Mein Verlag feiert 21-jähriges Jubiläum

Im September 1998 habe ich den Leuchtbergverlag gegründet. Nun blicke ich auf 21 erfolgreiche Jahre zurück.
21 Jahre selbst produzierte Bücher – HANDARBEITSBÜCHER !

Um auch kleinste Auflagen zu erschwinglichen Preisen realisieren zu können, wird fast alles aus einer Hand erledigt. Von der Idee über die Stickarbeit, die Aufteilung in einzelne, gut nachvollziehbare Schritte, Fotografieren und Bilder bearbeiten, kurze, aber präzise beschreibende Texte verfassen und Layouts erstellen bis zum Drucken, Binden und Versenden.

Die Schwälmer Weißstickerei, die mich immer noch begeistert und auf die ich mich inzwischen spezialisiert habe, ist so unglaublich vielseitig, dass man nicht alle Möglichkeiten in einer Publikation abhandeln kann. Um die einzelnen Techniken verständlich darstellen zu können, braucht es detaillierte Beschreibungen mit guter Bebilderung. So sind im Laufe der Zeit 26 unterschiedliche Titel entstanden, einige davon auch für Linkshänder konzipiert. Fast alle sind inzwischen ins Englische übersetzt, die wichtigsten auch ins Französische. Manche davon erreichen keine 100-Stück-Auflage, aber es ist mir wichtig, alle wissenswerten Komponenten weiterzuvermitteln. Nun fehlen eigentlich nur noch zwei Themen, dann hätte ich rundum alles beschrieben.

Im letzten Jahr war ich mit der Fertigstellung meiner Lektionen für Anfänger so sehr beschäftigt, dass ich an das Jubiläum gar nicht gedacht habe. Dafür soll nun das 21-jährige Bestehen gebührend gefeiert werden. Feiern Sie mit!

Für 21 Tage im September wird es verschiedene, attraktive Rabattaktionen geben. Los geht es am 07. September. Freuen Sie sich schon jetzt auf den Blogbeitrag der nächsten Woche mit der Ankündigung der ersten Sonderaktion.

Und bitte, geben Sie den Hinweis an interessierte Stickfreunde weiter.

Ich wurde gefragt….. (2)

Stickerinnen stellten mir Fragen zum Grundstich, mit dem das lichte Fadengitter stabilisiert wird.

Sie wollten wissen, warum dieser Stich in der Schwälmer Weißstickerei so gearbeitet wird, dass der schräge Stich, der über das Fadenkreuz verläuft, auf der Vorderseite der Stickerei erscheint

und nicht auf der Rückseite, wie man das beispielsweise in der Hedebo-Stickerei findet (Seite 41 der pdf).

Auf der Vorderseite über das Fadenkreuz verlaufende schräge Stiche lassen Grundstichgitter nicht so klar erscheinen, als wenn die schrägen Stiche wie beim Grundstich verkehrt auf der Rückseite über das Fadenkreuz geführt würden.

Also, warum wird der Stich in der Schwalm auf diese Weise gearbeitet?

Meine Erklärung:

Es ist der gleiche Grund, aus dem die Stiche diagonal zum Fadenlauf gearbeitet werden.

Das Sticken des Grundstiches diagonal zum Fadenlauf ermöglichte es den Stickerinnen, eine Reihe unterschiedlicher Muster zu kreieren, ohne vorher ein komplettes Grundstichgitter arbeiten zu müssen. Und mit dem auf der Vorderseite schräg über dem Fadenkreuz liegenden Stich wurde ein interessanteres Muster erzielt, als wenn man das Fadenkreuz auf der Rückseite überquert hätte. Diese Arbeitsweise fand den Weg in den Unterricht der Schwälmer Weißstickerei. Ein alternativer Weg für das Erstellen kompletter Grundstichgitter zum Einsticken von Rosenstich- oder Stopfstichmustern wurde nicht gelehrt. Manchmal wurde lediglich dünneres Garn für die Grundstiche verwendet, was sie weniger auffällig erscheinen ließ.

Übrigens: Das Greve-Museum für Hedebo-Stickerei in Dänemark zeigt interessante Stücke. Die frühe Hedebostickerei hat Ähnlichkeit mit der Schwälmer Weißstickerei.

Engel Nr. 25

Der Dezember kommt immer schneller, als man denkt. Daher zeige ich hier die erste Idee für eine weihnachtliche Dekoration. Der letztjährige Adventskalender überraschte die Blogleser mit vierundzwanzig verschiedenen Engelfiguren. Das Konturenbuch Engel – Adventskalender 2018 enthält aber insgesamt siebenundzwanzig hübsche Vorlagen mit vielen Abwandlungen. Hier präsentieren ich ein weiteren Engel dieser schönen Serie.

Das Muster misst ca. 13 cm X 17 cm. Es wurde auf 18-fädiges handgewebtes Leinen gestickt.

Den Lockenkopf kennen Sie bereits aus dem Beitrag “Engelsnachlese (2).”

In den Flügel wurde das Muster Schuppen gearbeitet (Limetrosen I).

Der Ärmel wurde passend zum Muster des Kleides mit Rosenstichen bestickt.

Das Kleid erhielt das Muster Doppelsterne mit 4 x 3 Wickelstiche-Mitte und Vierer-Rosenstichrhomben – Muster 19 (Sterne)

Das Notenblatt wurde mit Margeritenstichen und Spannstichen verziert

Um das Gesicht etwas mehr herauszuheben (leider befindet sich ein Webfehler genau auf der Konturenlinie des Gesichts) habe ich es mit Füllwatte unterlegt, entlang der Konturenlinie abgesteppt und dann dicht an der Stepplinie zurückgeschnitten.

Flächenfüllmuster Nr. 547

Kategorie: Lichtes Muster mit Grundstichgitter
verwendetes Leinen: 13,5-fädig
verwendetes Garn: Vierfachstickgarn Nr. 30 für die Grundstiche und Nr. 20 für die Rosenstiche
angewandte Stiche: Rosenstiche
Mitte = Fadenkreuz
Breite eines Mustersegmentes: 28 Fäden

Zuerst erstellt man ein lichtes Gitter mit einem Fadenkreuz im Zentrum. Dazu werden abwechselnd in beiden Richtungen paarweise Fäden stehen gelassen und ausgezogen. Das entstandene Gitter wird mit Grundstichen gesichert.

Um das Zentrumsfadenkreuz arbeitet man ein Quadrat aus 2 x 2 Rosenstichen – unten rechts startend und gegen den Uhrzeigersinn arbeitend. Nach Fertigstellung dieses Quadrats sticht man die Nadel im Kästchen diagonal unterhalb der linken Ecke aus.

Von da aus arbeitet man eine diagonale Reihe von Rosenstichen nach oben links.

Man dreht die Arbeit und stickt eine zweite Reihe im Abstand von fünf freien Kästchen – gezählt in horizontaler Reihe – parallel zur ersten.

Man komplettiert die erste Reihe und stickt zwei weitere Reihen kreuzweise zu den ersten und entlang der Ecken des Zentrumsquadrats verlaufend.

An den Kreuzungspunkten wird der Arbeitsfaden auf der Rückseite durch bereits bestehende Stiche geführt.

Man arbeitet eine zweite Reihe von Rosenstichen außen neben die erste.

Auf gleiche Weise arbeitet man je eine zweite Reihe von Rosenstichen außen neben alle vier Reihen.

*Man stickt zwei einzelne Rosenstichreihen im Abstand von fünf freibleibenden Kästchen (gezählt in horizontaler Reihe) links und rechts eines Paares der bereits fertigen Reihen.

Bitte beachten Sie: Mein Musterquadrat soll einen Wickelstichrand erhalten. Natürlich wird die Randbefestigung normalerweise zuerst gearbeitet – bevor man Fäden auszieht und das Muster stickt. Dann kann die Randbefestigung viel leichter gestickt werden und es ist auch einfacher, die Grundstiche daran zu befestigen. Leider war ich sehr in Zeitdruck, als ich die Schritt-Bilder erstellte, denn der gesamte Beitrag musste ja noch zum Editieren nach Amerika. In meiner Eile habe ich daher auf diesen wichtigen Schritt vorläufig verzeichtet. Inzwischen ist auch die Randbefestigung fertiggestellt, wie das Bild am unteren Ende des Beitrages zeigt. Ich kann Ihnen versichern: Es war sehr schwierig, die Stiche halbwegs ordentlich zu arbeiten! Also folgen Sie bitte meinem Beispiel nicht. Nehmen Sie sich die Zeit, um die Randbefestigung zuerst zu sticken.

Kreuzweise zu den gerade gestickten Rosenstichreihen started man, eine einzelne Reihe zu sticken, Aber diesmal werden Quadrate von 2 X 2 Rosenstichen, die in die entstehenden Rhombusflächen gesetzt werden, in den Arbeitsgang integriert. Dazu sticht man die Nadel nach dem zweiten Rosenstich dieser Rhombusseite im Kästchen diagonal links oberhalb aus

und stickt von dort aus ein Quarat von 2 x 2 Rosenstichen.

Auf dem Weg zurück zur Rosenstichreihe wird der Arbeitsfaden wieder auf der Rückseite unter bereits bestehenden Stichen durchgeführt.

Man führt die Rosenstichreihe fort und integriert dabei Quadrate von 2 X 2 Rosenstichen in jede zweite der entstehenden Rhombusflächen.

Auf der gegenüberliegenden Seite verfährt man genauso.

Neben jeder der vier Rosenstichreihen wird nach außen hin eine zweite Reihe gestickt.*

Man fährt fort, die Arbeitsschritte (*) zu wiederholen

bis die gesamte Fläche gefüllt ist.

Das hier gezeigte Muster entfaltet seine prächtige Wirkung in größeren Flächen besonders gut. Das Tulpenmotiv wurde von Sylvia Sellmaier gearbeitet. Dank an sie für die Erlaubnis, ihre schöne Stickerei hier zu zeigen!

Wie arbeitet man ein Schwälmer Käppchen

Ein Schwälmer Käppchen herzustellen, erfordert neben sehr viel Geduld und Geschick auch einiges an Material.
Zunächst benötigt man eine passende Schablone, Leinen oder anderen festen Stoff, und Seidengarne in den gewünschten Farben. Hier wird ein zur grünen Tracht passendes Käppchen gezeigt.

Um den Werdegang originalgetreu darzustellen, habe ich ein Käppchen aufgetrennt und zeige die Bilder von der Zerlegung jetzt in umgekehrter Reihenfolge.

Wie in dem Artikel Alte Handwerkskunst – Die Buntstickerin beschrieben, wird die Schablone mit einigen Heftstichen auf Grundstoff befestigt, in einen Rahmen gespannt und dann mit Seidengarn dicht überstickt.

Verbliebene Freiräume zwischen den Schablonenteilen werden ebenfalls mit Seidengarnen gefüllt. Der Rand wird durch Plattstiche unterschiedlicher Länge in eine gleichmäßige ovale Form gebracht.

Der Grundstoff wird dicht an der Stickerei abgeschnitten.

Bei vielen Käppchen der grünen Tracht wurde ein grüner Seiden- oder Dameststoff zwischen Schablone und Grundstoff gelegt – hier fungierte ein rötlich-brauner Stoff als Zwischenlage.

Das Bild unten zeigt einen Kappenbodenaussschnitt von der Rückseite.

Zur Befestigung der Kante des Kappenbodens wird ein an der Nähkante gefalteter Streifen grünen Damests mit überwändlichen Stichen befestigt.


Die Enden werden überlappend zusammengenäht.

Das untere Bild zeigt die Rückseite der Arbeit.

Zur Versäuberung der Innenkante wird nun ein aus vier Teilen bestehender (jeweils 2 davon sind bereits zusammengenäht) derber Leinenstreifen in Breite der gewünschten Kappenwandhöhe von innen mit überwändlichen Stichen an den Kappenboden genäht

und zurückgestülpt.

Das untere Bild zeigt die Kante des Kappenbodens von außen.

Damit die Kappenwand die nötige Steife bekommt, werden weitere Lagen derben Leinens oder groben Stoffes zugeschnitten,

von außen gegen den bereits angenähten Leinenstreifen gelegt

und bis dicht unter das grüne Band geschoben.

Mit vielen Reihen von Vorstichen werden die Lagen fest zusammengehalten.

Mit dickem Garn werden zur Unterkante hin mehrere Reihen von Vorstichen gearbeitet, um die Stofflagen etwas zusammenzukräuseln, damit die Kappenwand ihre nach unten konische Form erhält.

Die offenen Schmalseiten

werden zusammengeführt und

mit überwändlichen Stichen geschlossen

Die offene Unterkante wird mit überwändlichen Stichen zusammengehalten.

Das grüne Band wird nach unten geklappt

an den Seiten zugenäht und mit mehreren Stichreihen an der Kappenwand befestigt.

Die untere Mitte einer der Breitseiten erhält eine kleine Spitze.

Die Außenwand der Kappe wird mit schwarzer Seide oder – wie hier – mit schwarzem Satin bezogen.

Der schwarze, äußere Überzug besteht aus 4 Teilen, die nach unten hin schmaler zugeschnitten sind. Diese werden zunächst mit feinen Stichen am Rand des Kappenbodens befestigt

und denn jeweils mittig an den Schmal- und

Längsseiten zusammengenäht.

Die kleine Spitze an der einen Seite wurde besonders herausgehoben.

Der schwarze Stoff wird nach innen umgeschlagen und festgenäht.

Ein typisches Schwälmer Käppchen ist fertiggestellt.

Mit passenden, festgesteckten Bändern, den sogenannten Kappenschnüren ergab sich ein schmückendes Ensemble des Schwälmer Trachtenzubehörs.