Schwälmer Einstecktuch (1)

Um ein Einstecktuch mit Schwälmer Weißstickerei zu besticken, benötigt man feines Leinen und ein kleines Muster.
Die Zeichnung soll Herz, Tulpe und Vögelchen enthalten. Hier sind die Motive so angeordnet, dass das Tuch mit herausstehender Spitze getragen wird.

20-fädiges Leinen bietet in den doch recht winzigen Formen Platz für kleine Flächenfüllmuster.
Zur vorläufigen Größe von 30cm x 30 cm zugeschnitten – damit man die Stickerei in den Rahmen spannen kann – wird das Motiv diagonal zum Fadenlauf auf das Leinen gebügelt und dabei so angeordnet, dass zum Rand hin noch ca. 7 cm frei bleiben.

Das Motiv ( 9,5 cm hoch und 7 cm breit) wird gestickt.

Danach wird der Fadenauszug vorgenommen.
1 cm vom Motiv entfernt beginnt der Erbslochhohlsaum, dann folgt ein 1,5 cm breiter Freiraum für den Saum und ein 0,3 cm breiter Streifen für den Saumeinschlag. An den äußeren Fadenrinnen wird der Stoff später abgeschnitten.

Der Erbslochhohlsaum soll nur an den beiden am Motiv angrenzenden Seiten gearbeitet werden. Die beiden übrigen Seiten erhalten eine Befestigung mit einfachen Hohlsaumstichen.

Zugegeben, das Säumen ist etwas kniffelig, aber mit etwas Geduld machbar. Das Maß des Tüchleins beträgt jetzt 19,5 cm x 19,5 cm und ist nach der Wäsche auf 19 cm x 19 cm geschrumpft.

So entsteht ein hübsches regionaltypisches und individuelles Einstecktuch.

Zum passenden Anzug kann man es weit herausragend

oder etwas tiefer eingesteckt tragen.

Auch ungestärkt hält das Leinen die Form stabil und macht das Einstecktuch zu einem ganz besonderen Hingucker!

Flach zu tragende Einstecktücher mit Schwälmer Weißstickerei werden im nächsten Blogbeitrag gezeigt.

Modetrend Einstecktuch

Gestickter Mohnkranz (2)

Hier kommen jetzt wie versprochen weitere Bilder des hübschen, außergewöhnlichen und ansehnlichen Mohnkranzes.

Um die Details zu erklären, werden alle Blüten im Uhrzeigersinn um den Kreis wandernd gezeigt.

Von rechts nach links
1. ohne Fadenauszug; Mückenstiche über je 4 Fäden in der Höhe und 6 Fäden in der Breite
2. Limetfadenauszug 3:1; Flächenfüllmuster 543
3. Knospe: einfacher Fadenauszug 3:1; Mückenstiche über 4 Fäden in der Breite
4. Lichter Fadenauszug 2:2; Marburger Grundstich

von unten nach oben
5. Limetfadenauszug 4:1; Flächenfüllmuster 571
6. Knospe: einfacher Fadenauszug 3:1; Mückenstiche über 4 Fäden in der Breite
7. Limetfadenauszug 3:1; Rosenstich
8. einfacher Fadenauszug 3:1; Waffelstiche über 4 Fäden in der Breite

von links nach rechts
9. Limetfadenauszug 3:1; Wickelstichmuster „Raute über eine Stufe“ (Wickelstiche Seite 22)
10. Knospe: einfacher Fadenauszug 3:1; Mückenstiche über 4 Fäden in der Breite
11. Lichter Fadenauszug 2:2; je 1 Reihe Marburger Grundstich und Grundstich im Wechsel
12. Knospe: einfacher Fadenauszug 3:1; Mückenstiche über 4 Fäden in der Breite

von links nach rechts:
13. Limetfadenauszug 3:1; Wickelstich „Zweier-Muster“ (Wickelstiche Seite 16)
14. Lichter Fadenauszug 2:2; Doppelter Marburger Grundstich (Mustertücher)
15. einfacher Fadenauszug 3:1; je eine Reihe Wickelstichstangen und Mückenstiche im Wechsel
16. Limetfadenauszug 3:1; Flächenfüllmuster Nr. 572

von links nach rechts:
17. Lichter Fadenauszug 2:2; Französischer Stich – halb mit Lücke (Mustertücher)
18. Knospe: einfacher Fadenauszug 3:1; Mückenstiche über 2 Fäden in der Breite
19. Limetfadenauszug 3:1; Flächenfüllmuster Nr. 549

von links nach rechts:
20. Limetfadenauszug 3:1; Rosenstichvariante
21. einfacher Fadenauszug 4:2; Flächenfüllmuster Nr. 567
22. Limetfadenauszug 3:1; Marburger Grundstiche
23. Knospe: einfacher Fadenauszug 3:1; Mückenstiche über 2 Fäden in der Breite
24. Lichter Fadenauszug 2:2; Je eine Reihe doppelter Marburger Grundstich und Grundstich verkehrt im Wechsel

von rechts nach links
25. Knospe: einfacher Fadenauszug 3:1; Mückenstiche über 2 Fäden in der Breite
26. Limetfadenauszug 3:1; Wickelstichmuster „Gitter“ (Wickelstiche Seite 37)
27. Lichter Fadenauszug 2:2; Rosenstiche ohne Grundstichgitter

Damit wurde der Kranz einmal umrundet.

Hier ein paar weitere Impressionen:

Hier finden Sie das Muster als pdf-Darei zum Herunterladen:
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Hier finden Sie das Muster als Printversion:
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Gestickter Mohnkranz (1)

Vor mehr als 2 Jahren habe ich in dem Beitrag Mohn einen ganz besonderen Kranzentwurf vorgestellt.

Inzwischen habe ich das Motiv gestickt. Das Ergebnis gefällt mir sehr gut, auch wenn es von den typischen schwälmer Musterungen abweicht.

Der Kranz besteht aus vier gleichen Teilen, wobei jedes vier weit geöffnete Mohnblüten, drei Knospen und drei Samenkapseln sowie einige Blätter enthält.

Die Blätter der geöffneten Blüten wurden an den oberen Rändern mit Schlingstichen, an den übrigen Konturenlinien mit umwickelten Kettenstichen gestickt.

Die Stempel wurde mit Plattstichen, die Staubfädchen mit Spannstichen und die Staubbeutelchen mit dicken französischen Knötchen dargestellt.

Anfangs hatte ich die Idee, nur die Blütenblätter mit Flächenfüllmustern zu besticken, die keine Staubgefäße enthalten. Das sah aber unfertig aus. Also musste eine andere Lösung her.

Während eine Ausstellung sah ich das bereits fertig gestellte Stück von Frau Waldmann, die zur gleichen Zeit begonnen hatte, ihren Entwurf in Stickerei umzusetzen. Sie hatte einiges anders gearbeitet: Korallen-Knötchenstiche um alle Flächen, die Schlingen der Schlingstiche nach Innen gewandt, die Stempel als Schnürloch und die Staubgefäße mit Bouillonstichen über das Flächenfüllmuster.

Für mein Projekt musste eine andere Lösung gefunden werden. Also grenzte ich die Fläche der Staubgefäße ab

und bestickte nur den verbleibenden Teil der Blütenblätter mit Flächenfüllmustern.

Alle Blätter einer Blüte wurden mit dem gleichen Füllmuster bestickt, aber jede Blüten bekam ein anderes Muster.

Die Stängel wurden mit gekreuztem Kettenstich dargestellt.

Die aus den Knospen springenden Blütenblätter wurden mit Plattstichen gestickt,

die Kelchblätter mit Mückenstichen (einfacher Fadenauszug 3:1).

Die nächste Herausforderung war die Gestaltung der Mohnkapseln und besonders deren Deckel.

Frau Waldmann hat die Deckel als Plattstichblüte und die Kapseln mit wechselnden Reihen von Korallen-Knötchenstichen und Hexenstich-Schlängchen dargestellt.

Ich habe zunächst den Rand des Kapseldeckels mit Margeritenstichen zickzackförmig nachgezeichnet

und dann von der Mitte aus breite Stielstiche sternförmig angeordnet in die Spitzen des Randes laufen lassen.

Die Samenkapseln wurden mit Korallen-Knötchenstichen – manchmal auch mit umwickelten Kettenstichen – gestaltet.

Die Ränder der Blätter wurden mit Plattstichen gestickt.

So ist eine ungewöhnliche und attraktive Stickerei entstanden.

In einem nächsten Blogbeitrag finden Sie Detailbilder des Mohnkranzes.

Wenn auch Sie einen solchen Kranz sticken wollen, können Sie das Konturenmuster hier erwerben. Das Dokument enthält das Konturenmuster in Originalgröße in 6 Abschnitten.


Dieses Dokument können Sie entweder herunterladen

Mohnkranz
Konturenmuster
6 Seiten DIN A 4
Text: deutsch
2,83 MB Dateigröße
19,00 €

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oder als Printversion bestellen.
In der Printversion sind die Muster auf hochwertigem Transparentpapier gedruckt. Dadurch wird das Zusammensetzen des Musters spielend leicht.

Mohnkranz
Konturenmuster
6 Seiten DIN A 4
Text: deutsch
25,00 €

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Mitteldecke MJ2 (6)

Die Stickerei der Mitteldecke ist fast abgeschlossen. Die „Sonnenblumen“ erhielten einen Rand aus 2kurz-2lang-Stichen und – ebenso wie die kleinen Kreise – unterschiedliche Füllungen. Die Einzelheiten kann man den folgenden Bildern entnehmen.
Der Saum wurde mit einfachem Hohlsaumstich befestigt und steht mit seiner Schlichtheit im Kontrast zur aufwändigen Stickerei. Dann standen die benötigten Arbeitsstunden fest und wurden mit ein paar Stichen auf der Decke festgehalten.

Die Decke wurde über Nacht in klarem Wasser eingeweicht, um die blaue Druckfarbe aufzuweichen. (Aus handgewebtem Leinen lassen sich die aufgedruckten Linien oftmals leichter auswaschen als aus industriell gefertigtem Leinen, aber auf dem nassen Gewebe kann man die blauen Spuren deutlich erkennen.)

Mit fester Kernseife – früher habe ich oft flüssige verwendet –

wurde die Stickerei von beiden Seiten satt eingeseift. So blieb die Decke über zwei weitere Nächte liegen.

Dann kam sie in einen großen Topf mit Wasser und Vollwaschmittelzusatz. Die Brühe wurde zum Kochen gebracht und das Gewebe darin für ca. 5 Minuten unter ständigem Bewegen gekocht.

Danach war die blaue Farbe vollständig verschwunden – ohne große Mühe und ohne rubbeln!

Die Decke wurde gespült, getrocknet und gebügelt. Die Stickerei erscheint in ihrer ganzen Schönheit.

Auf einer relativ kleinen Decke konnten nahezu 50 Musterungen verwirklicht werden. Allerdings war das verwendete Leinen mit 20 Gewebefäden pro Zentimeter sehr fein.

Der Entwurf mit seinen vielen kleinen Flächen eignet sich daher besonders gut zur Gestaltung in der Art der frühen Schwälmer Weißstickerei, die ohne Fadenauszug auskommt.

Mitteldecke MJ2 (2)
Mitteldecke MJ2 (3)
Mitteldecke MJ2 (4)
Mitteldecke MJ2 (5)

Mitteldecke MJ2 (5)

Das Muster der Mitteldecke 26431 enthält zwölf Tulpen in zwei unterschiedlichen Gestaltungen. Vier davon sind diagonal zum Fadenlauf angeordnet, die anderen schräg und spiegelbildlich gegen einander. Alle Tulpenmotive sind relativ kleinteilig. So wurde die Suche nach unterschiedlichen, gut geeigneten Flächenfüllmustern zu einer anspruchsvollen Aufgabe.

Bei allen diagonal zum Fadenlauf angeordneten Tulpen wurde der Doppelrand an der Spitze mit mit dicken französischen Knötchenstichen verziert. Die Muster der seitlichen Blütenblätter wurden jeweils spiegelbildlich gearbeitet. Da die Flächen klein und schmal sind, wurde dafür immer einfacher Fadenauszug 2:1 vorgenommen.
Bei Tulpe 1 wurden von der Rückseite gearbeitete Mückenstiche gestickt. Die Mitte blieb frei.

Bei Tulpe 2 wurden in den seitlichen Blütenblättern Waffelstiche als Muster gestickt. Die Mitte erhielt einen Limet-Fadenauszug 3:1 und Marburger Grundstiche als Muster.

Auch bei Tulpe 3 wurden in den seitlichen Blütenblättern Waffelstiche – diesmal von der Rückseite aus – als Muster gestickt. Die Mitte erhielt einen Limet-Fadenauszug 3:1 und Kreuzstiche als Muster.

Bei Tulpe 4 wurden in den seitlichen Blütenblättern Mückenstiche als Muster gestickt. Die Mitte erhielt einen lichten Fadenauszug 2:2 und ein neues Muster.

Die schräg angeordneten Tulpen erhielten an der oberen Spitze einen Abschluss aus Schlingstichen. Die Fläche darunter wurden später noch mit französischen Knötchenstichen gefüllt.
Die äußeren Blätter erhielten Konturenlinien aus umwickelten Kettenstichen. Alle Fadenauszüge wurden als Limet-Fadenauszüge 3:1 gestaltet.

Tulpe 5 erhielt in der Mitte Flächenfüllmuster 554. Die seitlichen Blütenblätter wurden mit dem „kleinen Perlmuster“ (Wickelstiche, Seite 43) bestickt.

Tulpe 6 erhielt in der Mitte ein Flächenfüllmuster aus einem Rosenstichraster mit dazwischen gesetzten „falschen Röserichen“ (Kreuznahtstichen; Mustertücher`Lichte Muster`, Seiten 48 – 52) ). Die seitlichen Blütenblätter wurden mit dem „kleinen Wabenmuster“ (Wickelstiche, Seite 87) bestickt.

Tulpe 7 erhielt in der Mitte „doppelten Marburger Grundstich“ (Mustertücher`Lichte Muster´, Seiten 42-44) als Flächenfüllmuster. Die seitlichen Blütenblätter wurden mit Mückenstichreihen zwischen Wickelstichstangen bestickt.

Tulpe 8 erhielt in der Mitte Flächenfüllmuster 569. Die seitlichen Blütenblätter wurden mit dem „Einermuster“ (Wickelstiche, Seite 15) bestickt.

Der nächste Blogbeitrag zeigt die noch fehlenden Gestaltungselemente und das Endresultat.

Siehe auch:
Schwälmer Tulpenmotive im Wandel der Zeit (1)
Schwälmer Tulpenmotive im Wandel der Zeit (2)
Schwälmer Tulpenmotive im Wandel der Zeit (3)
Tulpenmotive