Zunächst wird ein Oval mit einer Doppellinie aufgezeichnet. Das Außenmaß beträgt 8 cm x 5,28 cm.

Die Kontur wird auf 13,5- fädiges Weddigen Leinen aufgebügelt.
Mit Vierfachstickgarn Nr. 16 werden zuerst Knötchenstiche über die innere Linie gestickt.
Entlang der Knötchenstiche nach innen wird eine Reihe Kettenstiche mit Vierfachstickgarn Nr. 25, gearbeitet.
Ebenfalls mit Vierfachstickgarn Nr. 25 wird eine weitere Reihe Kettenstiche zwischen die Knötchenstichlinie und die Außenlinie gearbeitet, Diese Kettenstiche werden unter Verwendung von Vierfachstickgarn Nr. 20 mit sehr dichten Schlingstichen überdeckt.
Die Innenfläche wirde mit dem Muster „478“ gefüllt.
Ausgehend von der mittleren Längsachse wird abwechselnd 1 Faden gezogen und 2 Fäden werden stehen gelassen.
Ausgehend vom Mittelpunkt (siehe rote Markierung)
werden abwechselnd Blocks aus Wickelstichen und 5 Rosenstiche gestickt.
Die erste Reihe wird – ausgehend von dem bereits bestickten Teil – fertiggestellt.
Nach der Fertigstellung der Stickerei wird das Teil gewaschen, gestärkt und gebügelt. Dann wird das Ei ausgeschnitten.
Solche ausgeschnittenen Teile kann man bei Bedarf jederzeit schnell und einfach waschen und bügeln, man darf sie aber nie schleudern!
Ob liegend, hängend oder in einen Rahmen montiert – durch das Ausschneiden der Stickerei eröffnen sich vielfältige Dekorationsmöglichkeiten.

Nr. 478
Kategorie: Einfaches Durchbruchmuster
angewandte Stiche: 4er Blöcke von 8 Wickelstichen über je 2 Fäden in der Breite und 2 Fäden in der Höhe sowie verzogene Rosenstiche
mittlere Längsachse: Fadenrinne
verwendete Materialien: 13,5-fädiges Weddigen Leinen, Vierfachstickgarn Nr. 20 für das Flächenfüllmuster
Wie bereits im vorherigen Beitrag „Die Flächenfüllmuster des historischen Schwälmer Miederärmels A“ angekündigt, zeige ich hier das dort entdeckte, überlieferte Flächenfüllmuster der Kreisfläche 1.
Es ist einfacher, den Verlauf des Musters nachzuvollziehen, wenn man dabei nicht durch Konturenlinien gestört wird. Daher zeige ich den Stich zunächst auf einem Mustertuch.
Immer abwechselnd wird 1 senkrechter Faden ausgezogen und 2 senkrechte Fäden bleiben stehen.
In senkrechten Spalten, von unten nach oben und zurück, werden Wickelstiche als „Stangen“ gestickt. Die Wickelstiche werden auf der Vorderseite schräg gestickt – über je 2 Gewebefäden in der Breite und in der Höhe. Eine Stange besteht aus insgesamt 8 Wickelstichen.
Auch werden die Wickelstiche abwechselnd schräg nach rechts oben und schräg nach links oben gestickt. Daher wird, nachdem man den letzten Stich der ersten Stange gestickt hat, die Arbeit nicht gedreht. Vom Ende des letzten Stiches führt man die Nadel gerade nach links unter 4 Gewebefäden hindurch, sticht aus
und arbeitet von dort aus 8 schräge Wickelstiche von oben nach unten.
Insgesamt arbeitet man 4 Wickelstichstangen immer abwechseln von unten nach oben und zurück, ohne die Arbeit zu drehen.
Nach dem letzten Wickelstich sticht man mit der Nadel in der nächsten Fadenrinne, 4 Gewebefäden vom unteren Rand aus freilassend, aus.
Man arbeitet einen Rosenstitch mit dem ersten Schritt über 2 Gewebefäden nach links,
mit dem zweiten Schritt über 4 Gewebefäden nach oben,
mit dem dritten Schritt über 2 Gewebefäden nach rechts und
mit dem vierten Schritt über 4 Gewebefäden nach unten.
Man überquert den letzten Teilstich, sticht im Mittelpunkt des Rosenstiches ein und bringt die Nadel 2 Gewebefäden nach links und 4 Gewebefäden nach oben wieder hervor.
Man arbeitet einen zweiten und
einen dritten Rosenstich in gleicher Weise. Aus den Rosenstichen soll „ein Würfel mit 5 Punkten“ kreiert werden. So bringt man die Nadel vom letzten Rosenstichmittelpunkt ausgehend 4 Gewebefäden nach rechts wieder hervor. Geradeaus nach rechts wandernd, würde den rückwärtig verlaufenden Arbeitsfaden sichtbar machen (siehe roter Pfeil).
Um dies zu verhindern und die Löcher sauber und offen zu halten, wird der Arbeitsfaden auf der Rückseite in einer Kurve unter den bereits vorhandenen Stichen hindurch geführt.
1 Rosenstich wird oben rechts und ein weiterer Rosenstich unten links gestickt (bitte betrachten sie die Bilder genau).
Um den nächsten Wickelstichblock zu beginnen, wird die Nadel vom letzten Rosenstichmittelpunkt aus 4 Gewebefäden nach unten und 4 Gewebefäden nach links hervorgebracht.
In gewohnter Weise arbeitet man abwechseln 4er Blocks von Wickelstichstangen und Rosenstiche als „Würfel mit 5 Punkten“
Man arbeitet die nächste Reihe versetzt.
Weil das Muster langen und schmal wirkt, suchte ich nach einer passenden Form und entschied mich für eine Glocke.
Ausgehend von der mittleren Längsachse wird abwechselnd 1 Faden gezogen und 2 Fäden werden stehen gelassen.
In senkrechten Spalten, von unten nach oben und zurück, werden Wickelstiche als Stangen gearbeitet. Man startet unten links der Mittellinie (siehe rote Linie) und arbeitet in der zuvor beschriebenen Weise abwechselnd Blocks aus Wickelstichen und
5 Rosenstiche.
Die nächste Reihe wird versetzt gearbeitet.
Die erste Reihe wird – ausgehend von dem bereits bestickten Teil – fertiggestellt.
Das Muster wird schachbrettartig über die ganze Fläche gestickt.
Gewaschen, gestärkt und gebügelt entfaltet das Muster seine endgültige Wirkung.
Die Stickerei des Schwälmer Miederärmels A ist sehr variantenreich. Das verwendete Leinen hat 18/20 Fäden/cm. Das Bild zeigt die Gesamtansicht der Weißstickereiborte in einer Fotomontage.
Bitte beachten Sie, dass das gesamte Muster nur eine Höhe von knapp 14 cm aufweist. Die unten zu sehenden Fotos zeigen starke Vergrößerungen; in der Realität ist die Stickerei sehr fein.
Nun folgen Details der Gestaltung der einzelnen Flächen. Um die einzelnen Motive dem Gesamtbild leicht zuordnen zu können, hilft der Überblick mit der entsprechenden Nummerierung.
1.
Der Kreis hat keine Knötchenstichumrandung. Statt dessen wurden zwei Reihen Kettenstiche nebeneinander gestickt. Der Rand wurde mit 2 kurz-2 lang Stichen umgeben. Die Fläche wurde mit einem Muster gefüllt, das aus Wickestichstangen und Rosenstichen besteht. Es ist leider – auch unter der Lupe – schwer zu erkennen. Es entspricht in etwa dem Muster 450. Ich habe es ausprobiert und werde das Ergebnis im Detail als Flächenfüllmuster 478 in meinem nächsten Beitrag zeigen. Üblicherweise wird dieses Muster als Limetmuster gearbeitet (sowohl längs als auch quer immer abwechselnd 3 Fäden stehen lassen, 1 Faden ziehen). Hier ist es aber als einfaches Durchbruchmuster gestickt, d. h., nur in Längsrichtung wurden abwechseln 3 Fäden stehen gelassen und 1 Faden gezogen. So erklärt sich auch das etwas verwaschene Erscheinungsbild. Allerdings wurden die Wickelstiche wohl über 2 Fäden in der Höhe schräg gelegt und dadurch insgesamt nur 8 Stiche in einer Stange/Reihe gestickt. Auch wurden die Stiche abwechselnd einmal nach rechts und einmal nach links steigend gearbeitet.
Die freie Fläche am Übergang zum nächsten Motiv wurde mit dicht bestickten Knötchenstichspiralen und Punkten aus Bouillonknoten gefüllt.
2.
Die Tulpe wurde mit geschnürten Messerspitzen umgeben.
Die Innenfläche wurde mit einem lichten Muster (2 Fäden stehen lassen, 2 Fäden ausziehen; dann Grundstich) versehen, in das Quadrate aus 2×2 Rosenstichen schachbrettartig eingestickt wurden.
Dieses Muster trägt den Namen „Viererfensterchen Rosenstich“.
Die Fläche rechts der Tulpe ist mit Blättern und und einem Stiel, der zur Sonnenblume führt sowie einer kleinen Tulpe aus Plattstichen und Knötchenstichen bestickt. Auch finden sich wieder ein paar kleine Punkte aus Buillonknoten.
3.
Die Sonnenblume (Kreis) ist nur teilweise mit Schnürlochbögen umgeben, denn die einzelnen Motivflächen des Gesamtmusters sind so dicht gesetzt, dass der Zwischenraum nicht immer ausreichte, um alle Motive komplett mit Randverzierungen zu umgeben.
Man muss sich vorstellen, dass nicht alle Stickerinnen über komfortable Musterzeichnungen verfügten. Oft wurden nur die Konturen einfacher Formen auf den Stoff gezeichnet, wie in dem unten gezeigten Beispiel zu sehen. Details der Stickerei wurden erst während der Arbeit festgelegt.
Das erklärt auch, dass die Umrandungsstiche mancher Motive unterschiedlich groß sind.
Die Kreisfläche ist gefüllt mit einem lichten Muster, bei dem aber nicht überall ein Grundstichgitter gearbeitet wurde. Von unten rechts baut sich das Muster wie folgt auf: 3 Reihen Grundstiche, 2 Reihen Rosenstiche, 4 Reihen Grundstiche und 2 Reihen Rosenstiche. In die 4 Grundstichreihen wurden dann treppenartig Stopfstiche über 3 Kästchen in der Breite und 1 Kästchen in der Höhe eingestickt.
In die Zwischenraumfläche oben rechts des Kreises wurde ein Schürloch gestickt.
4.
Das Herz hat eine Messerspitzenverzierung am Rand. Die Fläche ist gefüllt mit einem lichten Muster mit Grundstichgitter. In dieses wurde das Rosenstichmuster „8 Rosenstiche im Quadrat um ein freibleibendes Kästchen bei einem Abstand der Quadrate von einer Kästchenreihe“ gestickt (siehe Grundlagen der Schwälmer Weißstickerei, Seiten 62-65).
Es sieht so aus, als wären die Kettenstiche erst nach der Fertigstellung des Flächenfüllmusters gearbeitet worden. Das habe ich selbst auch schon ausprobiert. Durch das nachträglich Sticken erhält man zwar saubere Ränder des Flächenfüllmusters; die Kettenstiche lassen sich aber längst nicht so angenehm sticken, als wenn man es vor dem Fadenauszug tut. Es ist viel schwieriger, sie gleichmäßig lang hinzubekommen.
Das Herzmuster wurde so dicht an den Rand des Stoffzuschnittes gesetzt, dass es später teilweise in der Naht verschwand.
Um die freien Flächen unterhalb des Herzens zu füllen, wurden dichte Knötchenstichspiralen gearbeitet.
5.
Das Herz in der Mitte des Designs wurde mit einer Doppelreihe von Knötchenstichen umgeben. Es wurden keine Kettenstiche gestickt. Die Fläche wurde mit einem lichten Muster ohne Grundstichgitter gefüllt. Doppelreihige Rosenstichrhomben mit einem freien Kästchen in der Mitte wurden eingestickt. (Eine Außenkante eines Rhombus besteht aus 3 Rosenstichen.)
6.
Das obere Blatt hat sowohl eine Knötchenstich- als auch eine Kettenstichumrandung. Allerdings sind die Kettenstiche außerhalb der Knötchenlinie gestickt.
Die Innenfläche ist mit dem gleichen lichten Muster gefüllt, welches auch für die Kreisfläche 3 gewählt wurde. Es wurde nicht überall ein Grundstichgitter gearbeitet. Von unten rechts baut sich das Muster wie folgt auf: 2 Reihen Rosenstiche, 4 Reihen Grundstiche und 2 Reihen Rosenstiche; die verbleibende Fläche wurde mit Grundstichen gefüllt. In die 4 Grundstichreihen wurden dann treppenartig Stopfstiche über 3 Kästchen in der Breite und 1 Kästchen in der Höhe eingestickt.
Während dieses Muster in den Kreisflächen 3 links und rechts der Mittelachse in die gleiche Richtung steigend gestickt wurde, so erscheint es in den Blattformen links und rechts der Mittelachse spiegelbildlich, wie man der zu Beginn dieses Beitrages gezeigten Gesamtansicht entnehmen kann.
Das gleiche Blatt des zweiten Ärmels hat das Flächenfüllmuster geschickter angeordnet, wie man beim Vergleich von oberem und unterem Bild feststellen kann.
7.
Das unteren Blatt hat ebenfalls sowohl eine Knötchenstich- als auch eine Kettenstichumrandung.
Allerdings sind die Kettenstiche außerhalb der Knötchenlinie gestickt.
Die Innenfläche ist mit mit einem Limetmuster bestickt. Es besteht aus dem sogenannten „Dreiermuster“ – 3er Blöcke von Wickelstichstangen, die schachbrettartig versetzt sind.
Allerdings wurden hier für den Limetgrund nur 2 Fäden stehen gelassen und 1 Faden wurde gezogen. Es wurden Wickelstiche gestickt, die auf der Vorderseite schräg liegen und auf der Rückseite gerade. Die Stangen wurden von unten nach oben und dann zurück von oben nach unten gearbeitet, jedoch ohne die Arbeit zu drehen. Dadurch liegen die Wickelstiche einmal nach rechts und einmal nach links steigend.
8.
Die nach unten hängende Tulpe oder Glockenblume ist mit Knötchenstichen und innenliegenden Kettenstichen umgeben. Auf drei Seiten ist sie mit geschnürten Messerspitzen verziert. Die Fläche wurde mit einem lichten Muster ohne Grundstichgitter gefüllt. Doppelreihige Rosenstichrhomben mit einem einzelnen Rosenstich in der Mitte wurden eingestickt. Im Gegensatz zu dem unter 5 gezeigten Muster besteht eine Außenkante eines Rhombus aus 4 Rosenstichen. Das Muster ist gut zu erkennen. Es ist nicht mittig angeordnet.
9.
Die Kreis ist mit einer Doppelreihe von Kettenstichen umgeben. Der äußere Rand wurde teilweise – da, wo der Platz reichte – mit Wimpernstichen verziert. Die Fläche wurde mit einem lichten Muster ohne Grundstichgitter gefüllt. Sich kreuzende Doppelreihen von Rosenstichen mit einem freien Kästchen umgeben von einem einreihigen Rhombus in der Mitte wurden eingestickt. Das Muster ist nicht mittig gesetzt. Für die kleine Fläche ist es zu groß gewählt (für große Flächen wäre es ein sehr ansprechendes Muster).
Das gleiche Muster ist auf der gegenüberliegenden Seite der Stickerei besser zu erkennen:
10.
Die kleine, zur Seite liegende Tulpe wurde mit Knötchenstichen und innen liegenden Kettenstichen umgeben und am äußeren Rand – soweit der Platz dafür ausreichte – mit Messerspitzen verziert.
Die Fläche wurde mit einem lichten Muster mit Grundstichgitter bestickt. In das Grundstichgitter wurde ein Rosenstichmuster eingearbeitet. Da es ein großes Muster ist, kann man den genauen Verlauf hier nur erahnen. Es ist ähnlich Muster 4, nur wechseln sich hier „8 Rosenstiche im Quadrat um ein freibleibendes Kästchen bei einem Abstand der Quadrate von einer Kästchenreihe“ mit „Fünferwürfel“ ab – ein ansprechendes Muster, das aber eine viel größere Fläche benötigt, um wirken zu können.
11.
Das kleine Herz wurde mit zwei Reihen von Knötchenstichen umgeben. Die Fläche wurde mit einem lichten Muster ohne Grundstichgitter gefüllt. Abwechseln wurde immer eine Reihe Rosenstiche und eine Reihe Grundstiche gestickt.
12.
Die große Tuple ist umgeben von Knötchenstichen und außenliegenden Kettenstichen. Der Rand wurde mit dem Muster 2 kurz-2 lang verziert, wobei die Länge der Stiche an den vorhandenen Platz angepasst wurden. Die Fläche wurde mit einem in der Schwalm sehr beliebten und oft gebrauchten Muster bestickt. Es handelt sich um ein einfaches Durchbruchmuster. In diesem Beispiel wurden 2 Fäden stehen gelassen und 1 Faden gezogen. Immer abwechseln wurden 3 Reihen Wickelstiche mit 3 Reihen Mückenstichen gestickt. Allerdings wurden die Wickelstiche auf der Vorderseite schräg über 2 Fäden gestickt und auf der Rückseite gerade. Die Stangen wurden von unten nach oben und dann zurück von oben nach unten gearbeitet, jedoch ohne die Arbeit zu drehen. Dadurch liegen die Wickelstiche einmal nach rechts und einmal nach links steigend.
13.
Der Kreis am oberen Rand zwischen Mitte und großer Tulpe ist mit 2 Reihen von Kettenstichen umgeben. Der Rand wurde überall dort, wo der Platz ausreichend war, zusätzlich mit Schürlochbögen verziert. Die Fläche wurde mit einem lichten Muster ohne Grundstichgitter gefüllt.
Abwechselnd wurden 2 Reihen Rosenstiche und 2 Reihen Grundstiche eingestickt.
14.
Der Bogen über der Tulpe in der oberen Mitte wurde mit Knötchenstichen umgeben. Am oberen Rand wurden zusätzlich innen liegende Kettenstiche und außenliegende Schnürlochbögen gearbeitet. Die Fläche wurde mit einem lichten Muster ohne Grundstichgitter gefüllt. Ein Zick-Zack-Muster aus Rosenstichen wurde eingestickt – wobei sich einfache und doppelte Reihen abwechseln.
15.
Die Tulpe in der Mitte wurde mit Knötchenstichen und außenliegenden Kettenstichen umgeben. An den oberen Ecken und am unteren Rand wurde die Schürlochbogenverzierung des Gesamtmotivs fortgesetzt.
Die Fläche wurde mit einem lichten Muster mit Grundstichgitter gefüllt. Reihen, bei denen sich drei Rosenstiche mit einem freien Kästchen abwechseln, wurde mit einem Abstand von drei freibleibenden Kästchen längs und quer in das Grundstichgitter gestickt.
16.
Die Flächen zu beiden Seiten der Mitteltulpe wurden mit Knötchenstichen umgeben und an der Rundung mit innen liegenden Kettenstichen und außenliegenden Schnürlochbögen zusätzlich verziert.
Die Fläche wurde mit einem lichten Muster ohne Grundstichgitter gefüllt. Je eine Reihe Rosenstiche wechselt sich mit einer Reihe von Grundstichen ab. Wie im oberen Bild zu sehen, wurde das Muster so angeordnet, dass es spiegelbildlich einmal nach rechts und einmal nach links steigt.
17.
Als letztes soll das kleine Herz vorgestellt werden. Es ist mit einer doppelten Reihe von Knötchenstichen umgeben. Die Fläche wurde mit einem einfachen Durchbruchmuster gefüllt, wobei 2 Fäden stehen blieben und 1 Faden gezogen wurde. Mückenstiche – ein beliebtes und für sehr kleine Flächen jeder Art gut geeignetes Muster – wurden eingestickt.
Ich hoffe, die Analyse dieser überlieferten, ca. 170 Jahre alten Stickerei hat Ihnen gefallen. Haben Sie dazu Fragen oder Wünsche? Dann senden Sie doch einfach eine E-Mail oder wählen den Weg über den Kommentar.
Hier präsentiere ich einen ganz besonders fein bestickten und mit einem nicht oft zu findenden, extravaganten und aufwändigen Muster verzierten Ärmel eines historischen Mieders. (Da ich das Teil nicht auftrennen wollte, um es in einem Stück fotografieren zu können, habe ich mehrere Fotos aneinandergefügt. So erklären sich die leichten Versprünge am oberen und unteren Rand.)

Die Stickerei dieses Mieders bietet sehr vieles, was die breite Palette der Gestaltungsmöglichkeiten in der Schwälmer Weißstickerei bereit hält: viele unterschiedliche Formen gefüllt mit zwei einfachen Durchbruchmustern, dreizehn lichten Mustern und zwei Limetmustern; Schnürlochbögen, Messerspitzen, geschnürte Messerspitzen, 2 kurz-2 lang und Wimpernstich, sowie Doppelreihen von Knötchenstichen und Doppelreihen von Kettenstichen als Umrandungsstiche der einzelnen Formen; Spiralen, kleine Blätter und Blüten sowie Schnürlöcher zur Füllung der Zwischenräume. Die Einzelheiten der Stickerei und die Flächenfüllmuster werde ich in vergrößerten Bildern in meinem nächsten Beitrag zeigen.
Das obige Bild der historischen Schwälmer Weißstickereiborte habe ich an eine Grafikerin übermittelt mit dem Auftrag, mir entsprechende Musterzeichnungen zu fertigen. Die Ergebisse kann ich nun präsentieren und Ihnen als Downloaddateien zu verfügung stellen.
Miederärmelmuster A1
Konturenzeichnungen
A1 ist ein Set, bestehend aus 3 Zeichnungen: a. die Zeichnung dicht angelehnt an das Original und abgebildet in Originalgröße; b. eine weitere, sehr ähnliche Zeichnung, die nur bei den Umrandungen der einzelnen Motive ein wenig abgeändert wurde – auch in Originalgröße; c. eine Zeichnung ähnlich b, aber abgeändert zu einem Rechteck und d. die Zeichnung ist ähnlich c, aber auf 150 % vergrößert.
Konturenzeichnungen
8 Seiten
Dateigröße: 1,32 MB
Text: deutsch
10,00 € (8,40 € + 19 % Mehrwertsteuer)
zum download
Miederärmelmuster A2
Konturenzeichnungen
Das obere Teil der Borte wurde in der Originalgröße als Endlos-Muster konstruiert. Passend dazu wurde ein Eckelement gestaltet. So kann man mit diesen Mustern eine beliebig lange Borte, ein kleines oder ein großes Quadrat und auch ein Rechteck sticken.
(Viele weitere Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich in Verbindung mit dem unteren Teil der Borte, die man in den Konturenzeichnungen A3 findet.)
Konturenzeichnungen
8 Seiten
Dateigröße: 1,44 MB
Text: deutsch
10,00 € (8,40 € + 19 % Mehrwertsteuer)
zum download
Miederärmelmuster A3
Konturenzeichnungen
Das untere Teil der Borte wurde in der Originalgröße als Endlos-Muster konstruiert. Passend dazu wurden Eckelemente gestaltet. So kann man mit diesen Mustern eine beliebig lange Borte, ein kleines oder ein großes Quadrat und auch ein Rechteck sticken.
(Viele weitere Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich in Verbindung mit dem oberen Teil der Borte, die man in den Konturenzeichnungen A2 findet.)
Die gleichen Teile sind auch noch einmal als 150 % Vergrößerung beigefügt.
Außerdem wurden zwei verschiedene, dicht besetzte Rechteckmuster gestaltet, die allerdings nach Belieben vergrößert werden müssen.
Konturenzeichnungen
11 Seiten
Dateigröße: 1,73 MB
Text: deutsch
10,00 € (8,40 € + 19 % Mehrwertsteuer)
zum download
Miederärmelmuster A4
Konturenzeichnungen
Teilweise anders angeordnet als in der Originalversion und vergrößert bieten sich interessante Gestaltungsmöglichkeiten für Borten, einen asymmetrischen Läufer oder ein außergewöhnliches quadratisches Muster.
Konturenzeichnungen
11 Seiten
Dateigröße: 1,62 MB
Text: deutsch
10,00 € (8,40 € + 19 % Mehrwertsteuer)
zum download
Viele weitere historische so wie auch sehenswerte zeitgenössische Schwälmer Weißstickereien gehören zu meiner Sammlung. Gern würde ich Ihnen alle Stücke zeigen und so meinen Schatz mit Ihnen teilen.
Doch außer des immensen Zeitaufwandes, den ich habe, um für meine Beiträge zu recherchieren und sie publikationsfertig zu machen, habe ich auch nicht unerhebliche materielle Aufwendungen:
Da ist mein Webmaster, der unermüdlich dafür sorgt, dass meine Website reibungslos funtioniert und attraktiv bleibt, da ist meine Editorin, die für all meine englischsprachigen Leser unverzichtbare Dienste leistet, da ist eine Designerin, die mir nach meinen Wünschen und Vorstellungen Entwürfe fertigt, da ist die Grafikerin, die Entwürfe in klare, präziese und gut brauchbare Zeichnungen umsetzt. Und da sind nicht zuletzt verlockende Angebote, rar gewordene historische Stickereien von besonderer Pracht oder besonderem Reiz käuflich zu erwerben. So habe ich überlegt, eine „paywall“ (=Bezahlwand) auf meiner Website einzuziehen und dahinter meine schönsten Stücke gegen Bezahlung zu zeigen. Doch zum einen ist dies sehr, sehr aufwändig, zum anderen würde ich die Bilder wahrscheinlich schon sehr bald auf Pinwänden in aller Welt wiederfinden. Daher habe ich diesen Gedanken wieder fallen gelassen.
Auch neue Bücher oder Kataloge zu produzieren, halte ich für wenig sinnvoll, kann ich doch dort die Dinge niemals in solcher Ausführlichkeit präsentieren wie in meinem Blog.
Also bin ich zu dem Schluss gekommen, Ihnen immer mal wieder Kleinigkeiten wie die obigen Konturenzeichnungen zum Kauf anzubieten. Mit dem Erwerb erhalten Sie nicht nur schöne Dinge, die man anderswo schwerlich findet, sondern Sie können damit auch meine Arbeit unterstützen und so dazu beitragen, dass ich sie aufrecht erhalten und fortführen kann. Im Gegenzug können sie zu jeder Zeit und so lang sie wollen meine Website besuchen und dort gesammelte Informationen finden. Sie können sich an Bildern schöner Stickereien erfreuen, die Sie sonst nur durch Museumsbesuche erblicken könnten. Reisen und Strapazen bleiben Ihnen erspart – sie agieren einfach bequem von zu Hause aus.
Mit Ihrer kontinuierlichen Unterstützung bin ich in der Lage, Ihnen – über meinen Blog – die schönsten Schwälmer Stickereien zu zeigen, Ihnen Konturenmuster zu liefern und Arbeitsanleitungen zu geben.
Die Bündchen der Schwälmer Miederärmel waren unterschiedlich und vielfältig gestaltet. Den unteren Abschluss (in der Sicht auf den nicht aufgefalteten Ärmel) bildete immer eine mehr
oder weniger ausgeprägte Nadelspitze.
Am oberen Abschluss des Bündchens wurde entweder ein Erbslochhohlsaum,
ein Stopfhohlsaum
oder ein Stopfhohlsaum in Verbindung mit Erbslochhohlsaum gearbeitet.
Dazwischen lag eine mehr oder weniger breite Fläche, die ganz
oder auch nur teilweise mit Weißstickerei ausgefüllt wurde.
Die ausladenste, mir zur Verfügung stehende Miederärmelverzierung ist 22 cm weit, wobei die Weißstickereiborte allein eine Weite von 14 cm aufweist. Die Weite der Verzierungen der anderen Miederärmel bewegt sich zwischen 10 cm und 20 cm. Nur die Verzierungen der Kindermieder waren schmaler.
Die Weißstickereiborten der Schwälmer Mieder waren immer unterfüttert. Das konnte auf zwei verschiedene Arten geschehen:
1. Der Ärmel wurde gleich so lang zugeschnitten, dass ein breiter Saum und eine Nahtzugabe bereits enthalten waren.
Dabei hatte man das Problem, dass sich der Schnitt nach unten hin verjüngte und daher beim Zurückschlagen nicht die gesamte Breite der Stickerei abdecken konnte.
2. Der Ärmel wurde nur mit 2 – 3 cm Nahtzugabe an der unteren Kante zugeschnitten. Ein zusätzlicher Stoffstreifen in der Breite des Ärmels wurde dann an der Nahtzugabe angesetzt, um damit sie Fläche zwischen Nadelspitze und Hohlsaumrand abzufüttern.
Man begann mit einem Fadenauszug am oberen und am unteren Rand der Stickereiborte. Zwischen diesen Linien wurde das gewünschte Muster gestickt. Manchmal – wie im unteren Beispiel zu sehen – wurden auch noch weitere Fadenauszüge vorgenommen, um Schlängchen zwischen die Fadenrinnen zu sticken. (Weitere Schwalmtypische Börtchen und Zierstiche kann man in meiner Publikation Schlängchen & Co finden.) Die Fadenrinnen wurden mit Steppstichen überdeckt.
Dann wurde der Hohlsaum gearbeitet. Meist erstreckte sich der Hohlsaum über die gesamte Breite des Ärmels,
nur in wenigen Fällen wurde er schon kurz vor Erreichen des Randes beendet.
Am unteren Ende des Ärmels wurde die Nahtzugabe dicht entlang der Stickerei nach hinten umgeschlagen und mit einer Reihe von Steppstichen entlang der anfangs gebildeten Fadenrinne am Platz gehalten.
An die kurze Nahtzugabe wurde der Streifen angesetzt. Das obere Ende des Streifens oder das obere Ende der langen Nahtzugabe wurden knapp nach innen eingeschlagen und dann mit Hohlsaumstichen an der unteren Kante des Hohlsaumes befestigt.
An der unteren Kante des Ärmels wurde nun Nadelspitze gearbeitet. Meist verlief sie nicht über die gesamte Breite des Ärmels, sondern begann und endete ca. 1 cm vor Erreichen der Seiten.
Breitere Nadelspitzen verjüngten sich nach unten hin.
Die Ärmelnaht wurde geschlossen. Wenn das Futter nicht bis zur Naht reichte, wurde es kanpp eingeschlagen und mit feinen, überwendlichen Stichen befestigt.
Der Ärmel wurde so gewendet, dass die Stickerei nach innen zeigte
und dann am Armausschnitt eingesetzt.
Hochgeschlagen bis fast zur Schulter entfaltete sich die feine Zierde in ihrer ganzen Pracht.



