Schwälmer Tracht – Die Röcke (1)

Zur „stolzen“ Feiertagstracht trugen die Schwälmerinnen viele Röcke übereinander. 10 – 12 Röcke gehörten zu einer Garnitur. Manchmal waren es auch noch mehr.

Schwälmerinnen beim Probtanz, Aufnahme: Dr. Andreas Scheller Nr. 1146 Gustav Mandt Kunstverlag, Lauterbach (Hessen)

Schwälmerinnen beim Probtanz, Aufnahme: Dr. Andreas Scheller Nr. 1146 Gustav Mandt Kunstverlag, Lauterbach (Hessen)

Vor allem die vielen Röcke gaben der Schwälmer Tracht ihr besonderes Gepräge. Damit es möglich war, so viele Röcke übereinander zu tragen, mussten sie weit sein. Und damit es möglich war, das Gewicht so vieler Röcke zu tragen, mussten sie kurz sein.
Das Bild soll einen Eindruck von der Stofffülle vermitteln, die bereits beim Tragen von drei Röcken enorm war.

Das Bild soll einen Eindruck von der Stofffülle vermitteln, die bereits beim Tragen von drei Röcken enorm war.

Im Jahr 1941 führte der Pfarrer und profunde Kenner der Sitten und Gebräuche der Schwälmer und ihrer Tracht, Heinrich Metz (1897 -1973) eine Befragung zur textilen Aussteuer einer durchschnittlich situierten Schwälmer Braut durch. [Quelle: Schwälmer Jahrbuch 2000]

Bezüglich der Röcke fand er heraus:
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Reichere Frauen hatten eine weitaus größere, ärmere dagegen eine wesentlich geringere Ausstattung.
Ärmere Mädchen ließen sich auch oft sogenannte „doppelte Röcke“ anfertigen. Darunter versteht man einen Rock, der am unteren Ende mit einem zusätzlichen, ca. 15 cm hohen Streifen mit Borte besetzt war und so einen kompletten zweiten Rock vortäuschen sollte.

Die meisten der Röcke bestanden aus ungeglänztem Beiderwand, der mit Indigo blau
eingefärbt wurde. Beiderwand ist ein leinenbindiges Gewebe, dessen Kettfäden aus Leinen und dessen Schussfäden aus handgesponnener Schafwolle bestanden. Beiderwand wurde in der Schwalm „Berrerwonn“ genannt. Durch die Färbung mit Indigo waren die Soffe nicht farbecht.

Indigogefärbter Beiderwand

Indigogefärbter Beiderwand

Nur der oberste Rock war aus feinerem und damit auch teurerem Gewebe. Hier gibt es unterschiedliche Angaben. Eine Quelle spricht von feinem, geglänzten schwarzen Leinen für die grüne Garnitur [Decker, S. 56], eine andere Quelle nennt feine geglänzte Beiderwand in schwarz für die grüne und blaue Garnitur und in blau für die rote Garnitur [SJ 1994, S.105]. Eine dritte Quelle spricht von Tuch http://de.wikipedia.org/wiki/Tuch als Stoff für den obersten Rock.

Die nicht-glänzenden Tuchröcke wurden zur Trauertracht und zum Abendmahl getragen, die hochglänzenden zur Festtagstracht. Da die glänzenden Röcke keine Wasserflecken bekommen durften, wurden sie bei Regenwetter nicht getragen. Ebenso wird berichtet, dass die schwarzen, glänzenden Oberröcke nur an Kirmessamstagen und bei Hochzeiten nur bis zum Kaffeetrinken angezogen wurden.

Geglänztes Leinen

Geglänztes Leinen

Beiderwand- und Leinenstoffe wurden geglänzt, indem man sie zuerst durch Leimbrühe zog.
Leimbrühe stellte man aus „Leimleder“ (einem Abfallprodukt der Gerber, auch „Hautleim“ genannt) und Pottasche her. Durch das Eintauchen in diese Leimbrühe wurde beim Stoff eine glänzende Steifheit erzielt. Der Glanz wurde noch durch das Bereiben mit einem Glänzstein gesteigert. Dazu legte man den Stoff auf einen gerillten Glänztisch und berieb ihn unter festem Druck mit einem Glänzstein. Ein Glänzstein bestand aus Holz, an dessen Spitze sich ein eliptisch geformter feinkörniger Achat befand.

Im Winter wurde als unterster Rock ein sogenannter „Beffel“, „Büffel“ oder „Kalmuck“ getragen.
Büffel bedeutet „starr“ oder „schwer“. Als Stoff wurde Kalmuck verwendet, ein dicker, meist in Köperbindung gewebter Stoff, der beidsitig stark aufgerauht wurde.

Für einen Rock benötigte man bis zu 4 Meter Stoff, der stark eingekräuselt wurde. (Um 1900 verarbeitete man noch 5 Stoff-Bahnen á 80 cm Breite, später begnügte man sich mit 4 ½ Bahnen.)
Der Bund wurde in der vorderen Mitte verschlossen (diese Stelle wurde später von der Schürze überdeckt). Links und rechts der vorderen Mitte blieb ein Stück Stoffweite glatt, der Rest wurde in dichte, kleine Falten gelegt. Um eine gleichmäßige Fältelung und einen gleichmäßigen Sitz des Rockes zu erhalten, ging man folgendermaßen vor: Man ermittelte das Taillenmaß der späteren Rockträgerin, an dem sich die Bundweite orientierte. Die Bundweite wurde in 6 Teile eingeteilt. Die Rockweite dagegen in 8 Teile.
Beispiel:
Ein Rock sollte eine Bundweite von 66 cm erhalten.
66 cm : 6 Teile = 11 cm/Teil
Der Rock blieb also auf den ersten 11 cm (1 Teil) glatt, dann folgten 44 cm (4 Teile) Faltenwurf und weitere 11 cm (1 Teil) ohne Falten.
Die vier Teile für den Faltenwurf wurden nochmals halbiert, sodass man dann 8 Teile á 5,5 cm hatte.

Der Rockstoff war 382 cm breit. Für die beiden glatten Teile benötigte man 22 cm, also verblieben noch 360 cm. Diese Weite teilte man durch 8 (= 45 cm) und legte den Stoff so in Falten, dass aus den 45 cm am Ende 5,5 cm wurden.

Würde man diese Unterteilung nicht vornehmen, wäre es viel schwieriger, die Falten des Rockes so gleichmäßig zu verteilen, wie es für den Faltenwurf nötig ist.

Die Falten wurden gelegt und festgesteckt und wenn das richtige Maß erreicht war, wurden sie ca. 2 – 3 cm vom oberen Rand entfernt mit starkem Garn (Hanfzwirn) und Stielstichen auf der Rückseite zusammengenäht – Falte für Falte.

Falte für Falte wurde mittels Stielstichen in Position gehalten

Falte für Falte wurde mittels Stielstichen in Position gehalten

An der oberen Kante wurde von der Vorderseite aus der Stoffstreifen für den Bund rechts auf rechts aufgelegt und angenäht.
Faltenpartie eines Rockes mit angenähtem Bund - Vorderseite

Faltenpartie eines Rockes mit angenähtem Bund – Vorderseite

Er wurde anschließend umgeschlagen und auf der linken Seite etwa in Faltenmitte befestigt.
Dadurch wurden die Falten ein weiteres mal stabilisiert.
Faltenpartie eines Rockes mit angenähtem Bund - Rückseite

Faltenpartie eines Rockes mit angenähtem Bund – Rückseite

Weil Rock über Rock getragen wurde, musste die Bundweite jeden weiteren Rockes 2 – 3 cm größer sein als die des darunter getragenen.
In der Taille liegt Rockbund neben Rockbund.

In der Taille liegt Rockbund neben Rockbund.

Der Rock wurde vorne nur etwa zur Hälfte zugenäht. Der Bund wurde mit Haken und Öse verschlossen.
Verschluss durch Haken und Öse

Verschluss durch Haken und Öse

Für spätere Taillienzuwächse behalf man sich mit kleinen Kettchen und Schnüren zur Überbrückung der fehlenden Weite.
Bunderweiterung mittels Kettchen oder Bändern

Bunderweiterung mittels Kettchen oder Bändern

Die Rocklänge war unterschiedlich. Sie orientierte sich nicht nur an der Größe der Trägerin, sondern auch an dem Platz, den dieser Rock in der Reihenfolge einnahm.

Der unterste Rock sollte so lang (oder kurz) sein, dass unter ihm noch eine Handbreit des Unterhemdes herausschaute. Jeder weitere Rock musste etwas länger zugeschnitten sein (obwohl es später so aussieht, als sei er kürzer.

Nur in wenigen Orten der Schwalm wurden die Röcke so abgelängt, dass alle übereinander getragenen gleichmäßig lang aussahen. Meistens sollten die oberen Röcke ein kleines Stückchen über dem nächstunteren enden, sodass die ganze Pracht der Bänder zu erkennen war.

Damit man später beim Anziehen nicht durcheinander kam, wurden die Röcke nummeriert.

Jeder Rock bekam seinen „Platz“ gut sichtbar eingestickt

Jeder Rock bekam seinen „Platz“ gut sichtbar eingestickt

Am unteren Rand wurde der Rock mit Bändern geschmückt. Die Rockbänder sind ein eigenes Kapitel wert, deshalb werde ich später darüber berichten.

Ideenwerkstatt – Nadelkissen (3)

Kleine schwalmtypische Börtchen und Zierstiche sollen die weitere Dekoration des Nadelkissens bilden.
NA3_1Dazu bügele ich zunächst die Kontur für ein kleines Herzbörtchen fadengerade auf und besticke sie mit Knötchenstichen und Plattstichen.
NA3_2Als weitere Dekoration wähle ich „Schlängchen“, „Kerrercher“ und eine Hexenstichvariate. Eine reiche Auswahl an Konturenmustern für kleine Börtchen und Zierstiche finden Sie in meiner neuesten Publikation „Schlängchen & Co – Schwalmtypische Börtchen und Zierstiche“.
NA3_3Anschließend wird der Stoff auf das gewünschte Maß von 14 cm x 26 cm zugeschnitten.
NA3_4Das Teil wird gewaschen, gestärkt und gebügelt,

rechts auf rechts zusammengefaltet und auf 2 ½ Seiten dicht entlang der blauen Markierungslinie zusammengenäht.
NA3_5Die Markierungsfäden werden entfernt. Das Innere wird nach außen gewendet. Das Kissen wird mit Füllwatte ausgestopft. Die verbliebene Öffnung wird geschlossen.
NA3_6Ein nettes, kleines Kissen ist entstanden.
NA3_7Hätten Sie es sich am Anfang so vorstellen können?
NA3_8
Selbstkritik: Mein erster Versuch hat nicht ganz das gewünschte Ergebnis gebracht. Während des Stickens habe ich nicht an die entstehende Wölbung nach dem Ausstopfen des Kissens gedacht. Das kleine Motiv hätte dichter an das lichte Musterband gerückt werden können. Auch hätte das Motiv etwas grösser sein können.

Wie ist die Realisation Ihrer Ideenumsetzung ausgefallen?

zum vorhergehenden Teil

Schlängchen & Co

Schwalmtypische Börtchen und Zierstiche

Breite Musterborten wurden in der Schwälmer Weißstickerei oft von kleinen Börtchen und Zierstichen begrenzt. Diese fallen dem Betrachter nicht immer sofort ins Auge. Aber auch sie zeugen von großem Ideenreichtum und perfekter Stickkunst. Grund genug, sich einmal ausführlicher mit diesen Ziermustern der Nadelkunst zu befassen!

Es war mir vergönnt, viele historische Stücke – hauptsächlich Mieder, aber auch Paradekissen, Schürzen und Hemden – unter die Lupe nehmen zu dürfen.

Die mir zur Verfügung stehenden überlieferten Schwälmer Weißstickereien stammen meist aus dem 19. Jahrhundert, das älteste datierte Teil trägt die Jahreszahl 1821.

Betrachtet man diese historischen Vorbilder, findet man sehr oft schlangen- oder zick-zacklinienförmige Verzierungen in unterschiedlicher Ausgestaltung.

Fast alle von mir näher untersuchten Borten zeigen solche Zierstiche oder kleine Börtchen, die man in drei Bereiche gliedern kann:

  • Kerrercher (= Kettchen [Anneliese Spieß], in der Schwalm auch „Schlängchen“ genannt.
    Da aber auch der umschlungene Hexenstich in der Schwalm den Namen „Schlängchen“ trägt, habe ich mich für den Namen „Kerrercher“ entschieden).
  • Musterborten
  • Hexenstiche

Alle drei wiederum erscheinen in einem breiten Spektrum von Variationen.

In meiner neuen Veröffentlichung

Schlängchen & Co

Schwalmtypische Börtchen und Zierstiche


zeige ich mehr als 50 Abbildungen historischer Börtchen. Von einer Grafikerin habe ich die Muster nachempfinden lassen und stelle sie als Designzeichnungen in verschiedenen Größen ebenfalls zur Verfügung.

Neben den historischen Börtchen werden auch Zeichnungen von zeitgenössischen Börtchen gezeigt, die auf Ideen früherer Schwälmer Stickerei – auch auf Kronen und Kappen – zurückgehen. So gibt es insgesamt 142 Zeichnungen mit insgesamt 88 unterschiedlichen Motiven.

Daneben erscheinen gut bebilderte und detaillierte Beschreibungen zur Erarbeitung der unterschiedlichen „Kerrercher“- und „Schlängchen“-Varianten.

49 Seiten 102 Mustervarianten 3 pdf-Dateien mit insgesamt 66.207 KB Dateigröße Text: deutsch 25,00 EUR zum download

49 Seiten
102 Mustervarianten
3 pdf-Dateien mit insgesamt 66.207 KB Dateigröße
Text: deutsch

25,00 EUR

zum download

Natürlich können Sie diese Publikation auch als Printversion erhalten – zum Kaufpreis von 25,00 € (inklusive 7 % Mehrwertsteuer) zuzüglich Versandkosten. Diese Option ist nicht in meinem Shop enthalten. Bitte senden Sie mir bei Bedarf eine E-Mail mit Ihrer diesbezüglichen Anfrage.

Ein Schwälmer Konturenmuster in zwei Ausführungen (5)

Der Mittelkreis wird flankiert von weiteren Tulpen mit folgender Konturenzeichnung (hier etwas vergrößert dargestellt):
Bild_31 Die Tulpe hat ein gut füllbares Mittelteil sowie je zwei seitliche Blütenblätter, die lang, schmal und spitz zulaufend sind. Wie kann man diese besticken?

Man könnte die Linien verändern und einen Teil der schmalen Blätter dem Mittelteil zuschlagen.
Bild_32 Die äußeren Formen sind zu schmal, um sie mit Durchbruchmustern verzieren zu können. Man muss andere Wege finden.

Zum Sticken dieser Kontur des ovalen Läufers sollten ausschließlich Plattstiche verwendet werden.
Damit diese nicht zu lang geraten, müssen die Flächen geteilt werden. (Wie man solche geteilten Blätter stickt, ist detailliert beschrieben in „Grundlagen der Schwälmer Weißstickerei„, Seiten 29 und 30.)
Bild_33 Im Mittelteil der Tulpe des ovalen Läufers wurde das Limetmuster „Kleiner Reißverschluss – versetzt gearbeitet“ (Wickelstiche I, Seite 29) gestickt.

Verwendet wurde Vierfachstickgarn in folgenden Stärken: Nr. 20 für die Knötchenstiche, Nr. 25 für die Plattstiche und das Flächenfüllmuster und Nr. 30 für die Kettenstiche.

Man kann die Linien der spitzen Blätter z. B. auch mit Knötchenstichen sticken, nach innen hin Kettenstiche daneben setzen und die verbliebenen Flächen mit Plattstichen bedecken, wie im Bild unten zu sehen und auf dem rechteckigen Läufer gearbeitet.

Es gibt aber auch die Möglichkeit die Techniken zu vermischen. Bei den unteren Spitzen habe ich ein Element der frühen Schwälmer Weißstickerei verwendet und eine Variation des Weizenstiches gestickt (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 75).
Es gibt in der frühen Schwälmer Weißstickerei eine ganze Reihe von Mustern, die sich für lange, schmale Flächen gut eignen.
Bild_34 Das Mittelteil der Tulpe wurde mit eine Limetmuster gefüllt. Der Mittelstreifen besteht aus dem Muster „Krönchen“ (Limetrosen I, Seite 55).
Seitlich davon wurden Kästchenstiche gearbeitet.
Bei dem Pendant habe ich eine kleine Veränderung vorgenommen, die Plattstiche weggelassen und in die Mitte zwischen die „Krönchenstiche“ eine Reihe Wickelstiche gestickt.
Bild_35 Verwendet wurde Vierfachstickgarn in folgenden Stärken: Nr. 16 für die Knötchenstiche, Nr. 20 für die Plattstiche und den Weizenstich und Nr. 25 für die Kettenstiche und das Flächenfüllmuster.
Den Anfangsteil dieser Serie finden Sie hier.
Den vorhergehenden Teil dieser Serie finden Sie hier.

Mein erster englischer Workshop

Im Mai konnte ich eine Gruppe von 18 Damen in Eschwege willkommen heißen. Sie waren aus den USA und von den Bermudas angereist, um sich in einem dreitägigen Kurs einige Grundkenntnisse der Schwälmer Weißstickerei anzueignen. Zum Workshop gehörten 8 Unterichtsstunden, alle benötigten Materialien, ein begleitendes Anleitungsheft sowie Besuche meines „Museums“. Es war ein wahrer Wirbelwind von Aktivitäten, doch ich glaube, meine Gäste genossen die schöne Zeit des gemeinsamen Lernens. Auch fühlten Sie sich in Eschwege sehr wohl.

Ein sehr schönes Hotel war bald gefunden, das einen separaten Raum für den Workshop zur Verfügung stellte. So konnten die Stickerinnen dort sowohl übernachten als auch unterrichtet werden. Für den ersten gemeinsamen Abend wurde ein spezielles Abendessen im Altstadtgasthof „Zur Krone“ arrangiert. Da ich die Teilnehmerinnen absolut zufrieden stellen wollte, lieferte ich auch eine Übersetzung der Speisekarte eines anderen Restaurants für die weiteren Abende.

Gut vorbereitet und ausgestattet mit einem großen Korb voller Material und Ausrüstung verließ ich mein Zuhause.

Gut vorbereitet und ausgestattet mit einem großen Korb voller Material und Ausrüstung verließ ich mein Zuhause.

Am ersten Tag war ich, nach vielen Wochen gründlicher Vorbereitung, bereit zu lehren, und die Damen, die eine so lange Reise auf sich genommen hatten, waren bereit zu lernen.
Die Damen kamen mit speziellen Werkzeugtaschen, die sie extra für den Workshop in Eschwege hergestellte hatten.

Die Damen kamen mit speziellen Werkzeugtaschen, die sie extra für den Workshop in Eschwege hergestellte hatten.

Meine Nervosität war nicht zu verbergen, aber alle waren so nett, dass ich bald ruhiger wurde. Mein Ziel war es, am Ende des Workshops jede Teilnehmerin mit einem fertigen Projekt nach Hause zu entlassen. Das war vielleicht ein bisschen sehr ambitioniert, aber sie arbeiteten sehr fleißig und mit ein paar zusätzlichen Unterrichtsstunden gelang es, dass alle ihr kleines Projekt (Happel Herzen) fertigstellen konnten.

Neben dem fadengeraden Aufbügeln des Designs standen das Erlernen von Knötchenstichen, Kettenstichen und Schnürlochbögen (Schlingstichen) auf dem Programm.
Workshop_3
Am zweiten Tag standen wir im Mittelpunkt des Medieninteresses! Mitarbeiterinnen von zwei lokalen Zeitungen sowie eine Radioreporterin kamen vorbei und interviewten die Gruppe, und selbst der Bürgermeister von Eschwege fand sich ein, um die Damen in Eschwege willkommen zu heißen!

Behutsames und akkurates Ausziehen von Gewebefäden sowie das Erlernen eines von sechs für diesen Zweck zur Auswahl stehenden Flächenfüllmusters waren für diesen Tag angesagt.
Workshop_4
Weil es mir zu aufwändig war, all die notwendige Ausrüstung für die Fertigstellung des Projektes (großer Topf, Herdplatte, Bügeleisen, Bügelbrett, Nähmaschine und all das sonst noch benötigte Material) zum Tagungsraum des Hotels zu bringen, wechselten wir in den Nachmittagsstunden in meine Ausstellungsräume.
Workshop_5
Das brachte eine willkommene Abwechslung. Auch ermöglichte es den Damen, andere fertige wie auch unvollendete Schwälmer Weißstickereien genauer unter die Lupe zu nehmen und zu fachsimpeln.
Workshop_6
Während der paar Tage gab es viele Überraschungen: Die Damen beschenkten mich mit Spezialitäten ihrer Heimatländer, ich revanchierte mich mit Eschweger Köstlickeiten, die wir im Garten des Hotels genossen. Den Abschluss bildete ein kleiner Spaziergang entlang der Werra.

Alle bedankten sich für ein wundervolles Erbenis. „Es war besser, als wir je gedacht hätten“.

Ich jedenfalls war sehr zufrieden mit dem Ergebnis, und ich glaube, alle Teilnehmerinnen auch.