3. Der Plattstich

Die 13 Basisstiche der Schwälmer Weißstickerei

A. Die Zierstiche

3. Der Plattstich

Plattstiche erstrecken sich zwischen zwei Linien/Punkten, wobei die Linien meist nicht parallel verlaufen.

Garnstärke: je nach Feinheit des Leinens Vierfachstickgarn Nr. 20 oder Nr. 25
Aufbau der Reihen: von unten nach oben
Richtung der Nadelführung: von rechts nach links
Arbeitsweise: Man sticht auf der linken/äußeren Linie aus und legt den Faden in einer Schlaufe nach unten und rechts.
Man sticht auf der rechten Seite ein, unterquert den Stoff zwischen den beiden Linien und sticht links dicht neben dem vorherigen Ausstichpunkt aus.
Man zieht die Nadel durch und den Faden nach links an.

Die variable Länge der Stiche macht den Plattstich universell einsetzbar.
In der Schwälmer Weißstickerei setzt man ihn ein für kleine einteilige

sowie spitze, geteilte

und herzförmige Blättchen,

kleine Blümchen und kleine Kreise.

Ebenso werden halbkreisförmige – oft mit Wimpernstichen umgebene -,

zackige

oder strahlenförmige Umrandungen von Motiven damit gestaltet.

Siehe auch: Schwälmer Konturenmuster (9) – 2 kurz-2 lang
Schwälmer Konturenmuster – Messerspitzen (3)
Wie stickt man kleine, spitze Blätter?
Adventskalender 2016 – Tag 3 (Knötchen, Schnürloch, spitze Blätter)
In der Stickerei der „Vogelborte waagerecht
findet man viele der vorgenannten Gestaltungsmöglichkeiten mit Plattstichen.

Winterbaum mit Beerenschale

Der „Winterbaum mit Beerenschale“ ist ein hübsches kleines saisonales Motiv. Der Entwurf der Künstlerin Gudrun Hartwig führt vom kahlen herbstlichen Baum über die als Tannenzweig anmutende Gestaltung mit der Sternspitze und den weiteren Dekorationen zum weihnachtlichen Futterplatz für Vögel.

Alle Konturen wurden mit breitem Stielstich (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 5) gestickt. Um den Tannencharakter des Baumes hervorzuheben, habe ich ein Muster aus dem Buch Limetrosen II (Seite 21) gewählt.

Im Kontrast zum dem dichten und plastischen Muster wurde der Stern zuerst mit der filigranen Rosenstichvariante (siehe: Adventskalender 2019 – Tag 1 Bilder 3 – 5) bestickt und dann mit einer Webstich-Spinne (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 61) überdeckt.

Die Vögelchen wurden mit Kettenstichen und Schlingstichen dekoriert.

Der Meisenring wurde mit einzelnen Kettenstichen (= Margeritenstichen) bestickt (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 79).

Der Apfel erhielt mit dem „dichten 2-er Geflecht“ (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 19) ein schlichtes Muster.

Die Beerenschale wurde im unteren Bereich mit „umgekehrtem Webstich“ (Frühe Schwälmer Weißstickerei, Seite 62) gefüllt. Der Rand wurde mit Plattstichen gestaltet.

Die Beeren wurden als „Schnürlöcher“ gestickt.

Der „Winterbaum mit Beerenschale“ wirkt auch als Fensterbild sehr ansprechend.

Das Muster können Sie im pdf-Format für 5 € bestellen. In leichter Abwandlung gibt es auch ein Muster, bei dem statt Beeren ein Vogel an der Schale Platz genommen hat, eine Zeichnung mit bloßer Futterschale sowie ein Entwurf, bei dem statt Beerenschale ein pickender Vogel abgebildet ist.

Weitere hübsche weihnachtliche Stickereien, deren Entwürfe von der Künstlerin Gudrun Hartwig stammen, findet man hier:

Adventskalender 2018 – Tag 6 Gartenengel
Adventskalender 2016 – Tag 23 Tannenkränzchen
„Christrose mit Stern“ Adventskalender 2016 – Tag 22 letztes Bild
Märchenhaft – Bilder in Weißstickerei zum Grimm-Jahr 2013 Frau Holle
Adventskalender 2019 – Weihnachtskranz
Adventskalender 2019 – Tag 24 – Weihnachtskranz
Tannenkranz mit Kugeln
Ein kleines Herbstkränzchen

Frohe Weihnachten und Guten Rutsch ins Neue Jahr

2. Der Schlingstich

Die 13 Basisstiche der Schwälmer Weißstickerei

A. Die Zierstiche
2. Der Schlingstich

Schlingstiche erstrecken sich zwischen zwei Linien/Punkten, wobei die Linien meist nicht parallel verlaufen. Schlingstiche werden in der Schwälmer Weißstickerei in vielen Formationen gestickt. Man stickt mit ihnen gerundete Blätter, die halbkreisförmigen, zackigen oder strahlenförmigen Umrandungen von Motiven, kleine Blümchen und kleine Kreise.

Garnstärke: je nach Feinheit des Leinens Vierfachstickgarn Nr. 20 oder Nr. 25
Aufbau der Reihen: meist von oben nach unten (manchmal auch von links nach rechts)
Richtung der Nadelführung: meist von rechts nach links (manchmal auch von oben nach unten)
Arbeitsweise: Man sticht auf der linken/äußeren Linie aus und legt den Faden in einer Schlaufe nach unten und rechts.
Man sticht auf der rechten Seite ein, unterquert den Stoff zwischen den beiden Linien und sticht links dicht neben dem vorherigen Ausstichpunkt aus. Der Schlaufenfaden befindet sich unterhalb der Nadelspitze.
Man zieht die Nadel durch und den Faden nach links an.

Auf diese Weise entstehen Schlingstichbögen (in der Schwalm „geschnürte Bögen“ genannt,

oder um einen Mittelpunkt herum gearbeitete Schlingstichbögen – die sogenannten „Schnürlochbögen“,

Schlingstichspitzen (in der Schwalm geschnürte Messerspitzen“ genannt) und

um einen Mittelpunkt herum gearbeitete Schlingstichspitzen – die sogenannten „Schnürloch-Messerspitzen“,

Auch Wimpernstiche entstehen mit dem Schlingstich,

ebenso das Schlingstich-Rad (in der Schwalm „Schürloch“ genannt).

(Auch der Rosenstich ist ein Schlingstich, wird aber nicht als Zierstich, sondern als Flächenfüllmuster eingesetzt und daher auch unter dieser Kategorie ausführlich beschrieben.)

Siehe auch:
Wie arbeitet man ein Schnürloch?
Übungsmuster für Knötchenstichen, Spiralen, Abzweigen und Schnürlöchern.
Tischdecke für alle Jahreszeiten – Oktober: Wilder Wein und Trauben
Adventskalendar 2016 – Tag 7

Tannenkranz mit Kugeln

Eine hübsche Verzierung für ein weihnachtliches Deckchen bietet das Motiv „Tannenkranz mit Kugeln“. Das Design wurde von der Künstlerin Gudrun Hartwig entworfen.

Die Tannenzweige aus Korallen-Knötchenstichen und Plattstichen sind schnell gestickt.

Die Kreisform der unterschiedlich großen Kugeln bietet viele Möglichkeiten zur Füllmusterauswahl.

In diesem Beispiel wurden sie ausschließlich mit Mustern aus den Buch „Sterne“ bestickt. Diese Muster wirken besonders plastisch und eignen sich als Einzelsterne sowohl für die kleinsten als auch als prächtige Endlosmuster für die großen Kugeln.

Natürlich kann man auch viele andere Muster wählen. Für ein Geschenkesäckchen bietet sich ein einzelner Zweig mit einer Kugel an. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf.

Die hier gezeigte Stickerei wurde auf 16-fädigem Leinen gearbeitet. Der Kranz hat einen Durchmesser von 40 Zentimetern. Für dieses Motiv habe ich eine Schablone, sodass ich den Kranz aufdrucken kann.

1. Der Korallen-Knötchenstich

Die 13 Basisstiche der Schwälmer Weißstickerei

A. Die Zierstiche

1. Der Korallen-Knötchenstich (auch linienbildender Knötchenstich und in der Schwalm einfach nur Knötchenstich genannt)

Mit diesem Stich werden die Konturen der Motive, die Stiele und die Spiralen gestickt.

Garnstärke: je nach Feinheit des Leinens Vierfachstickgarn Nr. 16 oder Nr. 20
Aufbau der Reihen: von unten nach oben
Richtung der Nadelführung: von rechts nach links
Arbeitsweise: Man legt den Arbeitsfaden ein Stück weit über die Linie, die bestickt werden soll und dann in einer Schlaufe nach links und unten.
Man sticht rechts des gelegten Fadens – in geringem Abstand zum vorherigen Knoten – ein, unterquert den Stoff unterhalb des gelegten Fadens und sticht links dicht daneben aus. Der Schlaufenfaden befindet sich unterhalb der Nadelspitze.
Man zieht die Nadel durch und den Faden senkrecht in die Luft an.
Der Abstand der Knötchen sollte in etwa eine Nadelbreite betragen.

Für Anfänger ist es einfacher, kurz oberhalb des Ausstichpunktes das Gewebe unterhalb der Linie von rechts nach links aufzufassen,

dann den Arbeitsfaden über die Nadelspitze nach oben und unter der Nadelspitze wieder nach unten zu legen,

die Nadel durch- und den Faden senkrecht in die Luft anzuziehen.

Je kürzer der Stich, der das Gewebe unterhalb der Linie auffasst, ausfällt, desto runder erscheinen die Knötchen.

Würde man den Faden nicht senkrecht in die Luft sondern in Richtung der freien Linie anziehen, wie im Bild unten bei den letzten vier Stichen zu sehen, würden die Knötchen eher wie schräg liegende Stiche wirken.

Aber keine Sorge: Die obigen Bilder zeigen stark vergrößerte Details.
In der richtigen Größe gezeigt und im Zusammenspiel mit den anderen Stichen sehen die meisten Korallen-Knötchenstiche ganz passabel aus, wie auf dem Foto einer alten Miederärmelborte zu sehen.

Betrachtet man sich die Stiche in der Vergrößerung, fällt durchaus unterschiedliche Perfektion auf.

Der Korallen-Knötchenstich ist einer der wichtigsten Stiche in der Schwälmer Weißstickerei. Die frühesten Zeugnisse dieses Stiches in der Schwalm habe ich bisher in der Krone eines Türhandtuchs gefunden, das mit 1762 datiert und im Museum der Schwalm in Ziegenhain ausgestellt ist.

Die Royal School of Needlework bezeichnet den Stich als Linienstich, der mit gleichmäßig verteilten Knoten durchsetzt ist. Er gilt als einer von altägyptischen Nähern verwendeter Stich. Er wurde in einem englischen Mustertuch von 1598 und einem englischen Kopfschmuck aus dem spätem 16. Jahrhundert gefunden. Im 17. und 18. Jahrhundert war er ein beliebter Stich des englischen Crewelworks. Ende des 18. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts wurde er fester Bestandteil der Schwälmer Weißstickerei. Er wird auch in der sardischen Knotenstickerei aus Teulada (Sardinien) als Punt ´e Nù verwendet.

In anderen Regionen und Ländern war der Stich wohl weitgehend unbekannt. Dort verwendeten die Weißstickereien der damaligen Zeit entweder Stielstiche oder Klosterstiche – auch die der Schwälmer Weißstickerei ähnlichen Stickereien wie die auf dem Gebiet des heutigen Tschechiens oder die frühe Hedebostickerei aus Dänemark.

So ist es nicht verwunderlich, dass Thérése de Dillmont in ihrem bahnbrechenden Werk Enzyklopädie der Handarbeiten (1893) diesen Stich nicht erwähnt.
In meinen alten Handarbeitsbüchern findet man aber Abwandlungen. So zeigt z.B. Emilie Stiasny in ihrem Buch von 1910 „Stickerei-Techniken für Schule und Praxis“ (K .K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien) den „verdrehten Schlingstich“ (Abb. 340a). Dieser ist dem Korallen-Knötchenstich ähnlich, nur wird der Arbeitsfaden in Richtung der Nadelführung angezogen und nicht senkrecht in die Luft.

Die Schwälmer Weißstickerei-Entwürfe zeigen oft sehr ausgeprägte Spiralen. Diese kann man mit Korallen-Knötchenstichen besonders exakt sticken. Auch wirken die mit diesem Stich gestickten Linien kräftiger, ausgeprägter und augenfälliger als die mit anderen Stichen gestickten. Vielleicht ist das ein Grund, weshalb der Korallen-Knötchenstich in der Schwalm gebräuchlich war.

Siehe auch:
Wie stickt man Spiralen?
Spiralen – Übung (1)
Spiralen – Übung (2)
Spiralen – Übung (3)
Wie arbeitet man Abzweige von Stielen und Spiralen?
Abzweige – Übung (1) Ein kleines Mustertuch
Adventskalender 2016 – Tag 5
Adventskalender 2016 – Tag 20
Abzweige – Übung (2)
Abzweige – Übung (3)
Abzweige und Spiralen – Übung