Schwälmer Weißstickerei – Sonnenblumendarstellungen

Die Sonnenblume ist als Kulturpflanze seit alters her weit verbreitet und beliebt. So ist es nicht verwunderlich, dass ihre Form – insbesondere das Blütenmotiv – auch in die Gestaltung der Schwälmer Weißstickerei einfloss. (Das Sonnenblumenmotiv sollte nicht mit einem der Hauptmotive der Schwälmer Weißsickerei – der Sonne – verwechselt werden. Die Sonne, ebenfalls ein Kreismotiv, wird gewöhnlicherweise mit Schnürlochbögen, geschnürten Bögen oder 2 kurz–2 lang umgeben.)

Die zur Zeit in voller Blüte stehenden Sonnenblumenfelder bewogen mich, deren Darstellungsformen in den Schwälmer Stickmustern genauer zu betrachten.

Die nachfolgenden Bilder sind in etwa chronologisch geordnet. Die älteste, mir zur Verfügung stehende Stickerei stammt aus der Zeit um 1770. Es handelt sich um Frühe Schwälmer Weißstickerei, deren Flächen noch nicht mit Durchbruchmustern, sondern mit aufliegenden Mustern verziert sind. Andere Stickereien sind auf den Beginn des 19. Jahrhunderts datiert. Beispiele aus dem 20. Jahrhundert und zeitgenössische Stücke folgen.

Das kreisförmige Mittelteil der Sonnenblume lässt Spielraum zur Füllung mit den unterschiedlichsten Mustern, was eine unglaubliche Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

Aber auch die Gestaltung der Blütenblätter ist höchst sehens- und betrachtenswert. In diesem Punkt zeigten sich die Stickerinnen überaus kreativ. Von der sehr abstrakten Darstellung, die man erst auf den zweiten Blick als Sonnenblume wahrnimmt, bis hin zu wirklichkeitsnahen Darstellungen findet man viele Nuancen und Abstufungen, was auch für die gewählten Proportionen gilt. Es gibt kleine und auch sehr große Exemplare.

Sehen Sie selbst:






























Wenn Sie Interesse an einem der schönen, folgenden Läufermuster mit Sonnenblumen oder dem kleinen Mittelmotiv haben, wenden Sie sich bitte an Frau Irmgard Mengel (Tel.: 05651 40684). Sie druckt die unten zu sehenden Muster auf.




Schwälmer Bortenmuster mit Vögeln

Alte Schwälmer Konturenmuster enthalten oftmals Vogelmotive; üblicherweise werden Spatzen und Tauben abgebildet. Der Spatz symbolisiert Fruchtbarkeit, die Taube gilt als Symbol des Friedens. In den Schwälmer Konturenmustern spielt die Taube allerdings eine untergeordnete Rolle.

Ich habe eine große Anzahl überlieferter Stickereien in Bezug auf die Vogelmotive genau betrachtet und fand dabei viele Vogelmotive, die weder den Sperling noch die Taube darstellen. Ich fand den Storch, den Wiedehopf, Schwalben, Hähne, Spechte, den Zaunkönig, Enten und den Pfau; und dann waren da noch viele weitere Vogelfiguren, die nicht so leicht zu identifizieren waren.

Ab und zu zeige ich solche Vogelmotive auf meiner Website. Meine Leser haben eine Vogeldarstellung von 1826 in dem vorhergehenden Beitrag gesehen; andere Vögel kann man hier and hier, oder im Schwälmer Vogelbaum betrachten. Weitere Vogelmotive sind in meinem Blog versteckt, begeben Sie sich doch einfach mal auf die Suche.

Ich bat die Künstlerin Gudrun Hartwig um Bortendesigns mit traditionellen Schwälmer Vogelgestalten. Sie kombinierte die Vogelmotive mit besonderen Tulpenformen, die wir in überlieferten Schwälmer Stickereien fanden. Am Ende entwarf sie zwei wunderschöne Bortenmuster – ein Muster ist horizontal, das andere vertikal. Beide sind aus einzelnen Musterteilen zusammengesetzt. So ist es kein Problem, die Borten zu kürzen oder zu verlängern.

Das vertikale Muster habe ich für die Stickerei eines Flächenvorhanges verwendet. (Links und rechts des bestickten Teiles habe ich je eine Bahn unbestickten Leinens angeordnet, die ich neben die bestickte Fläche schieben kann, wenn ich das Fenster blickdicht haben möchte.)
Jeweils ein Vogelmotiv und eine Tulpenform – kombiniert mit Blättern und anderen kleinen Elementen der Schwälmer Weißstickerei – bilden ein Musterteil.
Die Borte hat eine Breite von 10 cm.
Wenn man alle vier Musterteile aneinander setzt, bekommt die Borte eine Länge von insgesamt 75 cm.
Natürlich kann man das Muster auch etwas vergrößern oder verkleinern. Aber die vorgeschlagene Größe eignet sich gut, um sowohl verschiedene Flächenfüllmuster in die Motive arbeiten als auch die Blätter sehr ordentlich sticken zu können.
Das horizontale Design nutze ich, um einen Wandfries herzustellen. Leider ist diese Stickerei noch nicht fertig gestellt, aber man kann die Schönheit auch schon beim Betrachten der Bilder des unvollendeten Projektes erkennen.
Die Borte hat eine Höhe von 10 cm.
Sie besteht aus fünf Einzelteilen, die man in beliebiger Reihenfolge kombinieren kann. So kann die Länge der Borte den persönlichen Vorlieben oder Gegebenheiten mühelos angepasst werden.
Wenn alle fünf Teile verwendet werden, bekommt die Borte eine Länge von 1,12 m. Meine Stickerei – gespiegelt an der Mitte des fünften Teiles – hat eine Länge von insgesamt 2.14 m.

Eine passionierte Stickerin wollte diese Konturenvorlage für ein langes, schmales Tischband. Sie verkleinerte das Muster etwas und war sehr zufrieden mit dem gestickten Ergebnis.

Beides sind ganz besondere und außergewöhnliche Schwälmer Konturenmuster, gestaltet mit alten, traditionellen Formen, die den Borten ihr unverwechselbares Aussehen verleihen.

Meine Grafikdesignerin setzte die Handzeichnungen in Computergrafiken um; diese sind nun erhältlich.

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Natürlich können Sie diese Publikationen auch als Printversionen erhalten – zum Kaufpreis von je 15,00 € (inklusive 7 % Mehrwertsteuer) zuzüglich Versandkosten. Diese Option ist nicht in meinem Shop enthalten. Bitte senden Sie mir bei Bedarf eine E-Mail mit Ihrer diesbezüglichen Anfrage.

Schwälmer Paradekissen-Borte (A)

Heute kann ich etwas ganz Besonderes zeigen: die Borte eines Paradekissens von 1826! Leider ist das Kissen nicht mehr vollständig erhalten. Aber das für eine Stickerin wichtigste Teil – die gestickte Borte – ist noch in einem guten Zustand.
Das verwendete Leinen weist eine Fadenanzahl von 21 auf – ist also relativ fein. Die Borte ist insgesamt 21 cm hoch, die Stickerei alleine hat eine Höhe von 15 cm. Oben und unten wird sie durch einen 6-stufigen, geteilten Stopfhohlsaum mit Erbslöchern auf beiden Seiten eingegrenzt. Das Muster dieses Stopfhohlsaumens ist eher selten zu finden.
Nadelspitzen und lichte Muster füllen die Flächen, wobei die lichten Muster teilweise mit Grundstichgitter versehen wurden. In den insgesamt 40 Flächen zähle ich 23 verschiedene Füllmuster.

Ich habe zwei solcher Musterstreifen, die vollkommen identisch sind bis auf die große Mitteltulpe.
Die eine Borte ist mit einem weißen Rosenstichmuster verziert und weist die Buchstaben „AKR und wahrscheinlich F“ auf sowie die Jahreszahl 1826.
Das Gegenstück zeigt eine rote Rosenstichmusterung. Rot wurde manchmal, dann aber sehr sparsam, in Weißstickereiborten integriert. Hier sind die Buchstaben „AKRFI“ zu erkennen.
Das Muster ist von den Formen her an der vertikalen Mittelachse gespiegelt. Die Füllungen sind aber nicht symmetrisch eingesetzt, sondern variieren teilweise sehr stark. Dies kann man dem ersten Bild dieses Beitrages am besten entnehmen.

Die Stickerei wurde bis dicht an die Webkante heran ausgeführt und war zum Teil durch die früher vorhandene Naht verdeckt.
Eine Besonderheit ist der mit Rosenstichen in das lichte Muster einer Tulpe eingestickte Vogel in unmittelbarer Nähe eines Vogelmotivs.

Beide Vögel tragen etwas im Schnabel.
Manche Kreise wurden mit Nadelspitzen gefüllt. Sechs-zackige und acht-zackige Sternfiguren sind zu sehen.
Erwähnenswert ist auch die Gestaltung der Stiele zwischen Herz und Sternblume. Betrachtenswert ist die besondere Randgestaltung der Fläche unter der Mitteltulpe – große, einer Schalenform ähnelnde Blätter unten, in Spiralen endende Kettenstichumrandung und eine Reihe von Schnürlochbögen auf jeder Seite machen diese Fläche überaus interessant.
Interessant ist auch die Anordnung der Vogelbeine.
Es fällt auf, dass Knötchenstiche als Umrandung von Flächen nur sehr sparsam eingesetzt wurden – und zwar nur beim Vogelmotiv und dem, was der Vogel im Schnabel trägt. Knötchenstiche als eng gedrehte Spiralen sind oft zu finden.
Dünne Stiele sind mit Kettenstichen nachgebildet. Für die Umrandungen der großen Flächen wurden dicht gesetzte, gerundete Blätter, geschnürte Bögen, teilweise Schnürlochbögen und 2 kurz-2 lang eingesetzt.

Schnürlöcher

In der Schwälmer Weißstickerei sind Schnürlöcher beliebte kleine Elemente, um die Räume zwischen großen Motiven zu füllen.

Ein Schnürloch (auch Schlingstich-Rad genannt) ist ein kleiner Kreis, der dicht mit Schlingstichen überdeckt wird. Die Stiche gehen von einem Mittelpunkt aus. Sie werden gegen den Uhrzeigersinn einmal um den Mittelpunkt herum gearbeitet. Die Schlingen bilden die Außenkante.
1_20-2017Oft alleinstehend, aber auch in 3-er Gruppen, als Mittelteile von kleinen Blümchen oder in Reihen der Größe nach geordnet werden sie gern gestickt. Die folgenden Bilder zeigen die unterschiedliche Anordnung von Schnürlöchern auf überlieferten und zeitgenössischen Stickereien.
2_20-2017Ein einzelnes Schnürloch als kleines Blümchen wurde einem großen Kreismotiv angefügt.
3_20-2017Einzelne Schnürlöcher mit Knötchenstichlinien kreuzförmig verbunden, bilden den Mittelpunkt einer Motivanordnung.
4_20-2017Ein einzelnes Schnürloch wurde als Auge in ein überliefertes Vogelmotiv gestickt.
5_20-2017Gern wurden auch Dreierkombinationen gewählt – dicht zusammengefügt
6_20-2017oder auch mit etwas Abstand gearbeitet.
7_20-2017Fünf Schnürlöcher wurden mit einem Sternstich zu einem Blümchen verbunden.
8_20-2017Sechs Schnürlöcher wurden dicht zusammengedrängt zu einem Blümchen geformt.
9_20-2017Sechs Schnürlöcher wurden traubenförmig angeordnet.
10_20-2017Ein Schnürloch, umgeben von vier Schnürlochbögen findet sich in der sehr dichten Stickerei einer Paradekissenborte von 1826.
11_20-2017Ein gleich gestaltetes Blümchen wurde in einem kleinen Börtchen verwendet.
12_20-2017Ein Schnürloch umgeben von fünf Schnürlochbögen wurde zwischen die großen Motive einer sehr dichten Stickerei einer Paradekissenborte von 1826 gesetzt.
13_20-2017Ein Schnürloch als Mittelteil einer Blume, umgeben mit sechs geschnürten Bögen wurde in Verbindung mit vielen geschnürten Blättern gestickt.
14_20-2017Einzelne Schnürlöcher werden auch gern mit kleinen Kreisen umgeben, die mit Plattstichen ausgefüllt werden, wobei die umgebenden Kreise kleiner
15_20-2017oder in etwa gleichgroß ausfallen.
16_20-2017Man kann ein Schnürloch auch mit Bouillonstichen umgeben
17_20-2017oder mit kleinen einteiligen
18_20-2017oder auch geteilten Plattstich-Blättchen.
19_20-2017Ein einzelnes Schnürloch lässt sich auch als Mittelpunkt ganz individuell gestalteter Blüten verwenden, wie hier bei einer von Thekla Gombert gefertigten Stickerei.
20_20-2017Ein Schnürlochblümchen in Verbindung mit vielen geschnürten Blättern und Schnürlochbögen schmückt die Zwischenräume der großen Motive.
21_20-2017Schnürlöcher in unterschiedlichen Größen können wie eine Ranke angeordnet werden.
22_20-2017Eigentlich ist das Schnürloch für sich allein genommen ein eher schlichtes Element der Schwälmer Weißstickerei. Das Aufzeigen so vieler unterschiedlicher Verwendungsmöglichkeiten für Schnürlöcher aber macht deutlich, das gerade dieses schlichte Element gern verwendet wird und dazu anregt, immer wieder neue Gestaltungsmöglichkeiten zu suchen.

Historische Schwälmer Miederärmel-Stickerei (D)

Augenfällig ist die Stickerei des nach der Fertigstellung blau eingefärbten Schwälmer Mieders (D).
Das Bild zeigt die gesamte Borte in einer Fotomontage.
1_16-2017Es wurde 23-fädiges Leinen verwendet – die Stickerei ist also sehr fein. Die Borte ist 18 cm hoch, also ganz besonders hoch für eine Miederärmel-Stickerei.
2_16-2017Initialen und kleine Kreuzstichornamente wurden gleich zweimal – ober- und unterhalb der Weißstickereiborte – angebracht. Als Füllmuster für die Motivflächen wurden ausschließlich lichte Muster gewählt.
3_16-2017Knötchenstiche wurden sparsam eingesetzt. Nur Spiralen und einige Stiele wurden mit Knötchenstichen gestaltet. Und nur drei Formen in der oberen Mitte der Borte wurden mit Knötchenstichen umrandet – das Mittelmotiv weist dann aber gleich zwei Knötchenstichlinien auf; dafür fehlt eine Kettenstichumrandung. Stiele aus Kettenstichen sind deutlich sichtbar. Die gerundeten Blätter wurden mit Schlingstichen gearbeitet.

Wenn man das Gesamtmuster näher betrachtet, wirkt es etwas unbeholfen und linkisch.
4_16-2017Das Motiv in der oberen Mitte wurde mit einem lichten Muster ohne Grundstichgitter gefüllt.
Rosenstiche wurden zickzackförmig, aber nicht mittig, angeordnet.
5_16-2017Die Kreismotive links und rechts der oberen Mitte sind keine wirklichen Kreise. Es fällt auf, dass die dicken Stiele mit zwei Reihen von Knötchenstichen nachempfunden wurden und dass diese Linien in die Umrandung des Motivs übergehen. (Normalerweise werden Motivflächen separat umrandet und die Stiele an der Umrandung angesetzt.) Eine zusätzliche Reihe von Kettenstichen innerhalb der Knötchenstiche ist nicht vorhanden. Das Motiv wurde mit geschnürten Messerspitzen umgeben und mit einem lichten Rosenstichmuster ohne Grundstichgitter gefüllt.
6_16-2017Oben links und oben rechts findet man ein Muster, das wohl eine Tulpe darstellt. Die Darstellung ist etwas naiv. Die Fläche wurde mit einer Reihe von Kettenstichen umrandet und mit geschnürten Messerspitzen oder geschnürten Bögen umgeben. Das Motiv wurde mit einem lichten Muster gefüllt, wobei sich Teile von Grundstichgittern mit Rosenstich -Musterung und Rosenstichmuster ohne Grundstichgitter abwechseln. Die Zickzacklinien der Rosenstiche wurden im Grundstichgitter gearbeitet.
7_16-2017An den Seiten des Mittelteiles der Borte findet sich eine Musterkombination, die einem Kleeblatt ähnelt – ein Mittelkreis verbindet vier ähnliche Blattformen. Der Mittelkreis ist mit einer Reihe von Kettenstichen und geschnürten Bögen umgeben. Er ist mit einem lichten Rosenstichmuster ohne Grundstichgitter gefüllt. Drei der umgebenden „Blätter“ sind umrandet mit je einer Reihe von Kettenstichen und geschnürten Bögen, während das vierte „Blatt“ mit zwei Reihen von Kettenstichen begrenzt wird. Gegenüberliegende Formen wurden mit den gleichen Mustern gefüllt.
Für das lichte Muster mit den Quadraten wurden Rosenstiche im Grundstichgitter gestickt, während für das lichte Muster, das Rhomben zeigt, Rosenstiche ohne Grundstichgitter gestickt wurden.

Etwas seltsam ist die Anordnung der Spiralen. Hier scheinen sie etwas planlos platziert worden zu sein. Die Spiralenanordnung im gleichen Musterteil auf der gegenüberliegenden Seite der Borte wirkt gezielter.
8_16-2017Zwischen den beiden „Kleeblättern“ findet man eine Zusammenstellung von vier Kreisen mit einer kleinen Tulpe im Zwischenraum.
9_16-2017Die Kreise sind mit je einer Reihe von Kettenstichen und Schnürlochbögen umgeben. Die Tulpe wurde mit zwei Reihen von Kettenstichen eingefasst. Die unteren Kreise wurden mit einem lichten Rosenstichmuster ohne Grundstichgitter bestickt, während die beiden oberen Kreise mit einem lichten Rosenstichmuster mit Grundstichgitter gearbeitet wurden. Obwohl die Tulpe in der Mitte relativ klein ist, erhielt sie ein Muster, bei dem sich Reihen von Grundstichen und Reihen von Rosenstichen abwechseln.
10_16-2017In der unteren Mitte der Borte befindet sich ein Herz, flankiert von großen Blättern. Herzen, die auf dem Kopf stehen, sind oberhalb der Blätter platziert. Alle Herzen wurden mit je einer Reihe von Kettenstichen und Schnürlochbögen umrandet, während die Blätter mit je zwei Reihen von Kettenstichen umgeben wurden. Die Füllmuster in den auf dem Kopf stehenden Herzen sind ohne Grundstichgitter gestickt – Rosenstiche wurden zur Musterung eingesetzt. Das Herz in der Mitte weist eine Kombination von Rosenstichreihen und Grundstichreihen auf. Die Blätter wurden zunächst mit einem Grundstichgitter gefüllt, in das eine Rosenstichmusterung eingearbeitet wurde.
Ausgeprägte Spiralen wurden in die Zwischenräume gestickt.
11_16_2017Die unten auf beiden Seiten der Borte verbleibenden Tulpenmotive sind mit je einer Reihe von Kettenstichen umgeben und, wo der Platz dazu ausreichend war – auch mit Schnürlochbögen. Die Flächen wurden mit einem lichten Rosenstichmuster mit Grundstichgitter gefüllt.

Wenn man nun noch einmal zu der oben zu sehenden Fotomontage blickt, ist auffällig, wie unterschiedlich ordentlich die Stickerei ausgeführt wurde. In einigen Bereichen auf der linken Seite sieht die Arbeit ordentlicher und ausgewogener aus, in anderen Bereichen wurde auf der rechten Seite „schöner“ gestickt. Leider habe ich keine Jahreszahl gefunden. Ich schätze jedoch, dass das Stück um 1850 herum – vielleicht auch etwas früher – entstanden ist. Gearbeitet auf solch feinem Leinen ( 23-fädig!) ohne die heutigen Möglichkeiten wie elektrisches Licht, Brille oder Lupe nutzen zu können, ohne Zirkel und Bügelmusterstift, und ohne handlichen Stickrahmen ist es ein Kunstwerk, das den Charme überlieferter Handstickerei ausstrahlt.

Wenn man die Einzelheiten dieser Stickerei genau analysiert, kann man eine Menge daraus lernen.