Flächenfüllmuster Nr. 583

Kategorie: einfaches Durchbruchmuster
verwendetes Leinen: 13.5-fädig
verwendetes Garn: Vierfachstickgarn Nr. 20
angewandte Stiche: Mückenstiche
horizontale Mitte: Fadenrinne

Zuerst entfernt man den mittleren Gewebefaden in der Richtung, in der das Muster später laufen soll.

Von der entstandenen Fadenrinne ausgehend lässt man jeweils 5 Gewebefäden stehen und zieht einen Gewebefaden aus.

Erneut von der mittleren Fadenrinne ausgehend überspringt man eine 5-Faden-Gruppe und zieht den mittleren der nächsten 5-Faden-Gruppe aus.

Dann überspringt man jeweils zwei 5-Faden-Gruppen und zieht den mittleren der nächstfolgenden 5-Faden-Grupe aus.

Dadurch entsteht ein Wechsel aus jeweils zwei 5-Faden-Gruppen mit jeweils zwei 2-Faden-Gruppen.

In der Mitte beginnend (hier um 90° gedreht), arbeitet man nun Mückenstiche über 6 Gewebefäden in der Breite,

sowohl über die 5-Faden-Gruppen

als auch über die 2-Faden-Gruppen.

Durch den Wechsel jeweils zwei hoher und zwei flacher Mückenstichreihen entsteht ein interessantes, leicht zu stickendes Streifenmuster. Dies kann man – je nach gewünschter Wirkung – sowohl horizontal

als auch vertikal gut einsetzen.

Dieses Muster hat Yasuko Kobayashi aus Japan gestickt. Sie hat auch erlaubt, dass ich es hier zeigen darf.
Herzlichen Dank für´s teilen, liebe Yasuko!

Siehe auch: Schwälmer Stickereien – zu Hause in aller Welt

Museum digital (1) – Tulpen-Mustertuch

Museum digital (1) – Tulpen-Mustertuch

Schon seit vielen Jahren habe ich überlegt, wie ich es Stickerinnen ermöglichen kann, meine Ausstellung zu sehen, ohne nach Eschwege anreisen zu müssen.
Die Filme auf meiner Website können einen Eindruck vermitteln. Details der Stickereien kann man den Aufnahmen aber nur schwerlich entnehmen. Nun habe ich einen Weg erarbeitet, der genau dies ermöglicht.
Herausragende Stücke werden durch viele Detailfotos dokumentiert. Zu jedem Foto gibt es eine Beschreibung.
Das Pilotprojekt ist mein Tulpen-Mustertuch. Wenn es erfolgreich startet, plane ich weitere solcher Projekte mit hervorragenden und interessanten Stickereien, sowohl überlieferten als auch zeitgenössischen.
Vieles stelle ich auf meiner Website kostenlos zur Verfügung. Doch diese muss unterhalten, betreut und aktualisiert werden. Die Kosten dafür trage ich.
Daher bitte ich um Verständnis, wenn ein derart zeitaufwändiges Projekt wie „Museum digital“ einen Preis hat – allerdings einen geringen.
Dafür erhalten Sie im Gegenzug für das „Tulpen-Mustertuch“ 86 hochauflösende Fotos, die Sie in aller Ruhe betrachten und auf denen Sie jede Einzelheit erkennen können. Dazu gibt es eine 22seitige Beschreibung. Mit der Bestellung verpflichten Sie sich, die Fotos nicht weiterzugeben oder in irgendeiner Weise zu veröffentlichen.

Museum digital (1)
Tulpen-Mustertuch
86 Fotos
22 Seiten DIN A 4
Text: deutsch
23 MB Dateigröße
5,00 €
zum Shop

Kleines Schwälmer Motiv (1)

In dem Beitrag Handgewebtes Leinen (F I) im Test habe ich ein kleines Schwälmer Motiv gestickt.

Das Herz wurde mit Flächenfüllmuster Nr. 554 gefüllt.

Die Tulpe hat Waffelstiche als Verzierung erhalten.

Der Flügel des Vogels wurde mit umwickelten Kettenstichen und Spannstichen bestickt, der Vogelbauch mit Hexenstich-Schlängchen.

Das Konturenmuster stelle ich Ihnen als Handzeichnung zum Herunterladen zur Verfügung.

Handgewebtes Leinen (F I) im Test

Zur Zeit teste ich mal wieder altes, handgewebtes Leinen auf seine Tauglichkeit für die Schwälmer Weißstickerei.

Handgewebtes Leinen ist der ideale Grundstoff für die Schwälmer Weißstickerei. Auf diesen überlieferten Geweben entfaltet die Stickerei eine plastischere Wirkung als auf industriell gewebtem Leinen, wie der Vergleich der Stickerei des gleichen Musters auf den beiden Untergründen zeigt.

Auch wenn die Fotos nicht sehr gut und klar sind, erkannt man doch den Unterschied der Entfaltung der Stickerei zwischen dem industriell

und dem handwerklich gefertigten Gewebe.

Aber es gibt riesengroße Unterschiede in der Qualität der handgewebten Leinen. Viele der heute noch zu findenden Stoffe sind völlig ungeeignet.
Daher empfiehlt es sich, vor dem Beginn eines größeren Projektes das Leinen zu testen. Wenn die anfänglichen Proben positiv verlaufen sind, sollte man die weiteren Eigenschaften durch eine kleine Probestickerei unter die Lupe nehmen.

Achten kann man dabei zum Beispiel auf folgende Punkte:
1. Erscheinungsbild allgemein – Breite; Originalzustand oder schon gewaschen?; Häufigkeit von Verdickungen und Gewebefehlern
2. Erscheinungsbild der Gewebefäden
3. Flecken
4. Fühlprobe
5. Gleichmäßigkeit des Gewebes
4. Fadenauszug
6. Gleiten der Nadel

Das Leinen befindet sich im Originalzustand des Ballens, zu dem es nach der Fertigung vernäht wurde. Es hat glatte Webkanten und zeigt an zwei Stellen die Stiche, die zum Vernähen des Ballens gesetzt wurden. Dort bleiben nach Auftrennen der Stiche ca. 2,5 cm tief zur Gewebemitte hin größere Löcher sichtbar – das sind aber nur kleine Stellen auf dem insgesamt großen Stoffstück.

Am Anfang und Ende des Ballens müssen ca. je 100 cm abgeschnitten werden, da das Leinen dort zu sehr verzogen ist.
Das Leinen ist 70 cm breit – eine für handgewebtes Leinen gewöhnliche Breite.
Es fühlt sich fest, aber nicht zu steif an. Ich würde den Griff mittel-fest nennen.

Das Leinen zeigt starken Liegeschmutz an der Falte und (meist leichtere) Flecken über die gesamte Fläche. Auch das ist üblich für Leinen, das viele Jahrzehnte gelagert wurde.

Bei einer kurzen Waschprobe verschwanden all diese Verschmutzungen.

Die folgenden Aufnahmen zeigen starke Vergrößerungen und dadurch erscheinen auch die genannten Beeinträchtigungen schlimmer, als sie in Wirklichkeit sind.

Das Gewebe ist sehr dicht, die verwendeten Fäden unterschiedlich dick. So zähle ich 15 bis 18 Kettfäden und 17 bis 20 Schussfäden pro Zentimeter.

Meist sind die Fäden klar voneinander abgegrenzt – ein Zeichen, dass sie sich gut ausziehen lassen.

Es gibt aber auch Stellen mit Verfilzungen.

Hin und Wider (vielleicht einmal pro Meter) findet man Fadenverdickungen

und auch Webfehler.

Der Kettfaden hat sich relativ gut und ohne zu reißen, ausziehen lassen. Beim Ausziehen der Schussfäden rissen diese meist nach ca. 3 bis 5 Zentimetern.

Um das Leinen beim Sticken zu testen, wird ein kleines Motiv (18 cm x 11,5 cm) aufgebügelt und bestickt.

Da das Leinen sehr dicht gewebt ist, kann die Nadel nicht ganz mühelos durch den Stoff gleiten. Doch nach wenigen Stichen hat man sich daran gewöhnt. Das Sticken auf handgewebtem Leinen ist meist etwas anstrengender als das auf industriell gefertigtem.

Der Fadenauszug in den Motivflächen gelang gut. Allerdings musste ich hierbei eine Lupe benutzen.

Das Limet-Fadengitter erscheint trotz der unterschiedlichen Gewebefadendicke relativ gleichmäßig.

Man kann in die vergleichsweise kleine Herzfläche von 4 cm Breite doch viele schöne Füllmuster sticken.

Die Dichte des Leinens erlaubt präzise Oberflächenstickerei.

Die kleine Stickerei kommt auf dem Leinen gut zur Geltung.

Alle Flecken sind restlos verschwunden. Der Webfehler fällt nicht ins Auge und die Fadenverdickungen stören das Gesamtbild nicht. Eine etwas unregelmäßige Struktur ist typisch für handgewebtes Leinen und macht den Reiz des Gewebes aus.

Siehe auch:
Verkaufe handgewebtes Leinen (1)
Eignungstest von Gewebe für Schwälmer Weißstickerei
Leinen: Gewebe aus Flachs-Fasern
Fehler im Leinen – was tun?

Eine besondere Stoffverbindung

Kürzlich hielt ich ein besonderes Stück in Händen. Bei dem mit 1843 datierten Teil handelt es sich wohl um ein Hochzeitsbettlaken, worauf die Buchstabenkombinationen links – C C H L – und rechts – A C H L – der Krone hindeuten. C und A stehen als Anfangsbuchstaben der Vornamen und C H L ist ein Kürzel des Nachnamens.

Zwar habe ich das Tuch aus der Schwalm, Schriftart und Krone sind aber nicht schwalmtypisch. Ein paar besondere Stickereien veranlassen mich, die Einzelheiten hier dennoch vorzustellen.

Für den für Betrachter sichtbaren Teil des Tuches, der über die vordere Bettkante hing und mit Krone, Namenskürzeln und Jahreszahl versehen ist, wurde feinstes 21-fädiges Leinen verwendet.
Die Unterkante ist mit einem zwei Zentimeter breiten Stopfhohlsaum mit einem Blockmuster verziert.

An den Seitenteilen findet man einen eineinhalb Zentimeter breiten Würfelhohlsaum.

Da die Bahnen handgewebten Leinens meist weniger als einen Meter breit waren, mussten mehrere Bahnen aneinander gesetzt werden.
Für den für Betrachter nicht sichtbaren Teil wurde wesentlich gröberes, nämlich 15/16-fädiges Leinen gewählt.

Eine Besonderheit, die ich bis dahin noch nicht gesehen hatte, sind die Verbindungsstiche in der Art eines Stopfhohlsaumes.

Der Abstand beider Stoffbahnen beträgt ca. 8 mm. Von einer Stoffbahn zur gegenüberliegenden wurden dicht nebeneinander 3 Fäden gespannt und dann bis zur Hälfte mit Stopfstichen versehen. Dann wurde der Faden – und dies ist das besondere – zum nächstgelegenen fertigen Stopfsteg und dort in der Mitte um den ersten Spannfaden geführt. Auf dem Rückweg zum begonnenen Stopfsteg wurde der Arbeitsfaden umwickelt. Dann wurde der Steg fertig gestopft. Er hat eine Breite von ca. 3 mm. Im Abstand von ca. 4 mm wurde der nächste Stopfsteg begonnen.

Ungewöhnlich sind auch die waagerechten Verbindungen zwischen den mehrstufigen Stopfstegen des Hohlsaums mit Blockmuster an der Unterkante.

Siehe auch:
Möglichkeiten des Zusammensetzens schmaler Leinenbahnen (1)
Möglichkeiten des Zusammensetzens schmaler Leinenbahnen (2)
Wie stickt man den verflochtenen Kreuznahtstich?