Zufallsbegegnung

Ab und zu stöbere ich in meiner umfangreichen Sammlung. Dabei habe ich einen erfreulichen Fund gemacht.

Zu meinem Besitz gehören sehr alte Konturenmuster, die alle aus einer Quelle stammen. Leider sind sie nicht datiert, aber aus ähnlichen datierten Mustern, abgebildet in Gandert/Miehe S. 123, kann man schließen, dass sie in den 1820er Jahren entstanden sind.

Zu den Mustern gehört auch der unten zu sehende Entwurf.

(Dass es sich nur um eine Skizze und keine Rein-Zeichnung handelt, kann man an dem unbeschädigten Papier ablesen. Die Rein-Zeichnungsmuster enthalten viele Perforationen, weil sie bei der Übertragung auf Leinen mit Stecknadeln befestigt wurden.)

Die Skizze hat einen Mittelkreis, umgeben von acht Herzen. Den waagerecht angeordneten Herzen stehen in geringem Abstand gleich große Herzen entgegen. Diese wiederum sind verbunden mit einem kleinen Kreis, um den drei große Herzen gruppiert sind.

Was wurde wohl vor mehr als 200 Jahren mit so einem Konturenmuster bestickt?

Das Bild des Musters noch vor Augen, betrachtete ich mir kurze Zeit später Teile meiner Miedersammlung. Bei einem Stück – einem Schwälmer Miederärmel in der Art der Dresdner Spitze – fiel mir die Ähnlichkeit auf.

Bei genauerem Begutachten konnte ich feststellen, dass die Borte des Miederärmels genau nach dem Mittelpart des Musters gestickt ist.

Auch bei einem zweiten Teil – einem blauen Mieder – wurde ich fündig. Wenngleich hier die Ähnlichkeit nicht sofort ins Auge springt, so ist sie doch gegeben. Hier ist nicht nur die Mittelborte nachempfunden, sondern auch die Randbordüren weisen Übereinstimmungen auf.

Welche Stationen mögen die Teile in den vergangenen 200 Jahren durchlaufen haben, um sich nun bei mir wieder zu treffen?

Nun werde ich die Naht je eines Ärmels auftrennen, um die komplette Stickerei auf ein Foto bannen zu können. Das können Sie in den nächsten Blogbeiträgen betrachten und genauer unter die Lupe nehmen.

Siehe auch
Historische Schwälmer Miederärmel-Stickerei (D)
Schwälmer Mieder (3)
Schwälmer Mieders (2)
Schwälmer Mieder (1)
Die Flächenfüllmuster des historisches Schwälmer Miederärmels A
Historische Schwälmer Miederärmel-Stickerei (B)
Historische Schwälmer Miederärmel-Stickerei (C)

Winterbaum mit Beerenschale

Der „Winterbaum mit Beerenschale“ ist ein hübsches kleines saisonales Motiv. Der Entwurf der Künstlerin Gudrun Hartwig führt vom kahlen herbstlichen Baum über die als Tannenzweig anmutende Gestaltung mit der Sternspitze und den weiteren Dekorationen zum weihnachtlichen Futterplatz für Vögel.

Alle Konturen wurden mit breitem Stielstich (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 5) gestickt. Um den Tannencharakter des Baumes hervorzuheben, habe ich ein Muster aus dem Buch Limetrosen II (Seite 21) gewählt.

Im Kontrast zum dem dichten und plastischen Muster wurde der Stern zuerst mit der filigranen Rosenstichvariante (siehe: Adventskalender 2019 – Tag 1 Bilder 3 – 5) bestickt und dann mit einer Webstich-Spinne (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 61) überdeckt.

Die Vögelchen wurden mit Kettenstichen und Schlingstichen dekoriert.

Der Meisenring wurde mit einzelnen Kettenstichen (= Margeritenstichen) bestickt (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 79).

Der Apfel erhielt mit dem „dichten 2-er Geflecht“ (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 19) ein schlichtes Muster.

Die Beerenschale wurde im unteren Bereich mit „umgekehrtem Webstich“ (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 62) gefüllt. Der Rand wurde mit Plattstichen gestaltet.

Die Beeren wurden als „Schnürlöcher“ gestickt.

Der „Winterbaum mit Beerenschale“ wirkt auch als Fensterbild sehr ansprechend.

Das Muster können Sie im pdf-Format für 5 € bestellen. In leichter Abwandlung gibt es auch ein Muster, bei dem statt Beeren ein Vogel an der Schale Platz genommen hat, eine Zeichnung mit bloßer Futterschale sowie ein Entwurf, bei dem statt Beerenschale ein pickender Vogel abgebildet ist.

Weitere hübsche weihnachtliche Stickereien, deren Entwürfe von der Künstlerin Gudrun Hartwig stammen, findet man hier:

Adventskalender 2018 – Tag 6 Gartenengel
Adventskalender 2016 – Tag 23 Tannenkränzchen
„Christrose mit Stern“ Adventskalender 2016 – Tag 22 letztes Bild
Märchenhaft – Bilder in Weißstickerei zum Grimm-Jahr 2013 Frau Holle
Adventskalender 2019 – Weihnachtskranz
Adventskalender 2019 – Tag 24 – Weihnachtskranz
Tannenkranz mit Kugeln
Ein kleines Herbstkränzchen

Frohe Weihnachten und Guten Rutsch ins Neue Jahr

Kleines Schwälmer Motiv (1)

In dem Beitrag Handgewebtes Leinen (F I) im Test habe ich ein kleines Schwälmer Motiv gestickt.

Das Herz wurde mit Flächenfüllmuster Nr. 554 gefüllt.

Die Tulpe hat Waffelstiche als Verzierung erhalten.

Der Flügel des Vogels wurde mit umwickelten Kettenstichen und Spannstichen bestickt, der Vogelbauch mit Hexenstich-Schlängchen.

Das Konturenmuster stelle ich Ihnen als Handzeichnung zum Herunterladen zur Verfügung.

Tulpenmotive

In vorhergehenden Beiträgen habe ich die Entwicklung von Tulpenmotiven durch die Jahrhunderte aufgezeichnet.
Nun will es der Zufall, dass in meinem Garten hunderte verschiedener Tulpen aufgeblüht sind.

In der Knopse spitz zulaufende,

sternförmig aufblühende,

große und kleine,

gefüllte


eher abgerundete oder

in den Blütenblättern spitz zulaufende

Die Pracht brachte mir die Idee, ein Tulpenmustertuch zu gestalten. Leider habe ich für Entwürfe kein Geschickt. Aber vielleicht haben Sie ja Spaß an einer solchen Aufgabe. Damit es leichter gehen kann, habe ich verschiedene Tulpenkonturen zusammengestellt. Aus der Auswahl kann man sich die passenden herauspicken und mit etwas Beiwerk wie kleinen Blättchen, Spiralen usw. ein Muster entwerfen.
Ich freue mich darauf, irgendwann einmal solche Entwürfe zu Gesicht zu bekommen.

Mohn

Mohnmotive als Kranzentwurf

In unserer Region hat gerade die Vollblüte des Mohns eingesetzt. Die prächtig leuchtenden und weithin sichtbaren Felder locken jedes Jahr tausende Besucher. Mohnblüten haben etwas Magisches. Vielleicht ist es das beeindruckende Farbspiel, wahrscheinlich aber die gesamte interessante Pflanze, die Insekten in Hülle und Fülle Nahrung bietet.

Auch mich fasziniert die Mohnblüte. Die orangerot erscheinenden Klatschmohnfelder,

die scharlachroten Blüten des türkischen Mohns, die pinkfarbenen des Schlafmohns oder die Töne der neuen Züchtungen – alle haben etwas Besonders.

Mohn gehört zu den ältesten Kulturpflanzen Europas. In der Schwälmer Weißstickerei hat er als Motiv bisher aber keine Rolle gespielt.

Um das zu ändern, habe ich die Designerin Christa Waldmann beauftragt, eine Kranzmotiv mit Mohn zu entwerfen. Das ist ihr ausnehmend gut gelungen: Sei es das wuchtige Herausquellen der eng zusammen „geknitterten“ Kronblätter, wenn die Knopse aufspringt.

Seien es die zarten und so leicht vergänglichen Kronblätter der geöffneten Blüte,

die zahlreichen feinen Staubblättchen mit ihren -fäden und -beuteln, die sich um den Stempel herum gruppieren

oder die majestätisch erscheinenden Samenkapseln.

Alles hat sie gekonnt mit schwungvollen Linien zu Papier gebracht und als Konturenzeichnung festgehalten. Auch die filigranen Blättchen sind vorhanden.

Der Kranz hat einen Durchmesser von ca. 54 Zentimetern. Er soll mein nächstes größeres Stickprojekt werden. Mit den eher verspielt wirkenden Motiven ist es ein ganz anders gearteter Entwurf als das Muster des Schwälmer Bandes.
Wie bei allen Designs, für die man noch keine Vorlage hat, wird das Sticken eine schöne, kleine Herausforderung. Irgendwann später werde ich Sie am Ergebnis teilhaben lassen.

Zarter Mohn und edles Leinen
Tischdecke für alle Jahreszeiten – Juni: Mohn