Im Mai konnte ich eine Gruppe von 18 Damen in Eschwege willkommen heißen. Sie waren aus den USA und von den Bermudas angereist, um sich in einem dreitägigen Kurs einige Grundkenntnisse der Schwälmer Weißstickerei anzueignen. Zum Workshop gehörten 8 Unterichtsstunden, alle benötigten Materialien, ein begleitendes Anleitungsheft sowie Besuche meines „Museums“. Es war ein wahrer Wirbelwind von Aktivitäten, doch ich glaube, meine Gäste genossen die schöne Zeit des gemeinsamen Lernens. Auch fühlten Sie sich in Eschwege sehr wohl.
Ein sehr schönes Hotel war bald gefunden, das einen separaten Raum für den Workshop zur Verfügung stellte. So konnten die Stickerinnen dort sowohl übernachten als auch unterrichtet werden. Für den ersten gemeinsamen Abend wurde ein spezielles Abendessen im Altstadtgasthof „Zur Krone“ arrangiert. Da ich die Teilnehmerinnen absolut zufrieden stellen wollte, lieferte ich auch eine Übersetzung der Speisekarte eines anderen Restaurants für die weiteren Abende.

Gut vorbereitet und ausgestattet mit einem großen Korb voller Material und Ausrüstung verließ ich mein Zuhause.
Am ersten Tag war ich, nach vielen Wochen gründlicher Vorbereitung, bereit zu lehren, und die Damen, die eine so lange Reise auf sich genommen hatten, waren bereit zu lernen.

Die Damen kamen mit speziellen Werkzeugtaschen, die sie extra für den Workshop in Eschwege hergestellte hatten.
Meine Nervosität war nicht zu verbergen, aber alle waren so nett, dass ich bald ruhiger wurde. Mein Ziel war es, am Ende des Workshops jede Teilnehmerin mit einem fertigen Projekt nach Hause zu entlassen. Das war vielleicht ein bisschen sehr ambitioniert, aber sie arbeiteten sehr fleißig und mit ein paar zusätzlichen Unterrichtsstunden gelang es, dass alle ihr kleines Projekt (Happel Herzen) fertigstellen konnten.
Neben dem fadengeraden Aufbügeln des Designs standen das Erlernen von Knötchenstichen, Kettenstichen und Schnürlochbögen (Schlingstichen) auf dem Programm.

Am zweiten Tag standen wir im Mittelpunkt des Medieninteresses! Mitarbeiterinnen von zwei lokalen Zeitungen sowie eine Radioreporterin kamen vorbei und interviewten die Gruppe, und selbst der Bürgermeister von Eschwege fand sich ein, um die Damen in Eschwege willkommen zu heißen!
Behutsames und akkurates Ausziehen von Gewebefäden sowie das Erlernen eines von sechs für diesen Zweck zur Auswahl stehenden Flächenfüllmusters waren für diesen Tag angesagt.

Weil es mir zu aufwändig war, all die notwendige Ausrüstung für die Fertigstellung des Projektes (großer Topf, Herdplatte, Bügeleisen, Bügelbrett, Nähmaschine und all das sonst noch benötigte Material) zum Tagungsraum des Hotels zu bringen, wechselten wir in den Nachmittagsstunden in meine Ausstellungsräume.

Das brachte eine willkommene Abwechslung. Auch ermöglichte es den Damen, andere fertige wie auch unvollendete Schwälmer Weißstickereien genauer unter die Lupe zu nehmen und zu fachsimpeln.

Während der paar Tage gab es viele Überraschungen: Die Damen beschenkten mich mit Spezialitäten ihrer Heimatländer, ich revanchierte mich mit Eschweger Köstlickeiten, die wir im Garten des Hotels genossen. Den Abschluss bildete ein kleiner Spaziergang entlang der Werra.
Alle bedankten sich für ein wundervolles Erbenis. „Es war besser, als wir je gedacht hätten“.
Ich jedenfalls war sehr zufrieden mit dem Ergebnis, und ich glaube, alle Teilnehmerinnen auch.