Doppelkonturen (9) – Korallen-Knötchenstiche

Eine weitere Möglichkeit, Motivränder durch Doppelkonturen hervorzuheben, ist das Sticken benachbarter Reihen von Korallen-Knötchenstichen.

Diese Variante findet man in vielen überlieferten Modellen vom Ende des 18. Jahrhunderts an.

Auf einer dicht bestickten Miederärmelborte wurden viele Motive mit dieser Alternative gestaltet.

Die Detailfotos zeigen,

dass oft auch eine Reihe Kettenstiche mit dickem Garn innerhalb der Korallen-Knötchenstiche gearbeitet wurde.

Diese sorgen nicht nur für einen sauberen Abschluss der Füllmuster, sondern betonen den Rand zusätzlich.

Es finden sich aber auch Beispiele, in denen die Korallen-Knötchenstich-Doppelreihe die einzige Randverzierung bildet.

Manchmal wird auch nur ein Teil der Motivrandes in dieser Art verziert. Die übrigen Ränder erhalten eine andere Gestaltung, wie hier mit Schlingstichen und – rechts daneben teilweise zu sehend – umwickelten Spannstichen „Kerrercher-Schlängchen“

Siehe auch:
Doppelkonturen (1) – Freie Flächen
Doppelkonturen (2) – Umwickelte Spannstiche
Doppelkonturen (3) – Umwickelte Hexenstiche
Doppelkonturen (4) – Bouillonknoten
Doppelkonturen (5) – Bouillonstiche
Doppelkonturen (6) – Schlingstiche
Doppelkonturen (7) – Waffelstiche
Doppelkonturen (8) – Kettenstich-Variationen

Doppelkonturen (8) – Kettenstich-Variationen

Bei großen Motiven wird der Rand oft mit Doppellinien in mehr oder weniger breitem Abstand gestaltet.
Kettenstiche sind sehr gut geeignet, um den schmalen Platz zwischen zwei solcher Linien zu füllen. Sie sind leicht zu sticken, sehr flexibel und variantenreich. Durch die Verwendung unterschiedlicher Garnstärken und die Wahl der Stichlänge kann man viele Abwandlungen erzielen. Achten Sie bei den folgenden Bildern besonders auf diese beiden Merkmale.

In einer Paradekissenborte von 1814 finden sich ganz einfach zwei nebeneinandergesetzte Reihen Kettenstiche um den Rand des Motivs.

Kettenstiche, jeweils dicht innerhalb der Korallen-Knötchenstiche gestickt und mit unbearbeitetem Platz dazwischen,

ergeben eine schlichte Randverzierung.

Eine einzelne Reihe Kettenstiche in der Mitte zwischen den Korallen-Knötchenstichen

füllt die freie Fläche.

Breite Kettenstiche, bei denen Ein- und Ausstich nicht in einem Punkt, sondern in etwas Abstand nebeneinander liegen,

ergeben ein anders Bild.

Eine ähnliche Wirkung erzielt man mit gekreuztem Kettenstich.

Dabei treffen Ausstich des einen Kettengliedes mit Einstich der folgenden Schlaufe aufeinander.

Abwechselnd werden die Arbeitsfäden zu Schlaufen nach links und nach rechts gelegt.

Der gekreuzte ist fülliger als der breite Kettenstich.

Mit ihm lassen sich auch breite Stängel wirkungsvoll arbeiten. Durch Garnstärke, Stichbreite und -länge kann man hier besonders gut variieren.

Siehe auch:
Doppelkonturen (1) – Freie Flächen
Doppelkonturen (2) – Umwickelte Spannstiche
Doppelkonturen (3) – Umwickelte Hexenstiche
Doppelkonturen (4) – Bouillonknoten
Doppelkonturen (5) – Bouillonstiche
Doppelkonturen (6) – Schlingstiche
Doppelkonturen (7) – Waffelstiche

Doppelkonturen (7) – Waffelstiche

Viele Entwürfe mit großen Motiven gestalten deren Rand mit Doppellinien in mehr oder weniger breitem Abstand. Ein solcher Entwurf enthält ein in einem großen Herz platziertes kleineres Herz. Dessen Füllmuster besteht auch aus Waffelstichen.

So bietet es sich an, Waffelstiche auch zwischen die Konturenlinien des großen Herzens zu arbeiten. Der Abstand der Linien ist groß genug, um zwei Reihen Stickstiche aufzunehmen.

Man beginnt zweckmäßigerweise an einer Spitze und stickt die erste Reihe über die Hälfte der freien Fläche.

Die zweite Reihe wird der Form angepasst dagegengesetzt.

Auf diese Weise entsteht eine hübsche Randverzierung.

Sie schmückt eines der „Tanzeckenmuster“ am Rand einer Tischdecke,
Die Tanzeckenquadrate sind sehr abwechslungsreich gestaltet und bieten sich für vielerlei Gebräuche an.

Siehe auch:
Doppelkonturen (1) – Freie Flächen
Doppelkonturen (2) – Umwickelte Spannstiche
Doppelkonturen (3) – Umwickelte Hexenstiche
Doppelkonturen (4) – Bouillonknoten
Doppelkonturen (5) – Bouillonstiche
Doppelkonturen (6) – Schlingstiche

Ei à la Fabergé

Ein Ei, gestickt im Stil von Fabergé, ziert die österlich geschmückte Wohnung.

Der Entwurf der Künstlerin Gudrun Hartwig ist auf handgewebtem Leinen in Stickerei umgesetzt.

Die terrassenförmige Fußfläche ist mit Mückenstichen verziert, die ovale Ausformung erhält das lichte Grundstichmuster.
Ausschließlich diese beiden Muster sind für alle zu füllenden Flächen des Motivs verwendet.

Blättchen und kleine Füllungen sind mit Plattstichen gearbeitet, wobei die Weiterführung der Stiche von einem Blatt um nächsten entlang der Korallen-Knötchenstiche den Stängel dezent markanter werden lässt.

Die doch relativ kleinen Flächen verlangen kleine Füllmuster, deren unauffällige Wirkung

das prächtige Gesamtbild unterstreichen.
Französische Knötchenstiche, zwischen die Korallen-Knötchenstichlinien gesetzt, erzielen auf einfache Art und Weise ein ansprechendes Muster.

So entsteht eine außergewöhnliche und nicht alltägliche österliche Stickerei.

Wer ein ganz besonderes Juwel daraus werden lassen möchte, kann das „Fenster“ mit kleinen farbigen Kreuzstichmotiven

oder Gobelinstichmotiven füllen, wie die Fotomontagen andeuten.

Frohe Ostern 2026!

Weitere Entwürfe der Künstlerin Gudrun Hartwig:
Gestickter Ostereier-Kranz – apart und originell
Ein besonderes Osterei
Vogelborte waagerecht (1)
Spiralen – Übung (2)
Spiralen – Übung (3)
Märchenhaft – Bilder in Weißstickerei zum Grimm-Jahr 2013
Winterbaum mit Beerenschale

Noch ein Osterei

Nach Beendigung meiner Tests habe ich in aller Ruhe und sehr sorgfältig ein weiteres Ei entstehen lassen.

Die benötigten Materialien wurden zusammengestellt.

Der Zeichnung der Eikontur wurden die Mittelachsen hinzugefügt. Auf einem Lichtpanel wurde die zuerst die Eikontur und darüber die Zeichnung des gewählten Motivs in Übereinstimmung der markierten Mittelachsen mit ablösbarem Klebeband befestigt.

Darüber wurde das, ebenfalls mit Mittelachsen versehene, Leinenstück befestigt. (Mein Leinenstück war nur ca. 11 cm x 11 cm groß. Mit einem etwas größeren Zuschnitt – ca. 15 cm x 15 cm – wäre die Stickarbeit leicht von statten gegangen.)

Mittels eines hitzelöslichen Stiftes wurden das Motiv und die äußere Eikonturenlinie auf das Leinen übertragen.

Man muss aufdrücken, um genügend Tinte für eine klare Linie auf den Stoff zu bringen. Dabei bleibt die feine Spitze des Stiftes leicht in den Vertiefungen zwischen den Gewebefäden hängen.

Das Motiv wurde gestickt. Für Korallen-Knötchen– und Schlingstiche habe ich 2 Fädchen des Sticktwists verwendet, für Kettenstiche und

Füllmuster nur 1 Fädchen.

Der Korb bekam das „Einer -Muster“. Da die zu bestickende Fläche sehr klein ist, habe ich zunächst davon abgesehen, Kettenstiche neben die Korallen-Knötchenstiche zu sticken.

Da mir die Ränder aber zu unsauber aussahen, habe ich nachträglich Kettenstiche gearbeitet und die Mitte der Blume mit einem kleinen Schnürloch versehen.

Die zweite Seite wurde mit dem gleichen Motiv bestickt, die Füllungen aber etwas anders gestaltet.

Um die Häkelborte für den Rand nicht so massiv werden zu lassen, habe ich mit Häkelnadel Nr. 2 und 3 Fädchen des Sticktwists eine lockere Luftmaschenkette gehäkelt. Dafür habe ich ca. 7 Meter des halben Twistfadens benötigt. Zugegeben: Es ist nicht ganz einfach, einen so langen Faden zu teilen, aber es geht, wenn man zwischendurch immer mal wieder das vom Strängchen kommende Fadenende feststeckt, den Faden hoch hält und aufdrehen lässt.

Man muss abmessen, wann die Kette lang genug ist, um die Konturenlinie komplett zu überdecken.

Über die Luftmaschen wurde eine Reihe Stäbchen gehäkelt.

Am Ende der Luftmaschenkette angekommen, wird der Faden mit zwei Luftmaschen zur Kette zurückgeführt, dort befestigt und mit zwei weiteren Luftmaschen auf Höhe der zweiten Stäbchenreihe gebracht, die wieder entlang der Kette gehäkelt wird.

Dadurch bildet sich in der Mitte eine Art Falz, die das Befestigen am Rand einfach gestaltet. Am Ende wird der Faden zur Mitte geführt, durch die letzte Schlinge gezogen und im Abstand von ca. 10 cm zur Häkelborte abgeschnitten.

Die bestickten Leinenteile werden mit den rechten Seiten nach außen passgenau übereinandergelegt und festgesteckt.

Auf der Rückseite kann man kontrollieren, ob die Linien auch richtig getroffen wurden. Ist das nicht der Fall, muss man korrigieren.

Mit etwas Abstand zum Rand werden die Teile zusammengeheftet

und bis auf eine Öffnung an der Längsseite mit kleinen Zick-Zack-Stichen entlang der Konturenlinie zusammengenäht.

Das Ei wird, wie im vorigen Blogbeitrag ausführlich beschrieben, ausgeschnitten

gebügelt, leicht gefüllt und geschlossen.

Der restliche Stoffüberstand wird abgeschnitten.

An der Spitze beginnend, wird die Häkelborte zunächst mit Stecknadeln befestigt,

um sicherzustellen, dass die Borte gleichmäßig am Rand verteilt ist.

Die mit nur 3 Fädchen gehäkelte Borte ist nicht so stabil wie die mit einem ganzen Faden gehäkelte (die gelbe im vorhergehenden Blogbeitrag zu sehende). Daher dachte ich, es sei besser, sie festzunähen. Das habe ich diesmal mit Stichen von der Rückseite nach vorn und zurück erledigt.

Das hat den Vorteil, dass man die Borte auf beiden Seiten in gleichmäßiger Breite befestigt.

Vielleicht habe ich die Stiche zu groß gewählt, vielleicht auch den Faden zu fest angezogen. Dadurch wirkt der Rand unruhiger als bei den mit überwendlichen Stichen Masche für Masche befestigten grünen und pinkfarbenen Borten.

Am Busch hängend

und im leichten Luftzug schaukelnd fällt das nicht mehr ins Gewicht.