Schwälmer Tracht – Die Röcke (2)

Die Röcke der Schwälmerinnen wurden am unteren Ende mit Bändern eingefasst. Für die Feiertagsröcke der „stolzen“ Schwälmer Tracht gab es ganz verschiedene Variationen. Und es gab eine klare Festlegung in der Reihenfolge der verschiedenen Bandarten. Die Bänder wurden in der Schwalm „Schnur“ genannt.

Da ist zuerst ein Band aus einem gechintzten Stoff zu nennen, der aus England bzw. Indien bezogen wurde. In der Schwalm trug er den Namen „Tamis“, „Dames“ oder auch „Damest“. (Ab ca. 1900 wurden diese Bänder nicht mehr gehandelt, so dass man später auf Samtbänder auswich.) Hierbei handelte es sich um ein einfarbiges, leinenbindiges Baumwollgewebe mit starkem Glanz. Diesen verwendete man in rot, grün, blau (violett) und schwarz – passend zur jeweiligen Trachtengarnitur.

Zur roten Tracht gehöriger, mit Damest eingebördelter 1. Rock

Zur roten Tracht gehöriger, mit Damest eingebördelter 1. Rock

Zur grünen Tracht gehöriger, mit Damest eingebördelter 1. Rock

Zur grünen Tracht gehöriger, mit Damest eingebördelter 1. Rock

Zur blauen Tracht gehöriger, mit Damest eingebördelter 1. Rock

Zur blauen Tracht gehöriger, mit Damest eingebördelter 1. Rock

Zur schwarzen Tracht gehöriger, mit Damest eingebördelter 1. Rock

Zur schwarzen Tracht gehöriger, mit Damest eingebördelter 1. Rock

Der unterste Rock war mit diesem Damest ca. 2 cm breit eingefasst. Je nachdem, wieviele Röcke übereinander getragen wurden – junge Frauen mussten durch die Anzahl der Röcke ihr Vermögen offenbaren, ältere Frauen trugen weniger Röcke – waren noch zwei bis drei weitere Röcke auf diese Weise „eingebördelt“.

Darüber wurden ein bis zwei Röcke mit „prahlerischer“ – also bunter – Schnur getragen. Sie waren nur schmal mit dem einfarbigen Damest eingefasst und daran anschließend mit einer bunten Seidenschnur verziert.

Zur roten Tracht gehöriger, mit rotem Damest eingefasster und mit einer 8 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Zur roten Tracht gehöriger, mit rotem Damest eingefasster und mit einer 8 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Zur roten Tracht gehöriger, mit rotem Damest eingefasster und mit einer 8 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Zur roten Tracht gehöriger, mit rotem Damest eingefasster und mit einer 8 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Zur roten Tracht gehöriger, mit rotem Damest eingefasster und mit einer 4 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Zur roten Tracht gehöriger, mit rotem Damest eingefasster und mit einer 4 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Zur grünen Tracht gehöriger, mit grünem Damest eingefasster und mit einer 6 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Zur grünen Tracht gehöriger, mit grünem Damest eingefasster und mit einer 6 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Zur blauen Tracht gehöriger, mit blauem Damest eingefasster und mit einer 6 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Zur blauen Tracht gehöriger, mit blauem Damest eingefasster und mit einer 6 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Die beiden oberen Bilder zeigen – auch wenn es geringe Farbabweichungen gibt – dass z. B. eine blau-güne Borte sowohl zur einen als auch zur anderen Tracht verwendet wurde. Entscheidend war die Farbe der Damest-Einfassung.
Zur blauen Tracht gehöriger, mit blauem Damest eingefasster und mit einer 6 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Zur blauen Tracht gehöriger, mit blauem Damest eingefasster und mit einer 6 cm hohen Seidenschnur verzierter Rock

Die bunt gewebten Seidenbänder erscheinen in einer breiten Palette verschiedener Musterungen.
Hier kann ich nur ein paar Beispiele zeigen. In einem weiteren Beitrag werde ich später einmal ausführlicher speziell auf diese gewebten Bänder eingehen.

Über den Röcken mit den bunt gewebten Seidenbändern wurden ein bis zwei „einzeln geschlangte“ Röcke getragen. Dazu wurde ein schmales Seidenband zickzackförmig auf eine Streifen Damest oder breites Seidenband genäht.

Zur roten Tracht gehöriger, einfach geschlangter und 6 cm hoher Rockbesatz auf rotem Damest

Zur roten Tracht gehöriger, einfach geschlangter und 6 cm hoher Rockbesatz auf rotem Damest

Zur roten Tracht gehöriger, einfach geschlangter und 6 cm hoher Rockbesatz auf grünem Seidenband. Der Rock ist mit rotem Damest eingefasst.

Zur roten Tracht gehöriger, einfach geschlangter und 6 cm hoher Rockbesatz auf grünem Seidenband. Der Rock ist mit rotem Damest eingefasst.

Über den „einfach geschlangten“ Röcken wurde ein weiterer Rock, der mit einem besonders wertvollen Band – einer goldplattischen Schnur – verziert war, getragen. In diese speziellen Bänder waren gold- oder/und silberfarbene Metallfäden eingewebt.
Zur roten Tracht gehöriger, mit rotem Damest eingefasster und mit einer 6 cm hohen Seidenschnur mit eingewirkten Gold- und Silberfäden verzierter Rock

Zur roten Tracht gehöriger, mit rotem Damest eingefasster und mit einer 6 cm hohen Seidenschnur mit eingewirkten Gold- und Silberfäden verzierter Rock

Über dem Rock mit goldplattischer Schnur wurde ein Rock mit „doppelt geschlangter“ Schnur getragen. Dazu wurden zwei schmale Seidenbänder – meist in verschiedenen Farben – zickzackförmig gelegt und versetzt auf Damest und Seidenschnur aufgenäht.
Zur roten Tracht gehöriger, doppelt geschlangter und 8 cm hoher Rockbesatz auf rotem Damest

Zur roten Tracht gehöriger, doppelt geschlangter und 8 cm hoher Rockbesatz auf rotem Damest

Zur blauen Tracht gehöriger, doppelt geschlangter und 8 cm hoher Rockbesatz auf blauem Seidenband. Der Rock ist mit blauem Damest eingefasst.

Zur blauen Tracht gehöriger, doppelt geschlangter und 8 cm hoher Rockbesatz auf blauem Seidenband. Der Rock ist mit blauem Damest eingefasst.

Zur roten Tracht gehöriger, doppelt geschlangter und 8 cm hoher Rockbesatz auf rotem Seidenband. Der Rock ist mit rotem Damest eingefasst.

Zur roten Tracht gehöriger, doppelt geschlangter und 8 cm hoher Rockbesatz auf rotem Seidenband. Der Rock ist mit rotem Damest eingefasst.

Reiche Frauen hatten noch einen ganz „stolzen“ Rock – den „dreifach geschlangten“ -, der mit drei schmalen Seidenbändern verziert war. Diese wurden zickzackförmig auf Damest oder Seide aufgenäht.
Zur roten Tracht gehöriger, dreifach geschlangter und 8 cm hoher Rockbesatz auf rotem Seidenband. Der Rock ist mit rotem Damest eingefasst.

Zur roten Tracht gehöriger, dreifach geschlangter und 8 cm hoher Rockbesatz auf rotem Seidenband. Der Rock ist mit rotem Damest eingefasst.

Über diesem Rock wurde dann nochmals ein doppelt geschlangter Rock getragen, bevor es zum obersten Rock kam. Dieser oberste Rock war am prahlerischsten – er hatte ein geschlangtes Band und eine bunte Schnur.
Zur roten Tracht gehöriger, doppelt geschlangter und mit einem zusätzlichen Seidenband ausgestatteter Rockbesatz auf rotem Damest.

Zur roten Tracht gehöriger, doppelt geschlangter und mit einem zusätzlichen Seidenband ausgestatteter Rockbesatz auf rotem Damest.

Zur roten Tracht gehöriger, fünffach geschlangter und 14 cm hoher Rockbesatz auf rotem Seidenband. Der Rock ist mit rotem Damest eingefasst.

Zur roten Tracht gehöriger, fünffach geschlangter und 14 cm hoher Rockbesatz auf rotem Seidenband. Der Rock ist mit rotem Damest eingefasst.

Der Schlussrock zeigte nur wenige Millimeter Farbe. Es war mit Damest in der zur jeweiligen Tracht gehörigen Farbe bestossen. Das entsprechende Band war am Innensaum des Rockes ca. handbreit/10 cm zu sehen.
Zur roten Tracht gehöriger Schlussrock

Zur roten Tracht gehöriger Schlussrock

Zur grünen Tracht gehöriger Schlussrock

Zur grünen Tracht gehöriger Schlussrock

Zur blauen Tracht gehöriger Schlussrock

Zur blauen Tracht gehöriger Schlussrock

All diese Farben und all diese Pracht inspirierten viele Maler, die Tracht in ihren Bildern festzuhalten. Hier zu sehen ist Carl Bantzer´s (1857 – 1941) „Schwälmer Tanz“, entstanden in 1898.
Das Gemälde ist im Besitz der Philipps Universität, Marburg (Museum für Kunst und Kulturgeschichte Marburg, Biegenstraße 11, D-35032 Marburg) und kann virtuell betrachtet werden.
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Flächenfüllmuster Nr. 472

Nr. 472
Kategorie: Limet-Muster
angewandte Stiche: Rosenstiche sowie Wickelstiche über 1 Kästchen in der Breite und 1 bzw. 3 Kästchen in der Höhe
mittlere Längsachse: 3-er Fadenbündel (in anderen Konturformen: Mitte = Kästchen)

In das vorbereitete Limet-Fadengitter (1 Faden ausziehen, 3 Fäden stehen lassen) wird zunächst ein Raster aus Rosenstichen gearbeitet. Die Rosenstiche der kreuzenden Reihen greifen dabei teilweise ineinander, sodass versetzt und mit dem Abstand eines einzelnen Rosenstiches Rosenstichblöcke aus 2 x 2 Stichen entstehen.
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Dazu wird in der unteren Mitte zunächst ein Quadrat aus 2 x 2 Rosenstichen gearbeitet. (Werden Rosenstiche wie hier in geraden Reihen gearbeitet, überlappen Teile benachbarter Stiche.)
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Hat man aber eine Kontur, in der man ein Achteck genau im Zentrum platzieren will – beispielsweise einen Kreis – kann man den Musteraufbau auch folgendermaßen beginnen:
Der Limetfadenauszug wird so vorgenommen, dass in der Mitte der Fläche ein Kästchen stehen bleibt.
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In das entstandene Rosenstichraster stickt man Wickelstiche.
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In jedes Achteck wird ein Block aus 3 – 9 – 3 Wickestichen platziert.
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Gewaschen, gestärkt und gebügelt entfaltet das Muster seinen endgültigen Charme. Dieses Beispiel wurde auf 17-fädigem, altem handgewebtem Leinen mit Vierfachstickgarn Nr. 20 ausgeführt.
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Ein Schwälmer Konturenmuster in zwei Ausführungen (6)

Seitlich der Längsachse finden sich drei verschiedene kleinere Motive – eine Tulpe und zwei Kreisformen. Die erste Kreiskontur (hier etwas vergrößert dargestellt) soll mit dem Muster „2 kurz – 2 lang“ umgeben werden.
Bild_36Bei dem ovalen Läufer wurde „2 kurz – 2 lang“ weitgehend den Linien folgend mit zu dünnem Garn ausgeführt. Die Umrandung erscheint dadurch etwas mager.
Die Kreisfläche wurde mit dem Limetmuster „Limetrosen“ (Limetrosen I, Seite 27) verziert.

Verwendet wurde Vierfachstickgarn in folgenden Stärken: Nr. 20 für die Knötchenstiche, Nr. 25 für die Plattstiche und Nr. 30 für die Kettenstiche und das Flächenfüllmuster.
Bild_37Bei dem rechteckigen Läufer wurden die Umrandungsstiche mit dickerem Garn ausgeführt und die Stiche dichter gesetzt.

Die Kreisfläche wurde mit dem Limetmuster „Kleines Ochsenaugenraster“ (Limetrosen I, Seite 15) verziert.

Verwendet wurde Vierfachstickgarn in folgenden Stärken: Nr. 16 für die Knötchenstiche, Nr. 20 für die Plattstiche und Nr. 25 für die Kettenstiche und das Flächenfüllmuster.
Bild_38Die zweite Kreiskontur (hier stark vergrößert dargestellt) soll mit dem Bögen umgeben werden.
Bild_39Bei dem ovalen Läufer wurden die Bogenlinien mit Knötchenstichen überdeckt. Innen wurden Kettenstiche neben die Knötchenstiche getickt. Die verbliebenen Flächen wurden frei gelassen.

Die Kreisfläche wurde mit dem Limetmuster „Rosenstiche“ (Grundlagen der Schwälmer Weißstickerei, Seiten 50 – 52) verziert.

Verwendet wurde Vierfachstickgarn in folgenden Stärken: Nr. 20 für die Knötchenstiche und Nr. 30 für die Kettenstiche und das Flächenfüllmuster.
Bild_40Bei dem rechteckigen Läufer wurde die Umrandung als „geschnürte Bögen“ (Grundlagen der Schwälmer Weißstickerei, Seite 24) ausgeführt,

die Kreisfläche mit dem lichten Muster „Doppelkreuze – in geraden Reihen“ (Mustertücher `Lichte Muster´, Seiten 46 und 47) verziert.

Verwendet wurde Vierfachstickgarn in folgenden Stärken: Nr. 16 für die Knötchenstiche und das Flächenfüllmuster, Nr. 20 für die Schlingstiche und Nr. 25 für die Kettenstiche.
Bild_41Die Kontur der kleinen Tulpe sieht folgendermaßen aus:
Bild_42Bei dem ovalen Läufer wurden alle Linien mit Knötchenstichen überdeckt. Die äußeren Konturteile wurden mit Plattstichen gefüllt. Die anschließenden Flächen wurden frei gelassen.

Das Mittelteil der Tulpe wurde mit dem Limetmuster „Gefieder“ (Limetrosen I, Seite 9) verziert.

Verwendet wurde Vierfachstickgarn in folgenden Stärken: Nr. 20 für die Knötchenstiche, Nr. 25 für die Plattstiche und Nr. 30 für die Kettenstiche und das Flächenfüllmuster.
Bild_43Bei dem rechteckigen Läufer wurden ebenfalls alle Linien mit Knötchenstichen überdeckt. Die äußeren Konturteile wurden ebenfalls mit Plattstichen gefüllt. Die anschließenden Flächen wurden mit Kettenstichen umgeben und in der Mitte frei gelassen.

Das Mittelteil der Tulpe wurde mit dem Limetmuster „Marburger Grundstich“ (Grundlagen der Schwälmer Weißstickerei, Seiten 39 und 40) verziert.

Verwendet wurde Vierfachstickgarn in folgenden Stärken: Nr. 16 für die Knötchenstiche, Nr. 20 für die Plattstiche und Nr. 25 für die Kettenstiche und das Flächenfüllmuster.
Bild_44Den Anfangsteil dieser Serie finden Sie hier.
Den vorhergehenden Teil dieser Serie finden Sie hier.

Schwälmer Tracht – Die Röcke (1)

Zur „stolzen“ Feiertagstracht trugen die Schwälmerinnen viele Röcke übereinander. 10 – 12 Röcke gehörten zu einer Garnitur. Manchmal waren es auch noch mehr.

Schwälmerinnen beim Probtanz, Aufnahme: Dr. Andreas Scheller Nr. 1146 Gustav Mandt Kunstverlag, Lauterbach (Hessen)

Schwälmerinnen beim Probtanz, Aufnahme: Dr. Andreas Scheller Nr. 1146 Gustav Mandt Kunstverlag, Lauterbach (Hessen)

Vor allem die vielen Röcke gaben der Schwälmer Tracht ihr besonderes Gepräge. Damit es möglich war, so viele Röcke übereinander zu tragen, mussten sie weit sein. Und damit es möglich war, das Gewicht so vieler Röcke zu tragen, mussten sie kurz sein.
Das Bild soll einen Eindruck von der Stofffülle vermitteln, die bereits beim Tragen von drei Röcken enorm war.

Das Bild soll einen Eindruck von der Stofffülle vermitteln, die bereits beim Tragen von drei Röcken enorm war.

Im Jahr 1941 führte der Pfarrer und profunde Kenner der Sitten und Gebräuche der Schwälmer und ihrer Tracht, Heinrich Metz (1897 -1973) eine Befragung zur textilen Aussteuer einer durchschnittlich situierten Schwälmer Braut durch. [Quelle: Schwälmer Jahrbuch 2000]

Bezüglich der Röcke fand er heraus:
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Reichere Frauen hatten eine weitaus größere, ärmere dagegen eine wesentlich geringere Ausstattung.
Ärmere Mädchen ließen sich auch oft sogenannte „doppelte Röcke“ anfertigen. Darunter versteht man einen Rock, der am unteren Ende mit einem zusätzlichen, ca. 15 cm hohen Streifen mit Borte besetzt war und so einen kompletten zweiten Rock vortäuschen sollte.

Die meisten der Röcke bestanden aus ungeglänztem Beiderwand, der mit Indigo blau
eingefärbt wurde. Beiderwand ist ein leinenbindiges Gewebe, dessen Kettfäden aus Leinen und dessen Schussfäden aus handgesponnener Schafwolle bestanden. Beiderwand wurde in der Schwalm „Berrerwonn“ genannt. Durch die Färbung mit Indigo waren die Soffe nicht farbecht.

Indigogefärbter Beiderwand

Indigogefärbter Beiderwand

Nur der oberste Rock war aus feinerem und damit auch teurerem Gewebe. Hier gibt es unterschiedliche Angaben. Eine Quelle spricht von feinem, geglänzten schwarzen Leinen für die grüne Garnitur [Decker, S. 56], eine andere Quelle nennt feine geglänzte Beiderwand in schwarz für die grüne und blaue Garnitur und in blau für die rote Garnitur [SJ 1994, S.105]. Eine dritte Quelle spricht von Tuch http://de.wikipedia.org/wiki/Tuch als Stoff für den obersten Rock.

Die nicht-glänzenden Tuchröcke wurden zur Trauertracht und zum Abendmahl getragen, die hochglänzenden zur Festtagstracht. Da die glänzenden Röcke keine Wasserflecken bekommen durften, wurden sie bei Regenwetter nicht getragen. Ebenso wird berichtet, dass die schwarzen, glänzenden Oberröcke nur an Kirmessamstagen und bei Hochzeiten nur bis zum Kaffeetrinken angezogen wurden.

Geglänztes Leinen

Geglänztes Leinen

Beiderwand- und Leinenstoffe wurden geglänzt, indem man sie zuerst durch Leimbrühe zog.
Leimbrühe stellte man aus „Leimleder“ (einem Abfallprodukt der Gerber, auch „Hautleim“ genannt) und Pottasche her. Durch das Eintauchen in diese Leimbrühe wurde beim Stoff eine glänzende Steifheit erzielt. Der Glanz wurde noch durch das Bereiben mit einem Glänzstein gesteigert. Dazu legte man den Stoff auf einen gerillten Glänztisch und berieb ihn unter festem Druck mit einem Glänzstein. Ein Glänzstein bestand aus Holz, an dessen Spitze sich ein eliptisch geformter feinkörniger Achat befand.

Im Winter wurde als unterster Rock ein sogenannter „Beffel“, „Büffel“ oder „Kalmuck“ getragen.
Büffel bedeutet „starr“ oder „schwer“. Als Stoff wurde Kalmuck verwendet, ein dicker, meist in Köperbindung gewebter Stoff, der beidsitig stark aufgerauht wurde.

Für einen Rock benötigte man bis zu 4 Meter Stoff, der stark eingekräuselt wurde. (Um 1900 verarbeitete man noch 5 Stoff-Bahnen á 80 cm Breite, später begnügte man sich mit 4 ½ Bahnen.)
Der Bund wurde in der vorderen Mitte verschlossen (diese Stelle wurde später von der Schürze überdeckt). Links und rechts der vorderen Mitte blieb ein Stück Stoffweite glatt, der Rest wurde in dichte, kleine Falten gelegt. Um eine gleichmäßige Fältelung und einen gleichmäßigen Sitz des Rockes zu erhalten, ging man folgendermaßen vor: Man ermittelte das Taillenmaß der späteren Rockträgerin, an dem sich die Bundweite orientierte. Die Bundweite wurde in 6 Teile eingeteilt. Die Rockweite dagegen in 8 Teile.
Beispiel:
Ein Rock sollte eine Bundweite von 66 cm erhalten.
66 cm : 6 Teile = 11 cm/Teil
Der Rock blieb also auf den ersten 11 cm (1 Teil) glatt, dann folgten 44 cm (4 Teile) Faltenwurf und weitere 11 cm (1 Teil) ohne Falten.
Die vier Teile für den Faltenwurf wurden nochmals halbiert, sodass man dann 8 Teile á 5,5 cm hatte.

Der Rockstoff war 382 cm breit. Für die beiden glatten Teile benötigte man 22 cm, also verblieben noch 360 cm. Diese Weite teilte man durch 8 (= 45 cm) und legte den Stoff so in Falten, dass aus den 45 cm am Ende 5,5 cm wurden.

Würde man diese Unterteilung nicht vornehmen, wäre es viel schwieriger, die Falten des Rockes so gleichmäßig zu verteilen, wie es für den Faltenwurf nötig ist.

Die Falten wurden gelegt und festgesteckt und wenn das richtige Maß erreicht war, wurden sie ca. 2 – 3 cm vom oberen Rand entfernt mit starkem Garn (Hanfzwirn) und Stielstichen auf der Rückseite zusammengenäht – Falte für Falte.

Falte für Falte wurde mittels Stielstichen in Position gehalten

Falte für Falte wurde mittels Stielstichen in Position gehalten

An der oberen Kante wurde von der Vorderseite aus der Stoffstreifen für den Bund rechts auf rechts aufgelegt und angenäht.
Faltenpartie eines Rockes mit angenähtem Bund - Vorderseite

Faltenpartie eines Rockes mit angenähtem Bund – Vorderseite

Er wurde anschließend umgeschlagen und auf der linken Seite etwa in Faltenmitte befestigt.
Dadurch wurden die Falten ein weiteres mal stabilisiert.
Faltenpartie eines Rockes mit angenähtem Bund - Rückseite

Faltenpartie eines Rockes mit angenähtem Bund – Rückseite

Weil Rock über Rock getragen wurde, musste die Bundweite jeden weiteren Rockes 2 – 3 cm größer sein als die des darunter getragenen.
In der Taille liegt Rockbund neben Rockbund.

In der Taille liegt Rockbund neben Rockbund.

Der Rock wurde vorne nur etwa zur Hälfte zugenäht. Der Bund wurde mit Haken und Öse verschlossen.
Verschluss durch Haken und Öse

Verschluss durch Haken und Öse

Für spätere Taillienzuwächse behalf man sich mit kleinen Kettchen und Schnüren zur Überbrückung der fehlenden Weite.
Bunderweiterung mittels Kettchen oder Bändern

Bunderweiterung mittels Kettchen oder Bändern

Die Rocklänge war unterschiedlich. Sie orientierte sich nicht nur an der Größe der Trägerin, sondern auch an dem Platz, den dieser Rock in der Reihenfolge einnahm.

Der unterste Rock sollte so lang (oder kurz) sein, dass unter ihm noch eine Handbreit des Unterhemdes herausschaute. Jeder weitere Rock musste etwas länger zugeschnitten sein (obwohl es später so aussieht, als sei er kürzer.

Nur in wenigen Orten der Schwalm wurden die Röcke so abgelängt, dass alle übereinander getragenen gleichmäßig lang aussahen. Meistens sollten die oberen Röcke ein kleines Stückchen über dem nächstunteren enden, sodass die ganze Pracht der Bänder zu erkennen war.

Damit man später beim Anziehen nicht durcheinander kam, wurden die Röcke nummeriert.

Jeder Rock bekam seinen „Platz“ gut sichtbar eingestickt

Jeder Rock bekam seinen „Platz“ gut sichtbar eingestickt

Am unteren Rand wurde der Rock mit Bändern geschmückt. Die Rockbänder sind ein eigenes Kapitel wert, deshalb werde ich später darüber berichten.

Ideenwerkstatt – Nadelkissen (3)

Kleine schwalmtypische Börtchen und Zierstiche sollen die weitere Dekoration des Nadelkissens bilden.
NA3_1Dazu bügele ich zunächst die Kontur für ein kleines Herzbörtchen fadengerade auf und besticke sie mit Knötchenstichen und Plattstichen.
NA3_2Als weitere Dekoration wähle ich „Schlängchen“, „Kerrercher“ und eine Hexenstichvariate. Eine reiche Auswahl an Konturenmustern für kleine Börtchen und Zierstiche finden Sie in meiner neuesten Publikation „Schlängchen & Co – Schwalmtypische Börtchen und Zierstiche“.
NA3_3Anschließend wird der Stoff auf das gewünschte Maß von 14 cm x 26 cm zugeschnitten.
NA3_4Das Teil wird gewaschen, gestärkt und gebügelt,

rechts auf rechts zusammengefaltet und auf 2 ½ Seiten dicht entlang der blauen Markierungslinie zusammengenäht.
NA3_5Die Markierungsfäden werden entfernt. Das Innere wird nach außen gewendet. Das Kissen wird mit Füllwatte ausgestopft. Die verbliebene Öffnung wird geschlossen.
NA3_6Ein nettes, kleines Kissen ist entstanden.
NA3_7Hätten Sie es sich am Anfang so vorstellen können?
NA3_8
Selbstkritik: Mein erster Versuch hat nicht ganz das gewünschte Ergebnis gebracht. Während des Stickens habe ich nicht an die entstehende Wölbung nach dem Ausstopfen des Kissens gedacht. Das kleine Motiv hätte dichter an das lichte Musterband gerückt werden können. Auch hätte das Motiv etwas grösser sein können.

Wie ist die Realisation Ihrer Ideenumsetzung ausgefallen?

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