kundinnen, die sowohl die Muster der frühen als auch der späteren Art mag, fragte mich nach überlieferten Beispielen, die beide Mustertypen enthalten. In meiner Sammlung fand ich drei Stücke einer leichten Mischung beider Arten. Diese Schätze will ich nun nach und nach auf meinem Blog zeigen – hier ist das erste Stück. Leider ist es nicht mehr im Originalzustand. Aufgrund der Breite gehe ich davon aus, dass die Stickerei ehemals als Türvorhang genutzt wurde.

Verwendet wurde 19-fädiges handgewebtes Leinen. Die gesamte Borte misst 20 cm x 36 cm; die Stickerei alleine hat eine Höhe von 16 cm. Sie ist begrenzt durch zwei unterschiedliche Stopfhohlsäume – einem mit Spinnen und einem ohne.


Da die Jahreszahl – 1804 – vermerkt wurde, ist die Stickerei zeitlich exakt einzuordnen. Ebenso zu finden sind Initialen und kleine Ornamente in Kreuzstich. Leider zerfallen Fäden, die gelb oder golden eingefärbt wurden, eher als Fäden anderer Farben. Unter der Lupe kann ich die Initialen AKRHSI getrennt durch Ornamente, zwei Vögel


und ANO 1804 erkennen.


Es ist auffallend, dass weder Knötchen- noch Kettenstiche gearbeitet wurden. Die Ränder der Motive wurden mit breiten Stielstichen gestickt. Zusätzliche Umrandungen wurden mittels Wimpernstichen, geschnürten Bögen und Plattstichbögen gearbeitet.

Auch Stiele wurden mit breiten Stielstichen ausgeführt. Einige Stiele haben eine Doppellinie, zwischen die Hexenstiche gestickt wurden – so, wie es in der frühen Schwälmer Weißstickerei üblich war. Blätter wurden mit Schlingstichen gearbeitet. Spiralen sind nicht zu finden.


Das einzige Flächenfüllmuster ohne Fadenauszug findet sich in zwei Bereichen links und rechts des Mittelmotivs.


Es wurde mit paarweise angeordneten Schlingstichen ausgeführt. Dabei liegen die Schlingstiche nicht komplett auf den Stoff, sondern sie wurden durchgestochen.


Die sechs Kreise wurden mit unterschiedlichen Nadelspitzen gefüllt.


Alle übrigen Motive wurden mit lichten Mustern bestickt.


Das obige Motiv zeigt ein Rosenstichmuster in einem lichten Grundstichgitter.


Auch das Mittelmotiv wurde mit einem lichten Muster verziert, hat aber kein Grundstichgitter. Rosenstiche und Kästchenstiche lassen dieses Muster entstehen.


Nie zuvor habe ich ein lichtes Muster aus einer Kombination von Rosenstichen und Kästchenstichen wahrgenommen.


Das kleine Herz ist mit dem gleichen Muster gefüllt, nur wurde hier der Fadenauszug mit 3 stehenbleibenden und 3 ausgezogenen Fäden vorgenommen.


Das große Herz wurde mit einem lichten Rosenstichmuster ohne Grundstichgitter gefüllt.


Ebenso ohne Grundstichgitter wechseln sich Reihen von Rosenstichen mit Reihen von Grundstichen ab.


Das letzte Motiv zeigt ein lichtes Rosenstichmuster mit Grundstichgitter.

In diesem Beispiel sieht man einige Elemente, die typisch für die frühe Schwälmer Weißstickerei sind: breite Stielstiche anstelle von Knötchenstichen für die Umrandung der Motive und die Stiele, ebenso Stiele mit Doppellinien, gefüllt mit Hexenstichen. Spiralen fehlen und ein Flächenfüllmuster wurde ohne Fadenauszug gestickt.

2017 – Stickereien meiner Blog-Leser

Gleich zu Beginn des Jahres erreichte mich ein Bild von Yoko Miyamoto aus Japan: 2017 ist dort das Jahr des Hahnes – so stickte sie ein niedliches Bild eines Wetterhahns.
Überhaupt waren Hähne, Hühner und Vögel dieses Jahr beliebte Motive meiner Leser.

Bettina Limburger aus Deutschland sandte mir ein Bild ihres Osterstraußes. Nach meinen Vorlagen „24 kleine Konturenmuster“ bestickte sie Ostereier in Naturfarben, die perfekt in ihre häusliche Umgebung passen.
Marina Pastushenko aus der Türkei und ihre Freundin Kate Vasilieva überzeugten mit den hervorragend gestickten Variationen ihrer „französischen Hühner“.
Beide sprechen auch russisch und geben nun in Russland Kurse zum Erlernen der Schwälmer Weißstickerei. Sie nahmen an einer Kunsthandwerker-Messe in Moskau teil und stellten dort Schwälmer Stickereien aus.
Ihre russischen Stick-Schüler kannten die Schwälmer Technik bisher kaum, haben sie aber inzwischen lieben gelernt. Auch ihre Projekte sind sehenswert.

Am tiefsten beeindruckte mich die Arbeit von Cindy Russell aus den USA. Zuerst schickte sie mir ein sehr schönes, zweiseitiges Ornament mit einem Happel-Herzen.
Dazu schrieb sie: „Zur Vorbereitung (üben, üben!) auf ein großes Projekt mit Schwälmer Weißstickerei habe ich eine Serie mit Herz-Ornamenten gestickt. Sie werden von allen, die sie sehen, bewundert; und es macht Spaß, diese Ornamente zu arbeiten“.
Nie vorher hatte ich eine solche Art der Fertigstellung gesehen. Daher fragte ich nach. Sie erklärte die Technik und daraufhin bestellte ich mir sofort einen Kreisschneider – leider muss ich zugeben, dass er bis heute unausgepackt blieb.
Cindy erklärte mir die Technik nicht nur; sie versprach auch, eine genau Beschreibung anzufertigen.
Und sie tat es!
Einige Wochen später erhielt ich ein hervorragendes pdf-Dokument. Darin beschreibt und zeigt sie die Arbeitsschritte exakt und detailliert.
Sie gab mir die Erlaubnis, dieses Dokument hier in meinem Blog zu veröffentlichen. So kann es jeder, der daran Interesse hat, kostenlos herunterladen. Hat Cindy uns allen damit nicht ein ganz spezielles Geschenk zum Start des Neuen Jahres gemacht?

Sie schrieb: „Fragen sind willkommen!“
Ihre E-Mail-Adresse ist in dem herunterladbaren Dokument zu finden.

Ein herzliches Dankeschön an Cindy und alle anderen, die Fotos ihrer Projekte zur Verfügung gestellt haben und Tausenddank allen, die ihre Erlaubnis gegeben haben, diese Projekte in meiner Blogpost darzustellen.

Ich wünsche allen bewegliche Finger, leistungsstarke Augen, ganz viel Zeit für die schönsten Stickmomente und ein

Glückliches Neues Jahr!

Adventskalender 2017 – Tag 24









Stiefel

Leinen: altes handgewebtes, 18-fädig, Zuschnitt ca. 27 cm x 84 cm
Garn: Vierfachstickgarn Nr. 16 für die Spannstiche der kleinen Sternchen; Nr. 20 für die Knötchenstiche; Nr. 30 für die Kettenstiche und die Füllmuster.
Design: Nr. 27 Größe 3
Füllmuster – von klein zu groß: „Doppelkreuze in geraden Reihen“ (Mustertücher `Lichte Muster); Grundstichgitter (Grundlagen der Schwälmer Weißstickerei oder Mustertücher `Lichte Muster); Röserich A2 im geraden Fadenlauf, mit den diagonalen Seiten aneinandergrenzend (Die schönsten Röserich Flächenfüllmuster); „Gitter“ (Wickelstiche); „Raster“ mit Rosenstichen (Wickelstiche), Borte: „Weihnachtsstreifen“ (Randabschlüsse)
Zubehör: dünner Baumwollstoff als Futter, eine Hängeschlaufe, evtl. Vlieseline für die Rückseite des bestickten Teils

Frohe Weihnachten!

Adventskalender 2017 – Tag 23








Herz

Leinen: altes handgewebtes, 17-fädig, Zuschnitt ca. 25 cm x 60 cm
Garn: Vierfachstickgarn Nr. 16 für die Schlängchen um die Hexenstiche und für die Nadelspitze; Nr. 20 für die Knötchenstiche; Nr. 30 für Kettenstiche, Hexenstiche und die Füllmuster; 2 Fäden des 6-fädigen Sticktwists für Platt- uns Stielstiche
Design: Nr. 16 in der Größe 14 cm x 16,93 cm
Füllmuster: Herz – „Herzgeflecht“ (Limetrosen II); Flügel der Vögel – „Gefieder“ (Limetrosen I); Bäuche der Vögel – Umschlungene Hexenstiche – Variante „a“ (Schlängchen & Co.)
Nadelspitze: Pyramidenförmig angeordnete Knopflochstich-Nadelspitzenbögen (Randverzierende Schwälmer Nadelspitze)
Will man das Herz als Geschenkverpackung nutzen, kann man eine Knopfleiste auf der Rückseite anbringen.
Zubehör: Füllwatte

Adventskalender 2017 – Tag 22






Umschlag für ein Nadelbuch

Leinen: 20-fädig, Zuschnitt ca. 24 cm x 30 cm
Garn: Vierfachstickgarn Nr. 20 für die Knötchenstiche; Nr. 25 für Platt- und Schlingstiche; Nr. 30 für die Kettenstiche und die Füllmuster.
Design: Nr. 08 in der Größe 6 cm x 9 cm
Füllmuster: Herz – „Ostertulpe – dicht“ (Limetrosen II); Kreis – „Kleines Ochsenaugenraster“ (Limetrosen I)
Zubehör: Innenausstattung für das Nadelbuch