Flächenfüllmuster Nr. 542

Kategorie: Lichtes Muster mit Grundstichgitter
angewandte Stiche: Rosenstiche
Zentrum: diagonale Achse von Kreuzungen zweier Fadenpaare; in anderen Motiven: Kreuzung zweier Fadenpaare

Wie versprochen, kommt hier die Beschreibung des Gegenstückes zu Flächenfüllmuster 541.
Man beginnt den Fadenauszug an der Stelle, wo sich diagonale Mittelachse und die lotrecht dazu verlaufende Achse an der in die Form hineinragenden Spitze treffen. Abwechselnd werden in beiden Richtungen paarweise Fäden stehen gelassen und ausgezogen.


Das entstandene Gitter wird mit Grundstichen gesichert.


Entlang der diagonalen Mittelachse wird eine Reihe Rosenstiche gestickt.


Von den Ecken der Rosenstichquadrate aus betrachtet, bleibt jeweils ein Loch frei, bevor die nächste Rosenstichreihe gearbeitet wird.


Ungefähr in der Mitte startend, beginnt man, kreuzende Rosenstichreihen zu sticken – so, dass 2 x 2 Rosenstiche einen Rhombus bilden –


und stickt Reihe neben Reihe, bis die Form vollständig gefüllt ist.


Im Bild unten ist die Stickerei noch nicht gewaschen. Nach dem Schrumpfungsprozess während des Kochens erhält das Muster eine hübsches Aussehen.


Verwendet wurde 16-fädiges Leinen, Vierfachstickgarn Nr. 30 für die Grundstiche und Vierfachstickgarn Nr. 20 für die Rosenstiche.

Flächenfüllmuster Nr. 541

Kategorie: Lichtes Muster ohne Grundstichgitter
angewandte Stiche: Teile von Rosenstichen und Kästchenstiche
Zentrum: Fadenkreuz

Wie in meiner Blogpost Historische Schwälmer Weißstickerei erwähnt, will ich nun die Arbeitsweise eines speziellen Füllmusters erklären, das aus Teilen von Rosenstichen und Kästchenstichen als lichtes Muster ohne Grundstichgitter gebildet wird. Das erste Mal habe ich ein solches Muster auf einer Stickerei von 1804.

In der Mitte beginnend, werden die mittleren beiden Fäden stehen gelassen, sowohl waagerecht als auch senkrecht. Davon ausgehend, werden immer abwechseln 2 Fäden gezogen und 2 stehen gelassen.

Man sticht in dem Loch links unter dem Mittelfadenkreuz (rot markiert) aus.


Man legt den Faden in einer Schlaufe nach oben und links, sticht im nächsten, links liegenden Loch ein und im ersten Loch wieder aus. Der Faden wird angezogen.


*Man überkreuzt den Arbeitsfaden, unterquert das oberhalb dieses Loches liegende Fadenpaar und sticht im nächsten Loch aus.


Wieder legt man den Arbeitsfaden in einer Schlaufe nach oben und links, sticht im links gelegenen Loch ein und im vorher benutzten Loch wieder aus. Der Arbeitsfaden liegt unter der Nadel. Man zieht den Faden an.


Man legt eine Schlaufen nach oben und rechts, sticht im nächsten, oberen Loch ein und im vorher benutzen Loch wieder aus.


Man zieht den Faden an und dreht die Arbeit um 90 ° entgegen dem Uhrzeigersinn *. Man wiederholt die Arbeitsschritte, bis ein Quadrat von 2 x 2 Löchern mit jeweils zwei Teilen eines Rosenstiches gefüllt ist. Der letzte Stich wird in dem linken unteren Loch des Quadrates gestickt. Von dort aus überquert man den Arbeitsfaden,


und sticht dicht dahinter im gleichen Loch ein.


Auf der Rückseite zieht man den Arbeitsfaden oben unter dem mittleren Stich durch.


Das nächste Fadenkreuz oberhalb im Visier, sticht man im linken oberen Loch aus, um dort einen Kästchenstich zu beginnen.


Man überquert das Fadenpaar nach rechts, sticht ein und diagonal unten links wieder aus.


Man überquert das Fadenpaar nach rechts, sticht ein und diagonal oben links wieder aus.


Man überquert das Fadenpaar nach unten, sticht ein und diagonal oben rechts wieder aus.


Man überquert das Fadenpaar nach unten, sticht ein und ein Loch nach links und zwei Löcher nach oben wieder aus. Hier startet man mit dem nächsten Quadrat von 2 x 2 Löchern und füllt es mit jeweils zwei Teilen eines Rosenstiches.


Man arbeitet eine Reihe im Wechsel von Quadraten mit Rosenstichteilen und Kästchenstichen.


Die nächste Reihe wird versetzt gearbeitet.


Die Schritte werden wiederholt, bis die Fläche vollständig gefüllt ist.


Meinen ersten Versuch unternahm ich mit Vierfachstickgarn Nr. 25. Dieses Garn ist zu fein, um die Löcher vollständig zu füllen. So verwendete ich schließlich Vierfachstickgarn Nr. 16.


Im Bild oben ist die Stickerei noch nicht gewaschen. Durch den Einlaufprozess beim Kochen wird das Muster ein hübsches Aussehen erlangen.


Das Gegenstück – als übliches lichtes Muster mit Rosenstichquadraten in einem Grundstichgitter gearbeitet – werde ich in einem weiteren Beitrag erklären.

Schwälmer Tracht – Die Halsketten

Zu ihrer stolzen Tracht trugen die Schwälmerinnen Halsketten – sogenannte „Krälln“. Der Ausdruck „Krälln“ kommt ursprünglich von „Korallen“. Ketten aus Korallen wurden von reichen Schwälmerinnen getragen.

Später wurden die „Krälln“ aus böhmischen Glasperlen mit Facettenschliff

oder aus Bernstein gefertigt.


Auch die Bernsteinsperlen hatten einen Facettenschliff.


Die Ketten waren kurz. Ein buntes Seidenbändchen diente als Verschluss. Die Perlen umrundeten den Hals nicht vollständig. Ein kurzes Stück im Nackenbereich wurde durch das Seidenbändchen überbrückt.

Die Perlen wurden auf eine starke, feste Schnur gefädelt.


Oft wurden die schweren Ketten zweireihig getragen. Ein Knoten in dem Faden


markierte die Stelle, an der der Strang gewendet und zurück gelegt wurde.


Das Seidenbändchen wurde an einem Ende der Kette mittig verknotet.


Ein Ende des Seidenbändchens wurde an der Stelle, die durch den Knoten markiert war, um den Strang geschlungen.

Beide Enden des Seidenbändchens wurden im Nacken zusammengeknotet.


Die Enden der Seidenbändchen schauten als zusätzliche Dekoration im Nacken hervor.


Innerhalb einer Kette wurden etwa gleichgroße Perlen verwendet. Unterschiedliche Größen für Mädchen und Frauen waren üblich.


Die Perlen für Erwachsene hatten einen Durchmesser von ca. 2 cm. Solch eine doppelreihige Kette mit 30 Perlen (links im Bild oben) wiegt 280 g! Haben Sie schon mal eine solch schwere Halskette getragen?


Die Scheiben des Bernsteins waren ungefähr 1 cm dick


und hatten einen Durchmesser von mehr als 2 cm. Solch eine doppelreihige Bernsteinkette mit 74 Scheiben wiegt 190 g.


Die Ketten wurden über den seidenen Halstüchern getragen.


Das machte das Tragen der schweren Steine angenehmer.


Zur schwarzen Tracht trug man Ketten aus schwarzen Glasperlen.


Gegen Ende der Trachtenmode wurden aus Glas geblasene Perlen gebräuchlich.

Historische Schwälmer Weißstickerei

Vor einiger Zeit durfte ich eine ganz besondere Tischdecke betrachten. Sie ist zusammengesetzt aus mehreren Teilen. Allem Anschein nach entstammen die einzelnen Partien unterschiedlichen Stickereien. Nur aufwändig bestickte Elemente wurden ausgeschnitten und zu einem neuen Stück zusammengefügt.

Die größten Teile entstammen wohl sehr alten Paradekissen – die Borten-Breite entspricht der von Paradekissen und die Borte ist in sehr ähnlicher Form zweimal vorhanden; allerdings wurden sie wohl von unterschiedlich versierten Stickerinnen gefertigt.


Zwischen die breiten Borten wurden schmalere Borten


und aufwändig gearbeitete Stopfhohlsäume


mit unterschiedlichen Mustern


und in unterschiedlichen Breiten gesetzt.


Auch wenn die Stücke nicht mehr im Originalzustand sind, so kann man doch viele Einzelheiten der damaligen Stickerei daraus ersehen und interessante Entdeckungen machen.


Besonders ins Auge fallend sind die riesigen Tulpenmotive (Bild oben: Grundstich, Marburger Grundstich und treppenartig gestickter Rosenstich im Grundstichgitter),


mit ähnlichen Mustern,


aber in unterschiedlicher Perfektion, gestaltet.

Die übrigen, teilweise auch sehr großen Motive, erhalten weniger aufwändige Musterungen.


Ungewöhnlich sind die vielen eckigen Formen, die in unterschiedlichen Größen gestaltet wurden.


Zur Füllung der Flächen wurden ausschließlich lichte Muster verwendet.


Viele Motive wurden mit schrägen Wimpernstichen umrandet. Als weitere Umrandungsstiche finden sich Messerspitzen, 2 kurz-2 lang und


Schnürlochbögen. Knötchenstiche finden sich nur in Form von Spiralen und Schlängchen.


Stiele wurden mit Kettenstichen und mit umgekehrtem Mückenstich gestaltet; kleine Blättchen wurden in Plattstich gestickt.


Plattstichmotive in geometrischen Formen und kleine Schnürlocher füllen die Zwischenräume.


Es ist auffällig, dass der Fadenauszug in den Flächen nicht bis zum Rand der Motive vorgenommen wurde. Die Schnittkanten wurden erst nachträglich mit überwendlichen Stichen gesichert.


Höchst interessant ist auch die Musterung des Herzmotivs (Bild oben). Es handelt sich um ein lichtes Muster ohne Grundstichgitter. Darin wurden je vier – wohl nur teilweise gearbeitete – Rosenstiche zum Quadrat gesetzt und schachbrettartig über die Fläche verteilt. In die Zwischenräume wurde je ein Kästchenstich gestickt. Dieses Muster habe ich ausprobiert – die Ergebnisse werde ich in einem der nächsten Beiträge präsentieren.
Im Gegensatz dazu steht das bekannte Muster (Bild unten) auf dem Gegenstück – Rosenstichquadrate im Grundstichgitter.


Alles in Allem konnte ich hier wieder einmal eine sehr eigentümlich und individuell gestaltete Stickerei vorstellen, die man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt.

Schwälmer Tracht – Freu-und-Leid-Tücher

Eine besondere Art der Schwälmer Halstücher für Frauen waren die Freud-und-Leid Tücher.


Besonders kostbare, reinseidene Tücher waren so gearbeitet, dass man sie sowohl zu fröhlichen als auch zu traurigen Anlässen tragen konnte.


Da die quadratischen Tücher diagonal gefaltet wurden, kam entweder die bunte


oder die schwarze


oder schwarz-weiße Seite zum Vorschein.


Oft waren diese besonders prächtigen Tücher zusätzlich bestickt.