Schwälmer Strickmuster (1)

In der Schwalm wurden Strümpfe, Handschuhe, Baby-Taufmützchen und Wickelbänder gestrickt.

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Schwälmer Strumpf | Schwalm stocking
Taufmützchen und Handschuh | baby cap and glove

In einer Zeit, als die Röcke der Trachten noch länger waren, wurden oftmals Lochmuster gestrickt, später ging man bei Strümpfen und Handschuhen zu den dichten, kunstvoll gestrickten Zopfmustern über.

Wickelbänder oder auch „Wickelschnüre“ genannt, wurden benötigt, als es für Babys noch keine Strampelhosen gab. Über die leinernen Windeln wurde das Wickelband gewickelt, damit die Windel hielt. Wickelbänder wurden meist mit sehr vielen unterschiedlichen Mustern gestaltet und dienten so auch als Musterbänder.

In Strümpfen und Handschuhen spielten die traditionellen Muster wie Herz, Tulpe, Stern und Kreis auch als Schwälmer Strickmuster eine große Rolle, wobei das Herz am häufigsten und in vielen Varianten vorkam.

Als „Schleifen“ bezeichnete man Formen, bei denen die die Maschen so gekreuzt werden, dass sie wie schmale Streifen nebeneinander liegen.

„Doppelt“ bedeutet, dass Formen von einer doppelten Linie umgeben sind.

einfaches Herz

einfaches Herz

Doppeltes Herz mit Schleife

Doppeltes Herz mit Schleife

Schleifenherz

Schleifenherz

Schleifenherzen abwechselnd nach außen und innen gearbeitet

Schleifenherzen abwechselnd nach außen und innen gearbeitet

Doppeltes Herz mit Kreuzen

Doppeltes Herz mit Kreuzen

doppeltes Gitterherz

doppeltes Gitterherz

Schleifenherz mit Kreuz

Schleifenherz mit Kreuz

Kreis – genannt „Kreischen“ mit Kreuz (8 Maschen)

Kreis – genannt „Kreischen“ mit Kreuz (8 Maschen)

Doppelkreis mit Kreuz (10 Maschen)

Doppelkreis mit Kreuz (10 Maschen)

Wenn ein Kreis aus mehr als 10 Maschen bestand, nannte man ihn „Stern“.
Doppelstern mit Gitter oder doppelter Gitterstern

Doppelstern mit Gitter oder doppelter Gitterstern

doppelter Stern mit Kreuzen

doppelter Stern mit Kreuzen

Schleife

Schleife

„Gefedertes“ - Schleifen mit Kreuzen

„Gefedertes“ – Schleifen mit Kreuzen

Das folgende Muster habe ich unter den Namen „Schleifenherz mit Auge“ oder auch „Blume mit Auge“ gefunden.
Blume mit Auge
Das folgende Bündchenmuster eines Handschuhes zeigt das Muster „Herzen und Tulpen“.
Herzen und Tulpen
Für ein Tulpenmuster habe ich zwar Bildern aus Büchern, bisher aber kein Originalexemplar bekommen können. In den Büchern Schwälmer Strickereien“ – traditionelle Strickarbeiten der Schwalm vorgestellt mit Anleitungen und Mustern von Anka Becker
Tulpenmuster, gezeigt bei Anka Becker

Tulpenmuster, gezeigt bei Anka Becker

und Die Schwälmer Tracht von Dirk Ordemann werden Tulpenmuster gezeigt.
Tulpenmuster, gezeigt bei Dirk Ordemann

Tulpenmuster, gezeigt bei Dirk Ordemann

Die „stolzen“ Schwälmer Strickmuster wurden meist aus mehreren dieser Einzelelemente gebildet und kunstvoll gestrickt.

Das Buch „Schwälmer Strickereien“ – traditionelle Strickarbeiten der Schwalm vorgestellt mit Anleitungen und Mustern von Anka Becker, gibt einen Einblick in viele kunstvolle Muster und zeigt Anleitungen in Strickschrift.
Buch Schwälmer Strickereien | book
Buchseite | book page
Anka Becker
Schwälmer Strickereien
2000 Verlag Dirk Ordemann
ISBN 3-9802008-4-1

Flächenfüllmuster Nr. 450

Nr. 450
Kategorie: Limet-Muster
angewandte Stiche: 4-er Blöcke Wickelstiche über 1 Kästchen (3 Fäden) in der Breite und 4 Kästchen (12 Fäden) in der Höhe sowie Rosenstiche
mittlere Längsachse: Fadenrinne

Den Fadenauszug für das Limet-Fadengitter in der vorbereiteten Tulpenkontur beginnt man zweckmäßigerweise so:
Fadenauszug | withdrawing threadsIn das vorbereitete Limet-Fadengitter wird zunächst ein Wickelstich-Raster gearbeitet. In der oberen Mitte beginnend – damit sich das Muster im oberen Teil des Motives voll entfalten kann – werden treppenartig 4-er Wickelstichblöcke aus Wickelstichstangen mit 12 Stichen (4 Kästchen) in der Höhe und über 1 Kästchen (3 Fäden) in der Breite gearbeitet, wobei die Stickrichtung nach jedem Block wechselt.
4-er Wickelstichbloecke | fours blocks of Satin stitchesDie 4-er Wickelstichblöcke werden schachbrettartig über die gesamte Fläche verteilt.
4-er Wickelstichblöcke, schachbrettartig | blocks like a checkerboard
5 Rosenstiche je freies Quadrat | 5 Rose stitches in each squareIn die frei gebliebenen Quadrate werden je fünf Rosenstiche gestickt.
fertiges Muster | finished patternGewaschen, gestärkt und gebügelt entfaltet das Muster seinen endgültigen Charme. Dieses Beispiel wurde auf 13,5-fädigem Leinen gestickt. Für die Wickelstiche wurde Vierfachstickgarn Nr. 20 verwendet, für die Rosenstiche Vierfachstickgarn Nr. 25.

Alte Handwerkskunst – Die Buntstickerin

Wie schon in dem Artikel über Schablonenstecher erwähnt, verwendete man in der Schwalm für die Buntstickerei Pappschablonen als Einlage.
Außerdem benötigte man:

  • einen Stoffrest als Grundstoff – anfangs verwendete man dazu Leinen, später auch festen Baumwollstoff
  • ein Stückchen Seidenstoff in der Hauptfarbe des Teiles, das da entstehen sollte,
  • Seidengarne in den leuchtenden Farben rot, grün, lila und gelb, sowie schwarz und weiß
  • Nähgarn in den entsprechenden Farben
  • Sticknadel mit Spitze
  • manchmal auch zusätzlich:
  • Gold- oder Silberfäden
  • Gold- oder Silber-Bouillon
  • Gold- oder Silberpailetten
  • später auch kleine bunte Metallblümchen und -sternchen.

Seidengarne in verschiedenen leuchtenden Farben

Seidengarn besteht aus 3 x 2 Einzelfäden;gestickt wird mit 2 x 2 Einzelfäden

Seidengarn besteht aus 3 x 2 Einzelfäden;
gestickt wird mit 2 x 2 Einzelfäden

Der Seidenstoff wurde auf den Grundstoff gelegt, darüber kam die Schablone. Sie wurde mit ein paar Stichen durch beide Stofflagen befestigt.

Befestigung der Schablone auf dem Stoff 1Befestigung der Schablone auf dem Stoff 2Die Rückseite

Von der Rückseite sah das dann so aus, wie oben zu sehen.

Übersticken mit Seide - Vorderseite
Übersticken mit Seide - Rückseite

Nach überlieferten Vorlagen wurden die Schablonen überstickt. Dazu setzt man die Stiche dicht bei dicht und führt um die Schablone und durch die beiden Stofflagen, wie die Bilder von Vor- und Rückseite zeigen.

Rahmen für die Buntstickerei 1
Rahmen für die Buntstickerei 2

Damit das leichter zu bewerkstelligen war, hat der Schablonenstecher Ludwig Schmerer seiner Frau Christine, die die Buntstickerei bis zu ihrem Tod vor wenigen Jahren ausführte, einen speziellen, schwenkbaren Rahmen gebaut. So hatte sie beide Hände für die Stickarbeit frei.

Übersticken mit Metallfäden - Vorderseite
Übersticken mit Metallfäden - Rückseite

Als Seidengarn noch sehr kostbar war, verwendete man es nur auf der Vorderseite und benutzte für die Rückseite einen billigeren Faden, mit dem man jeden Stich an den Kanten umfing. So wird heute noch verfahren, wenn man Metallfäden verarbeitet, wie im Bild oben zu sehen. Metallfäden sind zu starr und würden brechen, wenn man sie in zu enge Kurven legt.

Aussticken der Zwischenräume

Kleine verbleibende Zwischenräume wurden mit Plattstichen gefüllt, manchmal auch mit Pailetten und/oder Bouillondraht überdeckt. Abschließend wurden die überstehenden Stoffteile abgeschnitten, die Ränder bearbeitet und die überstickten Schablonen durch weitere Arbeitsschritte ihrem jeweiligen Verwendungszweck zugeführt.

Randverzierung über Mini-Schablonen

Ganz erlesene Stücke, wie dieser sehr alte Kappenboden, wurden zusätzlich am Rand mit winzig kleinen, überstickten Schablonenteilen verziert.

In Form gelegte Seidenbänder

Besondere Trachtenteile, wie das „Brett“, wurden direkt auf in Form gelegte Seidenbänder gestickt.

Fertig besticktes Teil des Brettes

Alte Handwerkskunst – Der Schablonenstecher

Die Schwälmer Tracht hat viele Bestandteile, die durch leuchtende Farben und bestechend präzise ausgeführte Buntstickerei mit Seide ins Auge fallen.
KappenbodenWie ist es möglich, dass diese Stickerei auf Kappenböden, an Kappenschnüren, auf Tanzecken, an Strumpfbändern, auf Schulterpatten der Männerkittel, auf dem „Geschappel“ der Braut und anderem so prächtig wirkt, so präzis ausgeführt wurde und so erhaben erscheint? Der Grund ist eine Papp-Einlage, über die die zarten Seidenfäden gestickt werden.
Schablone für eine Kappen- oder Betzelschnur
Teil einer Kappen- bzw Betzelschnur 2
Teil einer Kappen- bzw Betzelschnur 1Es gibt einen wahrhaft großen Schatz an Mustern mit den unterschiedlichsten Formen. Ich habe in meiner stattlichen Sammlung überlieferten Trachtenzubehörs lange suchen müssen, bis ich eine Pappschablone mit einer passenden Stickerei gefunden habe – dann jedoch gleich zwei, wenn auch sehr alte und schon ein wenig abgenutzte Exemplare – eines in grün gestickt und das andere in rot.

Damit die Stickerei so exakt erfolgen kann, müssen zuerst diese Pappeinlagen äußerst genau geformt sein. Diese Arbeit führt ein Schablonenstecher aus.
Ludwig Schmerer aus Seigertshausen ist der Letzte, der diese Kunst noch beherrscht und der mich gern und ausführlich in die Geheimnisse dieses alten Handwerks eingeführt hat.
Dazu benötigt er zunächst einmal Pappe. Früher verwendete man sogenannte Glanzpappe, einen sehr widerstandsfähigen Karton mit einer besonders glatten Oberfläche. Ludwig Schmerer behilft sich mit einem Trick: Er verwendet dünne, glatte Pappe, die als Verpackungsmaterial diente und bestreicht sie satt mit wasserverdünntem Holzleim. Nach dem Trocknen erhält er ein Produkt, das sich gut für die Schablonenstecherei eignet.
Schablone für ein StrumpfbandVorder- und Rückseite einer Pappschablone von Ludwig Schmerer – gedacht für die Anfertigung eines Strumpfbandes.

Weiterhin benötigt er eine Aale und diverse Stechbeitel in verschiedenen Breiten. Als Arbeitsunterlage dient ein Brett. Früher benutzte man Lindenholzbretter. Hartholzbretter wie Buche und Eiche sind ungeeignet, da an dem harten Holz die Stechwerkzeuge zu schnell stumpf würden.
Nadelholz wie Fichte ist ungeeignet, da feste und weiche Partien im Holz kein gleichmäßiges Ausstechen ermöglichen. So greift Herr Schmerer auf Limba-Holz zurück, das sich in vielen Jahren der Schablonenstecherei bewährt hat.
Unterlagebrett mit Schablone für einen BruststeckerDie Arbeitsunterlage des Herrn Ludwig Schmerer – ein Limbabrett. An den vielen Einkerbungen kann man erkennen, dass auf diesem Brett schon sehr viele Schablonen ausgestochen wurden. Auf dem Brett liegt eine fertige Schablone für einen Bruststecker.

Mittels starker Reißbrettstifte befestigt Herr Schmerer die Pappe auf den Brett. Als Vorlage dienen ihm Musterschablonen, die er sich an Hand von überlieferten Mustern selbst hergestellt hat. Es werden immer wieder die selben Musterschablonen verwendet, damit alle hieran ausgestochenen Schablonen exakt gleich sind.
Mustervorlagen auf Pappe befestigtMit der Aale durchsticht Herr Schmerer die Pappe, um die Musterschablonen exakt und unverrutschbar auf dem Untergrund befestigen befestigen zu können.
Ausstechen mit dem Beitel 1Mit dem Stechbeitel sticht er nun unter sanftem Druck senkrecht an den Musterschablonen nach unten, bis die Grundpappe durchstochen ist.
Ausstechen mit dem Beitel 2Der nächste Stich wird direkt daneben gesetzt. So wird Stückchen für Stückchen die komlpette Musterschablone umstochen. Für Spitzen und Rundungen verwendet er besonders schmale Geräte, für gerade Strecken etwas breitere.
gestochene Linien am Rand des Musters entlangBesonders bei größeren Schablonen muss man aufpassen, dass man genügend Verbindungsstege stehen lässt, damit die Schablonen nicht in Einzelteile zerfallen. Die Stege dürfen aber auch nicht zu breit sein, damit man später beim Sticken keine Probleme bekommt.

Tischdecke für alle Jahreszeiten – Juni: Mohnblüte

Im Juni beginnt auf den Feldern rund um Meißner-Germerode der Schlafmohn zu blühen. Der Besuch der Mohnfelder hat mich dazu inspiriert, die Form einer Mohnblüte zu abstrahieren und als Design für die Durchbruchstickerei tauglich zu machen.
Mohnblume | poppy flower
2014-06-21_pdf
Die Figur hat im Original einen Durchmesser von 12,4 cm. (Man könnte sie auch ein wenig verkleinert sticken, besonders dann, wenn man feineres Leinen verwendet.)

Um fadengerades Aufbügeln der Kontur zu erzielen, werden Längs- und Querachse auf dem Leinen mit kurzen Vorstichen markiert.
Knötchenstiche | Coral Knot stitches
Auf dem 13,5-fädigen Weddigen Leinen werden mit Vierfachstickgarn Nr. 16 zuerst Knötchenstiche über alle Linien außer denen des Mittelteiles gestickt.
Kettenstiche Schlingstiche und Buillon-Knoten
Entlang aller Knötchenstichelinien nach innen wird je eine Reihe Kettenstiche mit Vierfachstickgarn Nr. 30, gearbeitet. Mit Vierfachstickgarn Nr. 20 wird eine weitere Reihe Kettenstiche um die äußeren Knötchenstiche gestickt. Diese Kettenstiche werden unter Verwendung von Vierfachstickgarn Nr. 20 mit sehr dichten Schlingstichen überdeckt.
Fadenauszug - withdrawing threads
Mit Vierfachstickgarn Nr. 16 werden die Linien der Fläche im Zentrum mit Spannstichen überdeckt und mit einer Webstichspinne ausgefüllt. Der Ring drum herum wird mit Buillonknoten (Frühe Schwälmer Weißstickerei Seiten 61 und 65 ) mit 2 Wicklungen unter Verwendung von Vierfachstickgarn Nr. 16 gefüllt. Die größeren Flächen bekommen einen Limetfadenauszug (3 Fäden stehen lassen, einen Faden ausziehen) und werden mit Rosenstichen (Grundlagen der Schwälmer Weißstickerei, Seiten 50 – 52) unter Verwendung von ierfachstickgarn Nr. 25 gefüllt. In den kleineren Flächen werden längs und quer abwechselnd 2 Fäden stehen gelassen und 1 Faden ausgezogen. Die Fläche wird mit „Grundstich – verkehrt“ ( Mustertücher `Lichte Muster´, Seite 62) bestickt.
fertig gestickte Blüte | finished_embroidered design
Nach der Fertigstellung der Stickerei wird das Teil gewaschen, gestärkt und gebügelt. Dann wird die Mohnblüte ausgeschnitten. Solche ausgeschnittenen Teile kann man bei Bedarf jederzeit schnell und einfach waschen und bügeln, man darf sie aber nie schleudern!
fertige Mohnblüte | finished poppy flower
Mit mehreren solcher Mohnblüten kann man einen hübschen Kranz gestalten.