Ein pittoresker Träger für Süßigkeiten

In den 60er Jahren war es modern, Einlagen für Brötchenkörbe zu nähen. In diesen mehrlagigen „Deckchen“, die versetzt zusammengenäht wurden, hatte jedes Brötchen ein eigenes Fach. Auf der Suche nach einem hübschen, kleinen Projekt mit Nadelspitze, erinnerte ich mich an diese speziellen Textilien. Ich will solch ein Teil als extravagante Bonbonniere arbeiten. Natürlich müssen die Süßigkeiten, die in dem Behältnis aus Leinen präsentiert werden, in Papier gewickelt sein. Da ich keinen deutschen Namen dafür finden konnte, nenne ich das Teil wie im Englischen – „Cozy“.

Die äußere Lage sollte etwas größer sein. Mit Hilfe eines Werkzeuges (wie z. B. kleine Teller) wird ein Kreis mit einem Durchmesser von 18 cm – mit etwas Stoffüberstand auf allen Seiten – auf 20-fädiges Leinen gezeichnet. Zwei weitere Kreise mit je 16 cm Durchmesser folgen. Es ist wichtig, dass das Leinen dazu gut gebügelt wird und komplett faltenfrei ist.
cozy_1Damit das Gewebe nicht ausfransen kann, werden die Ränder gesichert. Dazu werden an den Innenseiten der Kreislinien entlang Kettenstiche mit Vierfachstickgarn Nr. 30 gestickt. Diese Kettenstiche werden dicht mit Schlingstichen überdeckt. Dazu wird Vierfachstickgarn Nr. 20 verwendet. Die Schlingen der Stiche sollten direkt auf den Kreislinien liegen.
cozy_2Danach wird das Leinen gekocht und gebügelt. Sodann werden die Kreise ausgeschnitten.
Es ist ratsam, mit der Nadelspitzenverzierung (einfachen Knopflochstich-Nadelspitzenbögen; Vierfachstickgarn Nr. 20) an einem der kleinere Kreise zu beginnen. Dieser wird dann als Innenlage verwendet, wo kleine Unebenheiten kaum sichtbar sind.
Wenn man sich für die Breite der Bögen entschieden hat, wird die gesamte Kante vermessen und markiert. Mein Cozy soll Nadelspitzenbögen in der Breite von 1,4 cm erhalten. Um die Markierungen dafür einzuzeichnen, verwende ich einen Bügelmusterstift. Denn dessen Farbe lässt sich leicht auswaschen. Einfache Knopflochstich-Nadelspitzenbögen werden auch um den zweiten Kreis herum gestickt. Der Rand der äußeren Lage soll eine etwas markantere Verzierung erhalten.
So wähle ich doppelte Knopflochstich-Nadelspitzenbögen für den großen Kreis und entscheide mich für eine Breite von 2 cm/Doppelbogen.
cozy_3Nähere Informationen dazu – weitere Muster und detaillierte Arbeitsschritt-Beschreibungen – findet man in meiner Publikation Randverzierende Schwälmer Nadelspitze.
Bitte beachten Sie, dass die Nadelspitzenbögen an den Schlingen der Schlingstiche befestigt sind.
cozy_4Dadurch sieht auch die Rückseite ordentlich aus.
cozy_5Wenn alle drei Deckchen fertiggestellt sind, müssen sie erneut gebügelt werden.
cozy_6Mittels des Bügelmusterstiftes teile ich das Deckchen für die mittlere Lage in 12 gleiche Teile. Die Markierung erfolgt auf der Vorderseite.
cozy_7Das Deckchen für die innere (oberste) Lage wird in 6 gleiche Teile unterteilt. Die Markierung erfolgt auf der Rückseite.
cozy_8Die Vorderseiten nach oben, wird der Mittelkreis zentriert auf den großen Kreis gelegt. Beide Teile werden entlang jeder zweiten Linie von Kante zu Kante zusammengenäht.
cozy_9Die innere (obere) Lage wird – mit der Vorderseite nach unten – auf die beiden verbundenen Kreise gelegt. Sie wird so platziert, dass die unbearbeiteten Linien der mittleren Lage und die Markierungslinien der inneren Lage übereinstimmen.
cozy_10Der mittlere und der obere Kreis werden nun entlang der Markierung zusammengenäht. Man beginnt am Rand und näht einwärts. Es ist nicht möglich, beide Lagen bis hin zum Zentrum zusammenzunähen. Man führt die Naht, soweit es geht.
cozy_11Das Teil wird nochmals kurz und schonend gewaschen, um alle Markierungen zu entfernen.
cozy_12Danach wird es gut gestärkt und gebügelt.

Mittels eines Twisters wird eine dünne Kordel gedreht.
Diese wird durch den mittleren Nadelspitzenbogen jeden Teils der oberen Lage gezogen.
cozy_13Die Kordel wird zusammengezogen und zu einer Schleife gebunden. (Wenn man es unauffälliger mag, kann man zum Zusammenziehen auch einen Stickgarnfaden oder ein hübsches, schmales Bändchen verwenden. Oder man hält das Cozy mit einigen kleinen Stichen zusammen.
cozy_14Auch ungefüllt ist das Projekt ein Hingucker.
cozy_15Gefüllt mit verpackten Süßigkeiten wird es der Star jeder Festtafel. So ein Cozy ist auch ein hübsches Geschenk.
cozy_16Um größere Süßigkeiten, wie z.B. Ferrero Rocher Kugeln, aufzunehmen, sollten die Kreise ca. 2 – 3 cm größer sein. Das Bild unten zeigt, wie die größeren Bonbons ein wenig eingezwängt wirken in dem oben beschriebenen Cozy.
cozy_17Nadelspitze zu sticken ist wirklich einfach, und wenn man sie an einem solch hübschen Projekt verwirklichen kann, macht Üben Spaß. Mit Nadelspitze kann man einer Stickerei das gewisse Extra geben. Also scheuen Sie sich nicht, probieren Sie aus!

Schwälmer Nadelspitze – leicht gestickt

Randverzierende Nadelspitzen in ganz unterschiedlicher Ausprägung wurden bereits in vielen
Blogbeiträgen gezeigt, so die pyramidenförmig angeordneten einfachen Nadelspitzenbögen,
nadelspitze_1Pyramidenzäckchen und
nadelspitze_2mehrreihige, einfache Nadelspitzenbögen mit Pyramidenzäckchen und verbundenen Pikots am Rand.
nadelspitze_3Auch Nadelspitze, die aus einer Doppelreihe von Bögen besteht, war zu sehen. Dabei sind zwei nebeneinander liegende Bögen mit einem dritten Bogen verbunden. Über alle drei Bögen spannt sich ein weiterer Bogen, der zusätzlich mit Pikots verziert ist.
nadelspitze_4Drei Reihen doppelter, verbundener Nadelspitzenbögen sowie eine Reihe einfacher Nadelspitzenbögen verzieren das Ärmelbündchen eines traditionellen Schwälmer Mieders.
nadelspitze_5Nadelspitze wurde auch als Randabschluss eine Lampenschirmbezuges gearbeitet. Dazu wurden Nadelspitzenbögen pyramidenförmig (3-2-1) angeordnet. Die Nadelspitzenpyramiden wurden am Schluss mit einer Reihe von Pikots verbunden und eingefasst.
nadelspitze_6Mit einfachen Nadelspitzenbögen wurde eine Kante eines kleinen Beutels bestickt.
nadelspitze_7Drei Reihen einfacher Nadelspitzenbögen mit Pyramidenzäckchen und verbundenen Pikots am Rand zeigt ein traditionelles Schwälmer Mieder (C).
nadelspitze_8Und vierstöckige Pyramiden aus einfachen Nadelspitzenbögen mit Pikots aus Bouillonstichen bilden den krönenden Randabschluss einer prachtvoll bestickten zeitgenössischen Schwälmer Mitteldecke.
nadelspitze_9Diese Auswahl gibt nur einen kleinen Einblick in die Vielfalt der in der Schwalm gebräuchlichen Nadelspitzenverzierungen von Rändern. Die Schwalm hat in Bezug auf Nadelspitzen aber noch viel mehr zu bieten. Denn durch die Kombination oben gezeigter Einzelelemente entstehen immer wieder neue Musterungen. Leider scheuen viele Stickerinnen das Anfertigen von Nadelspitze – dabei ist sie mit einer guten Anleitung wirklich leicht zu sticken.

Hier kommt nun eine solche Anleitung zum Herunterladen. Auf 51 Seiten, unterlegt mit mehr als 200 Bildern, wird die Arbeitsweise Schritt-für-Schritt beschrieben und gezeigt. Nach einer allgemeinen Einführung in das Thema werden Nadelspitzenbögen, Pyramidenzäckchen und Pikots erklärt. Im einzelnen geht es um die Bereiche:

Einfache Nadelspitzenbögen
Doppelte Nadelspitzenbögen
Mehrreihige Nadelspitzenbögen
Pyramidenförmig angeordnete Nadelspitzenbögen
Einfache Schlingstich-Pyramidenzäckchen
Unterlegte Schlingstich-Pyramidenzäckchen
Unterlegte Knopflochstich-Pyramidenzäckchen
Gewickelte Knopflochstich-Pyramidenzäckchen
Einfache Knopflochstich-Pyramidenzäckchen
Pyramidenzäckchen in Nadelspitzenbögen
Pikots aus Bouillonstichen
Pikots aus Knopfloch- oder Schlingstichen – auch verbundene Pikots genannt.

Weiterhin werden historische Schwälmer Nadelspitzen aus mehreren Jahrhunderten gezeigt. Die Auswahl gibt einen Einblick in die enorme Mustervielfalt. Ich habe meine Schatzkiste für Sie ein großes Stück weit geöffnet. Bei genauer Betrachtung der Bilder werden Sie viele unterschiedliche Gestaltungselemente entdecken, darunter sehr seltene.

nadelspitze_10_titel-englisch
51 Seiten
211 Bilder
21,6 MB Dateigröße
Text: deutsch
25,00 EUR
zum download

Natürlich können Sie diese Publikation auch als Printversion erhalten – zum Kaufpreis von 25,00 € (inklusive 7 % Mehrwertsteuer) zuzüglich Versandkosten. Diese Option ist nicht in meinem Shop enthalten. Bitte senden Sie mir bei Bedarf eine E-Mail mit Ihrer diesbezüglichen Anfrage.

Eine bildhübsche Schwälmer Mitteldecke

Eine besonders schöne und reich bestickte runde Decke ist Gegenstand dieses Beitrages. Das Konturenmuster von Anna Elisabeth Grein mit seinen großen Motiven bietet Flächen, die sich gut für ansprechende traditionelle Füllmuster eignen. Einige davon sieht man sehr selten.
her_1Die kleine Decke hat einen Durchmesser vom 60 cm (ohne den Nadelspitzenrand). Sie wurde auf 16/18-fädigem altem, handgewebtem Leinen gearbeitet. Die Nadelspitze am Rand besteht aus vierstöckig pyramidenförmig angeordneten einfachen Nadelspitzenbögen, die mit Pikots aus Bouillonstichen eingefasst sind.
her_2Die Bilder wurden aufgenommen, bevor die Stickerei gewaschen wurde. So sind die Details der Stiche besonders gut zu sehen.
her_3In der oben gezeigten Tulpe findet sich eine Kombination aus Flächenfüllmuster Nr. 447 und Kreuznahtstichen “Falscher Röserich” (Bilder 1–12).
Auch innerhalb des Kreismotives wurde ein bereits in diesem Blog beschriebenes Flächenfüllmuster gestickt, Nr. 473.
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Es sprengt den Rahmen eines Blogbeitrages, alle Füllmuster detailliert zu erklären. So lasse ich die Bilder für sich sprechen. Genießen Sie die genaue Betrachtung!
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Ein niedliches Flechtkranz-Deckchen

Das Design mit einem Durchmesser von 18 cm wird auf 16-fädigesLeinen gebügelt. (Wenn Sie das Muster haben möchten – zwei Variationen in jeweils drei Grössen für 10,00 € per E-mail– , senden Sie mir bitte eine Nachricht.)

Die Linien werden mit Knötchenstichen unter Verwendung von Vierfachstickgarn Nr. 20 überdeckt.
flechtkranz_1Bitte spannen Sie auf der Rückseite keine Fäden über die Kreuzungen – vernähen Sie die Fäden.
Denn Spannfäden würden am Ende sichtbar sein und den Gesamteindruck der schönen Stickerei stören.
flechtkranz_2Mit Vierfachstickgarn Nr. 20 werden Kettenstiche in geringer Entfernung zu den Knötchenstichen am Außenrand entlang gestickt.
flechtkranz_3Ebenfalls mit Vierfachstickgarn Nr. 20 werden die Kettenstiche dicht mit Schlingstichen überdeckt.
flechtkranz_4Entlang der Ränder der kleinen Flächen zwischen den Linien werden mit Vierfachstickgarn Nr. 30 Kettenstiche gestickt.
flechtkranz_5Innerhalb dieser kleinen Flächen werden Fäden ausgezogen, um ein lichtes Muster arbeiten zu können.
flechtkranz_6Mit Vierfachstickgarn werden Grundstiche in das entstandene Gitter gestickt. Es ist darauf zu achten, dass die Stiche in allen kleinen Flächen in der gleichen Richtung gearbeitet werden.
flechtkranz_7Die fertige Stickerei wird gewaschen, gestärkt und gebügelt.
flechtkranz_8Dann wird das Motiv ausgeschnitten.
flechtkranz_9Das Ergebnis ist ein wunderschönes kleines Deckchen. Das gleiche Muster kann in vielen unterschiedlichen Größen gearbeitet werden. Zusätzlich sind noch Variationen möglich.
flechtkranz_10Vor Jahren habe ich eine eckige Mitteldecke mit einem ähnlichen Muster bestickt. Zwischen die doppelten Linien des Flechtkranzes habe ich eine blaue Linie mit Kettenstichen eingefügt.
flechtkranz_11Auf einer farblich passenden Unterdecke sieht die Stickerei sehr edel aus.
flechtkranz_12Und mit passendem Geschirr und Servietten ruft sie die Bewunderung aller Gäste hervor.
Komplimente sind Ihnen sicher!

Historische Schwälmer Miederärmel-Stickerei (C)

Die traditionelle Stickerei des Schwälmer Mieders (C) ist nicht so aufwändig wie die Borten des Schwälmer Mieders (A) und des Schwälmer Mieders (B).
Das verwendete Leinen ist 21–24-fädig. Das Bild zeigt die komplette Stickerei in einer Fotomontage.
mieder_c_1Die Fläche zwischen Nadelspitze und Stopfhohlsaum ist 7 cm breit. Sie ist nicht vollständig mit Weißstickerei ausgefüllt.
mieder_c_2Für den Stopfhohlsaum wurde ein 7-stufiges Zick-Zack-Muster – auch A-Muster genannt – gewählt. Nähere Informationen über Stopfhohlsäume – die verschiedenen Arten und die unterschiedlichen Arbeitsweisen – finden sich in meinem Buch Randabschlüsse.
mieder_c_3Den Abschluss des Ärmelbündchens bildet Nadelspitze, die aus drei Reihen einfacher Nadelspitzenbögen mit Pyramidenzäckchen besteht und durch verbundene Pikots begrenzt wird.

Zwischen Stopfhohlsaum und Nadelspitze blieb ein Leinenstreifen unbestickt. Daran anschließend wurde eine Borte mit Schwälmer Weißstickerei gefertigt. Bei genauer Betrachtung wird man die vielen Spiralen wahrnehmen, die die Räume zwischen den Motiven füllen.
mieder_c_4Die Tulpe wurde mit dem Muster 2 kurz-2 lang umgeben.
Die Fläche wurde mit einem lichten Muster mit Grundstichgitter gefüllt. In das Gitter wurde ein Stopfstichmuster eingestickt.
mieder_c_5Der Kreis wurde mit geschnürten Messerspitzen aus umgeben. Die Fläche wurde mit einem lichten Muster mit Grundstichgitter gefüllt. In das Gitter wurde ein Sternmotiv eingestopft. Es fällt auf, dass dazu sehr dickes Garn verwendet wurde und die Kästchen des Grundstichgitters nicht sehr dicht mit Stichen ausgefüllt wurden.

Das Sternenmotiv ist auch geeignet, eine weitere Stickerei zum Schmücken des Weihnachtsbaumes anzufertigen.
mieder_c_6Das Herz ist mit Schnürlochbögen umgeben. Die Fläche wurde mit einem Limetmuster aus Wickelstichen gefüllt. Es fällt auf, dass ausgerechnet das Mittelmotiv nicht spiegelbildlich bestickt wurde, während die beiden kleinen Blätter unterhalb spiegelbildlich angeordnete Muster bekamen. Sie sind gefüllt mit einem lichten Muster ohne Grundstichgitter. Rosenstiche wurden in die Flächen gearbeitet. Die Räume zwischen den Motiven sind dicht bestickt.