Flächenfüllmuster Nr. 444

Nr. 444
Kategorie: Limet-Muster
angewandte Stiche: Wickelstiche über 1 Kästchen in der Breite und 2 x 7 Stiche der verzogenen Limetrose
Längsstreifenmuster
mittlere Längsachse: Fadenrinne

Limetfadenauszug | thread with drawing cut 1-leave 3

In der Mitte beginnend, werden senkrecht immer abwechselnd 1 Faden gezogen und 3 Fäden stehen gelassen. Danach werden auch waagerecht abwechselnd 1 Faden gezogen und 3 Fäden stehen gelassen – am besten unterhalb der oberen Herzspitze beginnend.
In Reihen von unten nach oben und zurück stickt man Wickelstiche als „Stangen“. Dabei lässt man von der Längsmitte ausgehend ein Kästchen frei, stickt die Wickelstichstange über ein Kästchen in der Breite, *lässt 2 Kästchen frei, stickt wieder eine Wickelstichstange* und wiederholt die Arbeitsschritte (*), bis die Hälfte der Form gefüllt ist.
Wieder von der Mitte ausgehend, bestickt man die zweite Hälfte spiegelbildlich.

Limetrosenmuster 1. Schritt | Square Eyelet pattern 1. step
Die linken der beiden frei gebliebenen Kästchenreihen werden nun von unten nach oben mit Teilen der verzogenen Limetrose bestickt. Dabei werden von einem Punkt ausgehend 7 Stiche über ein Kästchen in der Breite gearbeitet, wobei man mit jedem Stich um einen Gewebefaden höher wandert.

1. Schritt, vergrößert | 1. step, enlarged
Die exakte Arbeitsweise entnehmen Sie bitte dem vergrößerten Bild. Für genauere Informationen greifen Sie bitte auf mein Buch „Limetrosen I“ zurück.

Limetrosenmuster 2. Schritt | Square Eyelet pattern 2. step
Die zweite freie Kästchenreihe wird von oben nach unten gegengleich zur ersten bestickt.

fertiges Muster, ungewaschen | finished pattern before laundry
Das fertige Muster – hier noch ungewaschen – wirkt sehr plastisch.

Eine Tischdecke für alle Jahreszeiten

Die Adventszeit ist gekommen. Die Wohnung wird auf Hochglanz gebracht und weihnachtlich geschmückt. Für Tische, Tischchen und Kommoden werden passende Decken und Läufer herausgesucht.
Wie jedes Jahr gehe ich an meinen Wäscheschrank und bin erneut verwundert, wie viele verschiedene Weihnachtsdecken dort inzwischen zu finden sind. Viel zu viele, um in den wenigen Wochen alle einmal aufgelegt zu werden. Da sind die bunt bestickten, mit dänischen oder
amerikanischem Kreuzstich verzierten, mit Plattstichen oder in Nadelmalerei gestalteten, in letzter Zeit aber auch viele in weiß gehaltene – Ausschnittstickerei (Richelieu), vor allem aber Durchbruchstickerei in der Art der Schwälmer Weißstickerei.
Dann sind da noch die Osterdecken – nicht ganz so viele, wie die weihnachtlichen Versionen, aber dennoch ein ansehnlicher Stapel. Auch Frühlingsdecken und solche mit herbstlichen Motiven habe ich gestickt.

So viele verschiedene Decken, ist das wirklich nötig?

Nun ist mir die Idee gekommen, eine Tafeldecke anzufertigen und sie durch wenige austauschbare Zusätze zu einer Decke für alle Jahreszeiten werden zu lassen. Diese Decke sollte einen aufwändigen Randabschluss bekommen – vielleicht einen der unten zu sehenden – und in der Mitte frei bleiben.

Randabschluss mit Briefecke kombiniert aus Kästchenstichen, Mückenstichen, Erbslochhohlsaum und Stopfhohlsaum mit Spinnen

Randabschluss mit Briefecke kombiniert aus Kästchenstichen, Mückenstichen, Erbslochhohlsaum und Stopfhohlsaum mit Spinnen

Randabschluss mit Briefecke „Weihnachtsstreifen“

Randabschluss mit Briefecke „Weihnachtsstreifen“

Randabschluss mit Briefecke kombiniert aus Wickelstichen und Wabenstichen

Randabschluss mit Briefecke kombiniert aus Wickelstichen und Wabenstichen

Diese und viele weitere schöne, mehr oder weniger aufwändige und mit den verschiedensten Eckbildungen ausgestattete, finden Sie in meinem Buch „Randabschlüsse“ ausführlich erklärt.

Dieses Buch – damals gab es noch keine englische Übersetzung – war auch Auslöser einer netten Begebenheit, die Mitglieder der Stickerei-Gilde von Toronto/Kanada – Barbara Kershaw und ihre Studenten – erlebt haben.
Dieses Erlebnis war so prägnant, dass Barbara diese Geschichte aufgeschrieben und veröffentlicht hat.

Vor einiger Zeit besuchten Barbara Kershaw und einige Ihrer Schülerinnen Deutschland und auch mich und meine Ausstellung. Sie berichteten mir von ihrem Erlebnis und ich erhielt die Erlaubnis, diese Geschichte an Sie weiterzugeben.

Für die deutschsprachigen Leser habe ich eine freie Übersetzung gefertigt.
Ganz_spontan_-_Das_Tischdecken-Projekt.pdf
Die vielen schönen Bilder kann man aber nur in der Originalversion sehen. Da die Datei sehr groß ist, dauert es einige Augenblicke, sie zu laden.
Simple_Spontaneity[1].pdf

Wenn Sie eine solche Decke mit einem schönen Randabschluss gestickt haben und sie zu einer Decke für alle Jahreszeiten machen wollen, zeige ich Ihnen nächstes Jahr, wie man sie Monat für Monat mit passenden Zusätzen ausstatten kann. Seien Sie neugierig und freuen Sie sich darauf.

Ich wünsche Ihnen eine schöne, ruhige Adventszeit mit vielen Augenblicken der Entspannung und genügend Zeit zum Sticken.

Schwälmer Tracht – ein Überblick

Wie alles in der Welt war auch die Schwälmer Tracht stetigem Wandel unterlegen.
Die Bilder, die man heute mit der Tracht der Schwalm verbindet, sind bunt und extravagant.
Einige kennen diese Tracht noch aus ihren Kindertagen, andere von Trachtenfesten, wo die Schwälmer Variante der Volkskleidung immer als Hingucker fungiert. Tausende bunter Postkarten mit idyllischen Motiven haben die Bilder der Tracht in alle Welt getragen. Auftritte von Trachtengruppen in fernen Ländern haben die Menschen dort in Staunen und Verwunderung versetzt.

Die Schwälmer Festtagstracht – auch „stolze“ Tracht genannt – bestand aus sehr vielen verschiedenen Teilen, die je nach Anlass getragen wurden. Die Festtagstracht war Kleidung, Schmuck und Visitenkarte in einem – an ihr konnte man Wohlstand, Familienstand und ungefähres Alter ablesen.
Puppen in roter und blauer Schwaelmer Tracht | dolls in red and blue Schwalm costumes

Die Grundfarben der Tracht waren schwarz und weiß; mit sehr vielen farbigen Accessoires wurde die Tracht strahlend bunt. So gab es die „rote“, die „grüne“, die „blaue“ und die „schwarze“ Tracht.
Natürlich war die Frauentracht wesentlich ausgeprägter als die Männertracht, aber auch sie hatte viele Facetten.
Junge Mädchen und Burschen trugen bis zur Heirat die „rote“ Tracht, d. h. all diese Zubehörteile waren hauptsächlich rot mit etwas grün.

Rückseite der roten Mädchentracht | backside of the red girls custome
Rückseite der roten Burschentracht | backside of the red boys costume

Mit der Heirat wechselte man zur „grünen“ Tracht, deren Accessoires hauptsächlich grün waren, anfangs mit etwas rot, mit steigendem Alter mit etwas lila.

Mit ca. 40 Jahren wurde die „grüne“ dann von der „blauen“ Tracht abgelöst, d.h. die farbigen Teile waren vornehmlich lila, anfangs mit etwas grün, später mit schwarz.

Ab ca. 50 Jahren oder bei Trauer trug man dann die „schwarze“ Tracht, die keine leuchtend bunten Bestandteile mehr hatte. Verlor eine Frau in jungen Jahren Mann oder Kind, musste sie zeitlebens Trauer tragen.

Bis zu 12 Röcke – der absolute Rekord steht meines Wissens bei 16 – wurden übereinander getragen. Wenn man bedenkt, dass ein Rock allein ca. 800 g wiegt, und die Röcke nicht die einzigen Kleidungsstücke waren, wird schnell klar, dass das Tragen der Festtagstracht keine „leichte“ Aufgabe war.
5 Röcke der roten Tracht | 5 skirts of the red costume

Die Anzahl der Röcke war ebenso ein Indiz für den Wohlstand einer Frau wie auch die Ausführung der Kappenbänder mit mehr oder weniger prachtvoller Buntstickerei und mit kurzer oder langer Nadelspitze sowie die Aufwändigkeit der Weißstickerei. Reichere Frauen konnten sich von allem etwas mehr leisten, und das wurde auch zur Schau getragen.

rote Kappenschnur mit viel Buntstickerei und Nadelspitze | red cap band with elaborate colour embroidery and needle lace
rote Kappenschnur mit wenig Buntstickerei und ohne Nadelspitze | red cap band with less colour embroidery and without needlelace

Miederärmel mit wenig Weißstickerei und 2 Reihen Nadelspitze | bodice sleeve with less whitework and 2 rows of needlelace

Später werde ich die Einzelteile der Tracht genau vorstellen. Wenn Sie schon jetzt einen Überblick gewinnen möchten, schauen Sie doch einfach mal bei Ebay nach dem Suchbegriff „Schwälmer“.
http://www.ebay.de/sch/i.html?_trksid=p3984.m570.l1313.TR3.TRC0.A0.Xschw%C3%A4lmer&_nkw=schw%C3%A4lmer&_sacat=0&_from=R40
Dort findet man viele Postkarten mit den unterschiedlichsten Trachtenmotiven. Ab und zu kann man sich hier auch Original-Trachtenteile anschauen.

Oder Sie betrachten sich virtuell einen Teil der Trachtenpuppenausstellung des Dorfmuseums Holzburg.
http://www.dorfmuseum-holzburg.de/index.php?option=com_expose&Itemid=4
Die Trachtenschneiderin Erika Decker hat 52 verschiedene Schwälmer Trachtenensembles originalgetreu nachgearbeitet und im Puppenformat dargestellt.
Auch bei einem virtuellen Rundgang durch das Museum kann man einige sehr schöne Originaltrachten bewundern.
http://www.dorfmuseum-holzburg.de/index.php?option=com_expose&Itemid=4
Dass das Thema Tracht ist nicht verstaubt, sondern heute als Ideengeber von neuer Aktualität ist, zeigt folgendes Beispiel:
Die Schüler des Fachbereichs Textiltechnik und Bekleidung der Elisabeth-Knipping-Schule in Kassel bekamen zur Aufgabe, moderne Bekleidung – inspiriert von nordhessischen Trachten, speziell der Schwälmer Tracht – zu entwerfen. Unter dem Motto „Neu beTRACHTet“ veranstalteten sie im Jahr 2012 eine Modenschau
http://www.elisabeth-knipping-schule.de/einblick/2012/modenschau2012/index.php
bei der die Kollektion der SchülerInnen zu diesem Thema vorgestellt wurde. Die entstandenen Modelle kann man hier betrachten:
http://www.hna.de/lokales/kassel/knipping-schule-modenschau-koenigs-alm-fs-2254313.html

Kleines Projekt – Schiefer trifft Leinen

Eine einfache, kleine Herzkontur wurde auf 13,5 fädigem Weddigen Leinen aufgebügelt.
Vierfachstickgarn in verschiedenen Stärken wurde verarbeitet: Nr. 16 für die Knötchenstiche, Nr. 20 für die Schlingstiche, Nr. 30 für die Kettenstiche und das Grundstichgitter. Die Fläche wurde unter Verwendung von Vierfachstickgarn Nr. 20 mit dem Muster „442“ gefüllt. Nach Fertigstellung der Stickerei wurde das bestickte Leinen gewaschen (gekocht), gestärkt und gebügelt.
Dann wird das Herz ausgeschnitten.
Das Herz wird ausgeschnitten | cut the heart - 1
Man benötigt dazu eine kleine, scharfe Schere, die man beim Schneiden nicht ganz senkrecht, sondern ein wenig schräg hält, so dass die untere Schneidfläche mehr nach Innen zur gestickten Fläche liegt. Man legt die Arbeit so, dass man die Vorderseite sieht und schneidet vorsichtig und langsam Gewebefaden für Gewebefaden direkt an den gestickten Stichen entlang ab, ohne diese jedoch zu beschädigen.
Vier Finger der linken Hand halten von unten gegen die Arbeit, der Daumen fixiert sie von oben.
Die rechte Hand führt die Schere.
Das Herz wird ausgeschnitten | cut the heart - 2
Da die Schlingen der Schlingstiche etwas weiter vorstehen als deren rückwärtige Stiche, kann man mit etwas schräg gehaltener Schere das Leinen direkt unterhalb dieser Schlingen durchtrennen, und so das gestickte Teil sauber ausschneiden.Das Herz wird ausgeschnitten | cut the heart - 3

Solche ausgeschnittenen Teile kann man bei Bedarf jederzeit schnell und einfach waschen und bügeln, man darf sie aber nie schleudern!Ausgeschnittenes Herz | cut heart

Dann besorgte ich mir aus Schiefer gefertigte Herzen, die zur Zeit in vielen Geschäften erhältlich sind, befestigte die Stickereien darauf mit einem speziellen, wieder-ablösbaren Klebeband für Textilien, und dekorierte sie.
fertiges Projekt | finished project
Das Lichte Muster kommt auf dem dunklen Untergrund besonders gut zur Geltung.

Ich habe noch weitere solcher Herzen mit anderen Flächenfüllmustern gearbeitet.

dekorierte Schieferherzen | decorated slate hearts
In Gruppen – untereinander, nebeneinander oder versetzt – wirken sie sehr dekorativ.

Flächenfüllmuster Nr. 443

Nr. 443
Kategorie: Lichtes Muster mit Grundstichgitter
angewandte Stiche: Stopfstiche über 1, 3 und 5 Kästchen
mit Richtungswechsel
Zentrum: Kästchen
Negativmuster zu 442
Lichter Fadenauszug | thread withdrawing cut 2-leave 2
In der Mitte beginnend, werden senkrecht immer abwechseln 2 Fäden gezogen und 2 stehen gelassen. Danach werden auch waagerecht abwechselnd 2 Fäden gezogen und 2 stehen gelassen – am besten unterhalb der oberen Herzspitze beginnend. Das entstandene Fadengitter wird von der Rückseite aus mit Grundstichen befestigt.
Einstopfen des Musters | weaving the pattern
In der Mitte beginnend, wird das Muster (abwechselnd als Rhombus über 1, 3, 5, 3 sowie 1 Kästchen und als Quadrat über 3 x 3 Kästchen) treppenartig in diagonalen Reihen eingestopft. Dabei ändert sich die Stickrichtung. Alle Quadrate werden in horizontaler, alle Rhomben in vertikaler Richtung gestopft.
Reihe neben Reihe | row by row
Um von einem Stopfstich-Block zum nächsten zu gelangen, muss man frei bleibende Kästchen überspringen. Damit das Muster ein klares Erscheinungsbild bekommt, soll die Fadenführung von der letzten Stopfstichreihe des fertigen Blocks zur ersten Stopfstichreihe des nächsten Blocks so unsichtbar wie möglich erfolgen. Die gelingt, wenn man die Fadenbündel in der gleichen Richtung umschlingt, in der auch die Grundstiche liegen.
Wenn Sie dazu eine genauere Beschreibung benötigen, greifen Sie bitte auf „Grundlagen der Schwälmer Weißstickerei“ oder „Lichte Muster `Stopfstiche´“ zurück.

Musterreihe wird neben Musterreihe gearbeitet, bis die Fläche vollständig gefüllt ist.
fertiges Muster 443 | finished pattern 443
Gewaschen, gestärkt und gebügelt entfaltet das fertige Muster seinen Reiz.

175 weitere Stopfstichmuster finden Sie in meinem Buch „Lichte Muster `Stopfstiche´“.