Famos: Waltrauds reich bestickter Quilt (1)

Mit einer Größe von 280 cm x 280 cm und unter Verwendung von 15 Stickgarnfarben ist innerhalb von 14 Jahren ein gestickter Quilt der Superlative entstanden.

Warum zeige ich auf meinem Blog, der sich hauptsächlich mit Schwälmer Weißstickerei beschäftigt, einen Quilt?
Damit zolle ich einer herausragenden Leistung Respekt und teile die Begeisterung an sehenswerten Handarbeiten mit anderen.

Nicht nur in der Schwalm war es früher üblich, Textilien reich mit Stickereien zu verzieren. Doch dort entstanden besonders prächtige und aufwändige Exemplare, wie man bei Besuchen der Museen in Ziegenhain und Holzburg unschwer erkennen kann.
Bettüberwürfe zum Beispiel waren Statussymbole. Man investierte sehr viel Zeit und Arbeit in die üppige und prunkvoll feine Stickerei. Man nutzte die Teile jahrzehntelang. Auch nachfolgende Generationen erfreuten sich an den luxuriösen Schätzen.

Schwälmer Bettüberwurf von 1876

Heute werden solch aufwändig handgearbeitete Stücke kaum noch hergestellt. Zu schnelllebig ist die Zeit, zu rasch ändert sich der Modegeschmack.

Noch nicht oft konnte ich daher über zeitgenössische voluminöse Stickereien berichten, die von einer einzelnen Stickerin gefertigt wurden.

Da ist das imposante, fabelhafte Mustertuch von Rosemarie Landsiedel-Eicken.
Da ist die außergewöhnliche Tagesdecke von Gertrude Vorwerk.
Da ist die traumhafte runde Schwälmer Tischdecke von brubi.
Da ist mein großes Mustertuch, das ursprünglich als Tagesdecke gedacht war und jetzt als Wandbehang fungiert.
Da ist der handgesteppte Boutis von Heather Harteneck.
Und da ist der handbestickte und hand-gequiltete Bettüberwurf für ein Kinderbett von Waltraud Kater aus Wagga Wagga in Australien.

Als ich diesen Quilt in 2017 vorgestellt habe, konnte ich auch ein Bild ihres in Arbeit befindlichen großen Bettüberwurfes zeigen.

Nun ist ihr Traum von einem Quilt als Tagesdecke für das Doppelbett in Erfüllung gegangen – das Meisterwerk ist vollendet und wir dürfen einen Blick darauf werfen!

Begonnen hat sie damit im Jahr 2011. Sie fertigte eine grobe Skizze, in der sie festhielt, wie das Traumprojekt zusammengefügt werden sollte.

Da Waltraud damals keinerlei Erfahrung im Sticken hatte, hat sie zunächst einen Kursus belegt, um die erforderlichen Grundlagen zu erlernen. Dort stickte sie das erste Quadrat in der Größe von 30 cm x 30 cm.

Block 1

Acht weitere Quadrate dieser Größe sollten folgen.

Block 2

Sie bildete sich fort und eignete sich weitere Stiche und Füllmuster durch Literatur selbständig an.

Block 3

Die Entwürfe für ihren Quilt sind aus vielen Büchern und Magazinen, von Fotos und auch Perser-Teppichen entnommen worden.

Block 4

Block 5

Block 6

Block 7

Block 8

Die ersten Bilder erreichten mich 2012. Damals hatte sie das Mittelteil von der Tagesdecke für das Bett gerade fertiggestellt. Sie hat ein Muster aus einem meiner Bücher verwendet. Dabei hat sich der Stoff unter dem Muster gewölbt. Nach Abhilfe suchend, hat sie den Stoff an dieser Stelle von der Rückseite aufgeschlitzt und unterfüttert.

Block 9

Dadurch hoben sich die Blütenblätter (weinrot) plastisch ab. Diese eigentlich aus der Not geborene Technik hat sie an exponierten Stellen immer mal wieder effizient eingesetzt.

Bei der Erstellung der Muster bzw. Formen hat sich Waltraud extrem viel Mühe gemacht. Sie ist durch viele Bücher und andere Quellen gegangen. Auf der Suche nach interessanten Stichkombinationen und Füllungen halfen die folgenden Bücher:

Mountmellick Embroidery – Yette Stanton & Prue Scott
Crewel Jacobean Embroidery – Hazel Blomkamp
A Fine Tradition – Margaret Light
Early Schwalm Whitework – Luzine Happel

Auch Konturen von Deko-Stoffen und Orient-Teppichen dienten als Denkanstoß.

Sie hat jede Menge Anregungen gesammelt und dann alle Blöcke, Dreiecke und Borten nacheinander entwickelt. Dazu hat sie die Muster aus den verschiedenen Quellen mit Bleistift auf Transparentpapier kopiert und wenn nötig mit Scanner und PC auf die gewünschte Größe gebracht. Diese Vorlagen wurden zusammengeklebt, um einen 1:1 Modellentwurf für die Bettdecke zu erstellen.
Danach wurden Transparent- oder Seidenpapier und der Stoff für die einzelnen Teile des Quilts zugeschnitten und mit endgültigen Begrenzungslinien (Kanten) versehen, damit die Stoffteile später genau ausgerichtet werden konnten.

Auf die Papierzuschnitte wurden alle Konturen akkurat von den Vorlagen nachgezeichnet. Dann hat sie ihre Vorstellung von Füllmustern in die Konturen skizziert.
Das folgende Beispiel zeigt einen Teil des oben gestickt zu sehenden Blocks.

Auf diesem Weg sind auch die 3 m langen Borten entstanden, d.h. die Vorlagen sind in einem Stück 3 m lang und 50 cm breit geworden. Als vorletzter Schritt wurde die Vorlage auf den Lichtkasten gelegt und darauf der zugeschnittene Stoff. Der letzte Schritt war dann „nur noch“ das Durchzeichnen der Muster mit einem Pilot Frixion Ball auf den Stoff, denn die so entstandenen Linien können am Schluss mit Hitze (Bügeleisen oder Föhn) entfernt werden.

Die neun Quadrate des Mittelteils sind mittels schmaler altrosa-farbener Streifen zusammengesetzt, wodurch der Rhombus eine Seitenlänge von 110 cm erhielt.
Der Mittelrhombus ist von vier Dreiecken umgeben. Jeweils zwei von ihnen zeigen spiegelbildlich die gleichen Muster.

Die Dreiecke sind durch etwas breitere Streifen mit dem Rhombus verbunden.

Am Schluss sehen die unteren Dreiecke so

und die oberen Dreiecke so aus:

Ein paar Detailbilder lassen Einzelheiten erkennen und zeigen die Vielfalt der verwendeten Stiche. (Wenn man auf die Bilder klickt, erscheinen sie vergrößert.)

Die Fortsetzung folgt im nächsten Beitrag.

3. Der Plattstich

Die 13 Basisstiche der Schwälmer Weißstickerei

A. Die Zierstiche

3. Der Plattstich

Plattstiche erstrecken sich zwischen zwei Linien/Punkten, wobei die Linien meist nicht parallel verlaufen.

Garnstärke: je nach Feinheit des Leinens Vierfachstickgarn Nr. 20 oder Nr. 25
Aufbau der Reihen: von unten nach oben
Richtung der Nadelführung: von rechts nach links
Arbeitsweise: Man sticht auf der linken/äußeren Linie aus und legt den Faden in einer Schlaufe nach unten und rechts.
Man sticht auf der rechten Seite ein, unterquert den Stoff zwischen den beiden Linien und sticht links dicht neben dem vorherigen Ausstichpunkt aus.
Man zieht die Nadel durch und den Faden nach links an.

Die variable Länge der Stiche macht den Plattstich universell einsetzbar.
In der Schwälmer Weißstickerei setzt man ihn ein für kleine einteilige

sowie spitze, geteilte

und herzförmige Blättchen,

kleine Blümchen und kleine Kreise.

Ebenso werden halbkreisförmige – oft mit Wimpernstichen umgebene -,

zackige

oder strahlenförmige Umrandungen von Motiven damit gestaltet.

Siehe auch: Schwälmer Konturenmuster (9) – 2 kurz-2 lang
Schwälmer Konturenmuster – Messerspitzen (3)
Wie stickt man kleine, spitze Blätter?
Adventskalender 2016 – Tag 3 (Knötchen, Schnürloch, spitze Blätter)
In der Stickerei der „Vogelborte waagerecht
findet man viele der vorgenannten Gestaltungsmöglichkeiten mit Plattstichen.

Winterbaum mit Beerenschale

Der „Winterbaum mit Beerenschale“ ist ein hübsches kleines saisonales Motiv. Der Entwurf der Künstlerin Gudrun Hartwig führt vom kahlen herbstlichen Baum über die als Tannenzweig anmutende Gestaltung mit der Sternspitze und den weiteren Dekorationen zum weihnachtlichen Futterplatz für Vögel.

Alle Konturen wurden mit breitem Stielstich (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 5) gestickt. Um den Tannencharakter des Baumes hervorzuheben, habe ich ein Muster aus dem Buch Limetrosen II (Seite 21) gewählt.

Im Kontrast zum dem dichten und plastischen Muster wurde der Stern zuerst mit der filigranen Rosenstichvariante (siehe: Adventskalender 2019 – Tag 1 Bilder 3 – 5) bestickt und dann mit einer Webstich-Spinne (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 61) überdeckt.

Die Vögelchen wurden mit Kettenstichen und Schlingstichen dekoriert.

Der Meisenring wurde mit einzelnen Kettenstichen (= Margeritenstichen) bestickt (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 79).

Der Apfel erhielt mit dem „dichten 2-er Geflecht“ (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 19) ein schlichtes Muster.

Die Beerenschale wurde im unteren Bereich mit „umgekehrtem Webstich“ (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 62) gefüllt. Der Rand wurde mit Plattstichen gestaltet.

Die Beeren wurden als „Schnürlöcher“ gestickt.

Der „Winterbaum mit Beerenschale“ wirkt auch als Fensterbild sehr ansprechend.

Das Muster können Sie im pdf-Format für 5 € bestellen. In leichter Abwandlung gibt es auch ein Muster, bei dem statt Beeren ein Vogel an der Schale Platz genommen hat, eine Zeichnung mit bloßer Futterschale sowie ein Entwurf, bei dem statt Beerenschale ein pickender Vogel abgebildet ist.

Weitere hübsche weihnachtliche Stickereien, deren Entwürfe von der Künstlerin Gudrun Hartwig stammen, findet man hier:

Adventskalender 2018 – Tag 6 Gartenengel
Adventskalender 2016 – Tag 23 Tannenkränzchen
„Christrose mit Stern“ Adventskalender 2016 – Tag 22 letztes Bild
Märchenhaft – Bilder in Weißstickerei zum Grimm-Jahr 2013 Frau Holle
Adventskalender 2019 – Weihnachtskranz
Adventskalender 2019 – Tag 24 – Weihnachtskranz
Tannenkranz mit Kugeln
Ein kleines Herbstkränzchen

Frohe Weihnachten und Guten Rutsch ins Neue Jahr

2. Der Schlingstich

Die 13 Basisstiche der Schwälmer Weißstickerei

A. Die Zierstiche
2. Der Schlingstich

Schlingstiche erstrecken sich zwischen zwei Linien/Punkten, wobei die Linien meist nicht parallel verlaufen. Schlingstiche werden in der Schwälmer Weißstickerei in vielen Formationen gestickt. Man stickt mit ihnen gerundete Blätter, die halbkreisförmigen, zackigen oder strahlenförmigen Umrandungen von Motiven, kleine Blümchen und kleine Kreise.

Garnstärke: je nach Feinheit des Leinens Vierfachstickgarn Nr. 20 oder Nr. 25
Aufbau der Reihen: meist von oben nach unten (manchmal auch von links nach rechts)
Richtung der Nadelführung: meist von rechts nach links (manchmal auch von oben nach unten)
Arbeitsweise: Man sticht auf der linken/äußeren Linie aus und legt den Faden in einer Schlaufe nach unten und rechts.
Man sticht auf der rechten Seite ein, unterquert den Stoff zwischen den beiden Linien und sticht links dicht neben dem vorherigen Ausstichpunkt aus. Der Schlaufenfaden befindet sich unterhalb der Nadelspitze.
Man zieht die Nadel durch und den Faden nach links an.

Auf diese Weise entstehen Schlingstichbögen (in der Schwalm „geschnürte Bögen“ genannt,

oder um einen Mittelpunkt herum gearbeitete Schlingstichbögen – die sogenannten „Schnürlochbögen“,

Schlingstichspitzen (in der Schwalm geschnürte Messerspitzen“ genannt) und

um einen Mittelpunkt herum gearbeitete Schlingstichspitzen – die sogenannten „Schnürloch-Messerspitzen“,

Auch Wimpernstiche entstehen mit dem Schlingstich,

ebenso das Schlingstich-Rad (in der Schwalm „Schürloch“ genannt).

(Auch der Rosenstich ist ein Schlingstich, wird aber nicht als Zierstich, sondern als Flächenfüllmuster eingesetzt und daher auch unter dieser Kategorie ausführlich beschrieben.)

Siehe auch:
Wie arbeitet man ein Schnürloch?
Übungsmuster für Knötchenstichen, Spiralen, Abzweigen und Schnürlöchern.
Tischdecke für alle Jahreszeiten – Oktober: Wilder Wein und Trauben
Adventskalendar 2016 – Tag 7

Tannenkranz mit Kugeln

Eine hübsche Verzierung für ein weihnachtliches Deckchen bietet das Motiv „Tannenkranz mit Kugeln“. Das Design wurde von der Künstlerin Gudrun Hartwig entworfen.

Die Tannenzweige aus Korallen-Knötchenstichen und Plattstichen sind schnell gestickt.

Die Kreisform der unterschiedlich großen Kugeln bietet viele Möglichkeiten zur Füllmusterauswahl.

In diesem Beispiel wurden sie ausschließlich mit Mustern aus den Buch „Sterne“ bestickt. Diese Muster wirken besonders plastisch und eignen sich als Einzelsterne sowohl für die kleinsten als auch als prächtige Endlosmuster für die großen Kugeln.

Natürlich kann man auch viele andere Muster wählen. Für ein Geschenkesäckchen bietet sich ein einzelner Zweig mit einer Kugel an. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf.

Die hier gezeigte Stickerei wurde auf 16-fädigem Leinen gearbeitet. Der Kranz hat einen Durchmesser von 40 Zentimetern. Für dieses Motiv habe ich eine Schablone, sodass ich den Kranz aufdrucken kann.